Es waren einmal kleine, quietschige Wesen, die kamen auf die Erde und brachten Friede und Freude in die Häuser der Menschen. Sie hüpften und sangen, waren freundlich, quirlig und voller Energie.

Nein liebe Leser, dies ist kein bezahlter Propaganda-Artikel über »Nevada Tan«, sondern die Rede ist von »Eledees«, einem weiteren, sehr ungewöhnlichen Spiel für Nintendos Wii. Was das Ganze mit der systematischen Verwüstung eines Privathaushalts zu tun hat und warum es - zumindest allein - viel Spaß macht, klären wir in unserem Test.

Alone in the Dark
Held der Story ist Kai, ein kleiner, frecher Rotzlöffel, der eines Abends im elterlichen Haus auf die Rückkehr seiner Erziehungsberechtigten wartet, als plötzlich infolge eines Blitzschlages der Strom ausfällt. Kein Strom bedeutet kein Fernsehen, und da eigentlich gerade Kais Lieblingssendung ausgestrahlt wird, ist der Bengel verständlicherweise ziemlich ungehalten.

Eledees - Chaotisch, knuffig, schräg - und einen Riesenspaß macht es auch noch!

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Das Chaos nimmt seinen Lauf - die Eledees sind los!
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Verantwortlich für dieses Desaster sind seiner Ansicht nach die Eledees, kleine Energiewesen, die seit langer Zeit auf der Erde mit den Menschen in Frieden und Harmonie leben. Da sich Kais Eltern lieber mit der Eledee-Forschung als mit ihrem Sohnemann beschäftigen, ist der sauer auf die bunten Smarties. Und so macht er sich mutterseelenallein im elterlichen Eigenheim daran, mit Vatis Fangstrahler sämtliche der kleinen Energiebiester zu fangen.

Soviel zur Rahmenhandlung des Spiels. Die Story von »Eledees« dürfte sich damit in punkto Komplexität und Tiefgründigkeit irgendwo zwischen den erzählerischen Fähigkeiten eines Pantoffeltierchens und der Verständnisebene eines Wellensittichs bewegen. Man täte dem Programm jedoch großes Unrecht, wollte man es nach seiner Hintergrundgeschichte bewerten. Denn die spielt letztlich keine Rolle. Stattdessen steht der Spaß an erster Stelle.

Packshot zu EledeesEledeesErschienen für Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Während man sich mit Wii-Mote und Nunchuk auf die Jagd nach den mobilen Energiespendern begibt, bleibt im virtuellen Haushalt kein Stein auf dem anderen. Die Verwüstung des elterlichen Eigenheims ist sich nicht Selbstzweck, wohl aber teilweise unvermeidlich, wenn man die Eledees mit dem Fangstrahler aus ihren Verstecken zwischen Papis Bücherregal und Mamis Geschirrsammlung im Schrank herauskriegen will.

»Er schleimte mich voll...«
Das Spielprinzip, kleine Plagegeister mit großen Strahlenwaffen einzusaugen, erinnert nicht nur frappierend an den wunderbaren Film »Ghostbusters«, sondern es spielt sich bis zu einem gewissen Grad auch ähnlich. Wenn man auf der Jagd nach den Eledees den halben Hausstand zerlegt und der Fangstrahl so manches Mal unkontrolliert durch die Gegend schießt, dann fühlt man sich förmlich in der Rolle von Dr. Venkman und seinen Kumpels auf der Jagd nach Geistern und plasmatischen Erscheinungen.

Eledees - Chaotisch, knuffig, schräg - und einen Riesenspaß macht es auch noch!

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Wie bei Dr. Venkman: Per Plasmastrahler geht es den Eledees an den Kragen.
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Die niedlichen Energiewesen im Spiel sind aber bis auf wenige Ausnahmen nicht aggressiv und greifen auch nicht an, was man von den schleimigen, mit Ektoplasma um sich werfenden Gesellen in Ivan Reitmans Kultstreifen nicht gerade behaupten kann. Was den Spaßfaktor betrifft, kann das Spiel dem Film aber durchaus das Wasser reichen. Einzig die coolen Sprüche, eines der Highlights in »Ghostbusters«, fehlen völlig.

