Die Pressekonferenz von Microsoft auf der E3 endete vor wenigen Minuten und wir haben uns geschwind vor den PC gesetzt, um unsere Gedanken festzuhalten. Lest hier unsere Eindrücke zu den Neuankündigungen und Überraschungen des Auftritts der "Games only!"-Mannschaft von Xbox.

E3 2014 - Sony stellt seine Indies vor

Gedanken von Gregor

„Thank you! Without you, our fans, we would've never been able to accomplish what we did in the last couple of months!“ Die Konferenz der letztjährigen E3 steckte Microsoft noch sichtlich in den Knochen; die Jungs aus Redmond fuhren einen regelrechten Kuschelkurs und wollten nach dem Entertainment-Overkill 2013 diesmal wieder zeigen, worauf es bei einer E3 eigentlich ankommt: Spiele.

Auf den ersten Blick ist nur schwer zu sagen, ob es ihnen wirklich gelungen ist oder nicht. Allein der Einstieg mit Call of Duty: Advanced Warfare war ein wenig symbolisch, denn anstatt mit der Xbox One nun einen neuen, frischeren Kurs einzuschlagen, konzentrierte man sich eher darauf, verlorenes Xbox-360-Territorium wieder zurückzugewinnen – und das lief gar nicht mal schlecht.

Neben Activisions Shooter-Goldesel gesellten sich mit The Division, Sunset Overdrive, Evolve und der Halo: Master Chief Collection wie gehabt zahlreiche schießwütigere Titel zur Spielauswahl der Konsole. Zwei Dinge fielen dabei besonders auf. Microsoft dürfte mehr als einmal das Portemonnaie gezückt haben, um exklusive DLCs und anderweitige Erweiterungen an Land gezogen zu haben (Call of Duty, Evolve, The Division – sogar Dragon Age: Inquisition erhält zusätzliche Inhalte, der zuerst auf der Microsoft-Konsole zu haben sein wird.

Auch lag der Fokus überhaupt stark auf Mehrspieler-Gelöt, wie nicht nur der exklusive Ausschnitt aus Assassin's Creed: Unity zeigte. Auch Fable Legends konzentriert sich offenbar stark auf Multiplayer-Aspekte, während Projekt Spark die Kreativen unter euch in einem großen Kollektiv sammeln soll.

Und große Neuankündigungen? Viel gab's dahingehend nicht zu sehen; es ist allerdings zu erwarten, dass wir in den nächsten Stunden und Tagen mit kleineren und größeren frischen Spielen rechnen dürfen. Während der Konferenz (auf die nun einmal unstrittig die meisten Augen gerichtet sind) haben wir davon allerdings nicht viel gesehen: ein neues Tomb Raider und Scalebound, das neue Werk von PlatinumGames, waren weitestgehend die einzigen nennenswerten Namen, die vor der Konferenz noch nicht bekannt waren.

Unterm Strich war Microsofts Show damit ein Stück weit ein Spiegelbild von Microsofts bisherigem Xbox-One-Auftritt: eine Spur zu konservativ, zu berechenbar und Multiplayer-fixiert, nach der Abkehr vom drögen Entertainment-Aspekt aber doch ganz sympathisch. Nur eines lieferten sie mir persönlich nicht: einen Grund, als PS4-Besitzer innerhalb der nächsten Monate auch eine Xbox One zu kaufen.

Gedanken von Dom

Die Pressekonferenz von Microsoft ist vorbei und hach, was was das für eine Achterbahnfahrt – zumindest bei Sunset Overdrive, dem spaßigen Anarchieshooter mit Open World-Flair! Diesen Titel hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm und er stellte für mich deswegen einen kleinen Höhepunkt der Präsentation von Microsoft dar. Sieht nach einer Menge Humor und Krams aus, der nach bester Videospielunterhaltung schreit! Yes!

Davon abgesehen ging mir metaphorisch gesprochen ein klein wenig die Hose auf, als neues Material zu Evolve (NEUES MONSTER!) und Dragon Age: Inquisition (NEUES INGAME-ZEUG!) gezeigt wurde. Nach einer recht langen Zeit der absoluten Informationssperre tat es gut, mal endlich neue Bewegtbildschnippsel zu meinen beiden herbeiersehnten Titeln zu sehen.

Die Weltpremiere und Erstankündigung von Inside war ebenfalls eine Überraschung der besten Art. Mit einem Look, der an eine Mischung aus Deadlight und Limbo erinnert, eroberte der charmante Sidescroller mit toller Engine schon nach wenigen Sekunden mein Herz. Wäre doch gelacht, wenn dazu nicht bald ein kleines Special auf gamona erscheinen wird...!

