Wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, hätten wir immer und überall Grund zu meckern: Auf den Pommes ist zu wenig Ketchup, Werbung unterbricht das lustige YouTube-Video, Star Wars hat zu viel Jar-Jar-Binks, Star Trek ist zu wenig Star Wars und Oculus Rift darf ja nun auch niemand mehr ernsthaft wollen. Die Liste kann bis in unendliche Weiten fortgesetzt werden – dabei lohnt sich auch der Blick auf die Dinge, die alles richtig machen wollen: Sushi zum Beispiel. Oder auch Ether One. Die Entwickler White Paper Games haben mit ihrem neusten Werk die Idee von „Inception“ und Spielmechaniken aus „Stanleys Parable“ zu einem Mischmasch vereinigt, der sowohl Rätselfreunde als auch für das schnelle Spiel zwischendurch begeistern soll. Ob das klappt?

Ether One gehört zu der Sorte Spiele, die nach und nach ein neues Genre innerhalb der Videospiellandschaft definieren: Geleitet von einer omnipräsenten (Erzähler)Stimme bewegt sich der Spieler ohne sichtbare Grenzen in einem Raum und kann auf eigene Faust mit den Objekten interagieren. Weder ein Tutorial noch lange Texttafeln oder aufwändig produzierte Zwischensequenzen stellen die virtuelle Umgebung vor, sondern der Spieler persönlich wird zum Fremdenführer seines digitalen Avatars. Spiele wie Portal, Stanleys Parable und Jazzpunk haben das bereits vorgemacht und Ether One möchte diesen Weg nun breittreten. Als erzählerischer Aufhänger dient hierbei ein Universum, das an den Filmhit „Inception“ erinnert.

Ether One - The Restorer TrailerEin weiteres Video

Platzanweiser im eigenen Kopfkino

Man schlüpft in die Haut eines sogenannten „Restorer“ („Restaurator“), dessen Aufgabe es ist, in den Geist seiner Kunden einzudringen, um vergessene Erinnerungen wieder ins Licht des Bewusstseins zu rücken oder Gedächtniskrankheiten wie Dementia rückgängig zu machen. Der Job gestaltet sich in eurem aktuellen Fall, um den sich Ether One dreht, denkbar einfach – zumindest theoretisch: Betrete den Geist des Patienten, der sich in der Form des idyllischen Dorfes Pinwheel zu Füßen des Spielers ausbreitet und finde die dort verstreuten roten Bänder, die je eine Erinnerung repräsentieren. Habt ihr alle farbigen Schleifen gefunden, so ist eure Aufgabe erledigt und der Kunde hat die volle Kontrolle über seine Erinnerungen zurückerlangt. Doch es gibt ein paar Haken.

Indie Raider #3: Ether One - Ein schön-skurriles Psycho-Adventure

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Die (noch) idyllische Stadt Pinwheel, die in verschiedene erkundbare Bezirke aufgeteilt ist.
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Schon bei eurem ersten Besuch im menschenleeren Pinwheel fühlt ihr euch auf seltsame Art und Weise als Eindringling in einem Mikrokosmos, der euch vollkommen fremd ist – klar, immerhin wandert ihr gerade durch das Erinnerungsgefüge eines anderen Menschen! Ihr stolpert immer wieder über Gegenstände, die ihr aufnehmen könnt und die typische „Das könnte ich ja später noch gebrauchen!“-Gier aktivieren. Allerdings kann sich der Restaurator nicht die Hosentaschen mit allerlei Krams vollstopfen, sondern darf immer nur einen Gegenstand in den Händen halten. Wer horten will, kann aber per Knopfdruck in die „Operationszentrale“ eures Arbeitgebers zurückteleportieren und die gesammelten Objekte in ein Regal legen um schließlich wieder an den Ausgangspunkt zurückzukehren.

Zwei Wege, ein Ausgang

Hin und wieder werdet ihr vor Rätseleinlagen stehen, die meist die richtige Kombination von zuvor eingesammelten Gegenständen als Lösung verlangen. Hier begegnet ihr mitunter hartnäckigen Kopfnüssen, die vom Spielerhirn viel Denkschmalz verlangen. Doch glücklicherweise sind diese Rätsel nicht storyrelevant, sondern geben mehr Geheimnisse der bis zuletzt unwirklich erscheinenden Stadt Pinwheel und ihrer Einwohner preis.

Spieler, die diese Rätsel meiden wollen oder sich allein auf die Hauptgeschichte konzentrieren, sollten hingegen ohne größere Probleme vorankommen. Diese Designentscheidung der Entwickler war sehr klug, da so sowohl Storyfetischisten als auch Rätselliebhabern viel geboten wird. Immer wieder spielt euch die Stadt einen Streich, platziert Objekte neu oder manipuliert Architektur – bis ihr allmählich selbst an eurem Gedächtnis zu zweifeln beginnt. Die Stimme, die euch Anweisungen während eurer Erkundungen gibt, varriert dabei angenehm authentisch je nach eurem Handeln zwischen Aggressivität und liebevollen Lobtiraden – Stanley's Parable lässt grüßen!

Packshot zu Ether OneEther OneErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Hier findet ihr meine ersten Schritte in der Welt von Ether One, die zwar noch recht unspektakulär sind, aber euch ein Gefühl für die Welt geben sollen. Wer auf den Geschmack des Inception-Erbes gekommen ist, darf in den Kommentaren gerne laut „JA!“ rufen und sich auf ein „gamona spielt Ether One“ freuen. Deal?

Ether One - Die ersten Schritte in: Ether OneEin weiteres Video

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