Heiße Rollenspiele zum Jahrestart

Es wird krachen in der MMORPG Community in diesem Monat. In Kürze erscheint mit World of Warcraft ein Spiel, dem selbst das Wort "Hype" nicht gerecht zu werden scheint. Fast ein ganzes Jahr dauert die Beta nun bereits, und die Begeisterung für Blizzard's neuestes Meisterstück ist nach wie vor ungebrochen. Die Community saugt immer noch jede News - und sei sie noch so klein - begierig auf und fiebert dem Release entgegen.

Letzte Woche ist der finale Betatest in die letzte Runde gegangen, alles deutet darauf hin, dass es nun nicht mehr lange dauern kann. Ein Blick auf das von den großen Onlineshops einmütig angegebene Erscheinungsdatum legt nahe, dass am 11. Februar der Tag der Tage für viele Rollenspiel-Fans sein wird.

Wieder einmal werden auf den Parkplätzen der großen Ketten wie Media Markt und Konsorten temporäre Zeltplätze aus dem Boden schießen, da das Spiel übers Internet so gut wie nicht mehr zu bekommen ist.

Die Geschäfte werden wahrscheinlich nach kurzer Zeit mehr Ähnlichkeit mit einem Kriegsschauplatz haben als mit einer Verkaufsfläche - denn echte Fans sind gnadenlos, wenn es darum geht, endlich das Objekt der Begierde in die Hände zu bekommen.

Dieser Andrang wird allerdings trotz allem geradezu lächerlich wirken im Gegensatz zu der erwarteten Situation auf den Servern. Zwei "Data-Center" hat Blizzard bereit gestellt, um dem massiven Ansturm gerecht zu werden. Doch auch der größte Serverpark in der MMO-Geschichte wird vorraussichtlich nicht genügen und so werden wir uns wie zu guten alten Diablo2-Zeiten - und natürlich wie zuvor an der Kasse - in lange Warteschlagen einreihen müssen, um endlich in die Welt von Azeroth eintauchen zu können.

Ob dieser WoW-Dominanz geraten andere Online-Rollenspiele nahezu in Vergessenheit - obwohl sie nahezu zeitgleich erscheinen werden. Mit City of Heroes und dem "neuen" Ryzom (Patch 2) stehen zwei Spiele bereit, die sich anschicken, gegen die Blizzard'sche Vorherrschaft ins Feld zu ziehen.

Ob sich die Publisher dieser Konkurrenzprodukte einen Gefallen tun, indem sie just zum Start von World of Warcraft weitere MMORPG's auf den Markt werfen, bleibt abzuwarten. Doch in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass solche Entscheidungen nur selten zu einem glücklichen Ausgang geführt haben. Selbst Spiele, die eigentlich qualitativ hochwertig waren, standen oft im Schatten eines Megasellers und verkauften sich weit unter Wert.

Eines ist jedoch sicher: Der MMO-Markt ist so heiß umkämpft wie nie zuvor, und es wird immer schwieriger, sich erfolgreich zu etablieren. Im letzten Jahr konnte man das Gefühl bekommen, für viele Spieleschmieden sei das MMORPG-Genre etwas Ähnliches wie der heilige Gral. Und in dieser Metapher steckt mehr Wahrheit, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Denn auch der Gral ist etwas, an dem sich bereits unzählige Menschen die Zähne ausgebissen haben.

So sprechen denn auch die Meldungen über eingestellte Projekte, viel zu niedrige Spielerzahlen oder ähnliche Hiobsbotschaften eine

deutliche Sprache. Nur die allerbesten Games werden sich auf lange Sicht auf dem Markt halten können - und es wird immer schwerer, neue Spieler zu werben.

Blizzard hat es einmal mehr meisterhaft verstanden, ein Spiel zu entwickeln, das eine riesige Zielgruppe anspricht. Gemäß dem alten Motto "Easy to learn, hard to master" ist World of Warcraft so einsteigerfreundlich wie nie ein MMORPG zuvor und bietet doch auch jenen Spieler langanhaltenden Spielspaß, die 40 Stunden pro Woche oder mehr in ihr Lieblingsspiel investieren.

Bleibt nur zu hoffen, dass beim Launch keine ähnlichen Katastrophen auftreten wie in der Vergangenheit bei anderen Vertretern dieses Genres. Aber halten wir es mit dem Wahlspruch der eingeschworenen Blizzard-Fangemeinde: "In Blizz we trust!".

In diesem Sinne,

Thomas BayerChefredakteur