Gedanken von Leo und Denis

Gedanken von Leo

Die Konferenz von Microsoft befand sich in jenem eigenartigen Schwebezustand, der irgendwo zwischen „einigermaßen unterwältigend“ und „leicht enttäuschend“ liegt. Nichts zog einen wahnsinnig runter, blieb enttäuschenderweise komplett weg, aber was gezeigt wurde, verdiente sich nur mit einer gewissen Anstrengung das Prädikat „nett“.

Natürlich kann man mit gewissen Dingen immer punkten. Die bloße Erwähnung von Halo sorgt genauso für gute Stimmung wie zum Beispiel das neue Gameplay zum verbesserten und vor allem französischen Assassin’s Creed Unity, in dem vier Meuchler im Koop gemeinsam Haschmich mit einem Adligen spielen. Schade nur für mich, dass ich mit Master Chiefs Abenteuern nichts anfangen kann und Assassin’s Creed nicht vertraue – Präsentation und Augenwischerei war ja noch nie das Problem der Reihe.

Der Rest stimmte versöhnlich. Ich bin bislang mit Sunset Overdrive nicht warmgeworden, doch das heute gezeigte Material macht es mir ein Stück sympathischer. Ich habe inständig gehofft, dass Witcher III mehr Wert auf die Jagd nach Monstern legt, das gezeigte Material, in dem Geralt einen Greifen ins Nirvana boxt, befiredigte mich durchaus. Auch die in einer Montage abgefertigten Indietitel lassen Hoffnung aufkommen, dass Microsoft den Weckruf der Gaming-Community gehört hat.

Doch an der plätschernden Art meiner Beschreibung der Präsentation merkt man, was fehlte: Highlights, Lowlights, die großen Überraschungen oder irgendwas mit einen Minimum an Überwältigung und Hype. Die Konferenz war gemütlich, nicht explosiv, und wenn das größte Event zum Medium Videospiele diese Reaktion hervorruft, muss man sich doch fragen, ob das das Ziel war.

Gedanken von Denis

Umwerfend? Nö? Herausragend? Auch nicht. Grundsolide auf hohem Niveau würde ich die E3-PK von Microsoft nennen. Eine klare Steigerung im Vergleich mit dem letzten Jahr, als die Redmonder verzweifelt versuchten, aus dem Sumpf der negativen Schlagzeilen zu steigen.

Der Xbox One wird es in den kommenden zwei Jahren nicht an hochwertigen Spielen mangeln, so viel steht fest. Microsoft jonglierte das Aufgebot sogar derart hastig über das Parkett, das einige Präsentationen zu kurz kamen. Forza Horizon 2, die Harmonix-Palette, Crackdown – da hätte man mit jeweils einer Minute mehr Footage durchaus noch mehr Randpublikum auffischen können.

Der Eindruck, der von der PK übrig bleibt, ist vornehmlich ein Actionfest. Diverse Shooter hier, und an der anderen Ecke fliegt jede dritte Kulisse in in die Luft oder zerfällt in Tausende von Einzelteilen. Man wollte unbedingt beweisen, dass die Xbox One technische Kunststücke beherrscht. Was mir gefehlt hat, ist aber ein inhaltlich künstlerisches Spiel. Eines, das mich wirklich berührt, statt mit Bombast zu blenden. „Inside“ zeigte solche Ansätze – ein kleines Download-Game in 2,5D Ansicht. Eigentlich erstaunlich, dass mich der Intro-Fetzen aus dem neuen Tomb Raider mehr anstachelte als jede andere Kurz-Präsentation. Kein Wunder, schien das doch neben Inside die einzige wirklich ruhige Sequenz zu sein. Das ist mir echt zu wenig.

Nichts gegen tollen Schauwert. The Witcher 3 wird ein Knaller von einem Action Adventure / RPG, Crackdown macht Lust auf mehr und die Halo Masterchief Collection ist Fanservice in Reinkultur. Da kann gar nichts schiefgehen. Forza Horizon 2 ist echt schon fest auf meinem Einkaufszettel. Aber wenn ich all den Meta-Humor sehe, den Games wie Sunset Overdrive oder Fable Legends auftischen, bekomme ich einen mittleren Brechreiz. Das ganze sinnlose Geplapper samt überdrehten Attitüden spricht zum Publikum, als ob die Masse der Gamer nur aus infantil kichernden Teenagern bestünde. Das ist das Gegenteil von immersiv. Ungefähr so, als ob sich Frodo aus Herr der Ringe mitten im Film zum Publikum drehte, um mitzuteilen, dass er mal aufs Klo muss.

Dennoch bin ich im Gesamtbild positiv überrascht. Microsoft ließ wenig anbrennen, alle gezeigten Spiele liegen quasi schon in trockenen Tüchern, haben ein dankbares Publikum. Daumen hoch für die allgemein hohe Qualität, Daumen runter wegen der insgesamt etwas zu konservativen Palette. Vielleicht bringt ja ID @ Xbox ein paar Indie-Perlen hervor.