Als Elite: Dangerous Anfang 2013 auf Kickstarter durchstartete, vermuteten Kritiker, dass David Braben nur vom Hype um Star Citizen profitieren wollte, das anderthalb Monate zuvor auf der Crowdfunding-Plattform aufgeschlagen war. Damals hätte wohl niemand geahnt, dass Elite: Dangerous, obwohl es nur einen Bruchteil von der Unterstützung eines Star Citizen erhielt, noch 2014 veröffentlicht werden würde - mit einem Jahr Vorsprung vor Chris Roberts hochgejubelten Titel.

Wann immer über eines der Indie-MMOs in den News berichtet wird, hauen die Kritiker in die Tasten. Sie glauben nicht daran, dass ein kleines Studio mit dem Geld der Fans ein ordentliches Spiel produzieren könne. “Für so viele Projekte wurde Kohle kassiert - und wie viele wurden veröffentlicht? Keines!” - ist der wohl am häufigsten gepostete Kommentar der Zweifler, die sich sicher sind, dass sich Roberts, Garriott und Braben von dem gesammelten Geld eine Villa in Los Angeles kaufen, aber gewiss keine MMOGs davon entwickeln werden.

Erster!

Dass ausgerechnet David Braben der erste sein würde, der die Crowdfunding-Kritiker Lügen strafen würde, hätte wohl niemand gedacht. Immerhin musste das Team hinter Elite: Dangerous mit einem Zehntel dessen auskommen, was Chris Roberts derzeit als Budget verplanen kann. Zudem versprach David Braben seinen Fans vollmundig eine komplette Milchstraße mit 400 Milliarden Sonnensystemen im Spiel umzusetzen. Das musste doch blanker Größenwahn sein.

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Doch das war es nicht. David Braben hat seine Versprechen eingelöst und Elite: Dangerous auf den Markt gebracht - zwar neun Monate nach dem ursprünglich angesetzten Termin und ohne den umstrittenen Offline-Modus, doch immerhin noch im gleichen Jahr und mit der versprochenen Galaxis schier unendlichen Ausmaßes.

Mehr Elite, weniger Frontier

Für alte Elite-Fans - und das ist die Mehrheit der Kickstarter-Unterstützer - wird sich Elite: Dangerous vom ersten Augenblick an wie die zeitgemäße Umsetzung der Vorlage anfühlen. Dabei erinnert das Spiel stärker an die erste Version aus dem Jahr 1984 als an die beiden Nachfolger, die Braben 1993 und 1995 mit eher mäßigem Erfolg nachgereicht hat. Mit denen setzte der Altmeister nämlich vorrangig auf die Möglichkeit in die Atmosphäre von Planeten einzutauchen und auf planetaren Raumhäfen zu landen. Ein Feature, das bei Elite: Dangerous erst mit einer Erweiterung vorgesehen ist.

Elite: Dangerous - Geburtsstunde der Milchstraße

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Es gibt unglaublich viel zu entdecken in der virtuellen Milchstraße. Zu erobern gibt es leider noch nichts.
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Derzeit jagt der Raumpilot also noch zwischen Raumstationen hin und her, von denen es in vielen Sonnensystemen gleich mehrere gibt. Jede Raumstation bietet die Möglichkeit, Handel zu treiben, wobei sich Angebot und Nachfrage nach Funktion der Station sowie der planetaren Industrie richten und begrenzt sind. Wer also glaubt, eine lukrative Route entdeckt zu haben, die unendlichen Reichtum beschert, hat die Rechnung ohne Braben und seine Idee vom dynamischen Markt gemacht und wird bald umsatteln müssen - zudem sich Angebot und Nachfrage auch auf die umliegenden Systeme auswirken.

Alles dreht sich

Klar - es handelt sich hierbei letztlich um einen computergesteuerten Markt und der ist in keiner Weise mit dem Handel zwischen Spielern in EVE Online vergleichbar, in dem Händler und Crafter die Kriegsmaschinerie antreiben. Doch das ist - zumindest vorerst - auch nicht der Anspruch von Elite: Dangerous, das zuallererst mal eine stimmige Galaxis simulieren soll.

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Diese Gruppe befindet sich mitten im Bürgerkrieg. Unterstützen wir sie, könnte sie ihren Einfluss ausbauen und expandieren.
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Die Simulation berechnet dabei nicht nur Hunderte Millionen Stationen in Sachen Marktgeschehen. Auch die Positionen im All werden wirklichkeitsgetreu simuliert - von der Lage innerhalb des Systems über die jeweiligen Umlaufbahnen um Sonnen und Planeten bis hin zur Eigenrotation verhält sich der Himmelskörper, wie es Weltraum-Fans von ihm erwarten.

Welten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat

Braben hat seine Software, die er seit der ersten Version von Elite nie ganz ad acta gelegt hat, mit Naturgesetzen und den Daten der NASA gefüttert und sie eine Milchstraße berechnen lassen, wie sie ist und wie sie sein könnte. Für den normalen Zocker, der ein paar Raumschiffe aus dem Weltall pusten will, ist das furchtbar irrelevant, für echte Fans der Materie jedoch ist die Sandbox von Elite: Dangerous ein virtuelles Paradies, das zum Erkunden einlädt.

