Licht aus und ab nach Haus', die E3 ist vorbei! Und was nehmen wir mit? Ganz klar: die Erkenntnis, dass 2014 noch nicht das Jahr ist, in dem man zwingend auf den Zug der neuen Konsolen aufspringen muss. Wenn es nach den großen Drei im Business geht, fällt Weihnachten dieses Jahr aus. Na gut nicht ganz, aber es wird ganz schön einseitig.

E3 2014 - Sony stellt seine Indies vor

Im Spielebusiness lebt man sehr oft auf Kredit. Vorschusslorbeeren von harten Fans, künstlich erzeugter Hype und die üblichen Kniffe der PR retten die Erwartungshaltung an einen Titel gut und gerne mal bis ins kommende Jahr. Allerdings schallt im Trubel der ausklingenden E3 auffällig oft nach, Spielspaßgranate XY schaffe es erst 2015 ins Ladenregal.

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Erfahrungsgemäß ist damit selten das Frühjahr gemeint, wodurch wir das Programm der nächsten E3 schon zur Hälfte kennen. Na toll. Und wie steht es um 2014? War da irgendwas? Zugegeben, Sony, Microsoft und Nintendo haben durchaus ein paar Spiele für die lukrative Holiday Season an der Startlinie, nur fällt es schwer, sie als Kaufanreiz zu verstehen. Es sind jene Spiele, mit denen man sowieso schon gerechnet hatte. Eben das Portfolio, das wir als selbstverständlich empfinden. Siehe Forza und Halo bei Microsoft, LittleBigPlanet 3 bei Sony und Smash Bros. bei Nintendo. Das sind alles wunderbare Spiele, aber eben nur solche, die absolut sicher funktionieren und Fans entgegenkommen.

Wenn ich „Fans“ sage, dann ist der Kenner gemeint, der Kunde, der sich eine Xbox kauft, weil er nicht auf Halo verzichten möchte. Wie lange schon knien Nintendo-Jünger im Geiste vor den Designerwerkstätten Kyotos und betteln nach einem neuen Smash Bros.? Eigentlich schon seit der Herausgabe der Wii U. 2014 scheint mir somit das Jahr des Einsammelns gefallener Früchte. Alles was eh schon auf dem Boden liegt, wird aufgelesen.

E3 2014 - Das Fazit der Messe: Was nehmen wir dieses Jahr von der E3 mit?

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Klar freuen wir uns wie ein Schnitzel auf Uncharted 4. Wirklich überraschend kam die Ankündigung aber auch nicht.
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Dieses „auf Nummer Sicher gehen“ spült fest einplanbares Geld auf die Konten, was sicherlich von Vorteil ist. Aber es kurbelt den Verkauf neuer Konsolen nur in begrenztem Maße an. Was die Branche schon dieses Jahr gebraucht hätte, wären neue IPs und frische Konzepte, die verdeutlichen, welche Vorteile eine neue Hardware-Generation mitbringt.

Siehe PlayStation 3 anno 2008. Sonys Fat Lady stand damals unter heftiger Kritik. Gekauft wurde sie aller Unkenrufe zum Trotz wegen ihrer fulminanten Bibliothek aus exklusiven Spielen, die Maßstäbe setzten. Was staunten wir damals zum ersten Mal über Uncharted und LittleBigPlanet, eben jene Titel, die unsere Aufmerksamkeit mit Witz, Fantasie und hervorragender Technik gewannen.

Wagemut sahen wir dieses Jahr vornehmlich bei den Third Parties. Battlefield umgekrempelt? Na das ist doch mal was! Ubisoft ließ die Fahne der nächsten Generation am weitesten aus dem Fenster hängen, wedelte damit mal gekonnt (The Crew) und mal unbedarft (Shape Up) vor unserer Nase herum. Die verpixelte Trainingsrunde von Shape Up mag Core-Gamern lächerlich vorkommen, aber genau mit solchen absurden Ideen erregt man Aufmerksamkeit.

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Nicht allen hat die neue Battlefield-Richtung gefallen, doch zumindest wagt EA einen Schritt in eine andere Richtung.
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Solche Momente waren auf dieser E3 selten. Insomniacs Sunset Overdrive wollte auf biegen und brechen Charme versprühen, biederte sich aber zu sehr an. Vieles von dem, was auf der Microsoft-PK über die Bildschirme flimmerte, war Meta-Content mit einer direkten Ansprache an den Zuschauer. Wie das Spiel am Ende rüberkommt, wie Hektik, Steuerung und Action-Overload einen genießbaren Mix ergeben, war aus der Präsentation kaum zu erschließen. Zumal die Aufmerksamkeit überwiegend beim knalligen Effekten lag. Project Spark könnte womöglich die Lücke füllen, aber auch hier verriet die Präsentation zu wenig über Endergebnis.

