Kommando zurück – alles auf Anfang: Vergangenes Jahr wollte man das einstige Megaevent E3 zur kleinen Presseveranstaltung mit dezentraler Lage zusammenstutzen – und floppte. Statt Riesenshow mit eingebauter Gigantomanie-Garantie gab es intime Sit-Ins in stickigen Hotelzimmern, Glanz und Glamour gingen verloren, lange Wege zwischen den Präsentationsorten schreckten Journalisten wie Fachbesucher gleichermaßen ab.

Die Messe zieht also erneut um – zurück in die Hallen des L.A. Convention Centers. Vier Tage lang zeigt die Branche dort, worauf sich Spieler in aller Welt demnächst freuen dürfen, und enthüllt so manches Geheimprojekt. Tag zwei ist mittlerweile in vollem Gange und wir ziehen Halbzeit-Bilanz: Welche Spiele haben das Zeug zum Megahit? Und was planen Nintendo, Sony und Microsoft im Kampf um die Gamergunst?

Microsofts streben nach Glück

Montag, 10:30 Uhr, Los Angeles: Wie üblich in den letzten Jahren beginnt die E3 mit einem lauten Knall – Microsoft darf als erstes auf die große Bühne, um die Welle an Pressekonferenzen, Powerpoint-Präsentationen und Selbstbeweihräucherungen, die in den folgenden Tagen über die Messebesucher hereinschwappt, anzuführen. Die Erwartungen sind groß – schließlich muss Microsoft viel verlorenen Boden im Konsolenmarkt wieder gut machen.

Spiele wie Scene it: Box Office Smash unterstreichen Microsofts Bestreben, den Casual Markt zu erobern.

Im Vorfeld lief die Gerüchteküche heiß, von Handheld-Plänen war die Rede, ein neues Halo wollte mancher Insider ebenfalls am Horizont erkannt haben. Anderthalb Stunden später lässt sich jedoch ein ernüchtertes Resümee ziehen: Microsoft spart sich revolutionäre Neuerungen scheinbar auf. Mit Xbox Experience kündigt man zwar ein neues Interface für Xbox Live an, zudem sollen neue Community-Features integriert werden – wirklich bahnbrechend und vor allem konkurrenzfähig ist das alles nicht.

Dafür findet nun endlich die versprochene Avatar Funktion ihren Weg zum Käufer. Das von Rare entwickelte System wirkt wie eine offene Kriegserklärung an Nintendos Mii-Konzept. Auch die folgenden Spielevorstellungen unterstreichen Microsofts streben in den Casual Markt: Titel wie Scene It: Box Office Smash, Viva Pinata 2 oder der Singstar-Klon Lips dürften Hardcorezocker kaum beeindrucken.

Ein Knaller: Final Fantasy XIII erscheint erstmals auch für die Xbox 360.

Diese freuen sich hingegen über den Nachfolger zum Spiel des Jahres 2007: Auf der Pressekonferenz kündigte die Stimme von Psycho-CPU Glados stilecht Portal: Still Alive an. Genauere Infos gibt es zwar noch nicht, allerdings wird das Sequel des genialen Knobel-Actioners zunächst exklusiv für die Xbox 360 erscheinen. Eine echte Sensation gab’s erst zum Schluss: Final Fantasy XIII kommt erstmals nicht exklusiv für die Playstation, sondern wird auch seinen Weg auf die Xbox 360 finden.

Dragon Age: Origins

Einer der wichtigsten Titel der Messe wurde jedoch einige Stunden später während der EA-Pressekonferenz gezeigt: Biowares Versuch, das Rollenspiel-Feeling der alten Tage ins neue Jahrtausend zu hieven – nicht ohne Grund beschreiben die Jungs Dragon Age: Origins als „spirituellen Nachfolger von Baldur’s Gate 2“. Die ersten Details klingen denn auch, als hätten die Programmierer gehörig am Rad der Zeit gedreht.

Im Kampf dürft ihr mitsamt eurer Party zeigen, was in euch steckt.

