Peter “Dimi” Dimitrov ist 20 Jahre alt, zweifacher Weltmeister im eSport SMITE und studiert an der Universität in Stuttgart Game Design. Studium und eSport-Champion in einem – wie geht das? 11 Stunden Training am Tag sind keine Seltenheit und auch wahnsinnige 14-Stunden-Einheiten ploppen hier und da in den Medien auf. Wie der deutsche eSport-Star damit umgeht und wie er überhaupt erst bis an die Spitze gekrabbelt ist, haben wir ihn persönlich auf der Dreamhack in Valencia gefragt.

SMITE - Cinematic Trailer To Hell Back

Den halben Tag zocken und dann noch Games wie League of Legends, Overwatch, Smite oder gar Defense of the Ancients 2 (DotA 2)? Wird man da nicht verrückt? Peter Dimitrov wirkt ziemlich normal, als er auf die bunte Smite-Bühne steigt und seine Kopfhörer aufsetzt. Das Smite-Turnier beginnt in einer halben Stunde, doch alle Zuschauersitze vor der Leinwand sind bereits gefüllt. Durchschnittsalter? 17-22 Jahre in etwa. Bei den eSportlern natürlich - aber auch bei den Fans, wobei die im Normalfall sogar noch ein wenig jünger sind.

Peter “Dimi” Dimitrov: Vom Casual zum Pro - "11 Stunden kann schon hinkommen. Wenn man wirklich powert."

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SMITE: Kämpfe mit verschiedenen Göttern gegen feindliche Teams
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Was ist eigentlich Smite?

Action-MOBA, Götterschlachten und im Gegensatz zum eSports-Hit League of Legends eine Third-Person-Perspektive, die Zuschauer sowie Spieler näher ans Geschehen heranführt. Hi-Rez Studios stellte 2005 unter anderem Entwickler von The Elder Scrolls 4: Oblivion und Call of Duty ein, ehe sie mit den Free-to-Play-Games Smite und Paladins in den eSport einstiegen – und bereits jetzt eine nicht zu verachtende Fan-Community rund um die Spiele und ihre Teams versammeln.

Im “Eroberungs”-Modus von Smite geht es darum, die Basis des gegnerischen Teams einzunehmen und dem Konkurrenten zusätzlich so oft wie möglich den Garaus zu machen. Je weiter das Spiel voranschreitet, desto länger werden die Respawn-Zeiten und wenn die gesamte feindliche Gruppe für eine Minute außer Gefecht gesetzt wird, hat die andere Seite so gut wie gewonnen. Solo-Laner Dimi von NRG-eSports hieß einmal “Dimi, der Unsterbliche” – doch mit fortlaufendem Alter ist es schwer, so einen Titel zu halten.

Vom Hobbie zur eSport-Karriere

Nach dem Match am 13. Juni auf der Dreamhack treffe ich mich mit Dimi im Pressebereich und frage ihn direkt, ob wir auch deutsch reden können. “Klar”, kommt es zurück und es ist eine kleine Erleichterung, nach mehreren Tagen wieder die eigene Muttersprache zu hören.

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Dimi auf dem Dreamhack in Valencia: Das Match läuft nicht ganz nach seinen Vorstellungen
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Dimi sieht jung aus und leichte Augenringe deuten sich auf seinem Gesicht an, aber als wir uns zum Interview in einen kleinen Nebenraum mit Snacks und Getränken setzen, lächelt er. Der Traum vom eSportler sitzt in vielen jungen Köpfen fest, aber wie schaffen es die Zocker eigentlich bis an die Spitze?

Ich habe 2012 angefangen – ich weiß gar nicht, welche Stufe ich war. Auf jeden Fall Gymnasium und ich bin nach dem Gymnasium direkt studieren gegangen. Also kein Pausenjahr, kein Rumgeplänkel. Ich hab’ gesagt, Bildung ist mir wichtiger als eSports. Jetzt bin ich an einem Punkt, wo ich merke, dass ich durch eSports mehr lerne als an der Uni. Es ist unglaublich viel Erfahrung und ich bin unglaublich dankbar. Und wenn es jetzt zum Zeitmanagement kommt … ich habe damals im Gymnasium ab und an etwas mit Freunden gemacht, aber es war auch recht online-fokussiert. Da auch meine Freunde die Spiele gespielt haben. Ja, ich saß halt den ganzen Nachmittag zu Hause und hab’ Smite gespielt.

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Counter Strike: Global Offensive: Direkt neben der Smite-Bühne johlen die CS-GO-Fans
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2012 war Smite noch in der Beta-Phase, jetzt finden die Kämpfe auf Events neben Szene-Größen wie CS:GO und League of Legends statt. Ist es schwierig, bis in die Pro-League zu gelangen? Dimi kennt den enormen Druck, der eSportlern auf den Schultern lastet – und zuerst hatte er auch gar nicht vor, der beste deutsche Smite-Spieler zu werden:

An einem Punkt habe ich irgendwie so oft und so lang gespielt, dass ich gut wurde. Da wollte ich aber noch immer nicht in die Pro-Szene. Mir hat so ein bisschen das Selbstbewusstsein – Selbstvertrauen gefehlt, innere Stärke. Also, ich hab gedacht: 'Okay, nee – du bist scheiße.'”

