Gute zehn Jahre sind bereits vergangen, seit Koei die erste Folge von Dynasty Warriors auf den Markt brachte. Damals handelte es sich noch um ein typisches Beat 'Em Up, ein Jahrzehnt und über ein Dutzend Ableger später hat sich das Ganze längst zu einer beliebten Hack n' Slash-Serie gewandelt, die nun auch erstmals für die so genannten Next-Gen-Konsolen PS3 und Xbox 360 erscheint. Dass sich hinter dieser hochgestochenen Marketingbezeichnung jedoch nicht immer auch spielerischer Fortschritt verbirgt, beweist Entwickler Omega Force mit Dynasty Warriors 6.

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Im Osten nix Neues

Wer sich schon einmal mit Dynasty Warriors auseinander gesetzt hat, dem wird auch die Hintergrundstory wohl bekannt sein. Schließlich handelt es sich dabei um die "Zeit der Drei Reiche" (Romance of the Three Kingdoms), eine viel beachtete und beschriebene Epoche der chinesischen Geschichte.

Dynasty Warriors 6 - Auch in der sechsten Generation weiß der Japan-Schnetzler kaum zu überraschen.

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Neuerdings könnt ihr auch selber schwimmen, wenn ihr wollt.
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Dummerweise hat die ganze Sache einen kleinen Haken: So interessant diese Geschichte auch ist, sie bietet so langsam nichts Neues mehr. Immer wieder die Schlacht am Han Lao Gate zu erleben ist schließlich auch nicht viel besser, als den Europapokalsieg der eigenen Mannschaft immer und immer wieder auf Video anzusehen. Irgendwann wird’s eben langweilig, so auch bei DW 6, wo dieselbe Story nun schon zum x-ten Mal aufgebrüht wird.

Zugegeben, das Hack 'n Slash-Genre scheint nicht unbedingt dazu prädestiniert, epische Geschichten zu erzählen. Daher wollen wir diesen Punkt auch nicht allzu sehr beweinen. Beim Transfer auf die neue Konsolengeneration ist den Entwicklern allerdings auch nicht allzu viel eingefallen, um das Spielgeschehen aufzupeppen und im Vergleich mit den Vorgängern auf der PlayStation 2 bzw. Xbox aufzuwerten.

Am Spielprinzip wurde dementsprechend kaum etwas verändert. Nach wie vor wählt ihr unter einer beachtlichen Anzahl von maximal 19 Kämpfern euren Helden aus und stürzt euch damit in die mit einem Hauch von Strategie angereicherten Schlachten, wo hunderte Gegner auf euch warten. Im Grunde passiert nicht mehr, als dass ihr euch von Fort zu Fort kämpft und auf diesem Weg die Widersacher der feindlichen Armeen beseitigt, bis ihr das Levelziel erreicht habt.

Packshot zu Dynasty Warriors 6Dynasty Warriors 6Erschienen für Xbox 360, PC und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Chaos auf dem Schlachtfeld

Dabei den Überblick zu behalten ist aufgrund verschiedener Faktoren nicht ganz einfach. Zum einen natürlich wegen der schieren Masse an feindlichen Fußsoldaten, die über das Schlachtfeld wuseln. Dazwischen tauchen auch immer wieder einzelne Generäle auf, die man allerdings nicht so nebenbei per Handstreich ausschaltet. Zum anderen fällt es vor allem im Nahkampf häufig genug schwer zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, und so wütet man sich oft genug blindwütig durch die Massen in der Hoffnung, einen Gegner zu erwischen.

Dynasty Warriors 6 - Auch in der sechsten Generation weiß der Japan-Schnetzler kaum zu überraschen.

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Wer ist Feind und wer ist Freund?
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Probleme bereitet in dieser Hinsicht auch die störrische Kamera, die vor allem beim Kampf auf dem Pferderücken eine mittlere Katastrophe ist. Schon die Steuerung der Gäule ist nur etwas für Nervenstarke, die sich ständig neu ausrichtende Perspektive ist jedoch völlig daneben. Um nicht ständig von hinten, bzw. von unsichtbaren Gegnern eins auf die Mütze zu bekommen, ist man darauf angewiesen, entweder wie ein wild gewordener Büffel im Tobsuchtsanfall ständig nach allen Seiten auszuschlagen oder die Kamera alle paar Sekunden neu auszurichten. Chaos pur!

