Wir wissen: Dem E-Sport gehört die Zukunft. Und doch gelingt es selbst erfahrenen Spielern oft nicht, die E-Sport-Szene zu durchschauen. Täglich werden irgendwelche Turniere zu allen erdenklichen Spielen übertragen, von denen kaum jemand weiß, wie bedeutsam sie eigentlich sind. Es wird also Zeit, dass jemand ein wenig Ordnung ins Szene-Chaos bringt. Jemand wie Ulrich Schulze, Managing Director of Pro Gaming bei der ESL.

gamona: Ulrich - du bist Managing Director Pro Gaming bei der ESL. Das ist wohl einer der Posten mit dem längsten Titel. Was macht man in dem Job?

Ulrich Schulze: Klingt beeindruckend, ist im Grunde einfach nur die Tatsache, dass ich für die Pro-Gaming-Produkte bei der ESL verantwortlich bin. ESL ONE ist eines davon, unsere ESL Meisterschaft ein anderes, unsere Pro-League - also eine ganze Reihe von Profiturnieren, die irgendwie unter meiner Verantwortung stehen.  

ESL One - Im Gespräch mit Ulrich Schulze - Im Fokus der Öffentlichkeit

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gamona: Du managst also Pro-Gaming. Das ist doch eigentlich alles, was die ESL macht, oder nicht?

Ulrich Schulze: Wir haben natürlich auch noch eine ziemlich große Plattform, die Turniere jeglicher Größenordnung anbietet. Das reicht jetzt vom einfachen Match bis hin zu Cups, die nur einen Tag dauern und auch größere Ligen. Nicht alles bei uns ist Profi. Wir haben natürlich auch noch einen TV-Bereich, das heißt die Übertragung der ganzen Sachen. Und darüber hinaus haben wir auch noch das ganz normale Event-Geschäft, wo wir mit Publishern zusammenarbeiten, zum Beispiel die BlizzCon umsetzen. Das fällt dann auch nicht in den Pro-Bereich, der ein wichtiger Bereich ist, aber bei weitem nicht der einzige, den wir haben.

gamona: In letzter Zeit hört man aber besonders von ganz bestimmten Aktivitäten. Von der ESL One mit Dota 2 oder dem riesigen Turnier in Polen zu CounterStrike: Global Offensive. Hat sich der Fokus in der letzten Zeit ein wenig verschoben oder woran liegt es, dass jetzt die großen Events in den Vordergrund rücken?

Ulrich Schulze: Die großen Events sind schon immer in irgend einer Form dagewesen, in letzter Zeit allerdings mehr in Stadien gerückt. Früher haben wir das mehr im Rahmen von Messen gemacht - CeBit und GamesCom oder eben auf den Messen in der ganzen Welt - in letzter Zeit viel mehr in Stadien und damit eben auch viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Das liegt jetzt nicht unbedingt daran, dass wir unseren Fokus verschoben haben, aber es ist eben der Bereich, der am stärksten wächst und am meisten Aufmerksamkeit erzeugt.

Wenn wir in der Commerzbank-Arena mit einem E-Sports-Event sind, dann ist das ein relativ aufregendes Thema. Wenn wir sehr viel Geld in Cups für aufstrebende Spieler stecken, dann ist das eben nicht unbedingt ein Thema, das in der Zeitung steht. Daher kommt wahrscheinlich die Wahrnehmung, dass es das einzige ist, worauf wir fokussieren. Aber es ist einfach das am schnellsten wachsende und für die Medien interessanteste Ding.

gamona: Das nächste große Ding ist die ESL One in Frankfurt. Ist sie das größte Event dieser Art in Deutschland?

Ulrich Schulze: Es wird in diesem Jahr sicherlich mit eines der größten Events sein. Wir haben, glaube ich, einen kleinen Wettstreit, in dem wir uns befinden. Wir haben ja noch das Event in Köln im August in der Lanxess Arena. Diese beiden Events werden sich auf jeden Fall darum streiten, welches davon das größte ist. Sie sind auf jeden Fall beide ein Maßstab, den wir vorher noch nicht gekannt haben.

gamona: Aber Die Commerzbank-Arena in Frankfurt hat die größte Fläche.

