Empire Earth II (PC-Test)
(von Nedzad Hurabasic)

Die meisten Hersteller von Computerspielen produzieren möglichst schnell eine Fortsetzung, wenn ein Spiel erfolgreich ist. Mad Doc Software hat sich, aus bisher unbekannten Gründen, nicht an diese ungeschriebene Regel gehalten.

Denn mit dem Echtzeitstrategiespiel »Empire Earth 2« (EE 2) wird die Fortsetzung erst vier Jahre nach dem Erstling veröffentlicht. Viel Zeit also, um eine Vielzahl neuer Features zu implementieren und das Spiel weiter zu entwickeln. Natürlich wurde dabei nicht das gesamte Spielkonzept auf den Kopf gestellt;

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wie schon im Originalspiel lenkt man aus einer gottähnlichen Position heraus die Geschicke ganzer Völker. Dabei erlebt man fast nebenbei etwa 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte, die sich über 15 unterschiedliche Epochen erstrecken - von der Steinzeit bis ins 23. Jahrhundert.

Empire Earth ist auch in der zweiten Auflage ein Strategiespiel, bei dem man verschiedene Möglichkeiten hat, mit seinen virtuellen Untertanen die Weltherrschaft zu erringen. Von den drei Kernbereichen Militär, Wirtschaft und Technik darf aber keiner vernachlässigt werden. Mit Diplomatie allein wird auch diesmal niemand als Sieger aus den zahlreichen Missionen hervorgehen.

Militärische Konflikte sind neben dem wirtschaftlichen und technischen Aufbau der eigenen Zivilisation das wichtigste Mittel im Kampf um den Sieg. EE 2 bietet drei Hauptkampagnen für Einzelspieler, aufgeteilt in je acht Missionen, respektive Epochen. Zur Auswahl stehen neben Deutschland auch

Korea und Amerika, außerdem ist es möglich in so genannten "Turning Point"-Missionen (Wendepunkte der Geschichte), einige historisch bedeutsame Schlachten dieser Völker nachzuspielen.

Im Deutschland-Modus wird beispielsweise der D-Day bemüht, der entweder aus alliierter oder deutscher Sicht gespielt werden kann. Außerdem gibt es den so genannten Skirmish Modus, bei dem der Computer als Gegner fungiert und die Einstellungen für das Spiel frei wählbar sind. Allein die Solo-Kampagne umfasst insgesamt über 30 Stunden Spielzeit. Insgesamt stehen nicht weniger als 14 verschiedene Völker mit insgesamt 310 Einheiten und 275 Gebäuden zur Verfügung.

Daneben gibt es auch diesmal wieder einen Mehrspieler-Modus, bei dem bis zu zehn Spieler in elf unterschiedlichen Spielmodi gegeneinander oder auch kooperativ zocken können. Wer dagegen nur wenig Zeit zur Verfügung hat und nur eine schnelle Runde spielen möchte,

Empire Earth 2 - Epochaler Strategie-Hit oder Imperium ohne Volk?

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kann per Quickstart ein Match beginnen, bei dem vorgefertigte Templates zum Einsatz kommen und man nicht von null anfangen muss.

Im Schweiße des Angesichts
Vor dem Erfolg muss bekanntlich Schweiß vergossen werden, deshalb sollte vor dem Start einer Kampagne unbedingt das Tutorial absolviert werden. Das gilt übrigens auch für EE-Veteranen. Schließlich gilt es die Anwendung der vielen neuen Features zu erlernen: Während der "Bürger-Manager" dabei behilflich ist, seine Einwohner stetig unter Kontrolle zu halten, ermöglicht es der Bild-in-Bild-Modus wichtige Nebenkriegsschauplätze in Echtzeit im Blick zu behalten.

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Der "War-Planer" verschafft per Karte schnelle Übersicht über das Geschehen auf den Schlachtfeldern. Besonders fleißige Forscher erhalten dagegen für kurze Zeit eine Krone, für die es verschiedene Boni gibt. Das Tutorial besteht aus vier Kampagnen, in denen Schritt für Schritt die einzelnen Funktionen des Spiels erklärt werden.

In Wort, Bild und Ton werden wichtige Features beschrieben, bevor es an die Umsetzung geht. Dabei unterstützen blinkende Menüs vor allem Neulinge beim Zurechtfinden im übersichtlichen Interface. Wer lieber selbstständig die neue Welt der Azteken erkundet, deren Leitung man während des kompletten Tutorials übernimmt, kann dies selbstverständlich auch tun. Allerdings schreitet das Spiel nur voran, wenn man die gestellten Aufgaben auch irgendwann erfüllt. Glücklicherweise ist die Computer-KI recht passiv, so dass man sich darauf konzentrieren kann, zunächst den Überblick über alle wesentlichen Funktionen zu erhalten und nicht gleich hektisch ums virtuelle Überleben kämpfen muss.

