Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus

Der November scheint der Monat der Superlative zu werden. Mit Half-Life 2 (16.11.), World of Warcraft ("November 2004" - sofern man den Gerüchten glauben darf) und Everquest 2 (8.11.) stehen uns gleich drei potentielle Mega-Hits ins Haus. Vivendi Universal Games (HL2, WoW) sieht also einem hervorragenden Abschluss des Geschäftsjahres entgegen.

Sowohl Blizzard als auch Valve haben eine Punktlandung hingelegt, um die Spiele rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit in die Regale der Händler zu bringen. Ob sich Sony allerdings mit dem EQ2-Release am 8.11 einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Viele Spieler berichten immer noch von schweren Problemen - und das so kurz vor dem offiziellen Release.

Doch nicht nur Shooter und MMORPG's können Garanten für fantastische Absatzzahlen sein: GTA San Andreas, der neueste Sproß der "Grand Theft Auto"-Serie zum Beispiel

verkaufte sich bereits in den ersten Tagen knapp 700.000 mal - und das nur in Großbritannien. Andere Publisher können anhand dieser Zahlen nur neidisch werden und freuen sich bereits wie die Schneekönige, wenn ihre Spiele die Gold-Marke knacken.

Doch der Novemer hält neben den genannten Überfliegern weitere Hochkaräter parat. "Star Wars Galaxies - Jump to Lightspeed" zum Beispiel dürfte so einige Rollenspiel-Jünger zu ungeahnter Fortbewegungsgeschwindigkeit anstacheln - auch wenn es nur darum geht, als erster mit dem Add-On an der Kasse zu stehen und einen möglichst großen Zeitvorsprung herauszuschlagen. Schließlich will man ja man ja vor allen anderen die neuen optimalen Level-Spots, Uber-Mobs und Ressourcevorkommen abgrasen.

Irgendwie eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet zu Weihnachten - dem Fest der Brüderlichkeit und Liebe - aller Vorraussicht nach in den Welten von WoW, EQ2, SWG, etc. der erbittertste Kampf um den größten

persönlichen Vorteil toben wird, den die MMORPG-Welt je gesehen hat. Vielleicht sollten sich manche Spieler dann daran erinnern, dass ein Online-Rollenspiel in erster Linie auf dem Miteinander basiert, nicht auf einem Gegeneinander.

Da ist es doch schön, dass es auch noch Spiele gibt, bei denen man mit Aggression von allen Seiten rechnet und demzufolge nicht enttäuscht ist, wenn einem das virtuelle Leben mal wieder ausgehaucht wird. Mit dem eingangs genannten Half-Life 2, Painkiller: Battle out of Hell, Medal of Honor: Pacific Assault und Joint Operations: Escalation stehen gleich mehrere Shooter Gewehr bei Fuß und werden uns die immer länger werdenden Winterabende versüßen.

Wer es etwas weniger hektisch und eher friedlich mag, kommt im November dennoch auf seine Kosten. Sport-Fans machen es sich mit Chips und Bier bei einer Partie Pro Evolution Soccer 4 oder NBA 2005 gemütlich, Wusel-Fans greifen das "Erbe der Könige ab" und siedeln was das Zeug hält und Rätselfreunde knacken bei Sherlock Holmes und Dark Fall II virtuelle Ratselnüsse.

Eines jedoch fällt unabhängig von Genre, Zielgruppe und Altersfreigabe auf, wenn man diesen kleinen Ausblick auf den vorletzten Monat des Jahres 2004 betrachtet: Alle genannten Titel - mit nur zwei Ausnahmen (WoW und Sherlock Holmes) - sind Fortsetzungen erfolgreicher Spiele vergangener Tage. Nicht, dass dagegen etwas einzuwenden wäre - schließlich freuen sich Zigtausende Zocker, wenn sie den neuesten Ableger von NBA, FIFA, oder ähnlichen Dauerbrennern endlich in den Händen halten können. Aber ein bisschen mehr Innovation könnte sicher nicht schaden.

Spätestens, wenn eine Vorschau wie diesen Monat fast ausschließlich Sequels umfasst, sollten wir uns vielleicht ganz langsam mit dem Gedanken an NBA 2014, Doom 11 und Half-Life 8 (selbstverständlich nicht vor Ende 2018...äh 2019..äh.. oder so) anfreunden. Na - wie klingt das?

Thomas BayerChefredakteur