Gemeinhin gilt ja oft das Motto, dass man klotzt und nicht kleckert - etwa wenn es um die Masse an Features geht, die ein Spiel enthalten soll. Mad Doc Software schlägt allerdings mit seinem neuen Strategiespiel Empire Earth 3 den entgegengesetzten Weg ein und verpasst seiner Serie mit der neuesten Episode gewissermaßen eine Diät. Statt zehn Epochen gibt es nur noch fünf, die über ein Dutzend Fraktionen des zweiten Teils schmolzen auf gerade einmal drei zusammen. Und sogar die Kampagne wurde gestrichen. Dafür gibt es den neuen World Domination-Modus. Ob das ausreicht, um nicht nur die Welt, sondern auch euer Spieler-Herz in Flammen zu setzen?

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Die Welt zu Füßen...

Wie es sich für einen künftigen Herrscher der Welt gehört, liegt euch der blaue Planet mitsamt seinen 60 Provinzen praktisch schon zu Beginn von EE3 zu Füßen. Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken: Ihr besitzt nur eines dieser Gebiete und euch steht auf dem Weg zum Weltenthron eine Menge Arbeit bevor.

Empire Earth 3 - Das Imperium schlägt zurück: Die legendäre Strategieserie geht in die nächste Runde.

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Am Anfang steht die Planung im rundenbasierten Welt-Modus.
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Geduld ist demnach oberste Tugend, wie sich im Spielverlauf zeigen soll. Bevor ihr so richtig loslegt, um euch die Welt Untertan zu machen, gilt es, sich für eine der drei Fraktionen zu entscheiden. Je nachdem, ob ihr West, Nahost oder Fernost wählt, fällt auch die Zusammensetzung eurer Zivilisation aus.

Während ihr im Westen auf teure High-Tech-Einheiten zurückgreift, die zäher sind und mehr Schaden anrichten als ihre Feinde, werft ihr im Fernen Osten eher Massen an Einheiten ins Gefecht und versucht eure Feinde mit aggressiver Taktik zu überrennen. Einen Mittelweg bildet da der, ähm, Mittlere Osten, der vor allem mit seiner starken Reiterei und überfallartigen Attacken zu imponieren weiß. Ihr müsst euch also schon im Vorfeld entscheiden, ob ihr auf Qualität oder Quantität setzt und eure Spielstrategie danach ausrichten.

Duales Gameplay

Das Gameplay von EE3 ist auch diesmal zweigeteilt und enthält sowohl Echtzeitstrategie als auch rundenbasierte Komponenten. Bevor ihr euch aufs Schlachtfeld wagen könnt, bedarf es einiger strategischer Überlegungen und Vorbereitungen, die auf einem 3D-Globus vorgenommen werden. Auf dieser hübsch anzusehenden Miniaturwelt sind alle Provinzen fein säuberlich voneinander getrennt.

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Kämpfe finden in Echtzeit statt.
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Man kann sich das als eine Art Spielfeld vorstellen, wie man es auch vom Brettspiel "Risiko" kennt, auf dem man seine Armeen verschiebt, um neue Gebiete zu erobern. Diese Phase des Spiels läuft rundenbasiert und ziemlich unspektakulär ab, wichtig ist sie aber trotzdem. Schließlich entscheidet ihr hier nicht nur darüber, wohin eure Truppen marschieren, auch die übergreifende Strategie und sogar der Aufstieg eures Volkes von der Antike bis zur Zukunft wird hier gesteuert.

Empire Earth 3 bietet eine solide Mischung aus Echtzeit- und Rundenstrategie, kann aber mit aktuellen Genre-Größen nicht mithalten.Fazit lesen

Das liegt daran, dass jede der Provinzen einem Typen zugeordnet wird, der darüber entscheidet, wie viele Punkte ihr pro Spielrunde erhalten könnt. Abhängig davon ob beispielsweise Großbritannien Ressourcenpunkte in Militär, Handel, Imperium oder Technologie abwirft, könnt ihr eure Strategie ausrichten. Je mehr der seltenen Provinzen mit Forschungspunkten ihr erobert und dementsprechend als Technologie-Standorte deklariert, desto schneller kann euer Imperium in den fünf Zeitaltern voranschreiten und sich so einen Vorteil gegenüber seinen Widersachern erarbeiten.

Allerdings gilt es dabei die Waage zu halten - schließlich benötigt ihr auch genügend militärische Provinzen bzw. Punkte, mit denen ihr eure Armeen aufstellen könnt. Habt ihr euch dazu entschieden, eine Armee zu rekrutieren, dürft ihr deren Zusammensetzung übrigens vor der Schlacht noch beeinflussen. Setzt ihr eher auf Infanterie, Kavallerie oder doch ein Feldgeschütz mehr? Das liegt ganz bei euch, kann aber unter Umständen auch wertvolle Ressourcenpunkte kosten.

Auf in die Schlacht!