Ulrich Schulze: Es ist auf jeden Fall die größte Arena. Das Stadion in seiner Größe ist etwas, das man nicht alle Tage für den E-Sport verwendet. Da wird die Lanxess Arena nicht rankommen und da wird auch das, was Riot mit der World Championship in Berlin macht, nicht rankommen.  

gamona: Im vergangenen Jahr haben wir nicht nur Dota gesehen in der Commerzbank-Arena, sondern auch andere Geschichten, darunter S2 Games mit Heroes of Newerth und Gaijin mit War Thunder, diverse Hersteller von Hardware. Manch ein Besucher sagte mir hinterher, man fühlte sich fast ein wenig wie auf einer kleinen GamesCom. Wird es in diesem Jahr wieder so sein, dass man am Rande ein wenig mehr erleben kann, dass man zocken kann, dass es etwas zu gewinnen gibt?

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Ulrich Schulze: Absolut. Für uns ist der Kerngedanke dabei, dass Dota 2, bzw. das jeweilige Spiel zwar im Fokus steht, wir das ganze Event aber als E-Sport und Gaming-Festival aufziehen wollen. Und es sind ja auch immer relativ lange Tage und wir wollen jedem, der dort hinkommt, die Möglichkeit bieten, sich sowohl die Spiele anzuschauen, als auch drumherum Dinge zu tun, Spiele und Hardware auszuprobieren. Wir haben noch ein paar andere Seitenaktivitäten, wie jemanden, der Dota-Helden aus Luftballons bastelt.

gamona: Dann hätte ich gerne ‘nen Meepo - und zwar alle.

Ulrich Schulze: Wird sich sicherlich machen lassen.

gamona: Im vergangenen Jahr haben uns viele Besucher erzählt, dass sie eigentlich gar kein Dota 2 spielen, dass sie einfach mal unter so vielen Gamern sein und die Atmosphäre genießen wollten. Am Ende war es wohl auch egal, welche Mannschaft gewonnen hat - das Publikum war vollkommen aus dem Häuschen und jubelte für beide Teams.

Ulrich Schulze: Wir werden natürlich nie wie eine GamesCom sein, dass wir nur den Rahmen bieten und uns völlig egal ist, was da passiert. Der E-Sport wird immer der Kern sein und Dreh- und Angelpunkt. Aber wir wollen drumherum so viel wie möglich bieten, damit es für jeden ein interessantes Event wird - egal ob er jetzt ein Hardcore-Dota-Fan ist oder sich einfach nur allgemein für das Thema E-Sport interessiert. Es gibt da eigentlich für jeden etwas zu tun.

gamona: Wir hoffen nur, dass es in diesem Jahr etwas wärmer wird als im vergangenen Jahr. Da wurde es nachts echt richtig kalt.

Ulrich Schulze: Wir sind ja Mitte Juni dieses Jahr, am längsten Tag des Jahres. Eigentlich sollte man da mit Temperaturen rechnen können, aber man weiß das ja immer nicht so genau. Es wird auf jeden Fall nicht so richtig kalt - so viel wissen wir im Juni. Und dann hoffen wir, dass uns die Teams auf der Bühne so richtig einheizen werden, wenn es nicht ganz so warm wird.

gamona: Sitzen die denn warm? Im letzten Jahr haben die Teams ja teilweise echt gefroren. Klar, das gehört natürlich auch zum Sport dazu. Fußballer haben auf dem Platz auch mit den Temperaturen zu kämpfen. Bleibt das auch in diesem Jahr so - urtümlich, Freiluft-Event und so weiter oder setzt ihr die Spieler in diesem Jahr mit Heizgeräten in ihre Kabine?

Ulrich Schulze: Die sitzen an der frischen Luft, aber wir haben Klimageräte, mit denen sich die Luft sowohl nach oben als auch nach unten korrigieren lässt. Es wird also nicht passieren, dass sie frieren. Sie müssen ja auch gute Bedingungen haben, um Top-Leistungen zu bringen.

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gamona: Klar - die ESL One ist ein internationales Event, das in Deutschland stattfindet. Wenn ich nun aber Twitch anschalte oder vor Ort zuschaue, wirkt es bisweilen doch ein wenig sehr international und man hat als Zuschauer Probleme, überhaupt deutschsprachige Kommentatoren zu finden. Wird sich das in diesem Jahr ändern?

