Die Geschichte Chinas ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Wenn ich die Dynasty-Warriors-Reihe spiele, denke ich oft, es gab in der Vergangenheit dieses Landes nur die Zeit der drei Reiche. Denn um nichts anderes dreht es sich in diesem Spiel, und das wieder und wieder und noch einmal. Was soll ich also von einem Titel erwarten, der mit jedem Teil neue Ideen einbringt, aber letzten Endes doch nur altbackenem Brot entspricht?

Dynasty Warriors 7 spielt, genau wie seine Vorgänger, im Zeitraum zwischen den Jahren 208 und 280 in China und erzählt die Geschichte der drei großen Reiche: Shu, Wu und Wei. Der Handlungsmodus hält sich dabei nicht an die Norm, sondern geht wie immer ganz eigene Wege: Statt einen festen Charakter auszuwählen, entscheidet man sich streng genommen für eines der Reiche und folgt dessen Geschichtsverlauf, der stark von dem chinesischen Roman 'Romance of the Three Kingdoms' inspiriert wurde.

Dynasty Warriors 7 - Geschnetzeltes vom Chinesen

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Liu Bei - einer der mächtigsten Krieger auf dem Schlachtfeld.
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Im Laufe des Spiels schlüpft ihr so in die Rollen verschiedener Generäle, sammelt Objekte, die euch im Stil von Rollenspielen stärkere Fähigkeiten verschaffen, rüstet eure Waffen auf und schlagt eure Schlachten. Die Quests ziehen sich über drei Akte mit im Schnitt sieben bis acht Missionen.

Zwischen den Level wartet das Spiel mit nett animierten Videosequenzen auf, die nicht nur die Geschichte vorantreiben, sondern auch um etwas Abwechslung vom ewigen Abschlachten und endlosen Hin-und-her-Gereite bemüht sind. Wirklich mitgerissen wird man davon aber trotzdem nicht. Das ist kein Fehler der Grafik oder des Spiels an sich, sondern vielmehr ein Problem der Wiederholung. Denn wirklich begeistern konnte Dynasty Warriors bisher nur in einer fest eingeschworenen Fangemeinde, und dort kennt mittlerweile jeder die Geschichte über Cao Cao, Sun Quan und Liu Bei bis ins kleinste Detail.

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Prügeln, prügeln, prügeln.
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Um dem entgegenzuwirken, setzt die Prügel-Kombo-Serie mit jedem Titel auf neue Inhalte, Ideen und eine Brise Einfallsreichtum. Diesmal fiel Letzterer nicht sonderlich kreativ aus, dürfte Langzeitfans jedoch große Freude bereiten: Mit Dynasty Warriors 7 findet ein komplett neues Reich seinen Weg zu euch nach Hause. Die Jin sind wichtiger Bestandteil der Erzählungen nach der Schlacht auf der Wu-Zhang-Ebene, die bisher zu einer der letzten Missionen gehört hat.

Die Schlachten laufen wie immer ab: Man rennt oder reitet über mittelgroße bis riesige Karten, schlachtet dabei Hunderte von gesichtslosen Soldaten ab und stellt sich ab und zu einem feindlichen Kommandanten, der sich leider nicht viel klüger anstellt als ein Laib Toastbrot. Und damit geht er immer noch intelligenter vor als seine Untergebenen, die kaum den Verstand von einem Meter Feldweg haben.

Von Jianye bis Chengdu

Was darf in einem Prügelspiel, dessen Geschichte sich durch ein ganzes Kaiserreich zieht, nicht fehlen? Richtig, eine ordentliche Portion Eroberung. Daher wurde in DW 7 der Eroberungsmodus eingeführt. Das könnt ihr euch ungefähr so vorstellen: Statt eine ganze Legion von Generälen nacheinander in die Schlacht zu führen, wählt ihr euren Liebling aus und macht euch mit ihm daran, ganz China zu unterjochen.

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Grafisch hat DW aufgerüstet - aber nicht viel.
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Dafür zieht ihr auf einem riesigen Wabenmuster von einer Karte von Region zu Region und stellt euch nacheinander allen großen Gefechten. Dabei müsst ihr entscheiden, ob euch die normalen Scharmützel reichen oder ihr gleich ins kalte Wasser springt und euch der legendären Schlachten annehmt. An sich sind das die gleichen Gefechte, die man sich seit jeher liefert, doch wurden sie optisch aufpoliert und mit einigen netten Ideen bereichert. Vor allem die Texturen der Umgebung und speziell die Animation des Wassers, die überraschend (ja, überraschend) gut gelungen sind.

