Neulich auf der Universität in Yokohama: Ein großmäuliger Rotzlöffel und Student macht sich mit zwei Kumpels auf den Weg, um ein großes Straßenfest zu besuchen, das nebenan stattfindet. Plötzlich bricht die Hölle los. Wildgewordene künstliche Lebewesen, Golems genannt, die gerade eben noch friedlich ihren verschiedenen Tätigkeiten nachgingen, drehen durch und legen die Umgebung in Schutt und Asche.

Was hier ein wenig an den allwöchentlichen Fußball-Drittligazoff im Osten Deutschlands erinnert, ist in Wahrheit der Anfang von »Enchanted Arms«, Ubisofts Antwort auf die Final-Fantasy-Reihe für die PS3. Zwar kommt das Spiel nicht an das große Vorbild heran, hat aber durchaus seine reizvollen Seiten, wie unser Test gezeigt hat.

Enchanted Arms - Launch Trailer

Geschichten aus der Geschichte
Einst wurde die Welt von den Golem-Kriegen erschüttert. Erschaffen von mächtigen Gelehrten, hatten die künstlichen Wesen ihren Herren gedient und ihnen während der Schlachten zur Seite gestanden. Ihre Meister hatten irgendwann das Zeitliche gesegnet, doch die Golems waren nicht zu bremsen und hatten ihr Zerstörungswerk fortgesetzt. Und so wäre es seinerzeit fast um die gesamte Welt geschehen gewesen, wenn die mythischen Wesen nicht einfach aufgehört hätten zu funktionieren.

Die Menschen bauten die Städte wieder auf und deckten den Mantel des Schweigens über die Vorkommnisse. 1000 Jahre später erinnert sich niemand mehr an das, was seinerzeit passiert war. Golems gibt es immer noch, doch sie dienen friedlich den unterschiedlichsten Zwecken.

Enchanted Arms - Kein Final Fantasy auf der PS3? Dieses Spiel möchte Ersatz sein. Erfolgreich?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 43/481/48
Mit den Zwischensequenzen übertreibt es Enchanted Arms ein wenig.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Soviel zur Vorgeschichte von »Enchanted Arms«. Als Spieler übernimmt man die Rolle von Atsuma, einem Studenten der Universiät von Yokohama. Der ist ein faules Stück und ein rotzfrecher Angeber. Anstatt zu lernen verbringt er seine Zeit lieber mit Faulenzen und hängt mit seinen Kumpels, dem ehrgeizigen und vielseitig gebildeten Toya und dem schwulen, megazickigen Makoto, ab.

Als die drei eines Tages auf einem Straßenfest unterwegs sind, gerät die Welt aus den Fugen. Die Temperatur sinkt ins Bodenlose, und die vormals friedlichen Golems ziehen mordend und plündernd durch die Gegend. Im Laufe ihrer Suche nach den Ursachen der Vorkommnisse geraten die drei in eine längst vergessene unterirdische Anlage, in der der letzte mächtige Golem von einst, die Queen of Ice, gefangen ist.

Packshot zu Enchanted ArmsEnchanted ArmsErschienen für Xbox 360 und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Es überrascht wohl Niemanden, dass es ausgerechnet Atsuma ist, der die Eiskönigin - unfreiwillig - befreit und damit großes Ungemach über die Welt heraufbeschwört, denn die frostige Dame bereitet den Menschen einen ebensolchen Empfang und lässt das Land unter einem dicken Eispanzer erstarren. Dumm gelaufen, und Ehrensache, dass Atsuma alles daransetzt, die bedauerlichen Vorgänge ungeschehen zu machen. Dabei wandelt er sich zusehends vom pubertierenden Rotzlöffel zum smarten Superhelden mit gewaltigen Kräften.

