Vor einigen Jahren war das EVE Fanfest in Reykjavík noch eine Veranstaltung, die man allenfalls mit einem Nischenspiel und ein paar unverbesserlichen Fans in Verbindung gebracht hat. Mittlerweile jedoch schielt die gesamte Branche mit einer Mischung aus Respekt und Neid auf den kleinen Publisher aus Island, der es immer wieder schafft, die isländische Hauptstadt aus allen Nähten platzten zu lassen.

Der Winter naht

Wer zum ersten Mal in oder auf Island landet, der reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, ob der Pilot nicht irgendwo eine falsche Abzweigung genommen hat und versehentlich auf dem Mond aufgesetzt hat. Der Flughafen liegt mitten im Nirgendwo und während der langen Fahrt nach Reykjavík sieht man auch nicht viel mehr, als Armstrong und Kollegen während ihrer Mondfahrt zu sehen bekamen. Kein Wunder, also dass regelmäßig als Kulisse für die Szenen “hinter der Mauer” in Game of Thrones herhalten muss.

Wiped! - Die MMO-Woche - Frisch vom EVE-Fanfest: gamona - beyond the wall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 203/2071/207
Hallo, ist da jemand? Wo gehts denn hier zum Fanfest?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und doch zieht es nicht nur mich immer wieder in den unwirtlichen Norden, sondern auch 1.499 andere, an EVE - und mittlerweile auch an Dust und Valkyrie interessierte Besucher. Und wer weiß, wie viele mehr es wären, stießen Reikjavík mit seinen nur 119.547 Einwohnern und das Konzerthaus Harpa als Austragungsort nicht schon jetzt an sämtliche Kapazitätsgrenzen.

Packshot zu Eve OnlineEve OnlineErschienen für PC

Internet spaceships are serious business - und in Island wichtiger als Streik!

Für die Stadt ist das Fanfest längst zu einer Institution geworden. 1.500 Besucher, von denen nicht wenige ihre Angehörigen mitbringen und nach dem Fanfest noch eine Woche Urlaub dranhängen, sind für ganz Island ein lukratives Geschäft. So lukrativ, dass CCP als wahrscheinlich einziger Schlichter der Welt das isländische Flughafenpersonal dazu bewegen konnte, den Streik, der gerade in seine heißeste Phase getreten war, für ein paar Tage zu unterbrechen und brav die Fanfest-Besucher abzufertigen.

Wiped! - Die MMO-Woche - Frisch vom EVE-Fanfest: gamona - beyond the wall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 203/2071/207
Streik am Flughafen? Kein Problem - CCP macht den Weg frei.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Letztere wurden in diesem Jahr übrigens schon einen Tag vor dem Fest auf eine ganz besondere Art belohnt: Am Hafen von Reykjavík enthüllte CCP das versprochene Monument - eine Skulptur, auf deren Fundament sich die Namen aller zum Zeitpunkt des Baus aktiven EVE-Spieler finden. Über 500.000 sind das mittlerweile und für mich selbst mit digitaler Suchhilfe zu viele, um selbst auf die Platten zu kriechen und irgendwo meinen Namen ausfindig zu machen.

Wiped! - Die MMO-Woche - Frisch vom EVE-Fanfest: gamona - beyond the wall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 203/2071/207
Auf diesem Monument wird man noch so manchen EVE-Fan herumkriechen sehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mein erstes Denkmal

Doch ich vertraue mal darauf, dass CCP ihn nicht vergessen hat und bemerke selbst als bekennender Kunstbanause, wie mich die ganze Sache, in die natürlich auch der urige Bürgermeister Jón Gnarr involviert ist, durchaus ein wenig berührt. Eine Statue hat mir zu Ehren noch niemand errichtet und sollte ich jemals Enkelkinder haben - ich werde ihnen eine Reise nach Island spendieren, damit sie nach den Spuren suchen können, die ihr nerdiger Großvater in der Weltgeschichte hinterlassen hat.

Bis dahin wird dann wohl auch das Notebook wieder ausgegraben worden sein, das CCP demnächst ins Fundament des Kriegerdenkmals einlassen will. Es enthält Geschichten, Träume und Wünsche der Community von EVE Online und soll pünktlich zum Fanfest 2039 ausgewertet werden, damit unsere Sprösslinge über die Anfänge eines Projekts und dessen erste Unterstützer schmunzeln können. Ein Projekt, das “erst” zehn Jahre hinter sich und noch einen langen Weg vor sich hat.

25 weitere Videos

Tod den Vampiren!

