Es war einmal eine böse Alienrasse – halb Mensch, halb Maschine – die beschloss, der Erde den Garaus zu machen. Nein, wir reden hier nicht von den Borg und ihren Assimilationsbestrebungen, gemeint sind die Strogg. Die liefern sich nämlich im Multiplayer-Shooter "Enemy Territory: Quake Wars" heiße Gefechte mit den Gutmenschen der Global Defense Force.

Während PC-Kämpfer bereits seit letztem September in den Dauerkonflikt verwickelt sind, haben jetzt auch PS3-Besitzer die Möglichkeit, beiden Seiten bei der Erreichung ihrer Ziele zu helfen. Und ob das auf der Konsole genauso viel Spaß macht wie am Rechenknecht, erfahrt Ihr in unserem Test.

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Wer bei einem Mehrspieler-Schießspiel eine komplexe Hintergrundstory erwartet, glaubt wahrscheinlich auch, dass Italien Europameister wird. Und so hält sich das erzählerische Geschehen denn auch in sehr übersichtlichem Rahmen. Strogg gegen Menschen, Schauplatz ist die verwüstete Erde. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Enemy Territory: Quake Wars - Strogg-Invasion auf der PS3: Hat der Multiplayer-Shooter auch auf Konsole den nötigen Wumms?

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Für ihre Invasion fahren die Strogg schweres Geschütz auf.
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Wer die PC-Version gespielt hat, wird sich auf Anhieb zurecht finden: Auf insgesamt zwölf Karten geben sich die Kontrahenten gegenseitig aufs virtuelle Maul. Zu Beginn eines Einsatzes wählt man die Fraktion sowie eine der fünf verschiedenen Klassen aus und stürzt sich danach ohne weitere Umschweife ins Gefecht. Die Zielvorgabe orientiert sich an den gängigen Mustern: dem Gegner nach und nach dessen Territorium abnehmen und Spawn-Punkte einsacken. Je besser man sich dabei anstellt, desto mehr Punkte fließen auf das virtuelle Konto der eigenen Fraktion.

Kriegstreiberei

Um das Ganze ein wenig aufzulockern, gibt es weitere Aufgaben, die beide Seiten zu erledigen haben. So müssen die GDF-Truppen beispielsweise an bestimmten Punkten Geschütze errichten oder Brücken basteln, die das Fortkommen erleichtern. Umgekehrtes gilt natürlich auch für die Herren von der Strogg-Fraktion.

Packshot zu Enemy Territory: Quake WarsEnemy Territory: Quake WarsErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Je nach Vorgabe hat man für das Erreichen eines Teilzieles mehr oder weniger Zeit, was das Tempo der Matches steigert. Das macht zwar eine Menge Spaß, wenn man sich auf die hohe Geschwindigkeit der Partien einlassen kann, doch ruhigere Naturen, die ein taktisches Vorgehen bevorzugen, haben hierbei das Nachsehen.
Wer sich erst einmal an das rasante Tempo gewöhnen und die Karten kennen lernen möchte, der sollte vor seinem Online-Kriegseintritt den Singleplayer-Part auswählen.

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Autowäsche einmal anders...
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Da man hier ebenfalls die Kampagnen und alle weiteren Modi durchzocken kann und alle Maps zur Verfügung stehen, lohnt sich ein längerer Blick auf das Einzelspiel in jedem Fall. Zwar ist die KI der Bots nicht gerade Nobelpreis-verdächtig, doch zum Üben langt sie in jedem Fall. Wer jedoch auf langen Offline-Spielspaß hofft, sieht sich getäuscht, denn für mehr als einige Trainingseinheiten langt es nicht. Dafür fehlt es einfach an Abwechslung, außerdem verhalten sich die KI-Kumpels nicht differenziert genug, so dass man deren Verhalten nach einiger Zeit in- und auswendig kennt.

Klassengesellschaft

Dreh- und Angelpunkt für Erfolg oder Versagen auf den Schlachtfeldern ist die richtige Mischung der fünf Klassen. Denn die Aufgaben sind so ausgelegt, dass bestimmte Jobs nur von bestimmten Soldaten erledigt werden können. So können nur Techniker Brücken bauen, und nur Soldaten hantieren gezielt mit schweren Wummen. Und wer des Gegners Trafostation unbrauchbar machen will, der benötigt zwingend einen Geheimagenten. Der ist zwar verwundbarer als eine Weichschnecke, doch nur er verfügt über das nötige Talent, Einrichtungen zu sabotieren.

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Falschparkern werden knallhart die Reifen zerstochen.
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Natürlich kann man nicht dauerhaft alle Angehörigen einer Klasse verlieren; wer vom Gegner entsorgt wurde, taucht nach einigen Sekunden Verzögerung wieder am Spawnpunkt auf. Doch der mit damit einhergehende Zeitverlust ist natürlich ärgerlich und kann zu einer Niederlage führen, weil man das zu erreichende Ziel nicht mehr rechtzeitig erfüllt. Gutes Teamplay ist deshalb hier noch wichtiger als bei Battlefield und Co. Wer als Sturmsoldat dem Geheimagenten bei der Erfüllung seiner Ziele nicht heldenhaft zur Seite steht, wird kläglich scheitern. Umgekehrt ist ein Rambo-mäßiger Angriff von muskelbepackten Sturmtrupplern schnell zum Scheitern verurteilt, wenn vorher nicht die Abwehrkanonen der Gegenseite sabotiert wurden.