Die Bedienung ist intuitiv; alle wichtigen Programmpunkte sind auf den ersten Blick zu erfassen. Was die strategische Komponente betrifft, betritt EE 2 sicherlich kein Neuland. Es gilt nach wie vor, als Herrscher eines Volkes den Sieg über den Gegner davon zu tragen. Das geht nur dann, wenn man die, in verschiedene Territorien unterteilte, Gebiete durch den Bau eigener Stadtzentren annektiert. Jedes Territorium unterstützt nur eine vorgegebene Anzahl von Gebäuden.

Ist dieses Maximum erreicht, wird das Wachstum vorerst gestoppt und die Expansion muss fortgeführt werden. Natürlich muss zu Beginn die Grundlage für den Erfolg geschaffen werden, also werden die ersten Bürger mit Basisaufgaben wie Landwirtschaft, Erzabbau, Holzgewinnung usw. betraut, schließlich werden für alle Bauten Rohstoffe benötigt. Sind die ersten Gebäude erstellt, können z. B. militärische Einheiten produziert werden. Allerdings nur, solange die eigene Population es zulässt. Wer zu wenig Bewohner hat, kann keine Einheiten herstellen werden und muss entsprechend für Nachschub sorgen, bevor die Armee aufgerüstet werden kann. Das Grundprinzip von Strategiespielen wird also auch hier nicht auf den Kopf gestellt.Innovationen und Bedienkomfort
Dafür bietet EE2 einige neue Ideen, die es bei anderen Strategiespielen in dieser Art bisher noch nicht gegeben hat. Die vielleicht wichtigste und auch praktischste Neuerung ist wohl der "Bürger-Manager". Damit lässt sich die eigene Bevölkerung über ein intuitives Menü punktgenau steuern.Vergessen sind die Zeiten, in denen beschäftigungslose Arbeiter nutzlos in der Gegend herumstanden. Ab sofort können freie Bewohner mit einem Mausklick etwa zum Erzabbau oder zur Getreideernte abkommandiert werden.

Um schnell auf Engpässe reagieren zu können, lassen sich aber auch Arbeiter von bestimmten Tätigkeiten abziehen und anders zuordnen, z. B. der Erforschung neuer Technologien. Gleichzeitig behält man jederzeit den Überblick über die Menge an Rohstoffen, die in den jeweiligen Wirtschaftsfeldern vorhanden sind und kann so entsprechend flexibel disponieren.

Ebenfalls neu ist ein ebenso nützliches Feature namens Bild-im-Bild (BiB). Wie schon seit einigen Jahren von Fernsehern bekannt, lässt sich in einem Mini-Fenster das Geschehen einer weitabgelegenen Region in Echtzeit mitverfolgen, während zur selben Zeit im Hauptfenster eine Schlacht geschlagen wird oder etwas

anderes im Fokus des eigenen Treibens liegt. Dem BiB-Fenster können bis zu zehn einzelne Positionen zugeordnet werden, die per Klick abgerufen werden können. Wer möchte, kann auch automatisch auf Positionen schwenken lassen, an denen die eigene Streitmacht angegriffen wird. Da man glücklicherweise die einzelnen Truppenteile per Maus zusammenfassen und dann mit praktischen Tastaturkürzeln auf Schnellstarttasten legen kann, lassen sich innerhalb weniger Sekunden überraschende Angriffe kontern oder auch selbst initiieren.

Ein epochales Strategiespiel besteht aber nicht nur aus der militärischen Komponente, auch Wirtschaft und Diplomatie gehören selbstverständlich zu den Bestandteilen von EE2. Deshalb ist ein Vorgehen auf breiter Front vonnöten. Während auf der einen Seite die militärische Schlagkraft ausgebaut wird, sollte gleichzeitig Wert auf technologischen Fortschritt gelegt werden. Dazu werden Universitäten errichtet, in

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denen die zugewiesenen Bürger in den drei Feldern Militär, Wirtschaft und Imperium nach insgesamt zwölf Technologien forschen, die Zugang zu verschiedenen Boni in diesen Gebieten verschaffen und schlussendlich natürlich auch den Aufstieg in die nächste technologische Epoche bewirken. Wer technologisch zurückbleibt, wird in Auseinandersetzungen mit einem höherstufigen Feind immer das Nachsehen haben. Schließlich gilt es in allen drei Feldern so gut wie möglich zu sein: militärische aufrüsten, ökonomisch prosperieren und technologisch führend sein. Wer all das beherzigt, wird sich in jedem der Gebiete, zumindest zeitweise, die Krone aufsetzen können.

Dieses Schmuckstück sorgt temporär für weitere Boni, die man aus einer Übersichtsliste auswählen kann. Beispielsweise kann auf diese Art die Reichweite der eigenen Truppen erhöht werden.

