Ob bei For Honor, dem zigsten MOBA-Klon oder sogar Videoball: bei allen möglichen Multiplayer-Spielen wird schnell die Frage “Ist das der neue eSport-Hit?!” laut. Doch die allerwenigsten Titel haben tatsächlich das Potenzial dazu - auch wenn das Gameplay sich dafür eignen würde. Warum das so ist und wie wichtig vorgefertigte Strukturen des Publishers sind, um einen Multiplayer-Titel zum eSport-Hit zu mausern, erfahrt ihr im Text.

Das Gameplay

Am Anfang einer jeden eSport-Disziplin steht das Gameplay. Das muss stimmen, sonst hat der Titel keine Chance. Wichtig ist hierbei, dass das Spiel die bekannte Grundregel “Easy to learn, hard to master” perfektioniert: Die meisten, kompliziert wirkenden eSport-Titel wie Starcraft oder League of Legends, kann man dennoch auf “Zerstöre die gegnerische Basis” herunterbrechen. Einsteigerfreundlichkeit ist die eine, dennoch vorhandene Komplexität die andere Seite der Medaille. Schließlich müssen sich langjährige und engagierte Spieler durch Wissen und Erfahrung von den Neuankömmlingen abgrenzen können. Wenn dies nicht der Fall ist, besteht kein Grund das Spiel ernsthaft zu studieren und perfektionieren.

Ein Kernelement einer jeden eSport-Disziplin ist es zudem, verschiedenste Lösungswege und Strategien zu bieten, mit denen Spieler sich messen können. Wenn bestimmte Strategien überwiegen, wird der Titel schnell repetitiv und langweilig - und ist damit als eSport-Disziplin ungeeignet. Wenn ein For Honor gerade in diesem Bereich kritisiert wird, ist das ein schlechtes Zeichen für die eSport-Zukunft des Titels. Auch Hearthstone hat diesbezüglich Probleme: Da Piraten-Schamanen die Online-Ranglisten sowie sämtliche Turniere dominieren, erntet das Hearthstone-Team bei Blizzard aktuell viel Kritik. Einige Profis drohten bereits damit, mit Hearthstone aufzuhören, falls sich die Situation nicht ändern sollte.

Der konstante Support

Das bringt uns gleich zu unserem nächsten Punkt, der bei jedem eSport-Titel Gang und Gebe sein muss: Updates. Sowohl was die Spielbalance anbelangt, als auch grundsätzliche Veränderungen, wie neue Items innerhalb des Spiels, neue Charaktere oder neue Maps. Spieler wollen, aus Sicht des Publishers, bei der Stange gehalten werden. Nicht, dass die einfach zur Konkurrenz wechseln!

Diese Regel bestimmt auch die Grundphilosophie hinter dem populärsten eSport & Videospiel der Welt: League of Legends. So entstand die Idee für das MOBA, nachdem Brandon Beck und Marc Merill, die Gründer von Riot Games, sich darüber aufregten, dass ihre Lieblingsspiele nicht mehr vom Entwickler unterstützt und deshalb langweilig wurden.

Die Strukturen

Einer der wohl wichtigsten Faktoren, welcher den Erfolg eines Spiels als eSport-Titel bestimmt, sind die vom Publisher vorher festgelegten Strukturen. Ein jeder eSport-Titel braucht die folgenden Gliederungen:

  • Ein Ranking-System, das die Unterschiede im Skill-Level der jeweiligen Spieler akkurat wiedergibt:
  • Ein funktionierendes Anti-Cheat-System
  • Regelmäßige, vom Publisher ausgetragene Turniere
  • Regelmäßiger Austausch mit der Community sowie den Willen, das Spiel auch je nach Wunsch der Spielerschaft verändern zu können
  • Falls es sich um einen PC-Titel handelt, ist die Verfügbarkeit des Spiels auch auf älteren PCs ein Muss

Sind diese fünf Faktoren nicht gegeben, hat das jeweilige Spiel praktisch keine Chance als eSport-Titel durchzustarten. Gerade der dritte Punkt wird sehr unterschätzt. Nur weil ein Titel eine große Spieleranzahl vorweisen kann, ist selbige für die eSport-Szene fast irrelevant, wenn der Publisher kein Interesse an Turnieren hat. Ein gutes Beispiel hierfür ist die FIFA-Reihe: Obwohl sich FIFA 17 bislang über neun Millionen Mal verkauft hat, spielt FIFA innerhalb des eSports nur die zweite Geige. Zwar versucht EA dies, mithilfe von kleineren, lokalen Turnieren sowie einem Online-Turnier-System, langsam zu ändern, dennoch rangiert dieser Titel weit unter seinen Möglichkeiten - aufgrund der fehlenden Unterstützung des Publishers, nicht aufgrund der Community.

League of Legends oder Counterstrike hingegen konnten immer auf die Unterstützung der jeweiligen Publisher bauen und sind deshalb auch so erfolgreich. Allerdings muss man auch anerkennen, wie viel Geld diese Publisher in ihre Titel gesteckt haben. Anfangs ist der Schritt in den eSport ein Verlustgeschäft. Einige Firmen scheuen genau dieses Risiko und stellen sich daher dieser Aufgabe erst gar nicht.

Ihr seht also: es bedarf einer Menge Dinge, um einen erfolgreichen eSport-Titel zu entwickeln. Das Spiel selbst muss einsteigerfreundlich und zugleich komplex sein. Darüberhinaus haben die Strukturen des Publishers großen Einfluss darauf, ob der jeweilige Titel sich mit anderen eSport-Disziplinen messen kann. So sind Spiele wie beispielsweise For Honor von Anfang an eher ungeeignet für den Bereich des eSports - solange der Publisher kein Interesse an dieser Szene zeigt, hat die Community kaum eine Chance auf einen neuen eSpielplatz. Leider haben deshalb schon einige tolle Spiele ihre eSport-Möglichkeiten verwirkt, andererseits ist es aus Sicht des Publishers auch nicht zu empfehlen, einen eSport-Titel zu forcieren. So etwas kann, wie oben schon angesprochen, schnell in einem Verlustgeschäft enden. Die nötigen Strukturen müssen da sein, gleichzeitig muss man dem Titel und den Spielern aber auch genug Zeit lassen, die eSport-Szene zu entwickeln. Ein konstanter Austausch zwischen Spielern und Publishern ist also unabdingbar.