Ulrich Schulze: Wir werden im Stadion weiterhin auf Englisch übertragen, was einfach daran liegt, dass die besten Kommentatoren das aktuell eben in englischer Sprache machen und wir außerdem ja auch ein signifikantes nicht-deutsches Publikum dort haben. 30 Prozent unserer Besucher kommen nicht aus Deutschland und für die wäre es schwer, sich das auf Deutsch anzuhören.

Und alle, die für Dota 2 aus Deutschland kommt, sind die englischen Übertragungen ohnehin gewohnt. Viele der Begriffe sind ja ohnehin auf Englisch. Und alle, die wir da haben, sind ja auch sehr klar zu verstehen in ihrer Aussprache. Insofern machen wir uns da eigentlich keine Sorgen und machen das genau wie im letzten Jahr in englischer Sprache im Stadion.

gamona: Und wir sieht das auf Twitch.tv aus?

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Ulrich Schulze: Da haben wir natürlich alle Varianten. Auf Twitch gibt es den Haupt-Stream, der in englischer Sprache ist. Wir haben Russisch, Französisch, Polnisch, Chinesisch. Es wird auch einen deutschen Stream geben, einen spanischen. Also dort haben wir immer zwischen 15 und 20 Sprachen, je nachdem, wie viele gerade zur Verfügung stehen, die das ganze dann für uns in allen möglichen Sprachen übertragen. Da gibt es die freie Auswahl, auch wenn man mit dem englischen Stream nicht ganz warm wird.

gamona: Das ist gut, denn an dieser Stelle haben derzeit Teile der Community das Gefühl, dass Deutschland da ein wenig den Anschluss verloren hat. Klar - viele Deutsche schauen die Spiele auf Englisch und ordnen sich in der internationalen Community ein. Es gibt aber auch viele deutsche Spieler, die damit eben nicht klarkommen, weil ihr Englisch einfach nicht ausreicht und sie sich ein wenig verloren fühlen, gerade jetzt, wo der E-Sport von einer Randerscheinung zur Massenbewegung geworden ist.

Doch trotz all des Rummels und der hohen Preisgelder hat man oft das Gefühl, dass es in Deutschland noch hakt. Die Fernsehsender reagieren sehr behäbig auf den E-Sport, von der Politik ganz zu schweigen. Da sind die USA oder asiatische Länder bereits weiter. Wo ist der Flaschenhals, der den E-Sport in Deutschland ausbremst?

Ulrich Schulze: Ich glaube, da gibt es zwei Sichtweisen. Die eine ist: Wie hat sich der E-Sport entwickelt, innerhalb der Möglichkeiten, die er hat? Und für uns als E-Sportler ist Twitch die Hauptplattform. Dort schauen sehr viele Leute zu. Wir haben sehr viele Stadion-Events und da würde ich überhaupt nicht von einem Flaschenhals sprechen, das entwickelt sich rasant schnell.

Wie ist das mit dem Rest der Welt - wird meine Mutter, meine Oma irgendwann mal E-Sport schauen? Wahrscheinlich nicht. Ich glaube, zu dem Punkt werden wir nicht kommen. Aber wir sehen auch immer mehr Interesse von klassischen Fernsehsendern. Wir hatten Übertragungen auf EinsPlus. Die haben sich zunächst nur einzelne Sendungen herausgesucht, haben die auch danach erst übertragen, nachdem die Matches gelaufen sind.

Beim letzten Mal haben sie jetzt schon einen kompletten Tag übertragen, was natürlich eine Herausforderung ist. Weil das dann eben - im Falle von Frankfurt irgendwie zwölf Stunden sind und das schon große Zeitfenster sind. Aber wir sehen da deutlich mehr Interesse, allerdings ist für uns die Maßgabe nicht, uns irgendwie dafür anzupassen, dass wir im Fernsehen funktionieren.

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Wir machen das, was für den E-Sport funktioniert und was ja auch mit Twitch und anderen Plattformen bestens läuft. Und irgendwann wird das ganze dann wahrscheinlich auch im klassischen Fernsehen landen, aber dann eben unter den Maßstäben, die für den E-Sport passen und nicht zwingend unter denen, die das Fernsehen für richtig hält.

gamona: Apropos Maßstäbe. Im Moment werden Sportarenen herkömmlicher Sportarten genutzt - im letzten Jahr saß das Publikum auf dem Rasen, in diesem Jahr sitzen wir auf den Rängen.