Das Spielprinzip ist ebenso einfach wie motivierend. In jeder Mission wird ein Teil des Hauses systematisch abgesucht, wobei man sowohl ein Zeit- als auch ein Punktelimit in Form einer zu erreichenden Wattzahl im Nacken hat. Denn ohne Strom funktioniert nun einmal nichts, und deshalb gilt es, in möglichst kurzer Zeit viele der bunten Gesellen einzusaugen, damit sich die daraus resultierende Wattzahl erhöht. Je höher der Wert ist, desto mehr elektrische Geräte können eingeschaltet werden. Diese spucken dann Kraft-Eledees aus, eine besondere Form der Energiewesen. Die werden benötigt, um die Leistungsfähigkeit des Strahlers zu erhöhen. Je kräftiger er wird, desto mehr Möbel kann er bewegen (und damit auch umwerfen), um bislang unzugängliche Stellen des Zimmers zu erreichen. Außerdem lassen sich mit steigender Wattzahl auch Türen öffnen, die zuvor verschlossen waren.

Eledees - Chaotisch, knuffig, schräg - und einen Riesenspaß macht es auch noch!

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Energie wie nie! Von Zeit zu Zeit gibt es einen Power-Up.
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Auch wenn es einen Riesenspaß macht, im Laufe einer Mission das elterliche Domizil gründlich zu verwüsten, sollte man dennoch Vorsicht walten lassen. In der Abstellkammer beispielsweise sorgt ein zu hohes Maß an Durcheinander und Trümmern dafür, dass man sich nicht mehr vernünftig bewegen kann. Außerdem versperren umgekippte Möbel oftmals die Sicht. Da sie zwar beliebig durcheinander gewirbelt, aber im Gegensatz zu Geschirr, Vasen und ähnlichen Dingen nicht zerschlagen werden können, stellen sie des öfteren ärgerliche Hindernisse dar. Besonders, wenn man auf der Jagd nach einem besonders wichtigen Eledee plötzlich nicht mehr alle Ecken schnell genug erreichen kann, ist das ärgerlich.

Insofern empfiehlt es sich, nur dann dem Zerstörungstrieb freien Lauf zu lassen, wenn man zuvor alle bislang zugänglichen Winkel des jeweiligen Raums durchsucht hat. Außerdem sollte man die Eledees nicht zu sehr aufscheuchen, denn wenn sie fliehen, bringen sie weniger Watt ein, als wenn man sie schlafend oder vor sich hin singend einfängt.

Hindernislauf
Der Schwierigkeitsgrad steigt moderat an. Kann man in den ersten Levels relativ unbeschwert vor sich hin saugen, kommen mit der Zeit einige Herausforderungen hinzu. So gibt es im späteren Verlauf kleine Kanonen und Spielzeugpanzer, die auf einen schießen (keine Angst, liebe Waldorfis, das klingt militant, ist es aber nicht). Zum Glück kommen deren Geschosse ziemlich langsam heran, so dass man in der Regel gut ausweichen kann. Auch schwarze Eledees tauchen auf, die einem das Leben schwer machen wollen. Die dürfen nicht eingesaugt werden, weil sie die Leistungsfähigkeit des Strahlers vermindern.

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Watt! Wer bist du denn?
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Daneben gibt es auch einige Extras, die das Fängerleben für einige Sekunden erleichtern. Die Gadgets liegen lose verstreut in der Gegend herum und werden aktiviert, indem man sie gegen eine Wand klatscht. Neben einem praktischen Ziellaser ist besonders der Eledee-Keks hervorzuheben. Der verströmt nach dem Zerbrechen einen unwiderstehlichen Duft, der die Biester aus allen Ecken lockt, so dass man sie bequem einsacken kann. Weitere Extras sind beispielsweise ein Schutzschirm gegen Beschuss sowie ein Radar, der alle Eledees in der Umgebung zeigt.

Natürlich dürfen auch Bossgegner nicht fehlen. Die tauchen von Zeit zu Zeit auf und können nicht auf die herkömmliche Weise bekämpft werden. Stattdessen müssen sie entweder mehrfach mit dem Strahler getroffen werden, oder man bewirft sie solange mit allerlei Zeugs, bis sie den Geist aufgeben. Da auch bei den Bosskämpfen ein Zeitlimit herrscht, enden solche Auseinandersetzungen oftmals mit hektischem Um-sich-werfen von Mobiliar. Immerhin ist der Fangstrahler bereits von Beginn an aufgerüstet, so dass man Hindernisse problemlos aus dem Weg räumen und dem Unhold an den Kopf (oder was auch immer man dafür hält) werfen kann.