Sobald ihr alle eure Züge geplant habt, geht’s ans Eingemachte, denn jede Spielrunde kann erst abgeschlossen werden, wenn zuvor die schwelenden Konflikte bewältigt wurden. Habt ihr also eine oder mehrere eurer Armeen in fremde Provinzen verschoben, kommt es zum Kampf - gegen einheimische Stämme oder KI-Gegner.

Falls ihr dabei gegen KI-Kontrahenten antretet, habt ihr die Wahl, ob ihr euch persönlich auf das Schlachtfeld begeben wollt oder den Ausgang der Schlacht berechnen lasst. In jedem Fall ist es aber sicherer, sich der Sache selbst anzunehmen und seine Truppen aufs Feld zu führen.

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Gekämpft wird zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
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An diesem Punkt wechselt Empire Earth 3 vom rundenbasierten ins Echtzeit-Gameplay: den Schlachtenmodus. Der Spielablauf ist dabei klassisches RTS: Ihr baut ein Stadtzentrum, erstellt Gebäude und Einheiten zur Ressourcengewinnung und investiert das daraus resultierende Vermögen in eine möglichst schlagkräftige Truppe. Allerdings müsst ihr dabei unter Umständen genau das Bevölkerungslimit im Auge behalten, das viele Aktionen begrenzt und daher strategisches Vorgehen erfordert.

Ihr könnt also als "Westler" keine 10.000 Einheiten produzieren und dann gegen eure Feinde ziehen. Dafür lohnt es sich, die Einheiten in ihren Eigenheiten zu erforschen und ihre Fertigkeiten zu verbessern, ihnen beispielsweise auf diese Weise eine höhere Reichweite zu verpassen oder mehr "Bumms".

Wo geht’s lang?

Gelegentlich versuchen die Entwickler, mit Nebenaufgaben oder Eroberungsaufträgen wie "Rette die Tochter des Dorfhäuptlings", "Beseitige die Barbaren" oder der Befreiung des "Heiligen Landes" Abwechslung ins Geschehen zu bringen und dafür sogar Belohnungen in Form von Einheiten oder globalen Ressourcenpunkten auszuschütten. Dieser Teil des Spiels ist zwar sehr solide gelungen, im Vergleich zu modernen Vertretern wie Company of Heroes wirkt das Gameplay allerdings trotzdem ein wenig angestaubt und generisch.

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In Seeschlachten nervt die schlechte Wegfindung der Schiffe.
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Wenn ihr eure kleine Armee schließlich in den Kampf führt, bleiben leider auch einige technische Mängel nicht verborgen. Eher schlecht als Recht ist die KI-Wegfindung ausgefallen, die zu oft einen Strich durch eure Planungen macht. So kommt es vor, dass die Truppe in der Landschaft hängen bleibt und sich keinen Zentimeter mehr rühren will. Mag sein, dass das an der automatischen Formationsausrichtung liegt. Fakt ist jedoch, dass sich der Knoten erst löst und der Marsch weiter gehen kann, nachdem man fast jede einzelne Einheit per Hand auswählt und an einen anderen Ort befehligt. In hektischen Momenten kann so etwas über Sieg und Niederlage entscheiden.

Fast noch schlimmer sieht es bei Schiffen aus. Diese segeln und fahren teilweise nicht nur seitlich, was man noch verzeihen könnte. Nein, sie stehen sich bei größeren Armadas selbst im Weg, drehen sich mehrfach um die eigene Achse, um dann endlich den richtigen Weg einzuschlagen. Besonders bitter ist das natürlich, wenn man versucht, die eigenen Einheiten vor feindlichem Beschuss zu retten. Gelegentlich kommt es dabei sogar vor, dass sie an kleinen Vorsprüngen hängen bleiben und anschließend gar nicht mehr zu gebrauchen sind. Das darf bei so einem Titel einfach nicht passieren!

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Wie immer erstreckt sich Empire Earth bis weit in die Zukunft.
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Von diesen Ärgernissen abgesehen besitzt EE3 einen soliden technischen Unterbau, der jedoch dem Mittelmaß nicht entgehen kann. Die Optik ist insgesamt sehr nett anzuschauen und bietet auf der einen Seite abwechslungsreiche Landschaften und Wettereffekte (die sich nicht auf das Gameplay auswirken) sowie detaillierte Einheiten. Auf der anderen Seite ist der Sound eher zurückhaltend und wenig epochal, wobei die dummen Sprüche der virtuellen Zinnsoldaten schnell auf die Nerven gehen (und glücklicherweise abgestellt werden können).

Darüber hinaus ist erneut die Kamera zu dicht am Geschehen und kann für einen guten Überblick nicht weit genug hinausgezoomt werden, was sich in ständigem Scrollen bemerkbar macht. Das spartanische Interface wird zudem weder einen Schönheitspreis gewinnen, noch als besonders Feature-reich in Erinnerung bleiben. Wer sich für Multiplayer-Gefechte interessiert, darf übrigens mit bis zu sieben weiteren Spielern in die Schlacht stürzen, auf Wunsch auch im Team.