Der eSport hat, zumindest in Deutschland, einen schwierigen Standpunkt. Das liegt vor allen daran, dass man viele eSport-Spektakel nur dann versteht, wenn man das jeweilige Spiel selbst spielt. Nvidia will das ändern: Mit Spielen die wirklich jeder kapiert.

Falls ihr schon einmal ein kompetitives League of Legends- oder DotA 2-Match verfolgt habt, ohne, dass ihr das Spiel selbst in eurer Freizeit zockt, kennt ihr diese Situation vielleicht: Ihr habt keine Ahnung, was eigentlich so genau auf dem Bildschirm vor sich geht. Genau das wollte Nvidia mit ihrem “GTX Challenge”-Programm ändern. Hier traten Viererteams aus acht verschiedenen Nationen gegeneinander an - ähnlich wie bei einer Europameisterschaft im Fussball. Mit dem eklatanten Unterschied, dass nicht nur ein Spiel, sondern ganze sieben Titel gezockt wurden.

Den Anfang machte Destiny 2, gefolgt von Overwatch, Rocket League und Rainbow Six: Siege. Ebenfalls am Start: PUBG, PES 2018 und, mein persönliches Highlight, Project Cars 2. Letzteres wurde aber nicht dröge am Controller oder mit Tastatur gespielt, stattdessen mussten sich die Kontrahenten in einen Rennfahrerstuhl setzen, der die Physik des digitalen Wagens perfekt umsetzen sollte. Als wäre das noch nicht Simulation genug, hatten alle Spieler eine VR-Brille auf - für manche Spieler war dies also noch krasser, als ein Ritt in einer Achterbahn. Ich selbst konnte diese Konstruktion auch ausprobieren, aber dazu später mehr.

Kommentiert wurde das Ganze von professionellen Streamern und Castern, wie beispielsweise Excoundrel oder Kaffeekind. Wer schon einmal ein kommentiertes Turnier der beiden geschaut hatte, der wusste, was einen erwarten würde: Viel Humor und “banter”, wie man so schön im Englischen sagt.

Alles schön und gut. Der Ansatz der Nationalteams war innovativ, die geladenen Caster kluge Köpfe. Aber wie verhielt es sich mit den Spielern? Hier wurde ganz klar auf influencer gesetzt, die natürlich auch ihre eigenen Fantruppen mitnehmen sollten. Per se nichts schlimmes, sollte es ja um den Spaß an der Sache gehen, aber ein influencer beziehungsweise Streamer ist deshalb erfolgreich, weil er gut und viel redet. Dass man diese Herren (und eine Frau) aber nur in kurzen Interviews vor den Spielen erleben konnte, geht meiner Meinung nach etwas gegen den Sinn, diese Twitch-Streamer überhaupt erst einzuladen. Wenn ich einen LostAiming, der für das deutsche Team antrat, nicht kenne, dieser aber auch nicht Dank seiner Webcam groß unterhalten kann - ja wo liegt denn jetzt der Unterschied für mich als Zuschauer zwischen ihm und einen mir unbekannten eSportler?

Insofern war die GTX Challenge zwar unterhaltend, dass sie jemandem, der sich mit dem eSport noch nicht auskennt, selbigen nähergebracht hat, bezweifle ich aber. Mein Vorschlag für’s nächste Jahr, in dem dieses Turnier wieder stattfinden wird: Mehr Fokus auf die Spieler selbst, oder Halb-Profis im eSport einladen. Und auch die Spieleauswahl könnte etwas ausgewogener sein - wer spielt denn Rocket League mit Items?