Dortmund-Fans müssen jetzt ganz stark sein: Schalke 04 wird bald wieder in der höchsten Liga spielen, im Gegensatz zum Lokalrivalen. Okay, es geht hier “nur” um League of Legends, aber die eSport-Sparte sollte dennoch nicht ignoriert werden. Nach einer enttäuschenden ersten Saison im letzten Summer Split, stieg Schalke 04 sang- und klanglos ab. Sämtliche Spieler verließen das Team. Es schien fast so, als sei dieses wichtige Engagement eines großen, deutschen Vereins eine Fehlinvestition gewesen. Nicht gut für den eSport, besonders in Sachen PR. Jetzt wird gerade der Wiederaufstieg vorbereitet, Schalke hat sich ohne Probleme durch die zweite europäische League of Legends-Liga gespielt. Was diesmal richtig gelaufen ist, hier unsere Analyse.

Zugegeben, der Abstieg kam für manche überraschend. Nach den ersten fünf Wochen sah es gut für das Team aus, im Mittelfeld der Tabelle dachte niemand an einen möglichen Abstieg. Was folgte, war eine knappe Niederlage nach der anderen, die Moral des Teams war erschüttert. Mit drei Siegen, neun Unentschieden und sechs Niederlagen nach 18 Spielen, stand Schalke auf einem geteilten 7. Platz mit Team Vitality. Eines der beiden Teams musste in die Relegation, ein Entscheidungs-Match musste her. Auch dieses verlor Schalke, noch schlimmer kam es allerdings im Relegations-Turnier selbst: Erst verloren die Königsblauen gegen Roccat, den letztplatzierten der regulären Saison. Auch das entscheidende Spiel um den finalen Platz in der höchsten europäischen Liga gegen den späteren Aufsteiger Misfits endete in einer Niederlage. Was lief schief?

Die Qualität des Spielermaterials

Schalke hatte sich dazu entschlossen, ein bereits bestehendes EU LCS-Team aufzukaufen, statt sich aus den unteren Ligen hochzuarbeiten. Allerdings entschieden sie sich für das Team “Elements”, das sich in der Saison vor der Übernahme bereits einmal gegen die Relegation behaupten musste und es nur knapp schaffte, den Abstieg zu verhindern. Um in einer der stärksten Ligen der Welt zu bestehen, war die Spielerqualität also von Anfang an kaum gegeben. Lediglich der Midlaner wurde gegen Fox von den Unicorns of Love ausgetauscht. Er war zwar kein schlechter Spieler, galt aber schon zum Zeitpunkt des Transfers als höchstens durchschnittlich. Ein Team, das es mit Ach und Krach schaffte, den Abstieg zu verhindern und dann lediglich einen Spieler austauscht, während andere Teams der Liga Top-Transfers tätigen? Ein böses Omen. Und genau diese fehlende Vorsicht wurde Schalke zum Verhängnis.

eSports - Schalke kurz vor dem Wiederaufstieg: Was lief diesmal richtig?

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Allerhöchstens Mittelmaß: Der ehemalige Kader von Schalke 04
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Schlechtes Timing

Traditionell ist der Summer Split immer deutlich kompetitiver als der Spring Split. Da das Siegerteam des Summer Split sich automatisch für Worlds qualifiziert, konzentrieren sich viele Teams auf diesen Teil der Saison, während im Spring Split noch experimentierfreudige Transfers getätigt werden. Schalke entschied sich im Summer Split zu investieren - während die Unicorns of Love einen neuen Midlaner holten, Giants starke Koreaner und Splyce endlich ihr wahres Potenzial entfalteten. Letzteres kam für viele sicherlich unerwartet, dennoch war es schlicht der falsche Zeitpunkt für Schalke, um in den eSport einzusteigen. Zumindest, wenn es um die europäische Königsklasse geht.

Die Mentalität

Anfangs schaffte Schalke es, einige Unentschieden herauszuspielen. Als die schweren Niederlagen kamen, war es allerdings um die Mentalität der Spieler geschehen. Kein Wunder: Kennern der Szene war bekannt, dass Spieler wie Gilius oder Fox Mentalitäts-Probleme hatten. Auch kam es vielen Fans der Szene so vor, als würde sich der Coach überhaupt nicht für League of Legends interessieren - selbst als Schalke kurz vor dem Abstieg stand, entschloss er sich, lieber über den Genre-Rivalen DotA 2 zu tweeten. Ein Unding, eigentlich. Durch die fehlende, jedoch nötige Mentalität war der Kampf gegen den Abstieg fast unmöglich. Auch dass Schalke gegen die Letztplatzierten der Liga das entscheidende Match verlor, sprach Bände.

Insgesamt muss sich Schalke 04 vorwerfen lassen, den Einstieg in den eSport nicht wirklich durchdacht zu haben. Ein schlechtes Team zu übernehmen und kaum Änderungen durchzusetzen, das reicht in der heutigen Zeit einfach nicht aus, um in der höchsten europäischen Liga mitspielen zu können. Doch die Hoffnung bleibt: Mittlerweile spielt Schalke mit einem komplett neuen Kader. Talente und Veteranen wie Selfie, Vander und der Coach “Veteran” (bdm-tsss) bieten eine starke Qualitätssteigerung. Kein Wunder, dass der Gelsenkirchener Klub die zweite Liga dominiert hat. Insofern freuen wir uns auf die wahrscheinliche Rückkehr der Königsblauen und hoffen, dass es dieses Mal besser laufen wird.