Der hektische Spielablauf bietet jede Menge Action und wer darauf steht, stundenlang rumzuschnetzeln wird auch jede Menge Betätigungsfelder finden. Nicht nur im Musou-Modus, der die zentrale Kampagne enthält, auch der "Freie Modus", in dem man die Charaktere zusätzlich ausbauen kann, oder der auf Highscores getrimmte Herausforderungs-Modus bieten jede Menge Inhalt und der geneigten Zielgruppe sicher Spielspaß ohne Ende.

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Das wollte ich auch grad sagen!
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Insgesamt leidet Dynasty Warriors 6 jedoch unter seiner spielerischen Armut, die sich in stupidem Button-Mashing auf immer derselben Taste äußert. Das in Vorgängern noch rudimentär vorhandene Kombo-System wurde durch das Renbu-System ersetzt - je mehr Kills ihr hintereinander erzielt und damit Ketten aufbaut desto höher der Energieanstieg und die Möglichkeit, besondere Moves auszuführen. Wer jedoch spontan einige nette Techniken ausführen möchte, ist darin sehr beschränkt.

Dynasty Warrioes 6 kann bis auf eine aufgehübschte Optik nicht viel Neues bieten.Fazit lesen

Pro Spielfigur habt ihr nur einen Standard-Angriff und eine Power-Attacke sowie zusätzlich den Musou-Spezialmove, mit dem ihr gleich ganze Angreifer-Horden niedermetzelt. Allerdings müsst ihr auch dafür einen Energiebalken aufladen und solltet die Spezialattacke daher taktisch bedacht einsetzen. Um diese Eindimensionalität nicht ganz so offensichtlich zutage treten zu lassen, wurden neben neuen Waffen und Kostümen noch einige weitere Neuerungen implementiert, so beispielsweise ein Skilltree, der euren Fortschritt im Spiel widerspiegeln soll und der euch ermöglicht, mit gewonnenen Erfahrungspunkten neue Fertigkeiten zu erwerben.

Zudem ist es euren Charakteren nun auch möglich, Hindernisse schwimmend oder kletternd (via Leiter) zu überwinden oder auch die Tore von Stützpunkten einzuschlagen und sie einzunehmen. Einen positiven Einfluss auf das Spiel hat das jedoch nicht wirklich. Wer sich zu sehr in Details verzettelt, gerät schnell in Gefahr, die wichtigen Wegmarken bzw. Missionsziele aus den Augen zu verlieren und plötzlich als Verlierer dazustehen. Das jedoch sollte man auf jeden Fall vermeiden, wenn man nicht den Erfolg von einer Stunde oder mehr aufs Spiel setzen will.

Dynasty Warriors 6 - Auch in der sechsten Generation weiß der Japan-Schnetzler kaum zu überraschen.

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Gelegentlich hilft euch nur noch eine Spezialattacke aus der Patsche.
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Dynasty Warriors 6 kennt nämlich keine Checkpoints, gespeichert wird immer nur am Ende einer jeden Ebene. Wer vorher versagt, muss den ganzen Level noch einmal spielen. Immerhin hat die Serie optisch einen Schritt nach vorne gemacht. Die Spielfiguren sind sehr gut animiert und bieten ihre Kampfkunst flüssig dar, und auch die Effekte wurden auf ein modernes Niveau aufgewertet.

Allerdings bietet die Welt nicht durchgehend scharfe Texturen, oftmals wirkt vieles verwaschen und detailarm, wie überhaupt die Umgebung recht leblos wirkt - wenn man mal von den kämpfenden Truppen absieht. Schade auch, dass der durchaus spaßige Koop-Modus nur stationär Verwendung findet - wer lieber online zockt hat Pech gehabt. Merkwürdig ist zudem, dass - obwohl die PS3- und Xbox 360-Fassungen praktisch identisch sind - nur bei Sonys Spielekiste teilweise grobe FPS-Einbrüche im Multiplayer-Modus auftauchten.