Gut ein Jahr haben die Sega-Entwickler benötigt, um ein Addon zum beliebten Strategietitel Empire: Total War an den Start zu bringen. Gut, dazwischen lag auch noch die Veröffentlichung von "Napoleon". Doch angesichts des eher spärlichen Gesamtumfangs überrascht der späte Release des "offiziellen Erweiterungspakets", das die neue Kriegspfadkampagne sowie eine Reihe von frischen Eliteeinheiten enthält, dann doch. Wir haben trotzdem das Kriegsbeil ausgegraben und die weißen Eroberer aus indianischen Kerngebieten vertrieben.

Napoleon: Total War - Peninsular Campaign Trailer

Der Kriegspfad ist kein Zuckerschlecken

Denn genau um diesen Konflikt geht es in diesem Addon (das ohne Hauptspiel nicht funktioniert): Amerikanische Ureinwohner stürzen sich Ende des 18. Jahrhunderts mit ihren primitiven Waffen in den Kampf gegen die europäischen Siedler mit all ihren modernen Technologien. Ein Blick auf die Geschichte zeigt, wie dieser ungleiche Kampf in der Realität ausgegangen ist: Massenmord an den Indianern und Umsiedlung in abgeschottete Reservate.

Empire: Total War - Das offizielle Erweiterungspaket - Auf dem Kriegspfad! Nachschub für's Imperium

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Große zahlenmäßige Überlegenheit ist keine Garantie für einen Sieg.
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Glücklicherweise haben wir in dieser Erweiterung von Empire: Total War die Möglichkeit, die Verhältnisse wieder gerade zu biegen. Einfach ist dieses Unterfangen jedoch keineswegs. Im Gegenteil!

Egal, für welchen der fünf Indianerstämme (Irokesen, Huronen, Prärie- und Pueblo-Indianer oder Cherokees) ihr euch entscheidet, ihr befindet euch immer in einer äußerst schwierigen Ausgangssituation. Wir haben beispielsweise die Cherokees gewählt und uns damit mittenmang in den Schlamassel begeben: Wir beherrschen gerade einmal zwei Territorien und sind von zahlreichen potenziellen Feinden umzingelt – Spanier, Amerikaner oder auch andere Stämme, die uns immer wieder dazwischen funken. Bis Ende 1813 sollen wir nicht weniger als 13 Provinzen kontrollieren, wovon drei als Pflichtprogramm vorgegeben werden - ein wahres Himmelfahrtskommando, das viele junge und stolze Krieger auf direktem Weg in die ewigen Jagdgründe befördern wird.

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Nur wer hartnäckig ist, wird am Ende dieses Siegbildchen erblicken.
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Die Kriegspfad-Kampagne ist mit einem ziemlich knackigen Schwierigkeitsgrad ausgestattet, was gleich mehrere Ursachen hat. Zum einen seid ihr zu Beginn militärisch fast allen Gegnern hoffnungslos unterlegen. Ihr habt keine Schießeisen und erst recht keine Kanonen, eure Krieger sind keine ausgebildeten Soldaten und haben bei offenen Feldschlachten gegen Linienformationen nicht den Hauch einer Chance. Eure Einheiten gleichen eher wilden Haufen, denn einer organisierten Kriegspartei und daher seid ihr darauf angewiesen, zu irregulären Taktiken, Tarnung und Hinterhaltangriffen zu greifen.

Militärisch und technologisch unterlegen

Doch auch auf der nicht-militärischen Seite ist man als Indianerhäuptling benachteiligt: Der Technologiebaum ist sehr limitiert und erlaubt euch erst sehr spät in der Kampagne Zugriff auf mächtigere Waffen und Einheiten. Ein ausgefeiltes Regierungssystem existiert ebenfalls nicht, das Stammesoberhaupt entscheidet als alleinherrschender Anführer autark über Wohl und Wehe seines Volkes.

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Der indianische Technologiebaum ist ziemlich beschränkt.
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All das verändert die Art und Weise, wie wir Total War spielen, ein wenig. Wer beispielsweise früher gerne auf die ausgewürfelten Gefechte zurückgegriffen hat, wird sich sehr schnell davon verabschieden müssen. Trotz großer zahlenmäßiger Dominanz verliert man die meisten dieser Gefechte, weil die technische Überlegenheit einen zu großen Vorteil für den Feind darstellt. Wer den Kriegspfad erfolgreich beschreiten will, wird seine Indianer oft eigenständig kommandieren - und trotzdem häufig hohe Verluste hinnehmen müssen.

