Knapp zehn Jahre hat Eve Online bereits auf dem Buckel. Kaum ein anderes Online-Spiel hat die Zeiten derart unbeschadet überdauert. Doch irgendwann wird es Zeit, etwas Neues zu wagen. Das weiß auch der isländische Entwickler CCP - und arbeitet deshalb an Dust 514. Doch dies ist kein "normales" Spiel, wie wir bei einem Besuch in Reykjavik erfahren haben.

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Eigentlich will sich Spieldesigner Kjartan Emilsson gar nicht über mangelnde Medienpräsenz seines in die Jahre gekommenen Weltraum-Abenteuers beklagen. Aber "wir mussten als Unternehmen trotzdem etwas ändern – man kann nicht ewig das Gleiche machen", sagt er. "Man braucht irgendwann Spiel Nummer zwei und drei. Es wird eine unheimliche Befreiung sein, wenn Dust endlich fertig ist. Denn dann haben wir bewiesen, dass wir mehrere Spiele machen können – auf PC UND Konsole. Das ist wichtig, weil man einfach verdammt viel dabei lernt.“

Ab in den Staub, du Wurm!

Doch der Reihe nach. Eve Online dürfte jeder kennen, aber Dust 514? Spielerisch ist der Ego-Shooter praktisch der Gegenentwurf - anstatt im All herumzuflitzen, mit Kreuzern Handel zu betreiben und Gefechte zu führen, versetzt uns CCPs neuer Titel in die Rolle des armen Frontschweins. Ihr kämpft mit der Wumme in der Hand als Klon-Söldner um die Vorherrschaft von Planeten - was sich in Echtzeit auch auf das Geschehen in Eve Online auswirkt, wo sich die Kräfteverhältnisse verschieben. Dabei gibt es im Vergleich zu Eve noch einige weitere Unterscheidungsmerkmale - aber auch Gemeinsamkeiten.

Zum einen ist Dust 514 als Free2Play-Game angelegt - ihr müsst also keine Abo-Gebühren zahlen. Außerdem ist Dust weniger komplex und dadurch viel einsteigerfreundlicher. Von "einfach" will Emilsson aber dennoch nichts wissen: „Ich denke, Dust hat einiges von Eves positiver Komplexität geerbt – gut für Leute, die viel an den Klamotten oder dem Skillsystem herumspielen wollen. Sie erhalten mehr Spieltiefe als in anderen Shootern, und damit ist Dust auch für Hardcore-Spieler geeignet. Aber die Erfahrung für Anfänger ist insgesamt viel besser, weil man einfacher ins Spiel hineinfindet.“

Dust 514 - "Man kann nicht ewig das Gleiche machen!"

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Wenn das „Orbital Bombardment“ beginnt, sollten Infanterie-Soldaten die Beine in die Hand nehmen – wenn sie können…
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Das Besondere ist aber, dass es CCP gelungen ist, beide Games miteinander auf einem Server (Tranquility) zu verbinden. Und das, obwohl Eve Online ein reines PC-Spiel ist und Dust 514 nur für die PS3 erscheint. Ein Unterfangen, das bisher noch keinem anderen Entwickler geglückt ist: ein Genre-übergreifendes Erlebnis, das Spieler sowohl auf Konsole als auch PC in gemeinsamen Schlachten vereint.

Packshot zu Dust 514Dust 514Erschienen für PC und PS3

Möglich wird dies durch das "Orbital Bombardment"-Feature: In den Feldschlachten ringen zwei Fraktionen von bis zu 48 Spielern um fünf strategisch wichtige Objekte. Für erfolgreiche Aktionen erhalten sie Siegespunkte, mit denen sie schließlich "Orbital Strikes" anfordern, die aber nur vom jeweiligen Squad-Leader befohlen werden können. Die Voraussetzung ist jedoch, dass sich im Orbit ein Schiff der befreundeten Corporation eingefunden hat, die ihre Bodentruppen unterstützen will. Sobald eine Salve bereit ist, schickt das Raumfahrzeug tödlichen Beschuss gen Planetenoberfläche. Aber Vorsicht - Friendly Fire nicht ausgeschlossen!

