Earth 2160 (PC-Review)
von Sebastian Weidner

Die Menschheit wird sich selbst ausrotten. Was Schwarzseher schon seit Jahrzehnten predigen, ist im Szenario von Earth 2160 eingetreten. Zumindest fast. 2150 wurde der Untergang von Mutter Erde besiegelt, nur einige tausend Menschen konnten in gigantischen

Raumschiffen gen Mars fliehen. Doch statt aus vorangegangenen Fehlern zu lernen und Friede, Freude, Eierkuchen zu predigen, kibbeln sich die Exil-Erdlinge nach der erfolgreichen Kolonisierung auch auf dem roten Wüstenplaneten. Zu allem Überfluss mischen sich böse Aliens in den Konflikt ein, die für Eindringlinge nur Waffengewalt übrig haben.

Earth 2160 - Making of Movie2 weitere Videos

Earth 2160 ist der mittlerweile dritte Teil der erfolgreichen Earth-Saga, zahlreiche Erweiterungen nicht mit eingerechnet. Während Teil 1 (Earth 2140) noch als uninspirierter Command & Conquer-Abklatsch galt, mauserte sich der Nachfolger Earth 2150 zu einem der besten Genrevertreter überhaupt, einer damals wegweisenden 3D-Grafik und riesigem Forschungsbaum sei Dank. Kein Wunder also, dass in das jüngst veröffentlichte Earth 2160 riesige Erwartungen gesteckt wurden. Wir klären im Folgenden, ob der Titel diese auch halten kann.

4 Fäuste für ein Halleluja
Mit Eurasian Dynasty (ED), Lunar Corporation (LC), United Civilized States (UCS) und den neu eingeführten Aliens streiten sich in Earth 2160 vier Fraktionen um den Lebensraum Mars. Hinter der Eurasian Dynasty steht ein totalitäres Regime, in dem Freigeister die Lebenserwartung von Eintagsfliegen haben. Dafür stimmt der Militärapparat. Gut ausgerüstete Infanterie-Einheiten und fette Panzer mit dicken Wummen und großen

Schilden bilden den Schwerpunkt der Armee. Ganz anders die Lunar Corporation, ein von Frauen geführter Konzern, in dem Männer höchstens als Sklaven gehalten werden. Mit eher schwach gepanzerten Schwebegleitern und aus der Luft agierenden Soldatinnen hat die LC einen nicht zu unterschätzenden Geschwindigkeitsvorteil den anderen Fraktionen gegenüber.

Die United Civilized States wiederum setzt vor allem auf starke, an Terminatoren erinnernde Kampfroboter und riesige Mechs. Statt wie die ED auf Ketten durch die Prärie zu rollen oder wie die LC elegant darüber hinweg zu schweben, bewegen sich alle UCS-Kampfgeräte auf zwei oder mehr Beinen durch die Umgebung.

Komplett aus der Rolle fallen die Außerirdischen. Deren Einheiten sind organischer Natur und erinnern am ehesten an eine Mischung aus den Bugs von Starship Troopers und HR Gigers Alien-Schöpfungen.

Earth 2160 - Ab in den neuen Strategiehimmel?

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So unterschiedlich die Truppen der vier Fraktionen sind, so abwechslungsreich gestaltet sich auch der Basenbau. Während die LC - typisch Mädels - fein säuberlich Basismodul auf Basismodul aus dem Orbit anfordert und in die Vertikale baut, stellt die ED schmutzige Fabrikanlagen in die Umgebung, die durch Verbindungsstücke aneinander gekoppelt werden müssen. Nicht schön, aber effektiv!

Die UCS-Gebäude werden von Drohnen errichtet. Dabei verfügen die Burschen nur über sehr wenige Hauptgebäude, an die dafür allerlei Module angedockt werden können. Die Aliens setzen keine traditionelle Basis in die Umgebung. Denn Einheiten werden durch Klonen erschaffen. Einzig Abwehrtürme lassen auf den Lebensraum der außerirdischen Brut schließen.

