E3 2006 - Die Pressekonferenzen von Sony, Microsoft und Nintendo
von Roland Austinat

In sechs Stunden öffnet die E3 in Los Angeles ihre Pforten. Allerdings fanden in den letzten Wochen schon allerhand Pre-E3-Events statt, die Montag und Dienstag in den Pressekonferenzen der drei großen Konsolenhersteller mündeten.

An sich eine coole Sache, die uns Journalisten etwas vom Stress nimmt, in knapp drei Tagen alle Spiele gesehen haben zu müssen, doch in der Praxis führt das zu einem mächtigen Schlafdefizit, weil ja auch irgendwann die Berichte über die gesehenen Titel verfasst werden wollen ...

E3 2006 - Direct X 10 Demo Trailer

Am Montag, dem 8. Mai, lud Sony zu einer von rund 2000 Personen besuchten Pressekonferenz in den Sony Picture Studios in Culver City ein. Leider so gut wie keine deutschen Onlinemedien - nicht nur wir warteten vergebens eineinhalb Stunden, um dann doch nicht mehr eingelassen zu werden. Selbst ein Kollege von T-Online musste draußen bleiben. Wie sich heraus stellen sollte, war das jedoch kein großer Verlust: Sony zeigte so wenig Spiele wie selten zuvor und gab als große Nachricht den nordamerikanischen und europäischen Starttermin der PS3 bekannt.

Am 17. November soll das System in zwei Varianten auf den Markt kommen - eine von Microsofts Xbox 360 bekannte Vorgehensweise, über die sich Sony vor einem Jahr noch schwer lustig gemacht hatte. Auch der Preis der Konsole ist nicht ohne: 599 Euro soll das System in der Vollausstattung mit drahtloser Netzwerkanbindung und 60-GByte-Festplatte kosten.

E3 2006 - gamona vor Ort: Die Pressekonferenzen von Sony, Microsoft und Nintendo

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Das sind 120 Euro mehr als der Startpreis der ersten Xbox im März 2002. Wer etwas weniger viel ausgeben will, kauft sich die PS3-Sparversion für 499 Euro -- ohne HDMI-Ausgang, ohne Wireless-Funktionen, ohne Speicherkartenunterstützung und mit 20 statt 60 GByte Festplattenspeicher. Deutliche Anlehnungen bei Nintendo macht der schnurlose Controller, der wie die Wii-Fernbedienung über Lagesensoren, jedoch nicht mehr über Rüttelfunktionen verfügt. Dafür ist das Design nahezu identisch mit dem der bisher veröffentlichten Steuereinheiten. Bis Ende März 2007 sollen rund sechs Millionen PlayStation-3-Systeme weltweit ausgeliefert werden.

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Der gestrige Dienstag startete mit Nintendos Pressekonferenz im Kodak Theater, in dem im März noch die Oscarverleihung stattgefunden hatte. Knapp 3000 Zuhörer applaudierten begeistert dem Stardesigner Shigeru Miyamoto, der sich in einen Dirigentenfrack gezwängt hatte und nun einem virtuellen Orchester in einem noch unangekündigten Wii-Titel den Takt vorgab. Der zweiteilige Joystick des Wii, bestehend aus der Fernbedienung und dem mit ihr mittels Kabel verbundenem Nunchack-Digistick-Controller, war auch der Star eines kurzen Films, in dem bis zu vier Spieler gemeinsam Schlagzeug, Tennis, Tischtennis, Baseball und Golf spielten.Im Rallye-Titel "Excite Track" dient er als Lenkrad, "Super Mario Galaxy", ein neues "Wario Ware", "Pilot Wing", "Metroid" und natürlich "Legend of Zelda" profitieren ebenfalls stark von der ungewöhnlichen Eingabemethode. Richtig cool: Die Fernbedienung besitzt einen eigenen, kleinen Lautsprecher, über den ihr Geräusche wie eine sich spannende Bogensehne oder einen abfliegenden Pfeil hören könnt. Was Nintendo nicht verriet: Details zum Launch-Termin ("2006!") und Preis des Systems, das immerhin knapp 30 Starttitel verpasst bekommen soll.

