Nach der langen Durststrecke, die Nicht-Xbox-One-Besitzer auch als das Jahr 2017 kennen, war man im bereits im Vorfeld sehr gespannt darauf, wie Microsoft auf ihrer Pressekonferenz im Rahmen der E3 2018 auf die brennende Frage antworten würde, ob sie diese achte Konsolen-Generation nicht etwa schon aufgegeben haben. Allein von den Absatzzahlen her möchte man das ja meinen, denn die PS4 hat sich mindestens doppelt so oft verkauft wie die Konkurrenz aus dem Hause Microsoft.

Was ist bei der Microsoft so abgegangen? Seht unser Fazit zur Show:

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Bis auf die Xbox One X und Xbox Game Pass sowie Forza Motorsport 7 hatte man zudem den Eindruck, dass 2017 ziemlich sang- und klanglos vorbeigezogen ist, während die PS4 ein großartiges Jahr hatte mit (Konsolen-)exklusiven Top-Titeln wie Horizon: Zero Dawn und NieR: Automata. Ein ums andere Mal versicherte Phil Spencer, Leiter der Xbox-Sparte, zwar, dass man sich der Gaming-Community verpflichtet fühle, auf die Worte wollten aber gefühlt keine Taten folgen. Was bringt denn schon die stärkste Hardware auf dem Markt, wenn sie nicht mit exklusiven Titeln gefüttert wird, für die sich eine Anschaffung überhaupt erst lohnt? Die Strategie der Redmonder, den Großteil der Xbox-exklusiven Titeln sowohl für die Xbox One wie auch auf Windows 10 zu veröffentlichen, spricht weder für das nötige Vertrauen des Unternehmens in seine eigene Konsolensparte, noch liefert es das schlussendliche Kaufargument für potenzielle Käufer einer Xbox One X. Eins war also definitiv klar: Auf der E3 2018 musste sich Microsoft zur Xbox-Marke bekennen – vor allem in Sachen Softwarenachschub.

Und – wer hätte damit wirklich gerechnet? - Microsoft lieferte. Tatsächlich werden Erinnerungen an die Pressekonferenz auf der E3 2016 wach. Da kündigte Microsoft mitten im damals noch heiß umkämpften Markt neben der Xbox One S noch Project Scorpio an, das später als Xbox One X auf den Markt kommen sollte. Dazu Forza Horizon 3, Dead Rising 4, Sea of Thieves, Gears of War 4, ReCore, Halo Wars 2 und das später gecancelte Scalebound von Platinum Games.

Das exklusive Lineup der diesjährigen Pressekonferenz liest sich ähnlich: Forza Horizon 4, Gears 5, Halo: Infinite, Crackdown 3 und Ori And The Will Of The Wisps. Allein Forza Horizon 4 mit dem sich ändernden Jahreszeiten, Gears of War 5 mit neuen Settings (dazu die beiden weiteren Spin-offs Gears Tactics und Gears Funko) sowie Halo: Infinite haben die Pressekonferenz für sich allein bereits gerechtfertigt. Nicht umsonst zeigte sich Phil Spencer stolz, 15 Weltpremieren und 18 exklusive Titel präsentieren zu dürfen. Mit Microsoft ist also doch noch zu rechnen – zumindest alle zwei Jahre, wie es scheint.

First-Party ist Trumpf

Einmal mehr beschwor Spencer auf der Bühne die Macht des Gamings, sprach davon, dass es Brücken baut zwischen Gamern auf der ganzen Welt, dass es Gemeinschaften entstehen lässt und alle eintauchen lässt in großartige Welten mit spannenden Geschichten. „Als Gamer erlebt man momentan eine spannende Zeit“, sagte er, „Gaming vereint uns.“ Man habe auch erkannt, dass es in letzter Zeit einfach an exklusiven Top-Titeln für die Xbox-Plattform gemangelt habe, gestand der Leiter der Xbox-Sparte offen ein – und versprach, dass daran gearbeitet werde: mit First-Party-Titeln. Dazu hat sich Microsoft auf Shopping-Tour begeben, um genau das zu liefern. Und auf der Liste der vier neuen Microsoft Studios befinden sich Namen, mit denen man rechnen konnte, und welche, die für eine Überraschung sorgten. Während die Studios Undead Labs (State of Decay 2) und Playground Games (Forza Horizon 4) ohnehin alte Xbox-Hasen sind, ist Ninja Theory ein regelrechter Coup für Microsoft. Immerhin sorgte das Studio mit Hellblade: Senua's Sacrifice für einen der bestbewerteten Titeln des vergangenen Jahres. Compulsion Games aus Kanada ist dagegen bislang noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Das Entwicklerstudio brachte bisher mit Contrast nur ein eigenes Spiel heraus. Des Weiteren hat Microsoft ein Studio ganz neu aus dem Boden gestampft: The Initiative. Die wird von Darrell Gallagher geleitet, der zuvor bei Crystal Dynamics für das Tomb Raider-Reboot verantwortlich zeichnete.

Wenn Microsoft die Stärken der einzelnen Studios zu nutzen weiß, könnte der Xbox One ein glanzvolles letztes Drittel im Lebenszyklus bevorstehen. Vorausgesetzt, ein Studio wie Ninja Theory wird nicht wie Rare geradezu verheizt. Ninja Theory selbst hat bereits mitgeteilt, dass der Entschluss, sich Microsoft anzuschließen, darin begründet sei, endlich vom Erfolgsdruck befreit an qualitativen AAA-Titeln arbeiten zu können. Apropos Rare, ein neues Battletoads für bis zu drei Spieler im Koop-Modus steht auch bevor.

Alles in allem kann man sich also auf ein tolles Jahr 2018/2019 freuen. Microsoft hat sich offenbar die Kritik der Fans zu Herzen genommen und gerade auch mit den Neuakquisen für die Microsoft Studios gezeigt, dass es ihnen ernst ist mit dem Versprechen exklusiver First-Party-Titel. Wenn schon gefühlt alle Welt nur noch für die PS4 und/oder die Switch zu entwickeln scheint, muss man es eben in die eigene Hand nehmen.

Diese Spiele erscheinen nicht erst 2020, sondern noch diesen Monat:

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Und zu guter Letzt: Mit dem Gerücht, Microsoft wolle sich aus dem Konsolengeschäft zurückziehen, räumte Spencer dann spätestens auf, als er die Entwicklung der nächsten Xbox verkündete. In dieser Hinsicht sehen wir uns dann auf der E3 2020, Microsoft und Sony, oder?