Seit Anfang Dezember ist mit „Trinity“ das bislang größte Update für die Weltraum-Saga „EVE Online“ verfügbar. Mit im Paket: ein komplett neues Grafik-Gewand für das bald fünf Jahre alte MMORPG, inklusive moderner Effekte und vieler kleiner Neuerungen am Gameplay. Grund genug für uns, auf die Veränderungen durch die Mega-Erweiterung einzugehen und denjenigen, denen „EVE Online“ nichts sagt, den außergewöhnlichen Titel etwas näher zu bringen.

Eve Online - Lifeblood Feature Tour

Stellt Euch folgende Situation vor: In „World of Warcraft“, „Everquest“ oder „Star Wars: Galaxies“ fändet Ihr Euch nach einem harten PVP-Kampf plötzlich in Eurer Ausgangsbasis wieder, ohne Eure Ausrüstung und Eure Inventargegenstände. Oder um das Ganze noch zu verschärfen: Kurz vor Eurem Abgang erhaltet Ihr eine Nachricht, in der Euch Euer Opponent fragt, wie viel Ihr bereit seid zu zahlen, um Eure Gegenstände zu behalten.

Eve Online: Trinity - Auf Hochglanz poliert: Bietet das neueste EVE-Update mehr als nur schicke Grafik?

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Wie im Weltraum wird der Spieler auch in den Stationen durch sein Schiff repräsentiert.
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Während in genannten Titeln die Spielergemeinde Sturm gegen den Entwickler laufen würde, sind solche Ereignisse in „EVE Online“ an der Tagesordnung. Denn das gewaltige SciFi-Universum wird beinahe ausschließlich von seinen menschlichen Bewohnern vor den PC-Monitoren kontrolliert und gesteuert. Ob Handel, Kampf oder Diplomatie – die vielen NPCs spielen hier kaum eine Rolle. Und trotzdem – oder gerade deswegen – funktioniert der Titel hervorragend und wächst seit seinem Erscheinen 2003 hinsichtlich Umfang, Spielangebot und vor allem Abonnentenzahlen gewaltig.

Alle in einem All

Gerade letztgenannte Entwicklung stellt dabei für den isländischen Entwickler CCP eine echte Herausforderung dar. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen MMOGs befinden sich in „EVE Online“ sämtliche Spieler auf einem einzigen Server. So kommt es immer wieder zu erstaunlichen Zahlen an gleichzeitig aktiven Zockern im All. Der aktuelle Rekord: 41.668 am 9. Dezember 2007. Zum Vergleich: In anderen gängigen MMORPGs wie etwa „World of Warcraft“ befinden sich lediglich einige tausend Spieler auf einem gemeinsamen Server.

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Zwar bauen die Entwickler laufend neue NPC-Missionen ein, trotzdem kommt es immer wieder zu Wiederholungen.
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Nun wollen wir an dieser Stelle jedoch nicht in eine endlose Lobeshymne über den fraglos sehr speziellen Titel verfallen. Denn gerade die erwähnten Vorteile bringen auch Probleme mit sich. So ist gerade für Neulinge der Einstieg in das MMORPG äußerst schwer. Schon das Fehlen eines echten Avatars ist für Einsteiger eine erste Hürde. Denn in „EVE Online“ bewegt man sich allein in seinem Schiff durch den Raum, auf den Stationen, an denen man überall andocken kann, sieht man nur den Hangar mit dem eigenen Raumschiff.

Sämtliche Spieloptionen, wie etwa der Markt, der Beitritt zu Firmen oder die eigene Ausrüstung, werden über Menüs dargestellt – vieles bleibt so der Vorstellungskraft des Spielers überlassen. Neben der abstrakten Darstellung des Spielers war in der Vergangenheit zudem das nüchterne und, in Anbetracht der gigantischen Optionsvielfalt, viel zu geringe Tutorial ein für viele Einsteiger kaum zu überwindendes Hindernis. An dieser Stelle sind in den vergangenen Updates – auch in „Trinity“ – deutliche Fortschritte zu spüren.

Mehr Kapitel und ein direkter Einstieg in die Handlung sollen die früher lediglich zu lesende Einführung zugänglicher machen – ein Vorhaben, das bislang nur teilweise gelungen ist. Immer noch muss man nach dem ersten Spielstart zu viele Informationen durch Textpassagen erlangen, anstatt gleich in die Action einzusteigen. Dieses Manko ist jedoch nicht allein dem Tutorial, sondern auch ganz allgemein den PvE-Inhalten des Spiels geschuldet.