Eis am Stiel
Grundsätzlich hätte die spannende Story kurzweilig und interessant erzählt werden können. Doch leider krankt das Geschehen an zahlreichen Stellen, was auf Kosten der Spielatmosphäre geht. In den oft quälend langen Zwischensequenzen ist man gezwungen, sich durch endlose Textwüsten zu klicken. Die wurden zwar teilweise vertont, kommen allerdings in einem völlig übertriebenen und zum Teil schlechten Englisch daher. Auch die Stimmen sind eher farblos und langweilig, von Makoto einmal abgesehen, dessen Tonlage passenderweise an Frank 'N' Furter erinnert. Besonders die Eiskönigin spricht mit einer Stimme, die so gar nicht zu ihrem Naturell passen will.

Enchanted Arms - Kein Final Fantasy auf der PS3? Dieses Spiel möchte Ersatz sein. Erfolgreich?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Die Faust im Nacken...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Immerhin können die Sequenzen durch Druck auf den Start-Button übersprungen werden, doch findet man sich dann unvermittelt im nächsten Spielabschnitt wieder und hat womöglich wichtige Erzählabschnitte verpasst. Die Story verläuft absolut linear und beschränkt sich zumeist auf das Ablaufen von festgelegten Routen. An einigen Stellen tauchen in den Level lilafarbene Kristalle auf, an denen man Items an- und verkaufen, seine Waffen upgraden oder neue erstehen kann, sowie Zutaten für den nächsten Golem erwirbt.

Das Sammeln möglichst vieler dieser unterschiedlichen Kunstwesen ist nicht nur elementarer Bestandteil, sondern darin liegt ein großer Reiz des Spiels. Bis zu 130 Golems umfasst das virtuelle Repertoire. Um sie zu erstellen, benötigt man verschiedene Energien und Baumaterial, das entweder gefallene Gegner droppen oder das man in den Shops erwerben kann. Jeder der künstlichen Kämpfer verfügt über unterschiedliche Eigenschaften und ist demzufolge für verschiedene Zwecke einsetzbar.

Enchanted Arms - Kein Final Fantasy auf der PS3? Dieses Spiel möchte Ersatz sein. Erfolgreich?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 43/481/48
Ein Golem sagt Hallo.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Leider beschränkt sich die Sammelleidenschaft größtenteils auf den »Haben wollen«-Faktor, denn zum einen sind die künstlichen Helferlein in ihren Angriffsmöglichkeiten etwas beschränkt, zum anderen besteht die eigene Party immer nur aus maximal vier Mitgliedern. Man kann zwar die Gruppe jederzeit umstrukturieren, doch aufgrund der zufallsbasierten Auseinandersetzungen weiß man vorher nicht, welche Gegner einen erwarten. Befindet man sich im Kampfmodus, ist ein Wechseln der Charaktere nicht mehr möglich.

Kampfadern
Das rundenbasierte Kampfsystem ist eigenwillig, allerdings auch bemerkenswert und offenbart sich als sehr einsteigerfreundliches Highlight des Spiels. Trifft man mit seiner Party auf Gegner, so wechselt das Geschehen in eine Art Kampfarena, die in zwei Hälften von je drei mal vier Quadraten aufgeteilt ist. Die vier eigenen Spielfiguren können sich in der einen Hälfte der Arena in einem gewissen Radius bewegen, die Gegner in der anderen. Ein Überwechseln auf die andere Seite ist nicht möglich.

Die Anzahl der Buhmänner variiert von Gefecht zu Gefecht, wobei auch hier nicht mehr als vier Teilnehmer möglich sind. Die Klopperei ist in eine Bewegungs- und eine Aktionsphase unterteilt. Da die Partymitglieder über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen, ist es ratsam, sowohl in der Planung der Bewegungen als auch der möglichen Aktionen Sorgfalt walten zu lassen, denn die Gegner können - zumindest im späteren Verlauf der Handlung - recht gut austeilen.