Mit Dust 514 könnte CCP ein neues Spiele-Zeitalter einläuten: Die Barriere zwischen PC und Konsolen bröckelt gewaltig!Ausblick lesen

Doch warum sollte ich als stolzer Raumkapitän eigentlich den Maden im Staub helfen? Ich bezahle, die zocken umsonst und wollen auch noch meine Unterstützung? Kjartan Emilsson weiß die Antwort: „Neee, ihnen zu helfen, bedeutet, dir selbst zu helfen, das ist das Entscheidende! Die meisten Leute beteiligen sich am Krieg der Fraktionen und daher ist es für den Eve-Player wichtig, dass die Dust-Spieler ihrer Partei den Planeten einnehmen. Wenn man ein System beherrscht, aber nicht deren Himmelskörper, wird es sehr verletzlich sein.“

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Die tödlichen Angriffe aus dem All kann nur ein Squad-Leader befehligen.
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Auch Befürchtungen um eine zu große Dominanz dieser Orbital-Attacken, versucht der Isländer zu entkräften. Die Soldaten sollen beispielsweise in der Lage sein zurückzuschießen. Dafür werde auf dem Schlachtfeld eine strategische Kanone installiert, die einnehmbar ist und mit der zurückgeschossen werden könne. Außerdem sei die Stärke der Salven in verschiedene Level aufgeteilt. Momentan sterben bei einem Angriff der Stufe 1 drei bis vier Unglückliche - damit ist die Runde aber noch lange nicht beendet.

Ganz anders könnte das aber auf Level 4, einem Mega-Wumms, aussehen. Derartiger Beschuss lässt sich nur von den mächtigsten Schiffen ausführen und ist ungemein teuer. "Das macht man vielleicht ein Mal im Monat – es wäre so etwas wie das Ende dieser Welt", sagt Emilsson und betont: "Feinde und Freunde würden alle gleichzeitig sterben. Es wäre ein gigantisches Event!“

Warum nur PS3?

CCP habe sich bei der Entwicklung von Dust 514 auch an alle anderen Konsolen-Hersteller gewandt - jedoch nur von Sony eine wohlwollende Antwort erhalten, die ins Konzept passte. Die Xbox 360 schied aus, weil man seiner bisherigen Upgrade-Politik treu bleiben wolle - die sind weiterhin kostenlos. Die Sony-Philosophie passe perfekt zu CCP, so Emilsson. Zudem hätten sich die PS3-Spezialisten äußerst zuvorkommend verhalten und das Projekt von Beginn an tatkräftig unterstützt. Nur so sei nach mehreren Jahren Entwicklungszeit überhaupt eine funktionierende Version von Dust möglich gewesen.

Spielerisch ist Dust ein Ego-Shooter, der meiner Meinung nach zunächst sehr an Planetside 2 erinnert - das sieht Kjartan aber ein wenig anders: "Ich denke eher, dass Planetside und Dust sich genügend unterscheiden. Dust ist mehr ein klassischer Shooter mit strategischen Komponenten während Planetside eher epische Schlachten bietet. Und außerdem kommt Planetside nicht für Konsolen heraus.“

Wie auch immer, die Gefechte sind allein schon deshalb weniger bombastisch, weil die Maps um einiges kleiner sind. Trotzdem bleibt ausreichend Raum, um mit verschiedenen Luft- und Bodenvehikeln (in die man etwa nach einem Tod Spawnen kann) das umkämpfte Territorium unsicher zu machen.

Trotz des im Vergleich zu Eve Online leichten Spieleinstiegs offenbart gerade das Upgrade- und Individualisierungssystem eine auf den ersten Blick hohe Spieltiefe. Die vier Klassen (Scout, Assault, Logistics, Heavy) lassen sich in unterschiedlichen Bereichen mit Verbesserungen aller Art aufrüsten. Zwar gibt es auch eine Reihe von automatischen Aufrüstungsoptionen - doch für Hardcorler und Tüftler dürften die vielen Untermenüs ein wahres Schlaraffenland sein. Die Ausbaustufen sind jedoch an Faktoren wie CPU-Auslastung des Kampfanzugs gekoppelt, die "Über"-Konfigurationen unmöglich machen sollen.

Dust 514 - "Man kann nicht ewig das Gleiche machen!"

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Vor diesen Attacken muss sich jeder in Acht nehmen – auch befreundete Truppen!
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Hoffnung auf taktische Gefechte macht das Squad-Feature, dass Gruppen von bis zu vier Spielern umfasst. Der Vorteil liegt auf der Hand - wer koordiniert vorgeht und die Klassen(-Fertigkeiten) aufeinander abstimmt (etwa immer einen "Heiler" dabei hat), wird länger überleben und entsprechend Erfolg haben.

Während die Shooter-Mechanik ziemlich ordentlich umgesetzt scheint, zeigen sich im Detail aber (noch?) Mängel. Einen Spawn-Schutz haben die Isländer etwa nicht vorgesehen. Das frustriert genauso wie das nicht anpassbare Controller-Layout und auch der Waffenwechsel ist unnötig fummelig geraten. Leider wirken die CCPler in diesen Punkten kaum diskussionsbereit, sodass ich wenig Hoffnung habe, dass sich daran noch etwas ändert.

Neben dem Kampf um Siegpunkte (Skirmish) wird es mindestens auch den Ambush-Modus geben, in dem es schlicht um die Auslöschung der gegnerischen Team-Tickets geht. Anders als in Eve existieren in Dust übrigens keine sicheren Gebiete, in die man sich zurückziehen kann.