Dragon Age schickt euch nämlich nicht allein auf gefahrvolle Abenteuer, sondern stellt dem Spieler bis zu drei Charaktere zur Seite – mitsamt sonderbarer Eigenheiten, Emotionen und Vorlieben. Verstehen sich etwa zwei Gruppenmitglieder nicht, kann es durchaus passieren, dass sie entnervt das Weite suchen. Anders als etwa in Drakensang, seht ihr eure komplette Party nur während eines Kampfes.

Diese lassen sich wie im berühmten Vorbild Baldur’s Gate jederzeit pausieren. Auch der Rest gibt sich klassisch: Dungeons, Dämonen, Zwerge, Elfen – alles drin. Zu Beginn wählt ihr neben der Charakterklasse eures Helden übrigens auch den Status eures Schützlings aus. Adlige Recken sollen z.B. andere Aufgaben lösen dürfen als eher bürgerliche, zudem könnte der Status Gesprächsoptionen beeinflussen.

Das weckt Erinnerungen: Baldurs Gate stand hier ganz offensichtlich Pate.

Zur Story will Bioware freilich noch nichts verraten. Klar ist aber: Jede eurer Entscheidungen wird Konsequenzen nach sich ziehen, gute bzw. schlechte Taten sollen sich unter den Bewohnern des Fantasyreiches sogar herumsprechen. Im Kern gibt sich die Handlung aber gewohnt erwachsen: Von politische Intrigen, Liebeleien und Weltuntergangsszenarien kann man als Rollenspieler ohnehin kaum genug bekommen.

Rock Band 2

Gerade einen Monat ist es her, seit Rock Band in unseren Breitengraden erschienen ist, da kündigt sich am Horizont schon der Nachfolger an. „Üble Abzocke“, rufen die einen, „stimmt“, meckern die anderen. Denn im Großen und Ganzen bleibt in Punkto Rock Band alles beim Alten: Von der Präsentation, über die Gestaltung bis zur Spielmechanik hat sich absolut nichts verändert, auch ein neues Instrument sucht man vergebens.

Grafisch verändert sich beim Nachfolger gar nichts.

Dafür werden die alten Instrumente in Punkto Verarbeitung verbessert. Klingt zunächst klasse, bedeutet aber letztlich auch, dass man sich das ohnehin extrem teure Instrumenten-Paket (Gitarre, Bass, Drumkit) gleich noch einmal kaufen müsste – sofern man die hochwertigen Geräte haben möchte. Die Ankündigung, über 80 neue Songs aus verschiedenen Dekaden zu implementieren, schlägt in die gleiche Kerbe.

Warum man das frische Liedgut nicht einfach als Download für die aktuelle Rock Band-Version zur Verfügung stellt ist nämlich fraglich. Dafür darf man bereits gekaufte Songs des Vorgängers ganz bequem in Teil zwei integrieren. Gänzlich runderneuert wurde die Charaktererstellung. Dieses Mal wird es endlich möglich sein, einen Universal-Rocker zusammen zu stellen, der jegliche Instrumente bedienen kann.

Dafür dürft ihr nun erstmals echte Alleskönner als Charakter kreaieren.

Auch die Kampagne bekommt ein Update verpasst: Wollte man sich bisher in Rock Band im Karrieremodus an die Spitze der Bands spielen, musste man immer wieder mit Songs auftreten, die man möglicherweise nicht hören wollte. Rock Band 2 macht damit Schluss und lässt euch hingegen jedes Lied während der Karriere selbst festlegen. Schöne Idee: Wer tritt schon gerne mit Tokio Hotel vor seinen Fans auf?

DC Universe Online

Auch Sony hatte etwas zu zeigen – für MMO-Fans. Mithilfe der zugkräftigen DC Comics-Lizenz darf man zum ersten Mal in ein Superhelden-Universum abtauchen und trifft dabei – anders als beispielsweise in City of Heroes – auf wirklich namhafte Strumpfhosenträger. Ob Batman, Flash, Green Lantern oder Superman – dieser Titel bietet wirklich jeden Helden eurer Jugend.