»Es saugt und bläst der Heinzelmann…«
In Sachen Technik gibt es wenig an »Eledees« zu meckern. Die Sensorsteuerung reagiert sehr schnell auf anvisierte Ziele, Schwenken und Drehen der Wii-Mote werden akkurat umgesetzt. Ähnlich wie bei »Red Steel« bewegt man sich mit dem Nunchuk in alle Richtungen, während man sich mit dem Controller umsieht und zielt. Ein Druck auf die A- oder B-Taste lässt den Fangstrahl herausschießen, wobei anvisierte Gegenstände mit einem grünen Rahmen umgeben sind, wenn man sie bewegen kann, ein roter Rahmen steht für Unbeweglichkeit.

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Ein Blick in die Küche: Noch steht Muttis Geschirrsammlung...
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Die Grafik ist Wii-typisch sehr comichaft und quietschbunt, wirkt aber auch auf »alten« Röhrenfernsehern sehr scharf. Die Musik ist wie bei Nintendo-Games üblich Geschmackssache. Immerhin wird für jedes Level ein weiterer Song freigeschaltet, so dass man mit steigender Spieldauer auch mehr Musik zur Auswahl hat. Wer dennoch genug hat vom Dudelsound, dreht ihn in den Optionen einfach ab.

Die Sounds hingegen sind stimmig. Die Eledees quietschen mit zuckersüßen Stimmchen, das Mobiliar poltert, und Porzellan zerbricht mit sattem Klirren, so dass man sich zeitweise eher in einem Bud-Spencer-Film wähnt als in einem Computerspiel.

Das saugt!
Leider gibt es auch Einiges auszusetzen an »Eledees«. So wiederholen sich die Schauplätze im Laufe der Story immer wieder. Spätestens, wenn man zum dritten Mal im elterlichen Wohnzimmer tätig ist, stellt sich der »Alles-schon-mal-gesehen«-Effekt ein. Auch dass man in jedem Level von vorne beginnen muss, seinen Sauger aufzuleveln, ist etwas ermüdend. Hier wäre es spannender gewesen, die erweiterten Möglichkeiten des Fangstrahlers jeweils beizubehalten und durch neue Attribute zu ergänzen.

Zwar gibt es im Laufe der Handlung neue Eledees zu entdecken, doch bietet dies insgesamt zu wenig Abwechslung. Immerhin lassen sich die Levels beliebig oft durchspielen. Je bessere Resultate man dabei erzielt, desto mehr Extras werden freigeschaltet. So kann man beispielsweise eine abgeschlossene Mission nochmals ohne Zeitlimit, dafür aber als Punktejagd spielen, oder man kann die Mission modifizieren und als neuen Level an Freunde weiterreichen. Außerdem sind die Abschnitte dann auch für Multiplayer-Matches freigeschaltet.

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Motorstorm: Nicht mal Vatis Auto bleibt von der Zerstörungsorgie verschont.
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Das klingt viel versprechend, ist es aber nicht. Denn im Mehrspielerpart haben die Entwickler gründlich gepatzt. Zwar können bis zu vier interessierte Stubenrandalierer an der Wii auf Eledee-Jagd gehen, doch leider müssen sich dann alle Kombattanten einen Bildschirm teilen. Lenken kann dabei nur einer der Mitspieler. Alle anderen haben nur die Möglichkeit, über die Wii-Mote möglichst viele Energiebiester einzusaugen. Das verschafft dem lenkenden Spieler einen deutlichen Vorsprung vor den anderen, da er sich natürlich stets dorthin bewegen wird, wo er einen oder mehrere Eledees entdeckt hat. Die anderen sind lediglich zum Reagieren verdammt.

Außerdem herrscht bei vier Saugstrahlern gleichzeitig auf einem Monitor schnell heilloses Chaos. Da hilft es auch nicht, dass die Strahlen verschiedene Farben und die Fadenkreuze unterschiedliche Formen haben. Das ist schade, denn an sich könnte »Eledees« ein echter Partykracher sein.

Wer mit den oben genannten Nachteilen leben kann und sowieso viel lieber mit sich selbst als mit anderen spielt, sollte sich die Eledees dennoch ins Haus holen, denn die Holzerei bringt trotz Wiederholungen ziemlich viel Spaß und fördert den Aggressionsabbau. Aber bitte, bitte, nicht in echt nachmachen!