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Die Bauwerke im Spiel sind durch das Grafikupdate nun echte Hingucker geworden.
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Denn diese sind zwar vorhanden, wirklich durchdacht sind sie jedoch auch heute noch nicht. Zwar gibt es für sämtliche Gruppen in „EVE“, wie etwa Kämpfer, Forscher, Bergbauer oder Entdecker, Aufgaben von NPCs. Diese ähneln sich jedoch allesamt viel zu sehr und wiederholen sich immerfort. Das Prinzip dahinter: Man sucht sich einen NPC-Vertreter einer NPC-Firma und erfüllt für diesen immer wieder neue Aufträge, bis so das eigene Ansehen beim entsprechenden Konzern hoch genug ist, um für einem höher gestellten Vertreter des Betriebs schwierigere Aufgaben anzugehen.

Nichtsdestotrotz merkt man auch den Missionen ihre Verbesserungen an. So hat man immer mal wieder komplexere Aufgaben zu erfüllen, etwa die Verfolgung von Terroristen durch viele hintereinander liegende Raumbereiche. Letztlich sind es jedoch die spielergesteuerten Firmen, die die wirklich interessanten Inhalte und Entwicklungen im Spiel bereitstellen. Allianzen, Konflikte und Kriege um ressourcenreiche Raumsektoren sind in diesem Teil von „EVE Online“ an der Tagesordnung.

Haben Sie einen Job?

Und gerade die Firmen profitieren stark von der „Trinity“-Erweiterung. Denn ein verbessertes Managementsystem für Konzerne, eine übersichtliche Verwaltung und Steuerung von Schlachtverbänden und das bereits im Vorfeld des Updates eingeführte Voicesystem machen es den Managern und Generälen der Unternehmen leichter, die Kontrolle zu behalten.

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Für weite Strecken bedient man sich der vielen Sprungtore, um auf Warpgeschwindigkeit zu kommen.
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Für einzelne Spieler hingegen bietet „Trinity“ mehrere neue Raumschiffe, wie etwa die Frachter mit Sprungsystem. Während andere Schiffe für Warpsprünge die an vielen Stellen verfügbaren Sprungtore nutzen müssen, können diese gewaltigen Transporter von überall auf Warpgeschwindigkeit gehen. Gerade in Systemen mit niedriger Sicherheitsstufe ist dies für Logistiker ein Segen.

Zur Erklärung: Jedes System in der Welt von „EVE“ hat eine Einstufung von 1.0 bis 0.0. Während die polizeiliche Präsenz in Systemen mit der Stufe 1.0 extrem hoch ist und man so kaum Gefahr läuft von Piraten oder anderen feindlich gesinnten Piloten belästigt zu werden, kann selbst das Durchqueren im Warpsprung von 0.0-System schon den eigenen Abschuss bedeuten. Wer also auf Sightseeing-Tour durch die gesamte Spielwelt gehen möchte, sollte sein Raumschiff entweder gut versichern oder nur in einer Notkapsel auf die Reise gehen.

Dabei sind solche Touren gerade seit „Trinity“ eine echte Verlockung. Denn mit der Generalüberholung der Grafikengine erstrahlt der Titel in neuem, zeitgemäßem Glanz. So wurden sämtliche Schiffe, Raumstationen, Sprungtore und Bauten vollkommen neu texturiert und dank zudem hinzu gekommener toller Schatten- und Beleuchtungsmodelle sind sie nun echte Hingucker. Fliegt man auf helle Sterne zu, wird man jetzt durch HDR-Effekte geblendet. Spieler, die keine aktuelle Hardware im heimischen Rechner schlummern haben, dürfen allerdings weiter auf den alten Spielclient zugreifen.

Wem die Verbesserungen hingegen noch nicht weit genug gehen, der darf sich auf das geplante DirectX-10-Update für Vista-Nutzer freuen. Linux- und Mac-Anhänger können bereits seit November auf entsprechende Spielfassungen zugreifen. Für alle Varianten gilt: Der Spielclient ist frei auf der offiziellen Webseite downloadbar, Einsteiger dürfen 14 Tage kostenlos ins All durchstarten.

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In den Kämpfen wählt man Ziele aus und reagiert mit den durch die eigenen Module verfügbaren Offensiv- und Defensivaktionen.
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Durchstarten möchte Entwickler CCP mit seinem Baby auch weiterhin. So sind für die Zukunft bereits gewaltige Neuerungen für „EVE Online“ geplant. Die nächsten dürften die tiefergehenden Konflikte zwischen den verschiedenen Fraktionen im Spiel sein, in die der Spieler dann massiver eingreifen können soll, sowie begehbare Stationen und damit dann wohl auch echte Avatare. Mit der Zeit sollen diese dann sogar die unzähligen Planeten bereisen und begehen können.

Bei derart ambitionierten Entwicklungen bleibt jedoch zu hoffen, dass man in Island auch die neuen Spieler nicht vergisst und ihnen den Einstieg in die raue Welt von „EVE Online“ weiter vereinfacht. Dann jedenfalls dürften weitere Serverrekorde nur eine Frage der Zeit sein.