Alle unter einem Dach: DC Universe soll alle Helden und Bösewichte der Comicreihen enthalten.

Natürlich wird auch die Riege der DC-Bösewichter komplett vorhanden sein. Produzent Jim Lee (übrigens selbst ehemaliger Comiczeichner und Gründer von Wildstorm) verspricht dabei ein wahrhaft episches Spielgefühl: „Man stelle sich das einmal vor: Gemeinsam an der Seite von Batman tritt man dem grinsenden Joker in den Allerwertesten oder kämpft gemeinsam mit Superschurke Brainiac gegen den Mann aus Stahl.“

Derart legendäre Schlachten werden natürlich nicht einfach auf der Straße ausgetragen: Hat man sich auf die Seite der Helden oder Schurken geschlagen, geht es gemeinsam zu einigen der berühmtesten Locations der Comicwelt. Riesige Schlachten in Metropolis sollen ebenso möglich sein wie hinterhältige Infiltrationen der Bathöhle oder die Heiligtümer von Oberglatze Lex Luthor.

Kampf in der Bathöhle: Im Laufe des Abenteuers dürft ihr auch berühmte Lokalitäten stürmen.

Als Spieler schlüpft ihr allerdings nicht in die Rolle eines bekannten DC-Heroen, sondern stellt euch einen eigenen Super-Charakter zusammen. Ob ihr erst im Laufe des Helden-Daseins neue Superkräfte erlernt oder diese bereits von Anfang an festlegen dürft, ist bisher noch nicht klar. Wer mehr wissen möchte, sollte sich das Jahr 2009 rot im Kalender anstreichen – dann erscheint DC Universe für PS3 und PC.

I am Alive

Branchenschnuckel Jade Raymond ist zurück. Nachdem die adrette Ubisoft Montreal-Producerin im vergangenen Jahr mit Assassin’s Creed ein viel beachtetes Action-Feuerwerk ablieferte, betritt sie mit „I am Alive“ zumindest in Punkto Szenario völliges Neuland. Statt mittelalterlicher Ninja-Ästethik wird der potentielle Hitkandidat eher düster, rätselhaft und vor allem post-apokalyptisch.

Zu Beginn des Spiels ist noch alles in Ordnung...

Ubisoft selbst umschreibt „I am Alive“ dabei als „Überlebens- Abenteuerspiel“, der erste Trailer lässt bereits auf einen hochspannenden Mix aus Fallout und einer Prise Lost schließen. Hierzu passend: die mysteriöse Story. Eine ungeklärte Katastrophe legt ganz Chicago in Schutt und Asche, riesige Krater sprengen den Beton der Straßen, Wolkenkratzer knicken um, als wären es dürre Strohhalme.

Inmitten dieses Chaos verfolgt ihr als Hauptcharakter Adam nur ein einziges Ziel - am Leben bleiben. Denn im Angesicht des Todes werden aus ehemaligen Freunden ganz schnell erbitterte Feinde: Der Mangel an Wasservorräten sorgt bereits nach sechs Tagen dafür, dass sich die Menschen gegenseitig an die Gurgel gehen. So kann es durchaus passieren, dass Adam sich gegen aufgebrachte Ex-Kollegen zu Wehr setzen muss.

...bis die Hölle losbricht.

Wie sich das Setting letztlich auf das Gameplay auswirkt, ist noch nicht bekannt. Ubisoft verspricht lediglich „ein völlig neues Spielerlebnis“ zu kreieren. Yves Guillemot, Chief Executive Officer bei Ubisoft Montreal dazu: „Unser Titel ruft im Spieler eine umfangreiche Bandbreite von Emotionen hervor und stellt ihn vor wichtige Entscheidungen, die das virtuelle Leben der Spielfiguren nachhaltig verändern.”

Natürlich halten wir euch in den kommenden Tagen weiter auf dem Laufenden. So blicken wir unter anderem auf die Highlights der Nintendo-Pressekonferenz, versorgen euch mit den heißesten Neuankündigungen und präsentieren die coolsten E3 Trailer.