Elite Warriors Vietnam (PC-Test)
von Nedzad Hurabasic

Derzeit macht das Gerücht die Runde, Sylvester "Sly" Stalone würde noch einmal als John Rambo vor die Kamera treten und den vierten Kinofilm der Serie abdrehen. Obs stimmt? Wissen wir nicht, dafür haben wir aber mit »Elite Warrios

Vietnam« (EVW) ein Spiel auf den Prüfstand gestellt, das sich mit derselben Thematik befasst: dem Vietnam-Krieg. Das Spiel versetzt uns zurück in die frühen 70er Jahre, als das menschenverachtende Chaos des Krieges weder vor den Städten noch dem Urwald des Landes halt machte.

Elite Warriors Vietnam - Tactics Trailer

Ungleich vielen anderen Spielen, die sich mit diesem Konflikt beschäftigt haben, will EVW nicht als stupides "Kill 'em All' auftreten, sondern als teambasiertes Taktikspielchen überzeugen, bei dem der Spieler als Anführer einer Spezialeinheit Aufträge sauber und möglichst ohne aufzufallen erledigt. Obs gelingt?

Das Spiel basiert entfernt auf der literarischen Vorlage des US-Majors John L. Plaster, in der er von einer militärischen Geheimeinheit namens SOG (Studies and Operations Group) berichtet. Dementsprechend ernst nimmt sich das Spiel auch selbst und will mit möglich viel Realitätssinn überzeugen.

Insgesamt bleibt das aber trotz aller Bemühungen letztendlich doch recht oberflächlich und beschränkt sich größtenteils auf mehr oder weniger kurze Texte während der Ladescreens. Die Spezialeinheit SOG wurde während des Vietnamkriegs mit der Ausführung hochgeheimer Operationen hinter den feindlichen Linien betraut, die sie nach Laos, Kambodscha und Nord-Vietnam

führten. Der Taktik-Shooter EVW führt die vom Spieler im Range eines Seargants angeführte Gruppe aus vier Spielfiguren im grenzüberschreitenden Verkehr vorwiegend nach Laos, einen Nachbarstaaten Vietnams.

Trainingscamp für Spezialeinheiten
Rund um den Kampagnen-Modus, der den Mittelpunkt des Spiels bildet, sind auch noch ein Tutorial sowie ein Multiplayer- und Singleplayer-Modus enthalten. Im Einzelspielermodus lassen sich die in der Kampagne freigeschalteten Missionen erneut spielen, der Mehrspieler-Teil bietet einen Deathmatch- und Kooperations-Modus, aber leider keine CTF-Maps und besticht nicht wirklich durch interessante Kartendesigns.

Bevor ihr euch aber daran macht, das Kommando über eure eigene Spezialeinheit zu übernehmen, solltet ihr unbedingt das Tutorial absolvieren. Die Einweisung besteht aus fünf Teilen (Basic Controls, Squad Control, Overhead Control, Sneaking, Advance Item Training)

Elite Warriors Vietnam - Wirres Duschungelabenteuer

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bei der nacheinander alle wichtigen Funktionen des Spiels erläutert und in der Praxis erprobt werden. Abgesehen von den Grundkontrollen ist vor allem das Kapitel Squad Control zu empfehlen, in dem erlernt wird, wie man im Dschungel die Kontrolle über seine Team-Kameraden behält und ihnen wichtige Befehle erteilt. Dabei kommt die aus »Brothers in Arms« abgeguckte "Overhead"-Ansicht zum Zug, bei der die vier Teammitglieder aus der Vogelperspektive betrachtet und auch gesteuert werden können.

Packshot zu Elite Warriors VietnamElite Warriors VietnamErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wozu das gut sein soll, bleibt allerdings ein Rätsel. Im Spiel selbst findet diese taktische Ansicht eigentlich keine Anwendung und ist daher sinnlos und unnötig. Viel besser gelungen ist das Befehls-Rad, das per Tastendruck eingeblendet werden kann und dem gesamten Team Anweisungen gibt.

Sobald das Tutorial absolviert ist, kann die achteilige Kampagne, jede mit mehreren Phasen, angegangen werden. Jede Mission wird von einem langen Einführungstext eingeläutet, der die Parameter des Einsatzes definiert und einige zusätzliche Fakten liefert, die für das anschließende Gameplay aber ohne Bedeutung sind. Anschließend darf der Spieler in seiner Eigenschaft als Kommandant der Einheit die Routenplanung vornehmen und diese in allen Einzelheiten bestimmen. Wem das zu viel Fummelei ist, der kann dies auch getrost überspringen.Die Voreinstellungen sind als Missionsplanung völlig ausreichend.

Außerdem können die drei weiteren Teammitglieder und deren Ausrüstung zusammengestellt werden, wobei es auch hier eine Default-Einstellung gibt, die übernommen werden kann. Von Vorteil ist es natürlich, möglichst vielfältig einsetzbare Soldaten zu rekrutieren. Sind alle erforderlichen Parameter bestimmt, kann es losgehen. Fast. Denn das Spiel nervt leider mit sehr langen Ladezeiten. Mehrere Minuten können bis zum Beginn des Einsatzes schon vergehen.

