Autor: Jörg Pitschmann

Es gibt Spiele, auf die wartet man. Ein halbes Leben lang. So wie zum Beispiel »Stalker«. Und es gibt Spiele, die kommen einfach so. Auf die wartet man nicht wirklich. So wie zum Beispiel »El Matador«, dessen Erscheinungstermin für den 31.08. angekündigt wurde.

Der Umstand, dass die bislang eher glücklosen Jungs von Frogster Interactive den Titel der Entwicklerbude Plastic Reality auf den Markt bringen, läßt allerdings befürchten, dass es sich auch hier nicht gerade um eine Perle der Programmierkunst handeln könnte. Aber gut, schon unsere Großmütter haben uns gelehrt, dass man niemanden vorschnell verurteilen sollte.

El Matador (dt. Version) - Baller-Bulle sucht Freunde zum Abknallen in Kolumbien. Von Entwicklern mit ehrgeizigen Zielen.

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Deshalb haben wir auch ganz lieb "Bitte, bitte" gesagt und von den freundlichen Frogsters eine Vorabversion des Spiels bekommen, die wir uns angesehen haben. Und dabei hat sich in der Tat herausgestellt, dass noch Zeichen und Wunder geschehen. Denn »El Matador« hat ein paar Überraschungen zu bieten.

Wie ein wilder Stier
Die Hintergrundgeschichte verspricht einiges an Spannung. Held der Story ist Viktor, genannt El Matador, seines Zeichens ultracooler Bulle beim DEA und seit Jahren aktiver Kämpfer gegen das lateinamerikanische Drogenkartell. Die Spezialaufträge seiner amerikanischen Brötchengeber führen den Mann mit der brummigen Stimme quer durch Kolumbien.

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Denn die bösen Buben aus dem finsteren mittelamerikanischen Staat haben sich zu einem gigantischen Kartell zusammengeschlossen, um die USA mit Koks und anderen gefährlichen Substanzen zu überschwemmen. Weil das natürlich nicht besonders nett ist, beschließen die Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten umgehend Gegenmaßnahmen.

Viktor soll die Drogenbarone wissen lassen, dass die USA wissen, wo sie ihre Verstecke haben, indem er sie der Reihe nach erledigt. Oder anders ausgedrückt: er soll den sündigen Sumpf im sonnigen Süden trockenlegen. Im Laufe seines Kampfes gerät der taffe Bulle dabei immer tiefer in ein Netz von Korruption und Gewalt, an dessen Ende sogar noch die Russenmafia mitmischt.
Soweit, so gut. In der uns vorliegenden Version konnten wir drei recht unterschiedliche Missionen zocken. So fanden wir uns in einer Großstadt inmitten einer wüsten Schießerei wieder, stapften im zweiten Abschnitt durch einen üppigen Regenwald und haben uns schließlich in der dritten Mission schwere Ballereien mit Schergen in einem Hafen geliefert.

Damit dürfte erwiesen sein, dass christliche Nächstenliebe nicht gerade zu Viktors Präferenzen zählt, denn nach Angaben der Entwickler wird der Bullenbubi in der Verkaufsversion über ein Arsenal von 29 unterschiedlichen Wummen verfügen.

Demzufolge fließt der rote Lebenssaft auch in Strömen. Bevor sich jetzt allerdings virtuelle Hobbyschlachter und Freizeit-Totschläger unter unserer hochverehrten Leserschaft die Hände reiben: es können weder Köpfe noch Gliedmaßen abgeschossen werden. Denn die Hersteller haben bei der USK eine Freigabe ab 16 Jahren beantragt.Zurück zur Natur
Spätestens seit »Far Cry« ballert man entspannt im Schoße von Mutter Natur. Vorbei die Zeiten, in denen man entweder im wilden Fantasy-Ambiente, in quietschbunten Bonbonlandschaften oder in Weltraumbasen und auf fernen Planeten um sich geschossen hat.

