Es ist nunmehr zwei Jahre her, als in Deutschland der Ausnahmezustand herrschte. Public Viewing, der Kaiser im Hubschrauber und Debatten über ein neues Nationalgefühl: Die Euphorie rund um die WM im eigenen Lande entwickelte derart viel Dynamik, dass sich gar Deutschlandfahnen zum Verkaufsschlager des Jahres 2006 mauserten und das Angebot beileibe nicht die Nachfrage decken konnte.

In diesem Jahr sieht das anders aus – die Fußballeuphorie wurde in der Wirtschaft fest eingeplant: Wer kein Fußball-EM-Produkt in der Hinterhand hat, wird in den Sommermonaten auf dem freien Markt das Nachsehen haben. Auch die Produktion von Fahnen und anderen Fanartikeln lief in den vergangenen Monaten auf Hochtouren. Und wie bei jedem Großereignis steht die Videospielindustrie dem Trend in nichts nach…

EM 2008: Fußballspiele Special - Deutschland im Fußball-Fieber: Wir blicken zurück auf die besten digitalen Kicker.

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Wer es nicht mehr abwarten kann, darf die deutsche Elf bei UEFA Euro 2008 schon jetzt in Torjubel versetzen.
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Die Videospielindustrie wurde längst vom EM-Fieber erfasst: Mit UEFA Euro 2008 präsentiert uns EA eine „FIFA 08“-Adaption, die speziell auf die europäische Endrunde und die vorangegangene Qualifikation abgestimmt ist. Als besonders interessant gilt dabei der Kampf der Nationen, bei dem jeder Spieler für sein Land Punkte sammeln kann.

Ende Juni ist es dann soweit: Dann wird von EA der virtuelle Europameister gekürt. Derzeit befinden sich die Franzosen auf der Spitzenposition, dicht gefolgt von England, Italien und Spanien. Deutschland befindet sich mit großem Abstand auf dem fünften Platz – wer das Spiel besitzt, sollte sich also anstrengen und schleunigst auf Punktejagd gehen. Wir vermuten, dass sich am Ende die Engländer durchsetzen – da sie während des Turniers nicht von Spielen der eigenen Mannschaft abgelenkt werden, können sie sich voll und ganz auf die virtuelle Ehrenrettung konzentrieren.

Kampf der Giganten: PES vs. FIFA

Die Entwicklung der digitalen Fußballspiele war in den vergangenen Jahren stets interessant und spannend. Zuletzt war es vor allem das stete Duell zwischen EAs FIFA-Serie und Pro Evolution Soccer von Konami, das für hitzige Diskussionen sorgte. Was viele Leser nicht wahrhaben wollten, manifestierte sich schließlich im Herbst 2007 in unseren Wertungen: EA zog erstmalig an der bis dato schier übermächtig wirkenden Konkurrenz vorbei. Geradezu obligatorisch waren die vielen kritischen Stimmen unserer Leser, die weiterhin Konami den Fußballthron zusprachen.

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Die PES-Serie hat aus technischer Sicht sehr großen Nachholbedarf.
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Wir haben uns davon nicht beeindrucken lassen und wurden letztlich durch eine Pressekonferenz seitens Konami bestätigt. Hier räumte man ein, dass die PES-Serie in den letzten Jahren sowohl in punkto Gameplay als auch technisch stagnierte und ein großer Umbruch unausweichlich scheint. Wir sind sehr gespannt und hoffen darauf, dass Konami die eigene Serie revolutionieren und EA den erneuten Kampf auf dem virtuellen Spielfeld ansagen kann.

Die Wurzeln von FIFA und PES

Die Geschichte der Fußballspiele schrieb viele interessante Kapitel. Fast schon legendär war International Soccer, das mit zu den ersten Fußballspielen zählte, die einst auf dem C64 ihren Auftritt hatten. Völlig verpixelte Sprites schoben ein Objekt vor sich her, das aufgrund der vielen Ecken und Kanten nur mit viel Wohlwollen als Fußball zu erkennen war.

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Hier seht ihr den Urvater der Fußballspiele: International Soccer.
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Ebenfalls legendär waren die „Sensible Soccer“-Spiele, bei denen das wuselige Geschehen aus der Vogelperspektive betrachtet wurde. Hier war es erstmalig möglich, Mannschaftsaufstellungen zu bestimmen und Auswechslungen durchzuführen – wow! Mit diversen „Kick Off“-Spielen wurde schließlich die Amiga-Ära abgerundet, die bereits deutlich bessere Grafik und eine rudimentäre Soundkulisse bot. Kernfeature dieser Spiele: Im Gegensatz zu heutigen Fußballsimulationen „klebt“ der Ball nicht am Fuß der Spieler, sondern wird frei rollend vor diesen hergeschoben. Die Beherrschung des Spiels erforderte daher ein weitaus höheres Maß an Geschick.

