Manchmal wirkt es, als würden wir in einer Scheinwelt leben. In einer Zeit, in der WoW-Gold mehr wert ist als die venezolanische Staatswährung, während ein Golfstaat mehr als 300 Millionen Dollar für einen Fußballspieler auf den Tisch legt. Und von Bitcoins will ich gar nicht erst anfangen. Geld wirkt immer surrealer und immer mehr Marktforscher fürchten, dass diese Blasen, wie bei den Anfängen der Weltwirtschaftskrise 2007, platzen werden. Und auch dem eSport könnte es ähnlich ergehen.

Apropos Fußball: Wusstet ihr eigentlich dass Neymar total am eSport interessiert ist?

Grund für diese Annahme ist die aktuelle Entwicklung der europäischen League of Legends-Liga und einem darauf folgenden Beitrag eines ehemaligen Managers. Viele Mannschaften, gerade die Topteams G2, Fnatic und Misfits, wollen die Liga verlassen. Sie fürchten finanzielle Engpässe und Wettbewerbsverzerrung, da die amerikanische Liga aufgrund eines neuen Liga-Systems deutlich mehr Einnahmen generieren wird.

Die CEOs von H2k, die es als einziges nicht-koreanisches Team in den beiden letzten Weltmeisterschaften bis ins Halbfinale schafften, veröffentlichten einen offenen Brief an Riot. Darin beschreibt er unter anderem, wie das Team bisher über eine Million Dollar Verluste gemacht hat. Für ein so erfolgreiches Team ist das besorgniserregend. Auch H2k drohte damit, die Liga zu verlassen. Dies veranlasste auch den ehemaligen Manager des Teams, einen Beitrag zu schreiben, in dem er vor einer platzenden Blase warnt:

“An die Spieler: Eure Gehälter sind viel zu hoch dotiert. Das ist nicht eure Schuld aber ihr erschöpft die finanziellen Mittel der Vereine und Organisationen, die euch Sponsern. Und was passiert, wenn die Geldgeber wegfallen? Die Mannschaften gehen pleite, ihr verliert eure Jobs und es wird keine eSport-Szene mehr geben.”

Harte Worte. Gleichzeitig steigen die Gehälter laut Insidern in der amerikanischen Liga extrem an. Es droht ein Exodus der europäischen Topspieler. Wie kann das sein? Zunächst liegt das an dem neu eingeführten System der amerikanischen Liga: Zukünftig werden alle Teams ein fester Bestandteil der Liga werden. Kein Team kann dann auf- oder absteigen, ähnlich wie in der NBA. Das garantiert den Teams ein Mindestmaß an Sicherheit. Zudem bekommen die Mannschaften einen Teil der Gewinne der Liga zugespielt. Je mehr Zuschauer die Spiele verfolgen, desto größer die Gewinne.

Weder noch ist in der aktuellen EU LCS vorhanden oder geplant. Und Riot, die Organisatoren der Liga, geben sich uneinsichtig. Stattdessen soll die Liga in vier kleinere, nationale Ligen aufgeteilt werden. Vielleicht scheitert das Projekt, vielleicht aber auch nicht. Sicher ist: Falls es scheitern sollte, würden viele der Spieler in der amerikanischen Liga ein neues Zuhause finden müssen. Es ist schlicht unwahrscheinlich dass sämtliche League-Ligen in Zukunft ähnliche Probleme bekommen würden.

Auch darf man nicht vergessen, dass die eSport-Szene an sich auf Zufällen basiert. Die dominierenden Titel wie Counter-Strike oder League of Legends wurden durch eine Aneinanderreihung von glücklichen Fügungen so populär. Dass ein Videospiel explizit als eSport-Disziplin entwickelt wird und damit Erfolg hat, passiert selten. Ein weiteres Beispiel dafür ist die wachsende PUBG-Szene im eSport: Erst kam das populäre Spiel, dann die eSport-Nische. Merke: Solange es populäre Multiplayer-Titel gibt, wird es auch einen eSport-Bereich geben. Die Größe wird variieren, nicht die Existenz.

Insgesamt ist es also eher unwahrscheinlich, dass die gesamte eSport-Blase, zumindest innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, platzen wird. Es ist möglich, dass einzelne Ligen und Systeme wie die neue EU LCS scheitern werden. Die Branche an sich wird allerdings boomen, solange es Multiplayerspiele gibt. Und solange die Kollegen im Fußball noch mit astronomischen Summen um sich werfen, sollten wir uns keine Sorgen machen.