Paris. An einem Sonntagabend bin ich einer von mehr als 11.000 Fans in dem ausverkauften AccorHotels Stadion. Ein schönes Gebäude mit einer kreativ gestalteten grünen Außenfassade. Kein Wunder, dass schon Blink-182, Daft Punk und auch Tokio Hotel hier aufgetreten sind. Normalerweise werden hier Ice Hockey-Spiele veranstaltet, diesmal geht es um etwas nerdigeres: League of Legends. Die Summer Split Finals stehen an. Und ich bin mittendrin.

Die Stimmung während der Pre-Show ist untertrieben gesagt explosiv. Ein offenbar sehr populärer französischer Entertainer heizt die Stimmung an. Ich verstehe zwar kein Wort, aber es klingt sehr überzeugend - ein bisschen wie wenn ein Grafikkartenhersteller etwas von neuen Treibern erzählt. Dann das erste Highlight: Ein halbnackter Mann kommt auf die Bühne. Aber es ist nicht irgendein Mann, es handelt sich um Romain Bigeard, seines Zeichens Manager der Unicorns of Love. Durchtrainiert, abgedreht, Franzose. Dass die Unicorns of Love nicht im Finalspiel vertreten sind, ist egal. Riot hat ihn trotzdem her beordert, um ordentlich Stimmung zu machen, die Menge anzuheizen. Und genau das tut er. In seinem witzigen weil stereotypischen Franzosen-Outfit schwingt er mit Baguettes um sich und schreit irgendwas auf der Sprache der Liebe in die Menge.

eSports - Wie es ist, bei einem eSport-Finalspiel live im Stadion zu sein

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Nanananananana, Nanananananana BAGUETTE MAN!
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Einige La-Ola-Wellen, “Ahu”s und ordentlich Applaus später und geht es los. Die ersten Spieler betreten die Bühne, unter ihnen ein sehr jung wirkender Asiate, der tatsächlich aber Franzose ist. Hans Sama ist sein Spielername, mit einer französischen Flagge hat er sich eingehüllt, eine kleinere Version eben dieser trägt er zusätzlich als Malerei auf der Wange. Als sein Name aufgerufen wird, tobt die Menge. “HANS SAMA! HANS SAMA! HANS SAMA!” ertönt es aus allen Ecken der Arena. Das ist für Fussballfans vielleicht nichts Neues, aber der Fussball ist auch ein Milliardengeschäft. Die Spieler sind viel mehr als Sportler, sie sind Marketing-Leute, Influencer, Selbstdarsteller. Hans Sama hingegen wirkt von der Menge etwas überwältigt. Das hat etwas angenehm unpoliertes, etwas, was man im Profisport schon lange vermisst.

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Hans Sama kurz vor seinem Auftritt
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Die ersten beiden Partien gehen ziemlich einseitig aus. Der Meister der letzten drei Jahre, G2 esports, schlägt den Herausforderer Misfits haushoch. Vielleicht liegt es an den Nerven der verhältnismäßig unerfahrenen Misfits-Spieler; zwar sind sie nur wenige Jahre jünger als ihre Konkurrenten von G2, haben dafür aber auch keine internationale Erfahrung, kennen den Druck der großen Bühne nicht. Die Stimmung ist jetzt etwas gehaltener, schließlich wollen die Franzosen ihren Liebling Hans Sama nicht verlieren sehen.

Was tun? Ganz einfach: Als sich die Spieler für das dritte Spiel auf die Tribüne begeben, steht das ganze Stadion. Und alle singen sie die Marseillaise. Na gut, alle die, die textsicher sind. Ein atemberaubendes Gefühl.

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