Anbei gibt es von Zeit zu Zeit die Möglichkeit, in einer der großen Städte das Gemetzel mal Gemetzel sein zu lassen und neue Waffen und Ausrüstung zu kaufen, sich mit einigen Kameraden zu unterhalten und Reittiere sowie Begleiter für die Schlacht anzuwerben. So ist es beispielsweise möglich, einen reitbaren Panda zu besitzen oder sich in der Schlacht von einem Wolf beschützen zu lassen. Das sind natürliche sehr lustige Ideen, verleiht dem Titel aber irgendwie das Flair eines stinknormalen MMOGs.

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Mit 62 auswählbaren Charakteren liegt Dynasty Warriors ganz weit vorne.
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In den eben genannten Städten haben Fans der Serie zusätzlich die Chance, ihr Wissen über Dynasty Warriors auf eine harte Probe zu stellen. Bei den Gelehrten könnt ihr Fragen über Charaktere und die Geschichte des Reiches beantworten. Doch dafür solltet ihr die ganze verdammte Enzyklopädie des Spiels auswendig gelernt haben oder Experte in chinesischer Geschichte sein. Ich wusste beispielsweise nicht, dass der Kaiser 13 Jahre alt war, als er vom machthungrigen Dong Zhuo hingerichtet wurde, oder aus welcher Richtung der Wind wehte, der den Feuerangriff auf Cao Caos Flotte möglich machte.

Und noch einen mit dem Stock hinterher

Viele Neuerungen, wenig Neues. Dynastiy Warriors bleibt sich treu - leider.Fazit lesen

Jeder General hat eine Waffe, und mit dieser kämpft er sich durch das gesamte Spiel. So war es bisher immer bei Dynasty Warriors, doch so wird es nicht bleiben. Im siebten Teil habt ihr die Möglichkeit, euren Liebling mit zwei Waffen auszurüsten, wobei ihr während der Schlacht zwischen den beiden hin und her wechseln könnt. Der Wechsel selbst wird mit einer individuellen Animation unterlegt und bietet zudem die Möglichkeit, den Feind mit dem verschmähten Tötungswerkzeug einmalig anzugreifen, bevor man mit dem anderen nachsetzt.

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Stabwaffe oder doch lieber ein Schwert?
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Doch wenn Lu Bu mit einem Fächer als Zweitwaffe durch die Gegend rennt, sieht das leider alles andere als imposant aus und wirklich bringen tut es auch nichts. Die Krieger bleiben mit ihren bevorzugten Waffen am besten, und wozu habe ich ganze 62 Charaktere, wenn alle mit der gleichen Ausrüstung durchs Gebüsch hüpfen? Freilich bringt es taktisch neue Möglichkeiten und freilich ist es unter der Kategorie 'Frische Ideen' zu archivieren, doch wäre hier die Treue zum Gewohnten der bessere Weg gewesen.

Bei der weiteren Charakterentwicklung bleibt alles wie gehabt. Wenn ihr einen feindlichen General tötet, verbessern sich durch fallengelassene Items eure Werte dauerhaft. Zudem lassen sich auf jeder Karte verschiedene temporäre und auch permanente Fähigkeitenverbesserungen finden. Natürlich gibt es auch nach jeder gewonnenen Schlacht neue Fertigkeitenpunkte; so ist es jedem überlassen, ob er seinen Spezialangriffsbalken etwas länger haben möchte oder sein Verständnis für eine bestimmte Waffengattung verbessert. Besonders Neulinge der Reihe würden ohne diese Möglichkeiten schnell die Lust verlieren, da die Geschichte Spieltiefe vermissen lässt und sich nur auf das Prügeln von Gegnern konzentriert.

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Bezaubernd...
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Die Steuerung ist wieder durchaus einfach, aber effektiv. Selbst Anfänger können sich die wenigen Kombinationsmöglichkeiten schnell merken und werden dafür mit hübschen Kampfanimationen belohnt. Die Spezialangriffe und größeren Kombos sind äußerst imposant und sehen grafisch verdammt gut aus. Leider ist das auch bereits der Höhepunkt der Visualisierung. Zwar gibt es noch weitere nette optische Finessen, doch muss man nach diesen eher suchen, als dass man von ihnen erschlagen wird.