Über den Wolken soll nach Reinhard Mey ja bekanntlich die Freiheit grenzenlos sein. Enemy Engaged 2 macht diese Weisheit nun zum Prinzip für Computerspiele: Da gibt's schier endlos freie Landschaften und so ganz nebenbei noch eine realistische Hubschraubersimulation. Was der Titel taugt, erfahrt Ihr im Review.

SimCopter
Zwei Spielerkreise sollten sich bitte von vornherein bei Enemy Engaged 2 nicht angesprochen fühlen: Zum Einen wären das die Grafikpuristen, zum Anderen anspruchslose Zockernaturen, die eher auf flotte Arcade-Shooter aus sind. Während erstere angesichts der gähnend leeren und detailarmen Umgebungen gleich dankend abwinken dürften, würden sich Letztere wohl tierisch langweilen. Denn Enemy Engaged 2 macht vom Cover her den Eindruck, als sei es ein schnörkelloser Helikopter-Actioner ohne großartigen Bedarf an Realismus.

Enemy Engaged 2 - Feindkontakt über den Wolken: drei Kampagnen, zwei Helikopter, ein Super-Spiel?

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Der Hokum im Landeanflug: prächtig!
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Ahnungslose Käufer könnten also eine faustdicke Überraschung erleben, denn das Spielhandbuch breitet allein die Steuerungsbefehle auf sage und schreibe neun (!) Seiten aus, plus einer Seite für die per Mikrofon aktivierbaren Sprachbefehle. Diese Anzeichen können nur für eine waschechte Simulation sprechen - und das ist Enemy Engaged 2 definitiv. Diese Erkenntnis kommt allerdings nicht von ungefähr, denn bereits der Vorgänger Comanche vs. Hokum aus dem Jahre 2000 schlug in eine ähnliche Kerbe.

Statt sich aus einer Armee aus Helikoptern das gewünschte Exemplar zu wählen, hat der Spieler lediglich die Auswahl zwischen zwei bis ins Detail simulierter Fluggeräte: der US-amerikanische RAH-66 Comanche und der russische KA-52 Hokum B. Was gibt es damit zu entdecken? Mehr als riesige 300.000 Quadratkilometer in den Ländern Libanon, Taiwan und Korea, die es in sich haben: Schließlich tobt hier der bittere Krieg. Bevor es jedoch in die ersten Einsätze geht, sollte man dringend erste Erfahrungen in speziellen Übungen sammeln, denn wie im echten Leben gilt: Hubschrauber fliegen kann logischerweise nicht jeder auf Anhieb.

Logisch: Den Krieg gewinnt man - es gibt drei Kampagnen - nicht im Alleingang. Vielmehr kann sich der Spieler als Unterstützung der automatisch agierenden Bodentruppen sehen. Je nach Ausgang der Mission verliert Eure Partei entweder Gebiete oder gewinnt sie. Die einzelnen Aufträge dürft Ihr nach Belieben auswählen: Neben dem gewöhnlichen Geleitschutz fegt Ihr in anderen Missionen potenziell gefährliche Flugkörper vom Himmel oder kundschaftet feindliches Terrain aus.

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Hat mächtig was zu bieten: Der RAH-66 Comanche.
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Gut gefallen haben uns in den Aufträgen vor allem die stimmigen, da wirklichkeitsgetreuen Sprachsamples der Crew und die des Headquarters. Dagegen scheinen die Soundeffekte eher aus dem betagten Vorgänger zu stammen, denn so sehr Enemy Engaged 2 auch auf Realismus getrimmt wurde -ein echter Helikopter mitsamt Bewaffnung hört sich anders an.

Zwei Helikopter, drei Kampagnen...
Neben der allgemeinen Steuerung des Helikopters, die an sich schon mehr als umfangreich ist, sollten angehende Piloten jedoch jedes noch so kleine Detail berücksichtigen. Vom Aktivieren der Rotorblätter bis zur Vergrößerung der Raketensalven über Strömungsabrissen zu Kleinigkeiten bei der Landung des sich wirklich echt anfühlenden Monstrums ist wirklich alles dabei, was der Hardcore-Fan braucht. Bei etwaigen Problemen lassen sich bestimmte Funktionen natürlich auch automatisch übernehmen oder gleich ganz deaktivieren, wie in einem Fahrsimulator, beispielsweise GTR 2, eben.

Der hohe Realismusgrad setzt sich sodann bei den Unterschieden zwischen den beiden Fluggeräte fort: Während der mit Hellfire-Rakten bestückte Comanche auf Tarnung setzt und durch seine Form nicht ganz so leicht vom Radar erkannt werden kann wie sein russisches Pendant, ist der Hokum besser ausgestattet. Dabei bietet das Spiel vor allem beim KA-52 Hokum B neben üblichen Bord-Maschinengewehren auch ein breites Spektrum an Artillerie-Raketen, Luft-Luft-Missiles und so weiter und so fort.

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Von wegen, alles Gute kommt von oben! Die Panzer sind bald Geschichte.
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Und doch ist Enemy Engaged 2 trotz Einbeziehung vieler natürlicher Aspekte und der ausufernden Liste an Steuerbefehlen kein Hardcore-Game: Es wird eben doch nicht alles simuliert, an was ein echter Pilot denken muss. Trotzdem ist vor allem die Gestaltung der dreidimensionalen Cockpits die pure Authenzität - auch wenn es in einem realen Helikopter natürlich mehr Schalter und Knöpfe gibt. Habt Ihr einmal die Nase voll vom Pilotensitz, könnt Ihr diesen auch einem CPU-Kollegen überlassen. Derweilen macht Ihr es Euch auf dem Co-Pilotenplatz bequem und dürft mit der Bordbewaffnung hantieren.

Schade: Das vorliegende Werk macht quasi nichts anderes als sein sieben Jahre alter Vorgänger - und manches dabei leider schlechter. Vor allem hinsichtlich der Stabilität kann sich EE2 ein Stück vom Erstling abschneiden: Unerklärliche Abstürze während des Ladens, aufpoppende Teile der Flora und Fauna sowie flimmernde Objekte dürfen anno 2007 einfach nicht mehr sein. Ein bisschen mehr Feintuning hätte Enemy Engaged 2 gut zu Gesicht gestanden.

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Immerhin die Helikoptermodelle sind den Entwicklern gelungen.
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Viel Potenzial büßt das Spiel außerdem beim Mehrspielermodus ein. Die Maps sind nicht wirklich kleiner als die der Einzelspielerkampagne - und diese waren verdammt groß! Wer also nicht gerade per LAN oder Online-Verbindung die Maximalanzahl von 16 Spielern auf einem Server vereinen kann, wird nicht viel Spaß damit haben. Hier könnte nur durch einen offiziellen Patch oder durch die Unterstützung der Community Schützenhilfe kommen. 1on1-Dogfights kann man bisher jedenfalls getrost vergessen.