Der Traum vom eSport-Dasein, er wird bei vielen Jugendlichen immer größer. Schließlich geht es mittlerweile um riesige Beträge, Zuschauerschaften im siebenstelligen Bereich und Fans die einem die Treue halten. Esports Life, das von den Machern von Youtuber’s Life entwickelt wurde, will genau das simulieren: Wie ein unbedeutender Jugendlicher zum eSport-Superstar wird. Leider tritt das Spiel dabei auch in zahlreiche Fettnäppchen.

Den ersten Trailer zu Esports Life findet ihr hier:

Esports Life - Release-Trailer

Alles fängt beim Charakter-Editor an: Der ist zwar umfangreich, richtig warm will ich mit meinem virtuellen Double aber nicht werden - abgesehen davon, dass es, wie fast immer, gerade mal eine Option für Männer gibt, lange Haare zu tragen, wirkt mein Kollege eher wie eine Puppe als ein Mensch.

Zu Anfang könnt ihr auch euren groben Spielstil einstellen

Daraufhin geht’s direkt in eine eSport-Arena. Mein bester Kumpel will unbedingt ein Finalspiel live verfolgen. Da bin ich natürlich mit von der Partie. Und bereits hier, nicht einmal zehn Minuten nachdem das Spiel begonnen hat, muss ich mich schon etwas fremdschämen: Einerseits treffen wir auf “Julia Nigri” die natürlich kein Tracer-Cosplay trägt, nein, das sieht nur so aus.

Overshoot, Julia Nigri, Vens off the Well - wer mit solchen "Adaptionen" nichts anfangen kann, wird mit Esports Life nicht glücklich

Natürlich kann Esports Life keine echten Lizenzen für sich beanspruchen, außer die Marken von fünf eSport-Teams, darunter Fnatic und G2. Aber wenn man sich Spiele wie “Overshoot” oder “League of Champions” anschaut, dann wirken die Referenzen doch etwas zu sehr gewollt. Warum nicht etwas die Fantasie spielen lassen, und eigene fiktive Titel erfinden?

Nachdem das Finalspiel in einer Arena stattfindet, das einem League of Legends-Turnier zum Verwechseln ähnlich schaut, geht G2 erfolgreich als Sieger hervor - und ich träume daraufhin, später selbst eSport-Profi zu werden. Als meine Mutter von diesem Wunsch hört, ist sie allerdings überhaupt nicht begeistert. Na ja, wenigstens dieses Klischee ist meistens korrekt.

Links: Ein Stadion, das für ein League of Legends-Turnier umfunktioniert wurde. Rechts: Das Stadion on Esports Life.

Mit dem Klischee der skeptischen Eltern ist es aber nicht getan: In der Schule angekommen wird meinem nerdigen Kumpel erst einmal von einem Mobber das Laptop abgeknüpft. Daraufhin treffe ich selbigen in einer Gaming-Bar und ziehe ihn in einem Videospiel ab. Ob die Entwickler bei der Konzeption von Esports Life Klischee-Bingo gespielt haben weiß ich nicht - ich könnte es mir aber gut vorstellen.

Minispiele statt Ressourcen-Manangement

Einer der Gründe, weshalb beliebte Ressourcen-Manager wie Die Sims oder Video Game Dev so gut funktioniert haben, ist dass man selbst nur Aufgaben zuweisen, sie aber selbst nicht erledigen musste.

In Esports Life hingegen, müsst ihr Spiele spielen, um besser in ihnen zu werden. Vollkommen okay, wären die Spiele nicht kompletter Murks: Mehr als ein Moorhuhn-Klon oder ein Reaktionstest kommt hierbei nicht zustande. Dadurch wird das Training zur Sisyphus-Arbeit und man ist fast froh, wieder mit den stereotypischen Charakteren in Kontakt treten zu dürfen - da spielt man wenigstens keine Minispiele.

Da der Kernaspekt des Spiels allerdings auf diese Minispiele verschoben wurde, und euer Charakter nicht von alleine spielt und levelt, wirkt Esports Life einfach nicht durchdacht. Auch die ewig gleiche Hintergrundmusik, ein 15 Sekunden andauernder Jingle der einfach in einer Schleife rotiert, wird auf Dauer entnervend, die Kameraführung ist gerade in engen Räumen ein Graus. Zudem gibt es alle zwei Minuten eine Ladezeit von etwa 10-20 Sekunden. Das alles mindert den Eindruck eines Spiels, das wirklich interessant hätte werden können. Aktuell ist es aber enttäuschend.