PC adé, Scheiden tut weh!?

Die E3 ist vorbei, der Jetlag überstanden. Die Extra-Kilos, die wir einer Woche "typical american food" und der einen oder anderen Party verdanken, strampeln wir uns zwar noch jedem Abend am Hometrainer ab - insgesamt hat uns aber das wieder, was man gemeinhin als den Alltag bezeichnet.

Eine Frage beschäftigt uns aber immer noch - vor allem abends auf dem Hometrainer: Wenn Ende dieses Jahres bzw. Anfang 2006 die NextGen-Konsolen zum Angriff blasen, werden wir dann PC, DVD-Player und Stereoanlage gemeinsam mit Tausenden anderen "Erleuchteten" bei ebay verticken? Oder wird aus den vollmundigen Ankündigungen von Herausforderer Microsoft und Platzhirsch Sony ein ähnlicher Rohrkrepierer wie das damals als Revolution gefeierte (oder besser: gehypte) UMTS? Glaubt man den Versprechungen der Konsolen-Bauer, dann werden XBox 360 und Playstation 3 nicht nur um ein vielfaches schneller sein als moderne High-End PC's. Nein, die

Spaßboxen sollen zum Rundum-Sorglos-Paket avancieren. Der integrierte DVD-Player sorgt zusammen mit Surroundsound-Ausgängen für ein kinoähnliches Gesamterlebnis - wer einen HDTV-kompatiblen Fernseher oder Beamer sein Eigen nennt, der darf das alles gar in nie gesehener optischer Qualität erleben.

Zeit für ein Zwischenresümee: Zum Spielen braucht man also keinen PC mehr, denn die Konsole ist viel leistungsfähiger. Der DVD-Player, der damals teurer war als die neue Konsole, wandert ebenfalls auf die Verkaufsliste. Zum Glück verfügen XBox & Co noch nicht über einen integrierten Verstärker - der darf also (zumindest vorerst) noch bleiben.

Zumindest die PS3 schluckt neben Blue-Ray Disc (deutlich mehr Speicherkapazität als DVD's) und DVD auch Speicherkarten, -Sticks und Ähnliches in mannigfaltigen Varianten, darüber hinaus darf via USB übertragen werden, was das Zeug hält. Die Urlaubsfotos wandern zukünftig vor dem Brennen also nicht mehr auf den PC, sondern auf unser

neues Funktionswunder. Von dort können Sie dank intregriertem Brenner (mindestens eine XBox 360-Version wird darüber verfügen) vom Sofa aus archiviert werden.

Einen digitalen Videorecorder (das sind die Dinger, mit denen Sie dank "Time Shifting" zukünftig auch vor dem entscheidenden Elfmeter im Champions-Leaque-Finale aufs Klo können) brauchen wir erst gar nicht kaufen. Denn darüber soll zumindest der XBox-Nachfolger (in einer Variante) gleich mit verfügen. Wir können also bequem mitschneiden und die entscheidenden Sekunden bereits während der Pokalübergabe auf DVD bannen. Klingt verlockend? Richtig - bleibt nur zu hoffen, dass die Konsole dabei so flexibel bleibt wie der PC. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass Microsoft alles daran setzt, eigene Codes oder ähnliches mit Gewalt zum Durchbruch zu verhelfen. Und wehe, die Oma hat vor der Vorführung des Urlaubsfilms nicht daran gedacht, die aktuelle Codec-Version und die geforderte Lizenz zu besorgen.

Meinen PC werde ich übrigens auch aus anderen Gründen behalten. Zum

Einen habe ich meine Maus viel zu lieb, um sie gegen einen stylisch aussehenden Konsolen-Controller einzutauschen. Zum Anderen möchte ich auch mal in Ruhe solche Spiele zocken, die entweder nicht jedermanns Geschmack oder aber nicht für die Augen derjenigen bestimmt sind, die sich ebenfalls im Wohnbereich aufhalten. Manche Leute sollen ja auch heutzutage noch Kinder haben - auch wenn dann der HDTV-Fernseher erst ein paar Jahre später drin ist.

Nicht falsch verstehen: Ich liebe Spiele, und ich mag Konsolen. Auf technisch ausgereiftere, leistungsfähigere und flexiblere Geräte freue ich mich ebenfalls. Aber die Erfahrung hat mich gelehrt, bei Ankündigungen einer eierlegenden Wollmilchsau vorsichtig zu sein und erst dann an ein echtes All-in-One Produkt zu glauben, wenn es bei mir zu Hause steht. Den Weg dorthin werden die neuen Konsolen mit Sicherheit finden. Und sei es nur, weil die neuen Games darauf einfach geil aussehen!

Thomas BayerChefredakteur