Das Gangsterleben macht alleine nicht unbedingt viel Spaß. Das wusste auch schon der berüchtigte Al Capone, deswegen heuerte er sich unzählige Mittelsmänner und Handlanger an, um sein Verbrechermonopol auszubauen. Und weil das bei besagter Gangster-Ikone so gut geklappt hat, machen wir das bei Escape from Paradise City genauso. Ob das ebenso spaßig ist wie vor knapp 70 Jahren, erfahrt Ihr in unserem Review.

Escape from Paradise City - Charakterstudie Boris ChekovEin weiteres Video

Nepper, Schlepper, Bauernfänger
Escape from Paradise City ist kein GTA-Klon, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern eher eine eigenwillige Mischung aus Echtzeitstrategie und Rollenspiel. Im Wesentlichen geht es im Spiel darum, in besagter Stadt Gebiet für Gebiet einzunehmen - eben wie in einem Strategietitel. Das erfolgt in folgenden Schritten: Zuerst sucht Ihr den Boss des Distrikts, was durch einen Marker auf Eurer Karte kein schweres Unterfangen ist.

Escape from Paradise City - Nepper, Schlepper, Bauernfänger: In Paradise City macht Gangster sein noch Spaß.

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Sieht nach einem echten GTA aus, ist aber in Wahrheit etwas völlig anderes.
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Danach bekämpft Ihr ihn bis er nur noch einen winzigen Healthpoint-Anteil hat und man ihn nicht weiter beharken kann. Automatisch legt der Bösewicht seine Waffen nieder und ergibt sich. Da es nicht unbedingt klug ist, ihn zu töten, drücken wir ihm die Pistole an die virtuelle Schläfe und erpressen ihn. Warum? Ganz einfach: Fortan rennt der Verlierer durch seinen eigenen Distrikt und erzählt jedem - vor allem den Besitzern seiner Waffenläden, Bars und Geschäfte - dass Ihr nun der neue Boss des Distrikts seid.

In dieser Zeit habt Ihr vorerst nicht mehr viel zu tun. Nachdem der Unterlegene mit dem Stille-Post-Prinzip fertig geworden ist, gehört das Gebiet endgültig Euch. Leider war es das auch schon größtenteils mit den Gameplay-Ideen, denn viel mehr hat Escape from Paradise City im Großen und Ganzen nicht zu bieten. Da wäre allenfalls noch die Story um drei verurteilte Verbrecher, die, um sich vor ihrer eigenen Strafe zu retten, in Paradise City als Undercover-Ermittler tätig sind.

Da wäre zum Einen der Waffenspezialist Nicholas Porter, zum Anderen die im wörtlichen Sinne messerscharfe Angel Vargas und zu guter Letzt der knallharte Boris Chekov, der bereits von Anfang an einen ständig begleitenden Handlanger sein Eigen nennen kann. Die Unterschiede ergeben sich wie folgt: Porter greift schon früh auf eine Maschinenpistole zurück, während Angel mit ihren Nahkampffähigkeiten per Klinge punkten kann.

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Der Boss des Distrikts ist schon eingeschüchtert. Fortan heißt es warten, bis das Gebiet uns gehört.
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Boris hingegen hat die doppelte Durchschlagskraft durch eine eigens mitgeführte Pistole sowie seinen Schläger im Rücken. Dennoch bietet Escape from Paradise City lediglich eine Kampagne, in deren Verlauf man ständig zwischen den einzelnen Charakteren hin- und herwechselt. Das Spielprinzip bleibt dabei jedoch gleich: Mit der Übernahme eines Distrikts und dem Erledigen feindlich gesinnter kleiner sowie großer Gangs verdient Ihr Erfahrungs- und Skillpunkte, die Ihr dann sowohl in die Attribute - Körper, Konzentration, Schnelligkeit, Charisma etc. - als auch in den Erwerb neuer Fähigkeiten steckt.

Letzteres geschieht in einer Art Skillbaum, wie man ihn auch aus zahlreichen Rollenspielen kennt. Das nötige Kleingeld für Heil-, Stärke- und Resistenztränke, Waffen und natürlich Handlanger sammelt Ihr aus den Leichnamen erledigter Gegner, die es zuhauf in der Spielwelt gibt. Die eingeflochtene Story um einen mysteriösen Virus kommt beim ganzen "Gebiete einnehmen" und "noch bösere Buben umnieten" jedoch nie wirklich in Fahrt, was Escape from Paradise City Atmosphäre kostet.

Skillerspiel
Größtenteils sinnlos ist die optionale Third-Person-Kamera, die Euch den Charakter statt wie in einem Strategietitel per Maus mit den Tasten steuern lässt, was man aber gleich wieder vergessen sollte, da es wesentlich bequemer und vor allem auch übersichtlicher ist, seine Figur mit simplen Klicks durch die Umgebungen zu scheuchen.

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Leichen pflastern seinen Weg: Bei Nicholas Porter bleibt kein Stein auf dem Anderen.
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Auf der anderen Seite seid Ihr dem Geschehen aber so am Nächsten, denn mit der Strategiekamera darf man zwar heranzoomen, jedoch längst nicht so nah wie man es gerne möchte und es aus Spielen wie Warhammer 40k: Dawn of War oder World in Conflict gewöhnt ist. Merkt Ihr, dass Ihr alleine aufgeschmissen seid, was im Übrigen recht selten passiert, kauft Ihr in einer Eurer Bars einfach einen Handlanger. Dadurch wird das Gangsterleben einfacher, auch wenn fortgeschrittenere Spielernaturen oft soweit geskillt sein sollten, dass sie das Einnehmen von Territorien im Alleingang schaffen.

Optisch macht Escape from Paradise City Einiges her, vor allem der schick in Szene gesetzte Tag-/Nachtwechsel und die Mündungsfeuer sind hübsch anzusehen. Etwas enttäuschend sind jedoch die eher abwechslungsarmen, urbanen Szenarien und die oft gleich aussehenden Widersacher. Wenigstens läuft das Spiel auch auf älteren Rechnern flüssig. Gelungen ist auch die englische Sprachausgabe, die Ihr vorrangig in den Beschreibungen der Missionsziele zu hören bekommt.

Noch ein Wort zum Mehrspielermodus: Mangels Servern und natürlich auch Spielern - das Rezensionsmuster erreichte uns vor Release - können wir Euch an dieser Stelle leider keine Auskunft darüber geben, ob der Multiplayerpart von Escape from Paradise City etwas taugt. Fakt ist, dass dem Käufer die Modi "Standard", "Ermordung" und "Dominieren" per LAN- und Online-Verbindung geboten werden. Die Areale bieten dabei für bis zu acht Spieler Platz.

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Am Tage ist Paradise City schon gefährlich, in der Nacht wird die Stadt endgültig zum Moloch des Verbrechens.
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Während "Ermordung" einem klassischen Deathmatch gleichkommt, erfordert der "Dominieren"-Modus hingegen das aus der Kampagne bekannte Erobern von Distrikten. Eine Gruppe hat erst dann gewonnen, wenn es die festgelegte Anzahl an Territorien des gewählten Szenarios hält. Der "Standard"-Modus entspricht eher einem freien Match. Die Spieler müssen entweder alle Distrikte einnehmen oder die Rückzugsbasis der Gegner erobern und deren Charaktere umnieten. Die Anzahl der Leben ist so lange unbegrenzt wie Spieler noch Areale zum Respawnen unter ihrer Kontrolle haben.