Nach dem missratenen „Mobile Suit Gundam: Target in Sight“ wagen die Anzugträger der Kultserie nun einen zweiten Angriff auf die Next-Gen-Welt. Damit dieses Mal nichts schief geht, hat man sich mit den „Dynasty Warriors“-Machern von Omega Force schlagkräftige Unterstützung an Bord geholt. Ob das automatisch eine Kaufempfehlung für den Titel um die Animehelden mit sich bringt, verrät unser Test.

Dynasty Warriors: Gundam - Trailer

Omega Force und Koei sind nicht gerade dafür bekannt, jahrelang an einem Produkt zu polieren und im Blizzard'schen Stile ihre Titel erst nach ewig langen Wartezeiten auf den Markt zu bringen. Nein, der japanische Entwickler von Mega-Reihen wie „Dynasty Warriors“ oder „Samurai Warriors“ und sein Hauspublisher Koei feuern ihre Produkte eher im Jahrestakt in die Händlerregale.

Dynasty Warriors: Gundam - Mit Schmackes auf die Rübe: Statt intelligenter Action liefert Gundam stumpfes Dauergeprügel.

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„Ich weiß, Du kannst es schaffen.“ Die Dialoge strotzen nur so vor Pathos.
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Und auch wenn die Qualität der Spiele zumeist nur im Mittelfeld der Wertungsskalen liegt, sind die Verkaufszahlen – vor allem im Land der aufgehenden Sonne selbst – überzeugend. Doch von Zeit zu Zeit braucht auch die etablierteste Serie ein kleines Facelifting. Gut, dass sich gerade jetzt Lizenzmonster Bandai bei Koei meldete, um sein „Gundam“-Paket mit den Prügelexperten der „Dynasty Warriors“ zu verheiraten. Denn wer kann dieser Kombination schon widerstehen?

Oh mein Held, Du bist so süß!

Nun, so ziemlich jeder, der sich an stumpfen Massendreschereien und einer Story, für die der Merzsche Bierdeckel noch zu viel Raum böte, stört. Doch der Reihe nach. Den Kern von „Dynasty Warriors: Gundam“ bieten zwei Einzelspieler-Kampagnen. Dabei lehnt sich die Originalkampagne an die klassische Serienhandlung an, während der offizielle Modus einen neuen Handlungsstrang bietet.

Wer das schon 1979 entstandene „Gundam“-Universum gar nicht kennt, dem kann die Story beider Varianten jedoch völlig egal sein. Denn eine Einführung oder echte Zwischensequenzen gibt es nicht. Zwischen den einzelnen Missionen erklären lediglich einige statische Bilder die Aufgaben der kommenden Mission und einige Anime-Püppchen himmeln einen mit den Stimmen von pubertierenden Mädchen grundlos an. Das Gegengewicht dazu bilden diverse Erzfeinde, die während der Einsätze auftauchen und dem Spieler Beleidigungen an den Kopf werfen. So beginnt dieser bei Unkenntnis all der Beteiligten schnell zu rauchen.

Dynasty Warriors: Gundam - Mit Schmackes auf die Rübe: Statt intelligenter Action liefert Gundam stumpfes Dauergeprügel.

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Die Darstellung der Planeten ist lahm. Gelungenes Design, hübsche Texturen oder Abwechslung sucht man vergebens.
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Immerhin sorgt die Komplexität der Kämpfe nicht für noch mehr Überhitzung des Denkstübchens. Denn hier gibt sich „Dynasty Warriors: Gundam“ so geradlinig wie Graziano Rocchigiani nach ein paar Witzen über dessen Mutter. So gilt es in den meisten Fällen, sämtliche Quadranten einer Karte zu erobern. Um einen solchen Bereich unter Kontrolle zu bringen, stampft man in seinem Kampfanzug dort hin, vermöbelt hunderte von Feinden und in einigen Fällen einige daraufhin erscheinende Wachen.