Ballern unter Palmen hat Konjunktur, und angesichts der zur Zeit herrschenden Temperaturen kommt auf diese Weise sogar am Rechner die richtige Sommerstimmung auf. Daneben bieten Urwald, Strand und Co. natürlich auch besonders schöne Grafikmotive, die die wahre Qualität der eingesetzten Engine krass korrekt vor Augen führen können.Im Falle von »El Matador« gelingt das auch recht gut, denn die lauschigen Locations sind allesamt sehr gut in Szene gesetzt. Palmen wedeln sanft im Wind, Licht und Schatten wechseln einander harmonisch ab, und die Gesichter der getroffenen Gegner verraten sogar so etwas wie Erstaunen, während sie fallen.

In den Zwischensequenzen - allesamt in Spielgrafik - zeigt die Engine dann noch mehr, zu was sie fähig ist. Die Charaktere wirken in Gestik und Mimik sehr lebensecht und sprechen lippensynchrones Englisch, und sowohl Waffen als auch Equipment sind überaus detailliert dargestellt.

Dazu gesellt sich ein lebendig anmutender Sound mit mannigem Vogelgezwitscher, zirpendem Getier und zischelnden Schlangen. Warum man die abwechslungsreiche Fauna allerdings nicht zu Gesicht bekommt, bleibt ein Rätsel. Auch in der Stadt und am Hafen ist man von typischen Geräuschen umgeben, was die Handlung zusätzlich verdichtet.

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Doch die Pracht hat ihren Preis: auf unserem Testsystem mit einem Athlon 3500, einem Gigabyte RAM und einer - nicht übertakteten - Nvidia Geforce 6800 GT war die Darstellung an vielen Stellen nicht sonderlich flüssig.

Besonders bei hektischen Schießereien mit mehreren Gegnern kam so an manchen Stellen wenig Freude auf. Außerdem gab es noch einige Bugs, wie zum Beispiel falsche Feuertexturen und aufpoppende Grafiken. Da jedoch bis zum Release noch mehr als ein Monat Zeit bleibt, hoffen wir hier auf Nachbesserung. Oder auf megageile neue Redaktionsrechner [Anmerkung des Chefs: die sind im Jahresetat für 2020 vorgesehen. Aber nur für Mitarbeiter, die nicht ständig rumheulen].

Gotteslästerung
Die Jungs von Frogster Interactive hören es gern, wenn man ihren kommenden Hit mit »Far Cry« und »Max Payne« vergleicht. Abgesehen davon, dass das zu einem gewissen Teil sogar stimmt, würden wir solchen Vergleichen allerdings nicht kommentarlos zustimmen.

Denn die genannten Titel sind Ikonen der jeweiligen (Spiele-)Generation und haben ihren Platz im Zockerolymp eingenommen.

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El Matador wird erst noch den Beweis dafür antreten müssen, ob es spielerisch mithalten kann und ein derartiger Vergleich demzufolge legitim wäre. Die Missionen der Previewversion jedenfalls lassen eine solche Aussage nicht zu.

In technischer Hinsicht hingegen ist der Vergleich durchaus angebracht. So erinnert die Grafik zumindest im Dschungel-Level tatsächlich sehr an das atmosphärisch-stimmige Inselambiente von Jack Carvers Eiland, und der integrierte Bullet-Time-Modus könnte geradewegs dem strammen Max entliehen sein. Besser gut geklaut als schlecht erdacht scheint hier die Devise der Entwickler zu lauten. Die Physikengine simuliert schwerkraftabhängige Ereignisse mit beeindruckender Genauigkeit. Schießt man auf Dosen, so werden diese von den Kugeln durch den Raum gekickt, und ein Handwagen mit Melonen rollert korrekt einen abschüssigen Weg nach unten, während seine Ladung brav vorweg kullert, wenn man sie von der Ladefläche tritt oder schießt.