Searching ... Seek & Destroy!
Was dann folgt, sind schematisch ablaufende "Seek & Destroy"-Missionen, die immer nach demselben Muster ablaufen. Per Funk- und Textanweisung wird dem Team das jeweils nächste Einsatzziel mitgeteilt, außerdem ist es auf einer Mini-Map mit einer farbigen Markierung gekennzeichnet. Trotz des realistisch wirkenden undurchdringlichen Dschungels fällt die Orientierung also nicht allzu

schwer, zumal dem Spieler per Kompass noch zusätzlich die Ausrichtung und die Position mitgeteilt wird. Wer jetzt denkt, dass sich Spannung breit macht, weil hinter jedem Busch oder Baum der nächste Gegner wartet, irrt. Nur selten halten sich feindliche Soldaten fernab der zu zerstörenden Ziele auf und lauern im Unterholz.

Und wenn, dann sind sie so gut positioniert, dass sie schon aus großer Entfernung sichtbar sind. Wer ein Scharfschützengewehr zur Hand hat, kann die Gegner problemlos ausschalten, noch bevor das Zielgebiet erreicht ist. Das Fadenkreuz schwankt dabei übrigens, wie bei vielen modernen Shootern, nicht, sodass jeder Schuss automatisch ein Treffer ist.

Aufgrund der faden Missionsgestaltung und wenig umherlaufender Feinde, kommt dementsprechend erstens kaum Spannung auf und zweitens muss das eigentlich im verborgenen agierende Team kaum umherschleichen und kann fast unbedrängt den Urwald erkunden.Ehe feindliche Soldaten auf das Team aufmerksam werden, sind sie meist schon tot. Die KI-Kameraden schießen ziemlich präzise, leider auch dann, wenn sie den Befehl dazu gar nicht erhalten haben. Per Schnellbefehl kann der Spieler allen drei Soldaten denselben Befehl zur gleichen Zeit erteilen. Etwa: "Folgen", "Feuern nach Belieben" oder auch "Feuer zurückhalten". Doch kaum gerät ein Gegner in Reichweite der Waffen, schießen die KI-Freunde, was die Magazine hergeben.

So wird das taktische Konzept des Spiels natürlich über den Haufen geworfen. Zusätzlich wird gelungenes Zusammenspiel noch durch mangelnde Wegfindung der Soldaten konterkariert. Geraten sie an ein Hindernis, bleiben sie oftmals einfach davor stehen, anstatt es zu Umlaufen. Wenn man das nicht sofort bemerkt, befindet sich der Spieler mit seiner Figur unter Umständen schon am anderen Ende der Map. Auch wenn es möglich ist, auf die anderen Team-Mitglieder umzuschalten und diese manuell ans Ziel zu dirigieren, ist dies doch sehr ärgerlich.

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Gelegentlich kam es zudem beim Wechsel der Charaktere zum Verlust von Ausrüstungs-Gegenständen. Laufen etwa Diebe im Dschungel umher? Wer der Meinung ist, mit den Gegnern nicht fertig zu werden (oder wem alle Waffen abhanden gekommen sind ...), kann auch Luftangriffe anfordern und sich die blutige Drecksarbeit abnehmen lassen. Die Flieger besorgen dann den Rest. Die Umgebung ist übrigens nicht zerstörbar.

Abgesehen von einigen im Terrain verteilten Fahrzeugen, die als Ziele dienen, hält alles auch dem härtesten Beschuss stand. Zivilisten dürfen nicht getötet werden. Wem dieses Kollateral-Malheur unterläuft, muss die Mission nochmals beginnen oder einen gespeicherten Spielstand abrufen. Der Spielstand kann übrigens zu jeder Zeit gesichert werden, außerdem legt das Spiel automatische Speicherpunkte an. Leider sind diese unübersichtlich gestaltet, sodass sich anhand der Bezeichnungen kaum erkennen lässt, an welcher Stelle des Spiels denn nun ein Spielstand angelegt wurde. Am Ende jedes erfolgreichen Einsatzes erhält der Spieler eine Auswertung, in der verschiedene Aktionen bewertet werden. Daraus resultierende Punkte können in die Verbesserung der Fähigkeiten der Soldaten investiert werden. Einen großen Einfluss auf das Verhalten der Soldaten oder das Gameplay hatte das aber nicht.Die 'grüne Hölle' ...
... wurde vom Entwickler recht gut in Szene gesetzt, selbst die eigenen Kameraden sind in dem Dickicht mitunter schwer auszumachen. Allerdings wirkt die Grafik insgesamt detailarm und die verwendete Game-Engine wirkt betagt, was zu klobigen Darstellungen führt. Auf der Höhe der Zeit ist das nicht, zu pixelig wirkt die Darstellung. Für einen Low-Budget-Titel, der zum Preis von etwa 25 Euro in den Handel kommt, kann dies aber noch als akzeptabel gelten.

Der Sound hingegen ist gelungen, auch wenn natürlich kein filmreifer Soundtrack zu hören ist. Dafür überzeugen aber die Umgebungsgeräusche im Urwald - vom Zierpen der Insekten, über dasZwitschern von Vögeln und das Knacken von Ästen wird einiges geboten, um die Atmosphäre Dschungel-gerecht aufzuarbeiten. Auch die Vertonung des Sprechers und der Soldaten befindet sich im, ehm, grünen Bereich.Zwitschern von Vögeln und das Knacken von Ästen wird einiges geboten, um die Atmosphäre Dschungel-gerecht aufzuarbeiten. Auch die Vertonung des Sprechers und der Soldaten befindet sich im, ehm, grünen Bereich.