Packshot zu Earth 2160Earth 2160Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Trotz aller Unterschiede haben alle Rassen eines gemein: Sie benötigen Ressourcen, um Gebäude bauen und Einheiten ausbilden bzw. klonen zu können. Mit Metall, Wasser und Kristall gibt es drei Rohstoffe. Drei der vier Fraktionen benötigen derer zwei. So ernten die harten Männer der Eurasian Dynasty Metall und Wasser, die noch härteren Frauen der Lunar Corporation Kristall und Wasser und die United Civilized States Kristall und Metall. Die Aliens sind gar auf alle Rohstoffe angewiesen, um für Nachschub in den eigenen Reihen sorgen zu können. Actionreiche Kämpfe um reichhaltige Quellen sind durch die Überschneidungen jedenfalls an der Tagesordnung.

45 Euro für 100 Stunden Spaß!
In Zeiten von Spielen, die kaum mehr als 8 Stunden unterhalten, bevor der Abspann über den Monitor flimmert, bietet Earth 2160 deutlich mehr Spaß fürs Geld. Ganze 4 Kampagnen (für jede Zivilisation eine) mit jeweils 7 Missionen warten auf euch. Neben typischen "Zerstöre den Gegner"-Einsätzen müsst ihr vereinzelt auf Basen- und Einheitenbau verzichten und ganz wie in einem Rollenspiel mit bestimmten Heldencharakteren Aufträge erfüllen. Besondere Gegenstände und Waffen gibt es

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dabei ebenso zu sammeln wie Erfahrungspunkte, die sämtliche Werte eurer Einheiten verbessern. Insgesamt dürft ihr gut und gerne 70-100 Stunden einplanen, um in den Genuss der Endsequenz zu kommen. Die eigentliche Story geht mit Intrigen und Überraschungen leicht über den typischen Einheitsbrei hinaus, hat an einigen Stellen aber mit Längen zu kämpfen.

Ohne Forschung keine Zukunft!
Während die Command & Conquer- oder WarCraft-Serie mit überschaubaren Einheiten- und Forschungsoptionen aufwartet, setzt die Earth-Reihe seit jeher auf eine wahre Optionsflut. So bietet auch Earth 2160 einen gigantischen

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Forschungsbaum, der sich für jede Rasse über die komplette Kampagne erstreckt. Von neuen Antrieben über zigfach verbesserbare Laserwaffen bis hin zu unzähligen Panzerungs-Varianten für eure Einheiten reicht die Auswahl, die Genreneulinge zumindest anfangs überfordert. Denn wer nicht eifrig forscht und seine Truppen immer fortschrittlicher ausrüstet, wird von den Gegnern regelrecht zermalmt.

Stein, Schere oder Papier…
Fluch wie Segen zugleich: Alle Einheiten können völlig individuell zusammen gebastelt werden. Das jeweilige Chassis (beispielsweise ein bestimmter Panzertyp) dürft ihr nach Belieben mit einem Antrieb, der

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gewünschten Panzerung und bis zu vier unterschiedlichen Waffen aus drei Gattungen (Energie-, Partikel- oder konventionelle Waffen) ausstatten.

Wer glaubt, dass sich diese Options-Vielfalt wie in vielen anderen Titeln nur unmerklich auf das Geschehen auswirkt, hat sich geschnitten. Spätestens, wenn eure zahlenmäßig weit überlegenen Truppen mit einer auf konventionelle Waffen ausgerichteten Panzerung zum ersten Mal von einer Handvoll laser-bewaffneter Gleitern zerstört werden, zwingt euch das zum Umdenken. Noch nie hat sich das Stein-Schere-Papier-Prinzip so stark wie in Earth 2160 ausgewirkt, noch nie lagen Freude und Frust bei groß angelegten Schlachten so nah beieinander. Denn während ihr im Einzelspieler-Teil nach einem verlorenem Gefecht meist schnell eure Strategie umstellen und an die Situation angepasste Truppen ausheben könnt, ist das im Mehrspielermodus oft euer Todesurteil. Stetige (An-)Spannung ist jedenfalls garantiert, Langeweile kommt nie auf!