Insofern fehlt bei dem eingangs erwähnten Vergleich noch ein dritter Titel, der ganz offensichtlich Pate für die physikalischen Phänomene stand: »Half Life 2«. Wer jedoch nach echten Innovationen sucht, wird - zumindest in der Vorabversion - bitterlich enttäuscht. Denn spielerisch bleibt der Titel derzeit hinter der guten technischen Fassade zurück.

Der Levelaufbau ist linear gestaltet, und statt einer frei begehbaren Stadt oder Landschaft bewegt sich Viktor auf vorgegebenen Pfaden. Die Gegner tauchen beim erneuten Durchzocken eines Abschnitts stets an den gleichen Stellen auf und verhalten sich zwar geschickt, aber jedesmal gleich. Auch das erinnert an »Half Life 2«, das seinerzeit mit einer brillanten Technik punkten konnte, spielerisch jedoch deutlich weniger zu überzeugen vermochte. Viktor erhält von einer Kollegin über Funk seine Anweisungen, was als nächstes zu tun ist. Hat er die Aufgabe erfüllt, gibt's ein kurzes Informationsupdate und sparsame Tipps zum weiteren Vorgehen von der Lady. Die Handlung wird auf diese Weise von Checkpoint zu Checkpoint abgespult, ohne dass sich tatsächliche Eingriffsmöglichkeiten durch den Spieler ergeben.

Spannender wäre die Möglichkeit, verschiedene Vorgehensweisen anzubieten - von dezenter Schleichkultur über getarntes Vorgehen bis hin zum wüsten Um-sich-Ballern nach amerikanischem Vorbild. Doch leider erweist sich hier »El Matador« zumindest in der Preview als enttäuschend einfallslos. Ob sich bis zum Release daran noch etwas ändern wird, dürfte fraglich sein. Wir wollen jedoch nicht zu hart mit dem guten Viktor ins Gericht gehen, denn bereits in der Vorabversion zeigt sich, dass der Kampf gegen das Reich des Bösen durchaus einige interessante Aspekte zu bieten hat, um ein spannendes Spielgeschehen in Szene zu setzen.

Gelungene Technik allein reicht zwar nicht aus, um einen echten Kracher zu erschaffen, ist aber im allgemeinen Voraussetzung für einen wirklich guten Titel. Insofern hoffen wir auf einen heißen Restsommer ab Ende August, wenn »El Matador« auf unseren Rechnern den Kampf gegen die Drogen aufnehmen wird. Viktor erhält von einer Kollegin über Funk seine Anweisungen, was als nächstes zu tun ist. Hat er die Aufgabe erfüllt, gibt's ein kurzes Informationsupdate und sparsame Tipps zum weiteren Vorgehen von der Lady. Die Handlung wird auf diese Weise von Checkpoint zu Checkpoint abgespult, ohne dass sich tatsächliche Eingriffsmöglichkeiten durch den Spieler ergeben.

Spannender wäre die Möglichkeit, verschiedene Vorgehensweisen anzubieten - von dezenter Schleichkultur über getarntes Vorgehen bis hin zum wüsten Um-sich-Ballern nach amerikanischem Vorbild. Doch leider erweist sich hier »El Matador« zumindest in der Preview als enttäuschend einfallslos. Ob sich bis zum Release daran noch etwas ändern wird, dürfte fraglich sein. Wir wollen jedoch nicht zu hart mit dem guten Viktor ins Gericht gehen, denn bereits in der Vorabversion zeigt sich, dass der Kampf gegen das Reich des Bösen durchaus einige interessante Aspekte zu bieten hat, um ein spannendes Spielgeschehen in Szene zu setzen.

Gelungene Technik allein reicht zwar nicht aus, um einen echten Kracher zu erschaffen, ist aber im allgemeinen Voraussetzung für einen wirklich guten Titel. Insofern hoffen wir auf einen heißen Restsommer ab Ende August, wenn »El Matador« auf unseren Rechnern den Kampf gegen die Drogen aufnehmen wird.