Von “scheiße” ist Peter Dimitrov nun meilenweit entfernt – er spielt im stärksten Smite-Team überhaupt, das Anfang dieses Jahres zum zweiten Mal den Weltmeistertitel absahnte. Dabei war er anfangs eher ein schlechter Spieler, wie er zugibt. Als sich seine Ausdauer bezahlt macht und er in Panthera (jetzt NRG) einsteigt, ist er bereits an der Uni eingeschrieben. Studieren und nebenbei Smite-Weltmeister werden – Peter Dimitrov schafft den Spagat, setzt aber auch Prioritäten.

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“Das Studium fertig machen. Das ist wichtig.”

Dimi entspannt sich nach und nach, während er über erste Events, gute Freunde, die ihn gepusht haben und die Dreamhack erzählt. Das Match zuvor lief nicht so gut, wie er es sich erhofft hatte. Zwar haben sie gewonnen, aber nur knapp und der Kampf repräsentierte keineswegs das Können des Weltmeister-Teams, so der Deutsche. Immerhin haben sie wie die Verrückten im Vorfeld trainiert. Wie läuft der Tag eines berühmten eSportlers eigentlich ab?

Das kommt sehr auf die Person an, ich gehe jetzt mal von dem klassischen eSportler aus, der nicht ich bin – ich mache ja noch Sachen nebenher. Der klassische eSportler wacht um 1 Uhr mittags auf, spielt den Tag über das Spiel, das er spielen muss; gegen Abend gibt es etwas zum essen und dann wird das Training für 3 Stunden gespielt. Danach spielt er nochmal in den Abend rein, bis er dann irgendwie um 3 Uhr morgens schlafen geht.

Ahja. Krass. Und wie viele Stunden sind das dann?

Wenn man es wirklich richtig macht ... 11 Stunden kann schon hinkommen. Wenn man wirklich powert.

Peter “Dimi” Dimitrov: Vom Casual zum Pro - "11 Stunden kann schon hinkommen. Wenn man wirklich powert."

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Dimi und sein Team: Eine Erfolgsgeschichte
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11 Stunden am Tag? Da ist es sicherlich schwer, nebenbei noch zu studieren. Aber der Deutsche ist kein typischer eSportler, wie er selbst zugibt. Mit seinen 20 Jahren weiß er bereits, dass er nicht ewig Weltmeister bleiben wird. Das notwendige Reaktionsvermögen lässt mit zunehmendem Alter oft nach und die Spieler müssen sich schon frühzeitig um das Danach kümmern - was im Übrigen meist schon in der Blüte ihrer Jugend einsetzt.

Ja, also momentan ist es so, dass ich auch darüber hinaus denke – was passiert, wenn ich mal nicht mehr mein Einkommen durch eSports decken kann. Profi-Spieler sein ist sehr zeitaufwendig und auch Stress – Stress ohne Ende. Ja, und ich hab’ mir gesagt – nach dem Studium habe ich jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder, ich gehe in Richtung Game Design und schaue da tiefer hinein. Oder, was mir jetzt auch am Herzen liegen würde, wäre die Karriere eSports, aber nicht als Spieler. eSports-Management oder Coach.

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Die Hallen sind gefüllt: Smite begeistert auf dem Dreamhack Valencia
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Das Studium geht vor. Dimi trainiert übrigens nur noch 3 Stunden am Tag, zumindest außerhalb von Turnieren. Mehr schafft er nicht, wenn er nebenbei noch fünf Projekte an seiner Uni bewältigen will.

Je höher der Flug, desto tiefer der Fall

Wir beenden das Interview nach etwa 20 Minuten und reden noch kurz über die RocketBeans und seine Lieblingsgames, abgesehen von Smite; er ist nämlich ein großer The-Witcher-Fan und schätzt nicht nur MOBAs, sondern auch alle anderen Spielgenres.

Im Verlauf der Dreamhack haben NRG und Dimi kein Glück mehr – sie scheiden noch vor dem Finale aus und der Deutsche postet kurz darauf auf seiner Twitter-Seite: “Ich werde mein Bestes geben, um wieder glänzen zu können.

Seine Fans unterstützen ihn, aber der Druck steigt natürlich nach einem verlorenen Match. Obwohl es dieses Mal um keinen Titel, sondern mehr um das Preisgeld ging. Wie es weitergehen soll, hat Dimi im Interview deutlich gemacht:

Ziele für das Jahr? Hab’ ich keine. Also, ich teile meine Ziele nicht in Jahre ein. Ich habe zwei Weltmeisterschaften gewonnen. Da bin ich an einem Punkt, an dem ich sag’ ‘Okay, wenn ich jetzt was verlier’ – ich kann nicht traurig sein.’ Ich bin dankbar für die Erfahrungen und für diesen Kickstart, den ich bekommen habe.

Eine sehr gesunde Einstellung in einem derartigen Extremsport. Ob er sich daran hält, könnt ihr auf seinem Twitch-Kanal mitverfolgen oder auf seiner Instagram-Seite. Wir wünschen ihm viel Glück bei seinem nächsten Smite-Turnier! Lust bekommen, es zu streamen? Dann schaut beim Channel vom Entwickler Hi-Rez vorbei, dort werden Paladins- und Smite-Matches regelmäßig ausgestrahlt.