Quake war schon immer für einen Quickie gut. Doch wie beim schnellen Sex gilt auch hier: Manchmal ist es schon vorbei, bevor es richtig begonnen hat.Fazit lesen

Dennoch spielt echte Taktik nicht wirklich die Hauptrolle in den virtuellen Quake-Schlachten. Denn dadurch, dass nicht nur alle Spawn-Punkte eingenommen werden müssen, sondern bestimmte Ziele innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit zu erreichen sind, konzentrieren sich die Kämpfe zumeist auf bestimmte Punkte der Map. Da alle Beteiligten gleichzeitig zum nächsten Missionspunkt hetzen, geht dort stets die Sau ab. In den umliegenden Bereichen hingegen herrscht meist himmlischer Friede. Spielerisch mag dieses Prinzip Geschmackssache sein, in Sachen Geschwindigkeit hingegen ist es gut gelöst, denn auf diese Weise sind extrem schnelle Matches garantiert.

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Entdeckt: der Wohnsitz von Captain Iglu.
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Es ist übrigens nicht möglich, sein Team in verschiedene Squads aufzuteilen. Das ist insofern nicht nachzuvollziehen, als dass die PC-Version des Spiels – zumindest nach einem Update – genau diese Möglichkeit geboten hat. Das dürfte insbesondere Battlefield-Fans erzürnen, denn durch eine Aufteilung der eigenen Mannschaft in mehrere Truppen ergeben sich dort zahlreiche weitere taktische Möglichkeiten. Warum in der PS3-Version dies nicht mehr berücksichtigt wurde, ist nicht nachzuvollziehen und drückt deshalb auf die Wertung.

Abgefahren

Fahrzeuge spielen auch bei Quake Wars eine entscheidende Rolle. Dumm nur, dass sich die Gefährte in der PS3-Version sperriger steuern als ein Trabant auf asphaltierter Straße. So werden Panzer beispielsweise mit dem linken Analogstick bewegt, während der rechte für die Rotation des Turms und das Zielen zuständig ist.

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Vier Räder, zwei Beine, ein Propeller: Für Fortbewegung ist gesorgt.
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Besonders in hektischen Situationen fährt man sich ein ums andere Mal fest, weil man verzweifelt versucht, die Richtung zu halten, während man andererseits ballert. Auch der mögliche Perspektivwechsel bringt kaum Linderung. Gleiches gilt auch für Flugobjekte, mit denen man ähnlich volltrunken durch die Gegend eiert. Das ist ärgerlich, denn aufgrund der Map-Größe ist der Einsatz von fahrbaren Untersätzen durchaus empfehlenswert.

Darüber hinaus ist es nahe liegend, die feindliche Basis nicht nur mit Fußtruppen anzugreifen. Das ist zwar heldenhaft, endet aber zumeist in der Horizontalen für alle Beteiligten. Hinzu kommt die hohe Spielgeschwindigkeit, durch die der Versuch eines taktischen Vorgehens oft in einer wilden Ballerei endet. Fahrzeuge sind dabei alles andere als hilfreich, weil ihre Steuerung oft zu ungenau ist.

Bildbeschreibung

Grafisch sollte man in der PS3-Version zwar keine Wunder erwarten, doch insbesondere auf größeren Bildschirmen weiß die Engine mit schönen Bildern zu begeistern. Aus der Nähe wirken viele Texturen jedoch verwaschen und leicht unscharf. Warum die leicht angestaubte Grafikengine des Spiels nicht noch eine Runderneuerung spendiert bekommen hat, bleibt allerdings ein Rätsel. Hier wäre sicherlich noch mehr möglich gewesen.

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Mit der richtigen Soundanlage ist ordentlich Wumms drin.
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Soundtechnisch gibt es dagegen absolut nichts zu meckern. Besitzer von Surround-Anlagen sind eindeutig im Vorteil, denn es sirrt, rummst und kracht aus allen Richtungen. Das produziert nicht nur eine Menge Adrenalin, sondern fördert auch die interkulturelle Kommunikation mit den Nachbarn. Die Musik passt sich dem Geschehen ebenfalls sehr gut an und überzeugt mit treibenden Klängen. Da kommt echt Freude auf!

Fans schneller Mehrspielershooter, die sich an den genannten Nachteilen nicht stören, kommen hier in jedem Fall auf ihre Kosten. Freunde taktischer Ballerkost, insbesondere auf der PS3, sollten hingegen erst einmal einen Blick riskieren, denn sie könnten womöglich enttäuscht werden.