Sylvester Stallone, Bruce Willis, Harrison Ford. Im Kino bewiesen diese Actionhelden jüngst, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Selbst nach jahrelanger Abstinenz wussten die Hollywood-Opas noch, wie man die Fäuste schwingt. Ein ähnliches Comeback soll nun auch Matt Hazard gelingen.

Als einstiger Spieleheld der achtziger Jahre hat der eigentlich ausgedient, will aber heutigen Legenden wie Lara Croft und Solid Snake nach eigener Meinung noch Einiges voraus haben. Ist das nun Arroganz oder falsche Bescheidenheit?

Weder noch. Der Hauptcharakter ist rein fiktiv, die tragische Geschichte um Aufstieg und Fall der Videospielikone Matt Hazard frei erfunden. Vielmehr parodiert Eat Lead zwei Dekaden an Videospielkultur, stichelt gegen Resident Evil sowie Tomb Raider und lässt dabei kein Auge trocken. Aber hat der Shooter mehr zu bieten als Spott gegen die Konkurrenz? Wir geben die Antwort.

Der Fall einer Legende

Zu Zeiten der 8-Bit-Konsolen war Matt Hazard ein wahrer Held. Doch die verquere Markenstrategie des Entwicklers Marathon und die Jahre der Abstinenz auf dem Videospielmarkt kratzten mächtig am Image des einstigen Haudegens. Matt Hazard geriet in Vergessenheit; und damit auch sein glorreicher Ruf als Actionheld.

Eat Lead: The Return of Matt Hazard - Die Legende ist zurück - und gleich wieder weg

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High Noon in Eat Lead. Der Hacker lässt Cowboys auf Matt los.
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Nun will der Draufgänger zurück auf die Bildfläche, um zu beweisen, dass in seinen Adern immer noch Blei statt Blut fließt. Ein Wunsch, den ihm der neue Chef der Marathon-Entwickler nicht abschlagen kann. Und so bekommt Matt, was ihm beliebt: eine großkalibrige Kanone und die Hauptrolle in Eat Lead: The Return of Matt Hazard.

Doch alles läuft anders als geplant. Ein Hacker verändert den Programmcode des Spiels und macht Matt durch Horden von Gegnern und trickreichen Fallen das Leben schwer. So soll er bereits in Level zwei von seinem Rivalen Sting Sniperscope getötet werden. Gut, dass sich QA, eine IT-Expertin, ebenfalls ins Spiel gehackt hat und Matt hilfreich zur Seite steht.

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RE lässt grüßen! Matt hat es nun auch mit Zombies zu tun.
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Sie stellt die Speicherstände des Helden kurzerhand wieder her, um zu verhindern, dass Matt schneller die Lichter ausgehen, als ihm lieb ist. Die Drecksarbeit muss der Actionheld aber selbst erledigen. Um dem Albtraum zu entkommen gilt es, das Spiel Level für Level bis zur Schlusssequenz zu meistern.

It’s Hazard Time!

Auf Matt warten acht Kapitel und zahlreiche Schauplätze, darunter ein asiatisches Restaurant, ein russischer Atombunker und ein Casino. Durch Hackerangriffe können zudem verschiedene Locations kurzzeitig miteinander verschmelzen.

Eat Lead: The Return of Matt Hazard ist ein humorvoller Durchschnitts-Shooter, dem es an Spieltiefe und Abwechslung mangelt.Fazit lesen

Wo Matt soeben noch Securities in einer Disco mit Blei fütterte, wollen ihm im nächsten Moment Cowboys vor einem Saloon ans Leder. Auch Zombies, russische Soldaten und pixelige 8-Bit-Fieslinge aus älteren Matt-Hazard-Titeln machen dem Held im Laufe des Spiels das Leben schwer. Mit einem einzigen Klick fügt der Hacker diese ins laufende Spielgeschehen ein und ändert obendrein noch die Umgebung.

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Tötet man einen Feind, füllt sich mit dessen Programmcode die Hazardleiste.
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Durch diese unverhofften Variationen unterstellt man dem Titel eine Abwechslung, die jedoch kaum vorhanden ist. Das Leveldesign wirkt einfallslos und erzeugt den Eindruck, als wollten die Entwickler durch die Aneinanderreihung von ähnlich aussehenden Räumlichkeiten die Spielzeit künstlich verlängern.

Die mangelnde Kreativität schlägt sich auch in den Spielzielen nieder. Tiefsinnigere Aufgaben als „Schieße auf alles, was sich bewegt“ bekommt man hier nicht gestellt. Die schwache Gegner-KI macht diese Aufgabe dabei zu einer einfachen. Es gilt, sich von Raum zu Raum vorzuarbeiten und die auftauchenden Gegner, die kaum in Deckung gehen, im Bleihagel zu ersticken, bis man das Ende des Levels erreicht hat.

