Ist hier jemand? – Hier, Hier! – Komm! – Komm, komm! In der griechischen Sage von Echo und Narziss wurde sie ihrer Stimme beraubt, sodass sie die Worte ihres Geliebten nur wiederholen konnte. Warum tötest du mich? – Töte ich dich, töte ich dich? Im Erstlingswerk ECHO von ULTRA ULTRA werdet ihr eurer Individualität beraubt und tretet im Kampf gegen Kopien von euch selbst an. Besitzt ECHO die perfekte Gegner-KI oder ist der Blick in den Spiegel unzureichend?

So funktioniert der Mord an euch selbst:

Echo - Launch-TrailerEin weiteres Video

ECHO: Ihr schlüpft in die Haut von En, die ein Jahr in der Stase verbracht hat, um an einen Planeten zu gelangen, der einem einzigen Palast gleicht. Dort will sie den Piloten Foster wiedererwecken, ihren Freund und Mentor, der nicht hätte sterben dürfen.

Die traurige Sage um Narziss und Echo hat mich schon immer fasziniert. Eine verfluchte Bergnymphe, die dazu verdammt ist, einzig die Worte anderer zu wiederholen. Ihre Liebe zu Narziss ist damit dem Untergang geweiht; er verschmäht sie, woraufhin sie aus Gram in eine Höhle flüchtet und stirbt. Übrig bleibt nur ihre Stimme, das Echo, welches wir heute noch als Reflexion von Schallwellen kennen.

Echo - Wie der Mord an euch selbst zum Spielprinzip wird

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ECHO im Test: Auf der Flucht vor euch selbst
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ECHO vom dänischen Entwickler ULTRA ULTRA ist so unbekannt, dass sich bis jetzt auf Steam gerade einmal 193 Spieler dazu herabgelassen haben, ein Kommentar zu schreiben. Bewertung: Sehr positiv. Ich gebe zu, dass ich ECHO schon seit einer Weile verfolge, denn das Prinzip dahinter hat mich schon vor Release des Titels interessiert: Ein riesiger Palast, angefüllt mit etlichen Kopien eures Charakters, die von euch lernen und eure eigenen Taktiken gegen euch einsetzen.

Eine geniale Idee, die bisher so intensiv noch nicht umgesetzt wurde. Wie sich das allerdings im Game anfühlt, konnte ich erst vor ein paar Tagen testen; mein Fazit: Ja, ECHO ist originell, wichtig und auch grafisch einfach schön. Aber es ist ebenso langatmig, repetitiv und nicht unbedingt der spaßigste Titel auf dem Markt.

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Löst ihr die Rätsel des gigantischen Palasts?
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Der Palast ist die Welt

Den Beginn von Echo könnte der geneigte Spieler auf zwei Arten bewerten: Ein ellenlanges Tutorial, das bis an die 45 Minuten geht oder ein Countdown, der euer Warten mit einem Crescendo belohnt. Euer Weg zum Palast ist entsprechend langwierig; ihr hopst riesige Türme hinab, um auf die Oberfläche des Planeten zu gelangen und führt nebenbei ein einführendes Gespräch mit der zynischen KI London: Tutorial en masse, Wiederholungen en masse.

Und genau das wird sich nicht ändern. Grafisch trefft ihr auf sich wiederholende Strukturen, Gegenstände, Gänge; ein waschechtes Labyrinth, das überall gleich und doch anders ist. Der Palast in ECHO gibt wieder, was das gesamte Konzept hinter dem Spiel ausmacht: Architektonische Echos, ja sogar Spiegel, die euer Abbild zeigen. Weiter und weiter dringt ihr nach unten, bis etwa eine Stunde nach Spielbeginn plötzlich das Licht erlischt. Und der Countdown endet.

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Eure Echos lernen alles, wasihr tut
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Seid bereit, wenn es erwacht

Das Stockdunkel weicht neuem Licht und die Räume wirken plötzlich heller, als zuvor. Pflanzen befinden sich in den Körben. Der Palast erwacht zum Leben, Stück für Stück, während sich nun auch Licht und Dunkel immer wieder abwechseln. Mit dem Schauspiel tauchen schwarze Zellhaufen aus den Böden auf, die wachsen und mit jedem Neustart des Palastes an Masse gewinnen. Ihr könnt euch schon denken, was sie sind: Das persönliche ECHO; eine Kopie des Avatars, aber ebenso eine KI, die aus jedem Schritt lernt, der gemacht wird.

ECHO stellt eine interessante Frage: Wer ist der Gewinner, wenn ihr gegen euch selbst kämpft?Fazit lesen

Lerne, wer du bist

… und ändere dich. Als meine Kopien mich zum ersten Mal angreifen, sind sie noch dumm. Doch sobald ich sie mit einer Schleichattacke von hinten überwältige, lernen sie. Sobald ich springe, renne, die Echos zu Boden werfe oder meine Schusswaffe gegen sie einsetze, lernen sie und werden besser.

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In ECHO zeigt euch eine Art Kampfaura an, wenn Gegner nahen
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Bald stellt sich mir die Frage: Wie variiere ich meine Taktik, meine Spielweise, um ihnen zuvorzukommen? ECHO hält euch euer eigenes Gameplay vor das Gesicht und zwingt euch, nachzudenken, es zu ändern oder den Kopien einige Taktiken gar nicht erst beizubringen. Zumindest sollte das die Idee hinter dem Spiel sein; denn während ich mich selbst daran probiere, sehe ich mich oft gezwungen, gewisse Strategien einzusetzen: Etwa, wenn die Echos nicht durch Wasser laufen können, ich es ihnen jedoch vormachen muss, um im Level voranzukommen. Schade.

Weiterhin wird es im Spielverlauf zunehmend schwerer, wirklich stealthy zu spielen: Zu viele Kopien treten euch entgegen und oft renne ich einfach nur an ihnen vorbei, denn sie erwachen mit dem nächsten Neustart des Palastes ohnehin wieder. Während ECHO mit seiner Originalität überzeugt, schwächelt es leider an der Umsetzung, wenn auch nicht völlig.

Es ist die Philosophie dahinter, die zählt

Was ich wirklich an ECHO mag, ist die Konsistenz des Spiels. Spielmechaniken, Grafik und das ganze Konzept dahinter werden völlig einheitlich umgesetzt: Repetitionen, Spiegelbilder, Echos. Der Titel von Ultra Ultra ist unterhaltsam, schöpft jedoch erst sein volles Potential aus, wenn ihr gewillt seid, herumzuprobieren und euch Gedanken über die Möglichkeiten zu machen, die das Spiel bietet. “Spiel” ist das richtige Worte, denn das Spiel mit der KI ist hier der Fokus. Also – wie sieht euer ECHO aus?