Shooter und Zombies, das waren stattdessen die beiden vorherrschenden Themen dieser Messe. Adrenalin und Horror Hand in Hand, selbst wenn man das Remake von Grim Fandango hinzuzieht. Ganz schön einseitig. Es gab nur wenige atmosphärische Gegengewichte wie etwa Abzu oder der Trailer des neuen Tomb Raider.

Remakes weiter hoch im Kurs

Ebenfalls bemerkenswert scheint mir die Zweigleisigkeit der Softwareunterstützung bzw. die Anzahl der angekündigten Remakes. Wenn man mal genau hinschaut, decken Halo und Forza Horizon 2 sowohl Xbox One als auch Xbox 360 mit dem gleichen Content ab. Das Rennspiel erscheint in doppelter Ausführung und Halo: Master Chief Collection bringt bereits erhältliche Klassiker, die man unter Umständen für 5 Euro einzeln erwerben kann, in Form einer Sammlung auf die Xbox One.

Unterstützung für eine in die Jahre gekommene Konsole ist lobenswert, mehr Software für eine neue Plattform ebenfalls, aber derart auffällig zweigleisig, also mit exakt gleichem Content bei abweichender Grafikqualität, fuhr man zuletzt beim Sprung vom Commodore 64 auf den Amiga. Zum Nachteil des Amiga, wohlgemerkt. Grafik erneuert das bekannte Spielerlebnis nicht. Darum dürften Umsetzungen von The Last of Us und GTA V nur wenig Leben in die Absätze der Grundgeräte bringen.

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GTA für Next-Gen? Nett, aber nicht unbedingt das, was die Konsolen dringend bräuchten.
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Vergleicht das mal mit der letzten Generation. Das Erste, was Rockstar Games für Xbox 360 und PS3 in der Pipeline hatte, war ein brandneues GTA, und das nicht unwesentlich später im deren Lebenszyklus als heute bei der Next-Gen. Das Rockstar sich dafür überhaupt begeistern kann, liegt wahrscheinlich nur an der inzwischen erleichterten Adaption von PC-Builds.

Immerhin eines kann man der gesamten Branche zugestehen: Der Produktionswert der meisten Spiele ist konstant hoch. Bloodbourne, Crackdown, Far Cry 4 – diese Spiele verkaufen sich bereits anhand der Qualitätsmaßstäbe, die ihre Schöpfer aus eigenem Interesse voraussetzen. Destiny, Doom, Battlecry? Wenn da keiner Mist baut, gehen auch diese Spiele unter Garantie über den Ladentisch.

E3 2014

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Unterm Strich genügt das vollkommen, denn man darf den wahren Empfänger der Nachricht nicht aus den Augen verlieren. So viel Trubel Presse und Publikum auch erzeugen mögen, am Ende will man doch nur den Handel bezirzen. Der Rest ist Werbung.

Der beste Beweis dafür dürfte Nintendos neue Spielfigurensammlung mit internen Near-Field-Communitcation-Chips sein. Während Core Gamer nur verdutzt in die Wäsche schauen, riechen andere das große Geld durch eine Szene von Sammlern. Fragt mal Activision Blizzard, was man abseits des beworbenen Gaming-Markts an Geld schaufeln kann. Oder Konami, die mit Yu-Gi-Oh!-Karten mehr Geld schaufeln als mit Software.

Nintendo wird sich aber so schnell nicht vom Videospiele-Markt lösen können (und es wohl auch nicht wollen, immerhin haben die Spielfiguren eine Funktion für die Wii-U-Software). Auf der Suche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten sollten sich die Jungs aus Kyoto nur lieber nicht abhängen lassen, denn sie gelten umgekehrte Regeln im Vergleich mit der Konkurrenz. Sony hat alles Nötige im Sack, die PS4 verkauft sich schon jetzt wie geschnitten Brot. Da kann man auch mal einen Ausnahmetitel wie No Man's Sky anpreisen.

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Das (erwartbare) Highlight der Nintendo-Präsentation: Zelda für Wii U.
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Nintendos Aufgebot für das kommende Jahr sprüht mal wieder vor liebevollem Design und einzigartiger Auslegung des Begriffs „Videospiel“. Die farbenfrohe Shooter-Vatiante Splatoon gehört zumindest auf meiner Liste zu den Highlights der Messe. Nur müsste bei der Wii U mal der Massenmarkt angekurbelt werden, was durch ein Smash Bros. alleine womöglich nicht zustande kommt.

Nintendo musste ein Zelda zeigen – klar wie Kloßbrühe –, nur wäre zumindest ein Wink von einem neuem Metroid, F-Zero oder was auch immer noch im Hinterstübchen wartet, ebenso wichtig gewesen. Nicht der puren Verkaufszahlen wegen, sondern um das Portfolio zu stärken. Zur Zeit wirkt die Bibliothek der Wii U etwas zu weichgespült. Da muss mal mehr Action und knalliges Bumm-Peng auf den Screen, damit die Kernkundschaft zumindest eine Anschaffung als Zweitkonsole erwägt.