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Trotz jahrelanger Abstinenz hat Matt nichts von seiner Coolness verloren.
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Erst dann offenbaren sich die einzigen Momente, die etwas taktisches Geschick und Fingerspitzengefühl abverlangen: die Bosskämpfe. Denn während manche dieser Endgegner durch leichte Quicktime-Events zur Strecke gebracht werden können, verlangen andere weitaus mehr Durchhaltevermögen und verschiedene Strategien.

Um beispielsweise den russischen General davon abzuhalten, eine Atomrakete zu starten, muss Matt erst seine Gefolgschaft eliminieren, um ihn dann von einer Plattform aus mit Schüssen zu bedecken. Ist der General geschwächt, gilt es, Benzinkanister unter der Plattform freizulegen und zur Explosion zu bringen. Zu guter Letzt wird ein Countdown gestartet, den Matt stoppen muss.

Bleigießen für Anfänger

Selbstverständlich stehen dem Titelhelden bei seinem Streifzug zahlreiche Waffen, zwei Fäuste und ausreichend Munition zu Verfügung. Das Arsenal reicht dabei von der klassischen Schrotflinte und der Hazard-Kanone bis hin zu Wildwest-Revolvern und russischen Sturmgewehren. Im Inventar ist dabei Platz für zwei Waffentypen, zwischen denen hin und her geschaltet werden kann.

Zudem kann Matt auf zwei Spezialangriffe zurückgreifen. Ist die Hazardleiste erstmal durch den Programmcode der getöteten Feinde gefüllt, hat er die Möglichkeit Gegner wahlweise mit einem Eis- oder einem Feuerangriff einzufrieren oder wie einen Toast zu rösten. Am Besten geschieht dies aus sicherer Entfernung heraus.

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Auch im Nahkampf ist Matt unschlagbar.
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Ein einigermaßen durchdachtes Deckungssystem macht es möglich. Um nicht im Kreuzfeuer seiner Gegner zu verenden, darf sich Matt hinter allem verschanzen, was nicht niet- und nagelfest ist. Per Knopfdruck arbeitet sich der Held wahlweise zur nächsten Deckungsmöglichkeit vor oder rollt sich zur Seite ab.

In der Theorie mag dies zwar ganz gut funktionieren, die Praxis sieht jedoch weitaus trister aus. Das Springen zwischen einzelnen Barrikaden erweist sich als steif und hakelig. Die Blickwinkel sind dabei nicht immer ideal, sodass man sich hinter jeder Verschanzung neu orientieren muss und so für den Gegner schnell zur Zielscheibe wird.

Fraglich ist auch, warum Matt über Hindernisse nicht hinwegspringen kann. So müssen Kisten und Tische stets umgangen werden, was für zahlreiche Frustmomente sorgt.

Solid Snake? Nie gehört…

Glanzpunkte setzt „Eat Lead: The Return of Matt Hazard“ in Sachen Spielwitz und Humor. Zahlreiche Sticheleien gegenüber Videospielen, Filmen und Genres aller Art, eine gute Portion Sarkasmus und flapsige Sprüche des Protagonisten geben dem Spiel einen ganz besonderen Charme.

So darf der Kampf gegen einen Rollenspielcharakter im Manga-Look wohl als Seitenhieb auf das Genre des Japano-RPGs verstanden werden. Der russische General zu Beginn des Spiels scheint einem Widerling aus einem James-Bond-Film zu gleichen. Auch Metal Gear Solid wird parodiert – die Ähnlichkeit zwischen Solid Snake und Sting Sniperscope ist unverkennbar.

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It’s Hazard-Time!
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In technischer Hinsicht jedoch kann Eat Lead nicht überzeugen. Die Monotonie des Leveldesigns setzt sich auch in diesem Bereich fort. Triste Texturen, wenig detaillierte Gegner und kaum Effekte lassen den Titel einfallslos wirken. Ein Kantenflimmern an manchen Stellen stört. Es scheint, als hätten die Entwickler die Grafikengine aus Matt Hazard 3 aus dem Jahre 2002 verwendet und geringfügig aufgepeppt.

Wenigstens die Synchronsprecher erledigen ihre Arbeit solide. Besonders die Stimme von Matt Hazard weiß zu gefallen und haucht dem Charakter Leben ein. Ohne diese wären die Sprüche nur halb so cool.

Der Sound und die Hintergrundmusik sind ebenfalls erstklassiger Natur. Besonders das Matt Hazard-Theme taugt zum Ohrwurm.