Mehr Spieler, mehr Spaß!
So viel Spaß Earth 2160 in der Kampagne auch bereitet, zur Langlebigkeit des Titels wird zweifelsohne (wie auch bei den Vorgängern) der gelungene Multiplayermodus beitragen. Bis zu 8 Spieler duellieren sich im LAN oder

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Internet. Als zentrale Anlaufstelle fungiert das so genannte EarthNet, das mit Chats und Ranglisten für dauerhafte Motivation sorgen soll. Neben traditionellen Modi wie Deathmatch und "Töte den gegnerischen Helden" sorgt vor allem "Uncle Sam" für zünftige Massen-Gefechte: Die Spieler werden automatisch mit immer neuen Ressourcen versorgt. Wie gewaltig (aber auch hardwarehungrig) die Kämpfe dann mit 8 Teilnehmern aussehen, könnt ihr euch ausrechnen…

Für einen Schuss Innovation sorgen darüber hinaus die "virtuellen Agenten": Das sind von der KI gesteuerte Helfer, die sich dem Meistbietenden für Geld anbieten und ihm ganze Spielbereiche wie die Forschung oder den Basenbau abnehmen. Ebenso erhöhen sie zum Beispiel Angriffs- oder Verteidigungswerte eurer Truppen oder senken deren Produktionskosten.

Grafische Brillanz in ödem Gewand In technischer Hinsicht hebt Earth 2160 die Messlatte ein ganzes Stück nach oben. Auf Basis der nagelneuen Earth 4-Engine feuern die Entwickler ein Effektfeuerwerk ab, das selbst Perlen wie Act of War locker in den Schatten stellt. Tolle Laser- und Raketeneffekte wissen ebenso zu beeindrucken wie die realistische Wasser-Darstellung und der Einsatz einer gelungenen Physikengine. Da fallen Türme lebensecht zusammen und vom Spieler ins Rollen gebrachte Steine zermalmen ganze Gebäude. Unheimlich detaillierte Einheiten, die von Pixelshadern realistischer denn je zuvor in Szene gesetzt werden, lassen die Kinnlade vollends nach unten klappen.

Einzig die Levels können nicht ganz mit der Grafikpracht des restlichen Spiels mithalten. So polygonreich sie auch sind, größtenteils machen sie doch einen gewöhnlichen, ja sogar uninspirierten Eindruck. Dass es auf dem Mars und anderen, kaum bevölkerten Planeten nicht unbedingt aufregend zugeht, mag sein. Doch sollte man den gewünschten "Landschafts-Realismus" alleine aus dem Grund außen vor lassen, dass im gleichen Spiel außerirdische Schleimwesen mit Säure auf von Frauen gelenkte Schwebegleiter feuern…Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Fantastische Grafik + Umfangreiche Kampagnen + Motivierender Multiplayermodus + Gute Einheitenbalance durch extremes Stein-Schere-Papier-Prinzip + Riesige Forschungsbäume + Fähige Physikengine

Contra:
- Keine einheitliche Truppengeschwindigkeit - Teilweise öde Levels - Story wirkt an einigen Stellen "gestreckt"Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Fantastische Grafik + Umfangreiche Kampagnen + Motivierender Multiplayermodus + Gute Einheitenbalance durch extremes Stein-Schere-Papier-Prinzip + Riesige Forschungsbäume + Fähige Physikengine

Contra:
- Keine einheitliche Truppengeschwindigkeit - Teilweise öde Levels - Story wirkt an einigen Stellen "gestreckt"