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Bei Kick Off lieferten sich Pixelhaufen rasante Duelle.
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1993 legte EA dann mit „FIFA International Soccer“ den Grundstein für die FIFA-Serie, die damals noch auf wenigen Disketten erschien. Eine isometrische 2D-Engine, die ebenfalls noch auf Sprites setzte und keinen Gebrauch von dreidimensionalen Polygonen machte, stellte das Spielgeschehen auf für damalige Verhältnisse revolutionäre Weise dar. Leider hatte der Titel spielerisch mit einigen Schwächen zu kämpfen. So reichte es beispielsweise, einen Feldspieler genau vor dem abschlagenden Torwart zu platzieren, um den Ball unmittelbar ins gegnerische Tor abprallen zu lassen.

Die dritte Dimension als Tor zum Realismus

Erst drei Jahre später wagte man den Sprung in die dritte Dimension, der das Gameplay in den folgenden Jahren kontinuierlich realistischer werden ließ. Der große Vorteil der 3D-Darstellung liegt im Vergleich zu den früheren Engines darin, dass Kollisionen und das Ballverhalten erstmalig berechnet werden können, da sämtliche Geometrien vorliegen und zum Bestandteil des Gameplays werden.

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International Superstar Soccer teilt sich die Basis mit der PES-Serie.
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Die folgenden Jahre brachten vor allem EAs Featurekarussell zur Rotation. Immer wieder wurden Bahn brechende Neuerungen angekündigt, die schon in der nächsten Neuauflage über Bord geworfen wurden. So umfasste FIFA Soccer 97 beispielsweise zusätzlich auch Hallenturniere mit kleinerem Spielfeld und den typischen Banden – ein Feature, das bis heute einzigartig blieb und weder in den FIFA-Nachfolgern noch in einem Konkurrenzspiel zu finden war.

In den Foglejahren versuchten sich zahlreiche weitere Entwickler an dem vor allem in Europa sehr beliebten Genre. Ubisoft betrat den virtuellen Rasen 1995 mit „Action Soccer“, das zwar technisch überzeugte, spielerisch aber mit vielen Schwächen zu kämpfen hatte. Auch Sony wollte in den Markt einsteigen und präsentierte nach der Jahrtausendwende die hauseigene „This is football“-Serie. Da das Gebotene aber entgegen dem Namen keinesfalls viel mit realem Fußball zu tun hatte, verschwand die Serie wenige Jahre später wieder komplett vom Markt.

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Sensible Soccer gilt bis heute als Kultspiel.
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Es kristallisierte sich das bis heute andauernde Duell zwischen Pro Evolution Soccer, das eine Verwandtschaft zur ebenfalls erfolgreichen „International Superstar Soccer Serie“ aufwies, und der FIFA-Serie von EA heraus. Bis heute nahm die Entwicklung beider Serien eine rasante Entwicklung – wer die Qualität der Spiele über die letzten Jahre verfolgt, kann sich vielleicht schon jetzt ausmalen, welche Entwicklung uns noch bevorsteht.

Und was bringt die Zukunft?

Während sich die Entwicklung der PES Serie derzeit kaum abschätzen lässt, setzt EA vor Allem auf den Ausbau der Onlinemodi. Bereits UEFA Euro 2008 bietet hier viele interessante Varianten, in denen ihr beispielsweise online an der K.O.-Runde teilnehmen könnt. Das Zugpferd wird allerdings der „Be-A-Pro Modus“ sein, der bei UEFA Euro 2008 unter dem Menüpunkt „Mannschaftskapitän“ zu finden ist.

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Mit FIFA International Soccer debütierte 1993 die bis heute bekannte FIFA-Serie.
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Das mittelfristige Ziel ist es, bis 2010 Spiele zu ermöglichen, bei denen jeder Feldspieler von einem realen Teilnehmer kontrolliert wird. Komplexität und Realismus werden auf diese Weise maximiert und es werden sich schon bald Spielergemeinschaften herausbilden, die sich wie Shooter-Clans zu regelmäßigen Trainingssessions einfinden und an hoch dotierten Turnieren teilnehmen. Wir sind sehr gespannt, was uns die nächsten Jahre im Sportspielbereich noch bieten werden und halten euch natürlich wie immer auf dem Laufenden.