Da hilft die Lizenz auch nicht weiter: Auch der jüngste Dynasty Warriors-Teil verkommt nach kurzer Spielzeit zur stumpfen und langweiligen Massenprügelei.Fazit lesen

Während die normalen Gegner nach einigen Treffern aus der Laserwumme und einigen Hieben mit dem Riesenlaserschwert in ihre Einzelteile zerlegt sind, sind die Aufpasser etwas härter zu besiegen. So haben sie mehr Trefferpunkte, benutzen hin und wieder einen Schutzschild und teilen mehr Schaden aus. Noch gefährlicher sind lediglich die schon erwähnten Erzfeinde, die von Zeit zu Zeit in den Kampf einsteigen.

Einmal eroberte Territorien können dabei jederzeit wieder vom Feind zurückgewonnen werden. Jedoch geschieht dies in der Regel eher geskriptet als durch eine starke KI der Gegner. Und obwohl durch die vorherbestimmte Spielentwicklung eigentlich mehr Spannung und ein intensiveres Gameplay entstehen müsste, misslingen diese Wechsel in der Kartendominanz oft.

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„Made on Dantooine.“ Mit riesigen Lichtschwertern macht man sich daran, wahre Massen an Feinden in ihre Einzelteile zu zerlegen.
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So kommt es häufig vor, dass man den Höhepunkt der Kartenhandlung bereits hinter sich hat und man durch geskriptete Rückeroberungen von Gebieten gezwungen ist, die Abschnitte erneut unter Kontrolle zu bringen, wobei man eigentlich nur noch zum Exfiltrationspunkt gelangen möchte. Dass die Kämpfe mit der Zeit kaum Abwechslung bieten, trägt dabei nur wenig zur Motivation in solchen Augenblicken bei.

Der blaue Daumen

Denn wie schon die früheren „Dynasty Warriors“-Titeln fordert auch „Gundam“ in erster Linie wildes Gamepad-Gehämmer vom Spieler. Wobei „wild“ hier nicht unkoordiniert oder sinnlos bedeuten soll. Denn auch das Kind der Lizenzehe kann mit vielen rasanten Combos aufwarten. Sprünge, Schüsse, Hiebe – alle Aktionen lassen sich in vielen Varianten hintereinander ausführen, auf der Jagd nach hohen Combo-Punktzahlen und vielen Kills. Doch nichtsdestotrotz fehlt auch „Dynasty Warriors: Gundam“ mit der Zeit die gewisse Abwechslung im Gameplay.

Dieses Manko wird durch die müde Grafik noch deutlicher erkennbar. Denn die Planetenoberflächen im Allgemeinen und die Raumkämpfe im Besonderen sehen durch die Bank schwach aus und erinnern so an Koeis Ruf, keine Titel, die das Prädikat „Next-Gen“ verdienen, entwickeln zu können. Schwammige Texturen, keine Details und nur wenig Effekte – aus diesem Spiel wäre optisch deutlich mehr herauszuholen gewesen.

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Die meiste Zeit säubert man die Quadranten der Karten von Feinden, um so die Abschnitte unter die eigene Kontrolle zu bringen.
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Vor allem erwähnte Weltraumgefechte hätten mehr Hingabe verdient gehabt. So schiebt man sich über eine langweilige zweidimensionale Oberfläche und durch detailarme Raumbasen. Nicht nur in optischer Hinsicht, sondern auch für das Spielvergnügen wären Duelle in drei Dimensionen im Raum sehr viel vergnüglicher gewesen. Diejenigen, die nun noch auf ein versöhnliches Ende im Mehrspielermodus gehofft haben, können wir leider auch nicht frohen Mutes aus diesem Artikel entlassen.

Denn auch im Spiel zu zweit an einem TV – eine Onlinevariante gibt es nicht -, macht „Dynasty Warriors: Gundam“ kaum Spaß. Kleine, langweilige Karten und das gleiche eintönige Geprügel sorgen auch hier kaum für fortwährenden Spielspaß. Den dürfte letztlich nur eine Sorte Spieler entwickeln: Die, die die „Dynasty Warriors“-Spiele bedingungslos liebt und die zudem noch auf „Gundam“ abfährt.