Ulrich Schulze: Genau. Wir haben im letzten Jahr die Leinwand so genutzt, wie sie für das Public Viewing der Weltmeisterschaft stand. In diesem Jahr waren wir frei in der Planung und haben uns entschieden, den Innenraum zu einem Bühne- und Leinwandbereich plus Bereich mit Partnerständen zu machen und für die Zuschauer die Ränge zu benutzen.

gamona: Das bringt ganz neue Überlegungen mit ins Spiel. Wir benutzen Fußballstadien, Turn- oder Kongresshallen für den E-Sport. Eigentlich braucht der E-Sport aber doch ganz andere Voraussetzungen. Die Musik spielt eben nicht auf dem Fußballfeld oder dem Hallenboden. Was passiert, passiert einerseits dort, wo die Spieler sitzen, andererseits spielt es sich aber auch auf diesem riesigen virtuellen Schlachtfeld ab. Theoretisch müsste sich jetzt mal ein guter Architekt hinsetzen, vorausschauend planen und das Konzept einer auf die Sache zugeschnittenen E-Sport-Arena entwickeln. Beschäftigt ihr euch bereits mit solchen Fragen?

Ulrich Schulze: Wir haben das in sehr kleiner Form schon bei uns im Studio gemacht. Das ist natürlich nicht der Maßstab eines Stadions, aber wir haben unser Studio so ausgebaut, dass es perfekt für E-Sport Events mit bis zu 150 Zuschauern passt. Für den Rest arbeiten wir mit den Arenen, die es im Moment gibt und ich glaube, wir arbeiten auch ganz gut.

Die sind natürlich nicht immer perfekt auf den E-Sport zugeschnitten, aber gerade wenn ich an die Lanxess Arena denke, die muss eben doch vielen verschiedenen Zwecken dienen. Die ist einmal Eishockeyfeld, mal Konzertarena, die lachende Köln-Arena, also Karneval. Das heißt, die ist eh schon eine ganz klassische Mehrzweckhalle. Und genau so wird das auch für uns funktionieren in den nächsten Jahren.

Wir brauchen mehr Bildschirme, wir brauchen einen etwas anderen Bühnenaufbau, aber wir haben bisher an keinem Punkt gedacht, dass das jetzt für uns überhaupt nicht passt. Ob Fußballstadien jetzt immer der perfekte Ort sind, ist etwas anderes. Die sind ja auch meist unter freiem Himmel, was für den E-Sport ohnehin etwas schwierig ist.

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Aber was heute existiert an Stadien und Arenen bietet uns im Normalfall Möglichkeiten, die gut genug sind, den E-Sport entsprechend dort zu zeigen. Und ich glaube, die Entwicklung wird eher dahin gehen, dass man innerhalb dieser Arenen in Zukunft mit noch mehr Elementen arbeitet, die eben viel mehr Displays und Bildschirme beinhalten oder man sich irgendwann auch mal mit dem Punkt Virtual Reality auseinandersetzt.

Aber dass wir jetzt direkt Pläne für E-Sport-Arenen machen, ich glaube, davon sind wir noch ganz weit weg. Ich weiß auch nicht, ob das jemals der Fall sein wird, weil es tatsächlich selten der Fall sein wird, dass man eine Arena das ganze Jahr bespielen kann.

Das müsste der Fall sein, wenn man etwas speziell für den E-Sport baut. Und wir wollen ja auch mit unseren Events auf der ganzen Welt präsent sein, das heißt mal in Deutschland, mal in Polen, mal in den USA, mal in Asien. Und da ist es für uns besser, bestehende Arenen so zu bebauen, dass sie für den E-Sport gut passen.

gamona: So genial die riesigen Events auch sind - wäre es nicht vielleicht an der Zeit, Turniere in kürzeren Abständen stattfinden zu lassen und mal eine gewisse Regelmäßigkeit in die Sache zu bringen, wie es sie im normalen Sport ja gibt. Eine Bundesliga samt unteren Ligen, wo man als Fan über das Jahr hinweg mit seiner Mannschaft mitfiebern, vielleicht auch unkompliziert selber mal einsteigen kann.