Nach einer kurzen Lobpreisung des Nintendo DS, der sich in 18 Monaten weltweit über 16 Millionen Mal verkauft hat, kündigte Nintendos Marketingchef Reggie Fils-Aime ein paar neue Titel an, darunter zwei neue Pokèmon-Spiele, "Diddy Kong Racing", "Starfox", "Final Fantasy 3" und "The Legend of Zelda: Phantom Hourglass".Die Pressekonferenz endete mit einer kleinen Ansprache des Nintendo-Chefs Satoru Iwata, der provozierend fragte, wie die Spielindustrie Menschen erreichen soll, die vor langer Zeit mit dem Spielen aufgehört oder noch nie einen Controller in die Hand genommen haben. Abschließend folgte ein Tennis-Doppel, in dem Fils-Aime, Iwata, Miyamoto und der Gewinner eines Preisausschreibens gegeneinander spielten.

Microsoft machte in diesem Jahr alles richtig: Der Hersteller eröffnete seine Pressekonferenz im Mann's Chinese Theater mit einem Kracher - einem gespielten Level des kernigen Shooters "Gears of War". Mit ein paar Zahlen legte Peter Moore, Microsofts Corporate Vice President of Interactive Entertainment Business nach: Ende Juni werden sich über fünf Millionen Xbox 360 verkauft haben, jeder Besitzer nennt auch 4,5 Spiele und drei Peripheriegeräte sein Eigen und über 57 Prozent aller Xbox-Besitzer sind Abonnenten von Xbox Live.

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Aus einer Fülle neuer 360-Titel - über 160 sollen bis Weihnachten verfügbar sein - pickte sich Moore die Rollenspiele "Fable 2" und "Blue Dragon", das Rennspiel "Forza 2" und die mit Musikvideos garnierte Live-Version des PSP-Hits "Lumines" heraus, um sie mittels Trailer etwas tiefer vorzustellen.

Gezeigt wurde auch Rares Kinderspiel "Viva Pinata", in dem ihr drollige Pinata-Wesen in euren Wald lockt und euer Gehege dann mit freigespielten, über den Marketplace gekauften oder mit einem Freund getauschten Inhalten weiter ausbaut.

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Es folgte die Hardware-Abteilung: Noch in diesem Jahr soll ein neues Headset, ein schnurloses Lenkrad und eine Kamera für Xbox 360 verfügbar sein - Erscheinungstermin und Kosten noch immer nicht bekannt. Peter Moore pries anschließend den Marketplace mit seinen über 1000 Downloads, die inzwischen über 18 Millionen Mal herunter geladen worden sind. Gegen Ende der Präsentation kündigte Moore noch das HD-DVD-Laufwerk für Xbox 360 an - und "Grand Thef Auto 4", das schon vom ersten Tag an für die Xbox 360 erhältlich sein wird. Der Verkaufsstart für den Rockstar-Titel ist der 16. (USA) beziehungsweise der 19. Oktober 2007 (Europa).Etwas später sollen episodenhafte Inhalte für "GTA 4" folgen, die ihr über den Xbox 360 Marketplace herunter laden könnt. Zum Höhepunkt der Pressekonferenz betrat niemand anderes als Bill Gates die Bühne, um "Live anywhere" zu präsentieren - die Verbindung von Xbox 360, Windows Vista und Mobiltelefonen.

Das funktioniert so: Ihr spielt auf eurer Xbox 360 ein Spiel wie "Shadowrun" oder "Alan Wake", das es auch für den PC gibt und seht auf eurer Freundesliste einen Freund, der gerade am PC arbeitet. Ihr schickt ihm eine Spieleinladung, die er annehmen und dann gemeinsam mit euch ein Spiel starten kann - quer über die Systeme PC und Xbox 360 hinweg. Mobiltelefone kommen etwa dann ins Spiel, wenn ihr einen Titel aus Xbox Live Arcade unterwegs weiter spielen wollt oder euch ein Freund ein Auto für ein Rennspiel schickt, dass ihr dann auf dem PC bearbeiten könnt, bevor ihr es auf der Xbox 360 auf eine Proberunde schickt. Auch die Gamercards sollen auf allen drei Systemen zu sehen sein.Ein beeindruckendes Konzept. Mit einem Trailer zu "Halo 3" endete die sehr runde Veranstaltung, die zeigte, dass Microsoft seine Hausaufgaben gemacht hat und Sony das Feld nicht kampflos überlassen wird. Zudem stellen rund zehn Millionen verkaufte Systeme beim PS3-Start einen komfortablen Vorsprung dar.

Was uns sonst noch in der nahen Spielezukunft erwartet, werden die drei kommenden Tage zeigen - wir bleiben für euch am Ball und werden euch mit täglichen Updates von der E3 versorgen.