Doch die Echtzeitkomponente von Total War hat auch anno 2010 immer noch einige technische Probleme, die noch nicht ausgeräumt sind. Umständlich ist beispielsweise immer noch das Aufstellen der eigenen Regimenter, die nur widerwillig den eigenen Vorgaben folgen. Die indianischen Einheiten auseinanderzuhalten fällt - gerade bei Gefechten gegen andere Stämme, außerordentlich schwer. Hier wurde zu oft Copy/Paste betrieben, auch wenn die Pferde und "Natives" teilweise wirklich sehr hübsch und mit viel Detailliebe entworfen wurden.

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Oft brennt es an allen Ecken und Ende, mit der Nachproduktion frischer Einheiten kommt man kaum nach.
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Es kommt jedoch immer noch zu nicht nachvollziehbaren Wegfindungsproblemen, feindliche Einheiten poppen plötzlich aus dem Nichts auf und verschwinden wieder (nein, hier ist keine Tarnung aktiv), einzelnen Truppenteilen können wir keine Shortcuts zuteilen und die Kamera springt nicht an deren Position, was das Auffinden und Befehligen der jeweiligen Einheiten in der Hektik der Gefechte teilweise unmöglich macht.

Hoher Aufwand für einen Skalp

Unverständlich auch folgende Situation: Wir haben den Feind in einer Belagerungsschlacht praktisch schon in die Knie gezwungen und unsere Einheiten verfolgen flüchtende Kontrahenten. Doch plötzlich stirbt wie aus heiterem Himmel unser General und alle Kavallerieeinheiten treten Manitu mit ihm gegenüber. Was ist passiert?

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Eine von beiden Seiten gehört zu uns...
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Auflösung: Bei der Verfolgung sind die Reiter blind in einige Hindernisse geritten, die sie im Handumdrehen ausgelöscht haben. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, um diese starren Pfeiler herumzunavigieren. Sorry, aber so was darf einfach nicht passieren.

Um uns die Aufgabe noch weiter zu erschweren, sind die Möglichkeiten des Häuptlings im Vergleich zu seinen europäischen Gegenparts scheinbar noch weiter eingeschränkt worden. Eine Standardtaktik bei der Eroberung einer Provinz ist gemeinhin, die Steuern zu senken, um Aufstände zu verhindern. Indianern bleibt diese Möglichkeit verwehrt. Das hat zur Folge, dass wir fast jedes der eroberten Gebiete einem hohen Maß an militärischem Einsatz niederhalten müssen.

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Tumbe KI-Wegfindung fordert unnötige Opfer.
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Da wir uns im Laufe der Zeit unaufhaltsam in einen Mehrfrontenkrieg hineinmanövrieren, flackern zusätzlich immer wieder Aufstände in den neu gewonnenen Territorien auf, die mit hohem Einsatz niedergeknüppelt werden müssen. Ein ungeheurer Aufwand, der viel Geld und Ressourcen kostet. Als wäre das nicht schon schwer genug, nerven uns KI-Kontrahenten mit Friedens- oder Handelsanfragen, die wir doch bitte mit ein oder zwei geschenkten Territorien beantworten sollen. Quatsch mit Soße!

Der Kriegspfad eröffnet eine knackige Herausforderung für Strategiejünger.Fazit lesen

Von diesen spielerischen Änderungen der Kriegspfad-Kampagne bleibt Empire: Total War inhaltlich genau derselbe gelungene Mix aus Runden- und Echtzeitstrategie wie schon vor Jahresfrist - mit all seinen Stärken und Schwächen. Optisch wurden das Interface sowie die Hintergrundmusik auf "indianisch" gepimpt, unter der Haube gab es jedoch keine weiteren Änderungen. Kein Wunder, der Inhalt scheint sich bereits auf der Ursprungsdisc befunden zu haben und wird durch Eingabe des Codes nur freigeschaltet. Einen Download haben wir jedenfalls nicht bemerkt.