Kritiker sprechen hier oft von einem Zirkus, in dem die namhaften Teams wie Artisten immer wieder auftreten, in dessen Arena man selber aber kaum hineinkommt. Der Fußball wurde groß, weil auch ein Ü-40-Spieler eine passende Liga für sich gefunden hat, in der er einsteigen konnte. Warum sind gerade im E-Sport die Hürden so hoch? Ist da etwas in Planung, um die Masse auch irgendwie abzuholen und aktiv mit einzubinden?

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Ulrich Schulze: Ob wir jetzt die ganze Masse abholen und auch Ü-40-Leute haben, die ja mitspielen wollen, ist die eine Frage, die andere, ob es mehr Regelmäßigkeit geben sollte, die würden wir auf jeden Fall bejahen. Das gibt es ja manchmal schon, wenn ich zum Beispiel an StarCraft 2 denke. Dota 2 ist da jetzt ein anderes Extrem, das zum Beispiel auf Einzelevents funktioniert. Aber vor allem im Bereich Counter-Strike sehen wir schon das Potential dafür, das wir dort eine Liga aufbauen, die einen regelmäßigen Spielbetrieb mit großem Finale repräsentiert.

Das funktioniert nicht immer und das hängt auch stark davon ab, wie regional ein Sport ist oder wie sich das insgesamt verteilt, weil es eben doch schwierig ist, so etwas online zu machen und weltumspannend. Bei den Titeln aber, bei denen wir es für umsetzbar halten - gerade bei Counter-Strike ist das der nächste wichtige Schritt ist - da arbeiten wir in jedem Fall daran, dort Ligen aufzubauen, die regelmäßig Inhalte bieten und nicht nur einzelne, riesige Events.

gamona: Was muss den ein Spiel überhaupt mitbringen, um für den E-Sport geeignet zu sein? Wer entscheidet bei euch, welche Titel man mitnimmt und nach welchen Kriterien wird entschieden?

Ulrich Schulze: Wir sind natürlich nicht die einzigen, die das entscheiden. Wir können uns ein Spiel anschauen und sehen, ob es wesentliche Merkmale mitbringt, die es braucht. Ist es multiplayer-fähig, ist Glück kein Faktor, der eine entscheidende Rolle spielt, ist es möglich Custom-Matches zu machen, kann man dabei zuschauen - das sind schon mal die wesentlichen technischen Aspekte.

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Die anderen Aspekte sind - wie groß ist überhaupt die Community und wie viele Leute spielen. Und das hängt im wesentlichen davon ab, wie sehr der Entwickler des Spiels bei der Entwicklung an das Thema E-Sport gedacht hat und wie sehr danach noch daran gedacht wird. Also: Wird das Spiel in seiner Balance ständig angepasst, gibt es regelmäßig neue Features?

Gerade die Spiele mit dem Free-To-Play-Modell haben ja auch hin und wieder mal kleine Neuerungen und kosmetische Items, die dazu führen, dass die Spieler langfristig bei der Stange bleiben. Und das sind Faktoren, die wie natürlich mit beeinflussen können mit Turnieren, die wir veranstalten, die aber auch zum wesentlichen Teil davon abhängen, inwiefern das ein Fokus für die Entwickler des Spiels ist. Wie viele Gedanken haben die sich um den E-Sport gemacht und machen sie sich die auch nach Release noch. Nur dann kann es erfolgreich sein. Die Titel, die aktuell groß im E-Sport sind, werden auch ständig angepasst - mit dem Blick auf E-Sport.

gamona: Hinter der ESL steckt ja eine Firma, die sich Turtle nennt. Und die wurde, wie man vor einigen Wochen in den Nachrichten lesen konnte, verkauft. Was genau steckt dahinter?

Ulrich Schulze: Das sind Gerüchte, die gibt es häufiger mal. Wir sind eine relativ große Firma und wir werden solche Sachen eigentlich nicht kommentieren.

gamona: Die ESL wird also weiterhin bleiben, was sie ist? Wird sich für die Spieler etwas ändern?

Ulrich Schulze: Wir haben Pläne für dieses Jahr. Einige sind angekündigt, andere noch nicht - gerade was die Events und die Spiele angeht. Das werden wir auch weiterhin so machen. Es wird Frankfurt geben, es wird Köln geben, es wird noch weitere Events geben und daran wird sich nichts ändern im Moment.

gamona: Vielen Dank für das ausführliche Gespräch - wir sehen uns dann am 20. und 21. Juni in der Commerzbank-Arena zur ESL One in Frankfurt.

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