ENTER THE MATRIX SPECIAL
(von Patrick Streppel)

Dies wird das Jahr der »Matrix«. Neben den zwei großen Kinofortsetzungen - im Mai startet »Matrix Reloaded« und rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft kommt »The Matrix Revolutions« - und die Animatrix-DVD erscheint im Juni.

Das ehrgeizige Spielprojekt »Enter the Matrix« haben die Wachowsky-Brüder im Verein mit den Entwicklern von Shiny Entertainment realisiert. Es könnte der Start einer neuen Zusammenarbeit der Games-Industrie mit Hollywood sein.

Der Anfang
Am 31. März 1999 flimmerte ein Meilenstein der Kinogeschichte erstmals über die Leinwände. Kaum zu glauben, dass Larry und Andy Wachowsky Jahre brauchten, um Hollywood von Neo's epischem Kampf um die virtuelle Realität zu überzeugen. Anfangs nur belächelt, schufen die Wachowskys einen der ambitioniertesten, innovativsten und technisch schlichtweg beeindruckendsten Filme der 90-er Jahre. Kaum zu glauben, dass aus diesem Stoff nicht schon eher ein Spiel entstanden war.

Tatsächlich waren die jungen Brüder aus Chicago schon vor dem Dreh ihres Debüts bei Shiny-Präsident Dave Perry, um über ein zeitgleich erscheinendes Spiel zu sprechen. Doch Perry, der gerade an »Messiah« und »Sacrifice« arbeitete, wies das Angebot zurück. Erst als er den Film sah, bereute der Kalifornier seine Entscheidung und griff prompt zum Hörer. Das Ergebnis ist »Enter the Matrix«.

Film oder Spiel?
»The Matrix« war von Anfang an für mehr als nur einen Film ausgelegt, es war der Startschuss zu einem ganzen Universum, in dem sich zahlreiche Geschichten erzählen lassen. Die Kinofortsetzungen sind ein Teil davon, die Kurzgeschichten der Animatrix-DVD und auch »Enter the Matrix«. Die Story des Spiels ist so elementar mit den Filmen verknüpft, wie ein imaginärer vierter Teil.

Als Intro dient der Kurzfilm »The Final Flight of the Osiris«, der von den Schöpfern des »Final Fantasy«-Kinofilms stammt. In dem rund zehnminütigen Render-Film stößt die Osiris auf eine Flotte von Wächterdrohnen sowie einer gigantischen Maschine, die sich Zion, dem letzten Unterschlupf der freien Menschen in der Realität, nähert.

Kurz bevor das Schiff zerstört wird, gelingt es diese Information in der Matrix zu verstecken - hier beginnt Ihr Abenteuer.

Wahlweise schlüpfen Sie in die Haut des Asiaten Ghost oder der schönen Afrikanerin Niobe. Ihre erste Aufgabe ist das Auffinden der hinterlegten Information, wobei Ihnen Operator Sparks auf Ihrem Schiff zur Seite steht.

Packshot zu Enter the MatrixEnter the MatrixErschienen für PS2, XBox, GameCube und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Je nachdem für wen der beiden Charaktere Sie sich entscheiden, ändert sich der Spielverlauf. So sind beide in unterschiedlichen Teilen eines Gebäudes unterwegs oder übernehmen in Fahrsequenzen andere Aufgaben: Niobe fährt, Ghost schießt.

Filmfans mögen enttäuscht sein, dass sie nicht in die Rollen von Neo, Morpheus oder Trinity schlüpfen dürfen, doch die Hauptdarsteller der Filme sind in jedem Fall auch im Spiel zu sehen. Die Geschichte von Niobe und Ghost beginnt nach dem ersten Kinofilm und nach »The Final Flight of the Osiris«, verläuft dann aber parallel zu »The Matrix Reloaded«.

Hand in Hand mit Hollywood
Die Filmregisseure waren auch bei der Produktion des Spiels involviert. So konnte Shiny auf 25 000 Fotos und über ein Terrabyte an Original-Filmmaterial zurückgreifen. Den Designern standen Sets und Drehbücher zur vollen Verfügung, um Überschneidungen von Spiel und Film so authentisch wie möglich zu gestalten. Eine einmalige Besonderheit sind die Zwischensequenzen: Über eine Stunde an realen Filmsequenzen mit den Original-Schauspielern wurden in den australischen Studios exklusiv für das Spiel erstellt.

Hinzu kommen Rendersequenzen, Filmausschnitte und die üblichen Szenen innerhalb der Spielgrafik. Aber auch hier zeichnet sich Filmflair ab:Alle Einstellungen, Kameraperspektiven und Schnitte wurden von den Wachowsky-Brüdern via Storyboard vorgegeben, die digitalen Polygonmodelle werden von den Darstellern gesprochen und dank Motion-Capturing lebensecht animiert.

32 Spezialkameras nahmen 3500 Martial-Arts-Bewegungen von Anthony Wong (Ghost) und Jada Pinket-Smith (Niobe) auf, damit die Stunts und Kicks im Spiel so beeindruckend wie im Film aussehen. Insgesamt hat Shiny über 32 Monate an dem teuersten Spielprojekt aller Zeiten gearbeitet, das in der PC-Version auf sechs CDs ausgeliefert wird.

Enter The Matrix: angespielt
Im Vorfeld der Veröffentlichung erhielten wir die Möglichkeit, eine Vorabversion des Spiels anzutesten. Auffällig: Die Real-Szenen fehlten ebenso wie die speziell angefertigten Zwischensequenzen. Von der Qualität der Ingame-Cuts durften wir uns jedoch bereits überzeugen. Zu Beginn des Spiels finden Sie sich in einem Gebäudekomplex wieder, der überwiegend von Wachleuten bevölkert ist. Schnell finden diese jedoch ihre wahren Absichten heraus und gehen - teilweise - zum Angriff über. Schlechte Entscheidung: Dank der intuitiven Steuerung von »Enter The Matrix« verprügeln Sie diese ersten Gegner mit Leichtigkeit. Wenige Tasten führen die wichtigen Aktionen aus, das Ergebnis sind zum Teil spektakuläre Moves.

Mit dem linken Analog-Stick bewegen Sie Ihre Figur, mit dem rechten wechseln Sie in die Ego-Perspektive. Die Kamera ist ansonsten jedoch fest eingestellt.Jeweils eine Taste dient zum schlagen, treten, springen, benutzen oder Waffe ziehen. Mit dem Analog-Kreuz schalten Sie die Schießeisen durch, mit der linken Rücktaste aktivieren Sie den Fokus. Als eine Art Bullet-Time verringert dieser Effekt die Spielgeschwindigkeit, lässt Sie besser zielen, sowie bei gedrückt halten der rechten Rücktaste strafend Feindfeuer ausweichen. So einfach die Steuerung und das grundsätzliche Gameplay des Spiels sind, so abwechselungsreich ist das Ergebnis: Mal springen Sie durch eine Glasscheibe, mal schlagen Sie dem Gegner eine Waffe aus der Hand, um sie dann nahtlos gegen den nächsten Feind einzusetzen. Bei aktiviertem Fokus rennen Sie an Wänden entlang, rollen sich zur Seite ab oder strecken gleich zwei Feinde mit einem Rundum-Kick zu Boden.

Neben den Nahkampfszenen und Feuergefechten wird das Spiel durch gescriptete Elemente und Variationen im Gameplay aufgelockert.