Hier spielt die Combo
Um beispielsweise einen Gegner mit einem Nahangriff zu erfreuen, sollte man dafür Sorge tragen, dass zuvor das hierfür benötigte Feld geräumt ist und nicht durch eine Figur blockiert wird, die ihren Zug bereits ausgeführt hat. Besonders ratsam ist es, sich so zu formieren, dass Comboangriffe möglich sind, bei denen dann mehrere Charaktere nacheinander auf einen Gegner einhauen. Das macht nicht nur ordentlich Schaden, sondern fördert auch den Zusammenhalt der Truppe und äußert sich in einem Anstieg der »Freundschaftspunkte«. Je mehr man davon erwirbt, desto schneller füllt sich die Comboleiste wieder auf, und man kann wieder fröhlich gemeinsam auf die bösen Buben eindreschen.

Enchanted Arms - Kein Final Fantasy auf der PS3? Dieses Spiel möchte Ersatz sein. Erfolgreich?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Die Kämpfe laufen äußerst taktisch ab.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Jede Aktion verbraucht so genannte Ätherpunkte (EP), die sich nach und nach wieder auffüllen. Je besser die Fähigkeiten einer Figur sind, desto schneller füllt sich der EP-Balken wieder. Eine Ausnahme stellen die so genannten »EX«-Aktionen dar. Dabei handelt es sich um mächtige Zauber, die auf eine gesamte Gegnergruppe ausgeübt werden und keine Ätherpunkte verbrauchen. Um sie wirken zu können, muss sich die entsprechende EX-Leiste zunächst aufgefüllt haben. Das geschieht über gewonnene Kämpfe.

Ein Druck auf die X-Taste löst einen fünfsekündigen Countdown aus, nach dessen Ablauf die Aktion startet. Je stärker man in dieser Zeit den Sixaxis-Controller schüttelt, desto effektiver wird die Wirkung ausfallen. Golems können übrigens keine EX-Skills benutzen, weshalb man bei der Gruppenzusammenstellung bevorzugt auf die menschlichen Kombattanten setzen sollte.

Enchanted Arms - Kein Final Fantasy auf der PS3? Dieses Spiel möchte Ersatz sein. Erfolgreich?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 43/481/48
Die Verwandtschaft zu Final Fantasy ist deutlich sichtbar.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ist man erfolgreich gewesen, hagelt es neben dem Levelanstieg Punkte, Geld und Items. Interessanterweise leveln aber nicht nur die Figuren, die an Kämpfen teilnehmen, sondern das Aufstiegssystem wirkt sich auch auf Charaktere aus, die gerade nicht Partymitglieder sind. Das ist einerseits praktisch, weil dadurch ungespielte Figuren nicht abgeschlagen zurückbleiben, sondern jederzeit eingesetzt werden können. Andererseits macht es das Kämpferleben fast schon zu einfach, weil man sich um die gezielte Förderung von bestimmten Figuren keine Gedanken machen muss.

Museumsstück
Kritik muss sich auch die Grafik gefallen lassen, die qualitativ bestenfalls an PS2-Titel heranreicht. Die Bewegungen wirken hölzern, die Mimik der Figuren ist starr, und von Lippensychronität keine Spur. Der Sound präsentiert sich zwar in feinstem Dolby 5.1, kommt aber eher spartanisch zum Einsatz. Die mächtigen Zauber während der Kämpfe sind zwar ordentlich animiert, dafür fehlt es der zugehörigen Geräuschkulisse entschieden an Bums.

Immerhin ist die Musik recht stimmig, wenn auch wenig abwechslungsreich, da bei jedem Zufallskampf die gleiche Melodie ertönt. Die Zwischensequenzen sind hübsch gemacht, hinken aber grafisch ebenfalls hinter den technischen Möglichkeiten der PS3 her. Wer auf der Suche nach Pausenfutter bis zum Erscheinen von »Final Fantasy XIII« ist, der kann einen Blick riskieren. Die Anschaffung einer PS3 rechtfertigt dieser Titel allerdings in keiner Weise.