Die diesjährige E3 ist nun seit einer Woche durch. Sie war laut, groß, bunt und wohl präsenter als die Jahre zuvor. Nun hatte ich etwas Zeit, das Gesehene und Gehörte sacken zu lassen, zu reflektieren und mir eine Meinung zu bilden. Dabei traf mich vor allem eine Erkenntnis: Anders als den großen Spielemachern ob der zahlreichen bekannten Namen auf den Pressekonferenzen vorgeworfen wird, haben sie ganz und gar keine Scheu vor neuen Konzepten und Ideen. Was sie fürchten, sind keine Innovationen, sondern neue Namen! Das ist nicht Faulheit, sondern Angst und Vernunft.

Mal ganz ehrlich: Wenn die Electronic Entertainment Expo 2016 eines nicht war, dann langweilig. Was die Publisher da für die nächsten Jahre angekündigt haben, ist ein echtes Fest. Nichtsdestotrotz schwappten durch meine Facebook-Timeline, meinen Twitter-Stream, verschiedene Foren, Blogs und Gaming-Seiten die Stimmen jener, die mal wieder kritisierten, dass einfach an der Fortsetzungsschraube gedreht würde. Öde und einfallslos sei das alles. Erneut würden die Spieler mit mehr vom gleichen abgespeist. Mal wieder seien die allzu geläufigen Namen bei den Pressekonferenzen gefallen. Tatsächlich ist an letzterem durchaus etwas dran. Viele Titel kennen wir. Etliche Charaktere und Szenarien der großen Enthüllungen und Ankündigungen sind uns bestens bekannt. Aber Innovations- und Mutlosigkeit? Diese Vorwürfe sind zumindest in diesem Jahr zu großen Teilen unberechtigt. Hinter God of War, Resident Evil 7, Prey, Quake Champions und Zelda: Breath of the Wild, um nur ein paar herauszupicken, stecken viel Wagemut, Beherztheit und Courage.

E3 2016 - Mangelnde Ideen? Von wegen! Aber Angst vor neuen Namen haben Entwickler

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Auf der E3 2016 gab's jede Menge bekannte Namen. Doch so einige davon sind keine typischen Nachfolger. Stattdessen versuchen die Studios ihre bekannten Marken wie God of War, Resident Evil oder auch Zelda neu zu denken.
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Als beispielsweise der Trailer für God of War 4, das nun einfach nur God of War heißt, über die Bühne der Sony-Pressekonferenz flimmerte, brauchten alle etwas, bis sie wussten, was sie da sahen. Erst als ein bärtiger Kratos aus dem Schatten trat, war klar: der Götterschlächter ist zurück. Denn mit der stringenten Metzelei der bisherigen Teile hat das Gezeigte wenig zu tun. Stattdessen erinnert das neue God of War mit seiner Schultersicht und Kratos' Sohn an der Seite eher an The Last of Us. Dazu verspricht Entwickler Cory Barlog ein Rollenspielsystem, Gefühle und eben einen Spartanerkrieger, wie wir ihn bisher nicht kannten. „Ich wusste, ich will das Franchise nicht einfach neustarten, die Geschichte von vorne erzählen“, schreibt Barlog selbst im Playstation Blog. Trotz Gewalt und epischer Kämpfen sei der neue Kratos nachdenklich, reumütig und besorgt. Er wolle nämlich nicht, dass sein Sohnemann so wird wie er: wütend, zerstörerisch und stetig die falschen Entscheidungen treffend. „Veränderung ist ein essentieller Teil des Lebens“, sagt Barlog. Und das gilt wohl auch für so einige andere Marken, denen man viel nachsagen konnte, nur eben nicht Mut zum Neuen.

Gemeinsamkeit? Null!

Auch Resident Evil 7 hat kaum etwas mit den letzten Einträgen der Serie gemein. Statt ein Action-Shooter wie Resident Evil 6 ist Resident Evil 7 nämlich Horror in Reinform. Mehr sogar als seine Urahnen. Dazu kommen eine Ego-Sicht, eine gehörige Portion P.T. und Amnesia und vielleicht sogar gänzlich neue Charaktere. Und Bethesdas Prey 2? Das heißt nur noch Prey; hat spielerisch und in Sachen Setting und Charakteren nicht im geringsten etwas mit dem einst angekündigten zweiten Spross oder dem Original zu schaffen. Abgesehen von Aliens, mit denen man es zu tun kriegt. Stattdessen entsteht da ein spiritueller Nachfolger zu System Shock und Bioshock, der mit der Psyche und dem Verstand des Spielers ein Tänzchen wagen möchte. Natürlich werden da jetzt keine neuen Genres erfunden oder innovative Kontinentalverschiebungen vollführt. Aber die sprunghafte Transformationen innerhalb eines Markenuniversums ist angesichts des Beharrungsvermögens, das die letzten Jahre zu beobachten war, enorm. Ich kann gar nicht genug betonen, wie spannend ich das finde, wie faszinierend auch die Folgen sein könnten. Hier entstehen eben nicht nur Fortsetzungen, sondern vielversprechende Speiel, die so anregend und speziell wirken, dass sie eigentlich eigene Namen verdient hätten.

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Rückkehr zum Horror! Darauf hatten viele für ein siebtes Resident Evil gehofft. Aber dass Capcom ein Ego-Grusel-Abenteuer liefert, damit hat wohl keiner gerechnet. Damit wendet sich die Serie krass von der Action-Richtung der letzten Ableger ab.
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Tatsächlich bin ich der Meinung, dass die genannten Spiele nicht unbedingt Teil eben des Franchises sein müssten, dem sie angehören. Ich bin überzeugt, der kommende Götterschlächter würde auch mit einem gänzlich frisch erdachten Vater-Sohn-Duo funktionieren. Bei Resident Evil 7 ist bisher hingegen sowieso unklar, ob und wie eine Brücke zum bekannten Zombie-Universum geschlagen werden soll – und ob die wirklich nötig ist. Wahrscheinlich eher nicht, schätze ich mal ganz dreist. Die Entwickler von Arkane Austin nutzen bei Prey eigentlich nur den bereits etablierten Namen und pfeifen sonst auf alles. Und Zelda? Auch hier regiert ein originäres Spielsystem und eine an sich neue Welt, die nur mit wohlbekannten Elementen, Kreaturen und Namen verziert wird. Das zeigt gut, dass die Entwickler und Publisher kaum Angst vor neuen Wegen oder Spielen haben. Sie lassen ihre bewährten Teams experimentieren, ausprobieren und adaptieren. Auf den Markt kommen sollen die Resultate allerdings bitte mit Titeln, die man kennt. Vorzuwerfen ist das den Publishern nicht wirklich.

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