Die Diplomatie ist auch in der zweiten Ausgabe von Empire Earth das vernachlässigte Stiefkind. Zwar gibt es eine Reihe von Optionen, mit denen sich Verträge mit anderen Nationen abschließen lassen und diese auch von verschiedenen Bedingungen abhängig machen. Doch allzu großen Einfluss auf das Spielgeschehen hat das in der Regel nicht. Wenn ein Feind angreifen will, wird er das auch tun. Interessant ist jedoch die Möglichkeit, Angriffspläne

mit dem ebenfalls neuen "War-Planer" synchronisieren zu können, falls ein gemeinsamer Feind bekämpft werden soll. Auf einer Übersichtskarte können grob die verschiedenen Schlachtpläne eingezeichnet werden und schließlich an den oder die Verbündeten verschickt werden.

Doch hier bleibt es bei theoretischen Krakeleien, die Praxis sieht meist anders aus. Das beste taktische Konzept wird außerdem nichts bringen, wenn die eigenen Truppen in der Unterzahl sind (gleicher Technologiestand vorausgesetzt). Deshalb lassen sich die meisten Scharmützel auch auf die einfache Formel reduzieren: Masse gewinnt.

Multiplayer-Spaß
Zwar sind die computergesteuerten Widersacher dank ausgefeilter KI durchaus ernstzunehmende und auch aggressive Gegner, viele Spieler bevorzugen aber auch bei Strategiespielen die menschliche Komponente. Und die gibt es bei EE 2 natürlich im ausführlichen Mehrspieler-Modus. Ob über lokales Netzwerk oder Internet, den Hobby-Feldherren stehen knapp zehn verschiedene Modi zur Verfügung, in denen das taktische Geschick auf die Probe gestellt wird. Als besonders beliebt hat sich in der Vergangenheit der Modus "Königsmord" erwiesen, bei dem man seinen Herrscher so lange wie möglich beschützen muss

und im Gegenzug versucht, den des Gegners zu vernichten. Neuerdings ist es aber auch möglich kooperativ gegen andere Spieler oder den Computer anzutreten. Darüber hinaus steht eine Unzahl von Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen eine Partie nach eigenem Geschmack angelegt werden kann.

Grafik & Sound
Empire Earth reicht grafisch nicht an opulente und beeindruckende Konkurrenten, wie "Der Herr der Ringe: Kampf um Mittelerde", heran, bietet aber durchaus solide entworfene Gebäude, Einheiten und Schlachtfelder, wenn auch zuweilen die Liebe zum Detail vermisst wird. Die Effekte, z. B. bei Explosionen, sind ebenfalls nur Durchschnittware und nicht vollkommen überzeugend. Da hat man schon deutlich Besseres gesehen. Dafür sind die Menüs jederzeit übersichtlich gehalten, so dass man auch in hektischen Phasen jederzeit den Überblick behält. Der zurückhaltende

Soundtrack ist passend, manchmal aber zu monoton. Nachdem das Hintergrundgetrommel der Azteken eine Stunde (oder länger) durch die Boxen gedröhnt ist, nervt es doch ein wenig. Etwas mehr Abwechslung hätte es schon sein dürfen.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ Über 30 Stunden Spielspaß im Solo-Modus + Innovative Bedienung + Sehr gute Spiel-Übersicht + Gelungenes Interface

Contra:

- Durchschnittliche Grafik - Diplomatie kommt zu kurz - Linearer Spielaufbauund im Gegenzug versucht, den des Gegners zu vernichten. Neuerdings ist es aber auch möglich kooperativ gegen andere Spieler oder den Computer anzutreten. Darüber hinaus steht eine Unzahl von Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen eine Partie nach eigenem Geschmack angelegt werden kann.

Grafik & Sound
Empire Earth reicht grafisch nicht an opulente und beeindruckende Konkurrenten, wie "Der Herr der Ringe: Kampf um Mittelerde", heran, bietet aber durchaus solide entworfene Gebäude, Einheiten und Schlachtfelder, wenn auch zuweilen die Liebe zum Detail vermisst wird. Die Effekte, z. B. bei Explosionen, sind ebenfalls nur Durchschnittware und nicht vollkommen überzeugend. Da hat man schon deutlich Besseres gesehen. Dafür sind die Menüs jederzeit übersichtlich gehalten, so dass man auch in hektischen Phasen jederzeit den Überblick behält. Der zurückhaltende

Soundtrack ist passend, manchmal aber zu monoton. Nachdem das Hintergrundgetrommel der Azteken eine Stunde (oder länger) durch die Boxen gedröhnt ist, nervt es doch ein wenig. Etwas mehr Abwechslung hätte es schon sein dürfen.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ Über 30 Stunden Spielspaß im Solo-Modus + Innovative Bedienung + Sehr gute Spiel-Übersicht + Gelungenes Interface

Contra:

- Durchschnittliche Grafik - Diplomatie kommt zu kurz - Linearer Spielaufbau