Auf genau diesen Weg will sich CCP - das scheint in diesem Jahr eine Art Mantra zu sein - in Zukunft konzentrieren - und zwar ausschließlich. Dass dafür hier und da ein paar Tränchen fließen, nimmt man in Kauf. Bei den Fans von World of Darkness zum Beispiel, die sich kaum um Internet Spaceships scheren, sondern sich lieber als Vampire die Nächte in World of Darkness um die Ohren geschlagen hätten. Die Untoten allerdings sind für CCP endgültig gestorben. Die Zukunft gehört allein den Unsterblichen von New Eden.

Wiped! - Die MMO-Woche - Frisch vom EVE-Fanfest: gamona - beyond the wall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 203/2071/207
Wieder hat CCP das Harpa gemietet, vorgeblich Bjorks Konzerthalle, in Wirklichkeit aber ein Raumschiff, das zum Fanfest 2039 ins All starten wird.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Den Besuchern vom Fanfest 2014 ist das bemerkenswert recht. Mit wem ich auch spreche - die Community scheint geschlossen hinter der Entscheidung des Publishers zu stehen und man wirkt sogar erleichtert, dass CCP den Klotz am Bein endlich abgeschüttelt und das Fanfest von diesem seltsamen Fremdkörper bereinigt hat. Mehr Platz also für die Vision von New Eden, stellt CEO Hilmar Veigar Pétursson fest und erntet frenetischen Beifall.

Aufs falsche Pferd gesetzt

Die Vision beschränkt sich derweil längst nicht mehr auf EVE Online, sondern hat gleich doppelten Zuwachs bekommen. Da wäre einerseits der PS3-Shooter Dust 514, der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde und bei Presse und Community gleichermaßen schlechter ankam, als er eigentlich ist. Dabei liegt der Grund für die miese Resonanz vorrangig in der Wahl der PlayStation 3 als exklusiver Plattform. Konsolenspieler, das hat mittlerweile auch CCP gemerkt, sind schlicht das falsche Publikum.

25 weitere Videos

Entsprechend richtet man mit EVE Valkyrie auch sein zweites Nebenprojekt wieder ganz auf den PC und auf seine Stammspieler aus. Und zwar auf jene, die hin und wieder mal selbst ins Cockpit steigen und einen beherzten Dogfight hinlegen wollen. Das geht nur mit Oculus Rift oder wahlweise Sonys Alternative Project Morpheus auf der Nase und mit ordentlich Hardware im Rechenknecht.

EVE Valkyrie  - sie wollten doch nur spielen

Dieses Vergnügen hatte ich im Ansatz bereits auf dem Fanfest im vergangenen Jahr. Damals war Valkyrie nicht mehr als eine Tech-Demo. Es war eine Spinnerei, an der ein paar Entwickler von CCP während ihrer freien Zeit gebastelt hatten, weil sie mal ausprobieren wollten, was man mit diesen seltsamen VR-Helmen so alles anstellen kann. Das Ergebnis war dann aber unerwartet beeindruckend, sodass die Fans unbedingt mehr wollten.

Mittlerweile ist die zweite Generation von Oculus Rifts Prototypen da, CCP hat ein komplettes Studio in England für Valkyrie eingerichtet, ein Team zusammengestellt , EA einen namhaften Chefentwickler abgejagt und eine echt harte Kampfpilotin rekrutiert. Das Ergebnis: ein in mehrfacher Hinsicht neues Spielerlebnis auf zwei Geräten, von denen mindestens einem die Zukunft gehört.

Ausblick - erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!

Welches das sein könnte und wie diese Zukunft aussehen mag, darüber werdet ihr in den nächsten Tagen noch zu lesen bekommen. Noch ist das Fanfest nicht vorbei. Noch hocke ich zwischen Hunderten von Fans. Noch habe ich einige Dogfights, Flüge und Kämpfe vor mir. Noch stehen die großen Keynotes an, in denen CCP ein paar krasse Sachen enthüllen wird.

25 weitere Videos

Sachen, über die ich an dieser Stelle gerne schreiben würde, jedoch nicht schreiben kann. Denn ich habe diesen ziemlich durchgeknallten Isländern mein Wikingerehrenwort gegeben. Wer das bricht, muss den Rest seines Daseins im Land “beyond the wall” fristen - bei Brennivín, fermentiertem Hai, rohem Wal, gequirltem Papageitaucher und Schafshoden. Wer’s nicht glaubt, kann gerne herkommen und mitessen.