David Braben beglückt die Fans der ersten Stunde mit einem dynamischen und absolut überzeugenden Weltraum, der jetzt noch mit diversen Mechaniken angereichert werden muss.Fazit lesen

Zudem die 400 Milliarden Systeme zwar in der riesigen Sternenkarte erfasst, aber nicht genauer kartografiert sind. Wer weit nach draußen fliegt, wird viel scannen und zu entdecken haben und er kann diese Daten dann gegebenenfalls in Raumstationen für gute Credits verkaufen. Generationenschiffe, Außerirdische, unbekannte Phänomene - das alles soll es da draußen geben. Sogar die Raumsonde Voyager 2, die irgendwo am Rande unseres Sonnensystems rumfliegt, wurde schon im Spiel gesichtet.

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Kampfrang, Handelsrang, Erkundungsrang - wer es zuerst auf allen dreien auf ‘Elite’ schafft, dem zahlt Braben 12.000 Euro Belohnung.
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Blockadebrecher gesucht

Dafür muss man sich natürlich sein Schiffchen entsprechend auf Reichweite pimpen und mit einem Modul versehen, das es erlaubt, Treibstoff aus einer Sonnenkorona zu saugen. Die überwiegende Mehrheit ist derzeit jedoch mit Handelsschiffen unterwegs oder verdingt sich als Kopfgeldjäger oder Weltraumpirat. Und natürlich schürfen einige Spieler in Asteroidengürteln nach Erzen. Für die meisten Betätigungsfelder halten die Raumstationen legale und illegale Aufträge bereit, die ebenfalls schon mit der Sandbox verwoben sind.

Schließlich gehören Raumstationen nicht nur einer der drei Fraktionen an - sie stehen auch im Besitz bestimmter Organisationen oder Firmen, oft gutes Geld für gute Arbeit zahlen und die obendrein selbst vom Wirken des Spielers profitieren können. Hat man die Station hier und da gut versorgt, eine Blockade aufgehoben, ein paar wichtige Daten überbracht oder Feinde eliminiert, kann es passieren, dass die Betreiber den Konflikt mit der Konkurrenz suchen und versuchen zu expandieren.

Im Krieg mit den Autoren

Im Großen kann das Auswirkungen auf die drei galaktischen Fraktionen haben, von deren Treiben der Spieler derzeit noch durch tägliche Textnachrichten erfährt. Wenn beispielsweise ein kriegslüsterner Senator mit seinen Streitkräften einen Planeten um seine Ernteerträge bringt, könnte eine Gruppe Spieler durch entsprechend eifrige Lieferungen in die Bresche springen, während sich andere in die Raumkämpfe im System einmischen, um die Dominanz des Senators zu brechen. Das Autorenteam, so sagt es zumindest David Braben, wird genau im Auge behalten, was die Spieler tun und die Geschichte entsprechend schreiben.

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Angebot und Nachfrage bestimmen den dynamischen Markt in Elite: Dangerous.
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Für all das braucht es jedoch auch eine gehörige Portion Fantasie, denn gescriptete Sequenzen oder eine Story, in der man als Spieler direkt in den Mittelpunkt des Geschehens gezogen wird, gibt es nicht. Entsprechend groß ist die Enttäuschung von Spielern, die aus der Wing-Commander-Ecke kommen und jetzt ohne Orientierung und Perspektive in Brabens unendlicher Galaxis herumirren.

Allianz, Föderation, Imperium - bei letzterem gibt es Kekse!

Veteranen und Fans absolut offener Welten hingegen sind durchaus angetan von den Möglichkeiten, die sich ihnen offenbaren. Sie kämpfen um Ruhm bei den einzelnen Fraktionen und Organisationen und um Reichtum, um sich die wirklich teuren Raumschiffe zu kaufen, von denen es mittelfristig 30 Stück geben soll.

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Weniger teuer ist das Spiel an sich, denn Elite: Dangerous kommt mit dem einmaligen Anschaffungspreis und ohne Monatsgebühr aus - trotz MMO-Charakter. Nicht auskommen werden echte Fans jedoch ohne ein passendes Steuergerät. Ein Joystick mit Schubkontrolle sollte es schon sein, damit im Weltall die richtige Stimmung aufkommt - im Notfall kommt man aber auch mit Controller oder Maus und Tastatur klar.

Mit der Station dreht sich der Magen

Zudem das Spiel eine Flugunterstützung bietet, die das Raumschiff in stabiler Rotation hält. Echte Simulations-Fans schalten diese Funktion ab und genießen die realistische Steuerung, bei der selbst mit dem Profi-Knüppel jede Landung auf einer Raumstation wegen der unterschiedlichen Rotationen zur echten Herausforderung wird.

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Noch herausfordernder wird es dann, wenn man sich obendrein das Oculus Rift leistet und mit dem VR-Helm auf dem Kopf in die virtuelle Galaxis abtaucht. Elite: Dangerous eignet sich perfekt für das futuristische Gerät, mit dem man sich nicht nur im Cockpit, sondern auch wunderbar in der Milchstraße umschauen kann. Doch Vorsicht: Fürs Einfliegen in eine rotierende Weltraumstation oder actionreiche Dogfights braucht der VR-Helm-Träger einen starken Magen.