Mit EVE Online hat der kleine isländische Publisher CCP, wovon man in vielen großen Häusern träumt: ein stabiles Nischen-MMO, das wenig kostet und vergleichsweise ordentliche Gewinne abwirft. Doch in dieser rasanten Branche wäre es töricht, sich auf ein einziges Produkt zu verlassen und so ist CCP schon lange auf der Suche nach einem zweiten Standbein und bereit, dafür das Tor zur Zukunft aufzustoßen.

Es klang nach dem ganz großen Wurf, als der isländische Publisher CCP anno 2006 urplötzlich den ins Straucheln geratenen Publisher White Wolf aufkaufte und ankündigte, ein MMORPG zum beliebten Rollenspiel World of Darkness entwickeln zu wollen. Eine Sandbox wie EVE Online, nur mit mächtigen Vampir- und Werwolfclans, die um die Herrschaft über Großstädte streiten, in denen die dort lebenden Menschen nichts weiter sind als wandelnde Blutreserven.

Gefährliche Bequemlichkeit

Fast neun Jahre warteten wir auf dieses Spiel, mit dem sich CCP aus der ebenso bequemen wie gefährlichen Abhängigkeit von EVE Online befreien wollte, bis der Publisher die Arbeiten an dem Projekt im April 2014 kurzerhand einstellte und sich von White Wolf trennte. Der Aufschrei in der Fangemeinde war riesig und CCP musste mächtig Kritik einstecken, einen Traum zerstört zu haben.

EVE Fanfest - Mehr als EVE: Wie Entwickler CCP mit neuen Spielen das Tor zur Zukunft aufstoßen will

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 197/1991/199
Vom Traum zu Albtraum: Mit World of Darkness ging CCP gehörig baden. Das Konzept machte schlichtweg keinen Spaß.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und dann war da noch Dust 514, ein Shooter, den man eigentlich mal mit der Sandbox von EVE Online hatte verweben wollen. Voller netter Flausen, die sich in der Praxis nicht ganz so einfach umsetzen lassen wollten, wie man sich das am Reißbrett ersonnen hatte. Zudem war Dust 514 an die längst abgelöste PlayStation 3 gebunden und damit von Beginn an zu einem langsamen Tode verurteilt. All die Mühe, all die Millionen, die man in den Aufbau neuer Produkte gesteckt hatte, waren vergebens. CCP stand wieder da wie zuvor – mit einem gesunden EVE Online, aber ohne Plan B.

EVE Valkyrie – X-Wing und Tie Fighter im Blut

Wobei es damals durchaus schon einen Hoffnungsschimmer gab. Irgendwann nämlich hatten ein paar CCP-Mitarbeiter den Prototypen eines VR-Headsets im Studio entdeckt. Das Ding war schon ziemlich cool mit all seinen theoretischen Möglichkeiten. Jedoch gab es zu diesem Zeitpunkt keine einzige brauchbare Anwendung für den futuristischen Helm. Doch wozu war man denn Entwickler geworden?

Das dachten sich die Jungs und bastelten kurzerhand eine kleine Raumkampfsimulation unter Unity, die man nichtsahnend der auf dem Fanfest 2013 versammelten Spielerschaft zum Zocken hinlegte. Drei Jahre ist das nun her. Mittlerweile ist EVE Valkyrie erschienen, hat die Unreal Engine 4 und Profis wie Ex-DICE-Mann Owen O’Brien hinter sich, die in einem eigenen Studio mit ordentlichem Budget an dem Titel arbeiten.

EVE Fanfest - Mehr als EVE: Wie Entwickler CCP mit neuen Spielen das Tor zur Zukunft aufstoßen will

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 197/1991/199
Sigurður Gunnarsson war einer jener Entwickler, die vor über drei Jahren die Not zur Tugend machten und ihre eigene kleine Space-Simulation bastelten. Mittlerweile arbeitet er im Studio in Newcastle mit professionellem Team weiter an seinem Traum.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Entsprechend ist EVE Valkyrie nicht nur eines der ersten Spiele, das exklusiv für die VR-Geräte erschienen ist, es ist auch eines der besten. Eine Raumkampfsimulation, bei der ein Hauch von Star-Wars-Feeling aufkommt, was nicht zuletzt daran liegt, dass Sigurður Gunnarsson, einer der Initiatoren des Projekts, großer Fan der altehrwürdigen LucasArts-Simulationen X-Wing und Tie Fighter ist.

Star Wars im Blut

Und genau das merkt man dem brandneuen Spielmodus mit dem zweckmäßigen Titel Carrier Assault auch an. Darin geht es nicht länger darum, die gegnerischen Raumjäger aus dem All zu fegen. Vielmehr gilt es, ein Trägerschiff in eine kleine Sonne zu verwandeln, indem man erst dessen Schildsysteme außer Kraft setzt, um erst die Geschütze und schließlich in bester Skywalker-Manier den Generator im Inneren des Giganten zu zerstören.

Dieser Angriff auf ein Trägerschiff ist nur der Anfang. CCP hat eine Reihe interessanter Spielmodi, Umgebungen und Raumschiffe in der Schublade, die man nach und nach ins Spiel bringen möchte. Und auch technisch glaubt man sich noch nicht am Ende der Innovation angekommen. “Die VR-Geräte werden sich in den nächsten Jahren rasant weiterentwickeln”, gab Sigurður Gunnarsson zu bedenken und er ist davon überzeugt, dass sich das Tor zur Zukunft gerade erst einen Spaltbreit geöffnet hat.

Das lässt hoffen, ist jedoch für CCP aktuell nur bedingt hilfreich, denn noch geht die Verbreitung der horrend teuren VR-Helme viel zu schleppend voran. EVE Valkyrie ist echte Pionierarbeit und wird sich, das steht wohl außer Frage, beständig mit den Geräten weiterentwickeln. Wann es für CCP jedoch auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg und vielleicht zum zweiten Standbein neben EVE Online wird, steht noch in den Sternen.

Gunjack – Valkyrie für Arme

Auch Gunjack wird dazu wenig beitragen, wenngleich es als meistverkaufte VR-App für Samsungs Einsteigersystem Gear VR mit 4,5 Sternen immerhin für einen Achtungserfolg gesorgt hat. Das Spiel ist letztlich ein Arcade-Shooter – quasi das altehrwürdige Galaga in VR-Umgebung. Es macht Spaß für ein paar Runden und ist der Star auf jeder Party.

Es ist nicht weniger als ein erster Ausblick auf die virtuelle Zukunft, aber auch nicht mehr. Hat man sich erst einmal gemerkt, von wo die Feinde in welcher Formation angeflogen kommen, geht die Motivation in den Keller. Gunjack mag nett anzusehen sein, ist in der Praxis jedoch eher ein VR-Teaser für zwischendurch und nicht im Ansatz zu vergleichen mit einem Kaliber wie EVE Valkyrie. In wirtschaftlicher Hinsicht füllt Gunjack also allenfalls CCPs Portokasse.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis: