Im Jahre 1974 kam in Amerika ein einzigartiges und wirklich umwerfendes Spiel auf den Markt. Gary Gygax und Dave Arneson präsentierten der Welt Dungeons and Dragons. Ein Reich voller Magie, Dämonen, Zauberer und unglaublicher Kreaturen. Über Jahrzehnte hinweg tauchten Fans immer wieder in diese phantasievolle Welt ein und erlebten Abenteuer und Heldenmut. Auch heute noch.

Dungeons & Dragons: Daggerdale - Die Waffen zum Kampf gegen Drachen und andere Ungetümer2 weitere Videos

Im Fall von „Dungeons and Dragons: Daggerdale“ ist von der Phantasie nicht mehr viel geblieben. Atari, was habt ihr mit dieser wunderbaren Lizenz nur für einen Murks angestellt? Es stehen vier Charakterklassen mit ihren ganz eigenen Fähigkeiten zur Verfügung. Sei es der menschliche Kämpfer, die hinterlistige Elfenschurkin, der mächtige Halbling-Magier oder gar der weise Zwergenkleriker. Doch egal, für wen ich mich entscheide: Ich kann zwar davon ausgehen, dass sich meine Wahl deutlich von den anderen drei unterscheidet, aber leider bin ich ein Abziehbildchen aller anderen, die die gleiche Wahl getroffen haben.

Dungeons & Dragons: Daggerdale - Was soll das!?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
Endlich eine neues D&D... Endlich...!?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Am Charakterdesign kann man nichts mehr ändern. Also heißt es: Fähigkeiten, Fertigkeiten und Klassenfertigkeiten auswählen und danach hoffen, dass man sich wenigstens durch die Wahl der Kleidung und durch das Leveln definieren kann. Mein Held heißt Brot. Brot, der Starke. Und er zieht in eine Welt voller Gefahren und Schrecken.

Nach einer netten Spieleinführung befindet sich Brot in einem dunklen Dungeon, in dem die Zwerge hausen und ihrem Geschäft nachgehen. Leider haben sie ein deutliches Problem: Sie sehen nämlich aus wie verfluchte Mongo-Zwerge, eine Mischung aus Zwerg und Klingone mit Down-Syndrom. Nichts gegen Klingonen mit Down-Syndrom, aber ein Zwerg sollte, nein, darf nicht so aussehen! Und auch das zweite Problem, das die kleinen Bergarbeiter quält, sollte für einen echten Mann des Berges ein ungeheuerliches Schamgefühl auslösen: Sie lassen sich nämlich reihenweise von Goblins abschlachten. Da kann nur einer helfen: Brot!

Von solch unwichtigen Details lässt sich ein wahrer Held nicht aufhalten. Also sprechen wir mit einem der wichtigeren Zwerge, um herauszufinden, wie wir unserem persönlichen Ziel näher kommen und wie wir den armen Mongos helfen können. Und genau dabei bin ich meiner Spielfigur im klaren Vorteil. Während ich die Untertitel lesen kann, hört Brot leider nur undeutliches Gebrabbel. Und woher das stammt, lässt sich schwer sagen, da die kleinen Bergarbeiter nicht einmal den Mund bewegen müssen, um ihre unverständlichen Laute in die Luft zu grunzen.

Dungeons & Dragons: Daggerdale - Was soll das!?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Ah! Mein alter Nemesis: Skeletthorde!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aber auch wenn man nichts kapiert, ist die Mission doch klar: Laufe diese Copy-and-Paste-Dungeons entlang und hilf Zwerg XY, lauf dann zurück, nur um zu erfahren, dass du den gleichen Weg erneut nehmen musst, um einem anderen seine verlorenen [hier irgendein Objekt eurer Wahl einfügen] zurückzubringen. Da ist der arme Brot bereits nach zehn Minuten ziemlich angenagt.

Nein, jetzt mal ganz ehrlich Jungs: Was soll das!?Fazit lesen

Denn während seiner Reise spawnen unentwegt irgendwelche Gegner um ihn herum. Diese haben zwar nette Gestaltungsarbeit genossen, können auf dem Schlachtfeld aber nicht wirklich etwas reißen. Man muss sich einfach durchmetzeln, einen Heiltrank nach dem anderen schlürfen und dann erneut metzeln. Anschließend geht’s los zum Metzeln, und wenn alles weggemetzelt ist, könnte man sich die Zeit mit etwas Metzelei vertreiben. Hat man gefunden, was oder wen man suchte, beginnt der Rückweg: ein unendliches Gemetzel durch immer wieder neu spawnende Gegnerhorden.

Dieses Hin-und-her-Gelaufe ist so monoton und langweilig, dass ich ein paar Mal fast eingeschlafen wäre und meinen armen Krieger in den unheimlich ähnlich wirkenden Dungeon allein gelassen hätte. Zum Glück haben mich ein paar herzhafte Lacher über die teilweise miese Programmierarbeit wieder hochgerissen. Das liegt aber nicht nur an den Kämpfen - vor allem die Kampfanimationen sind gut gelungen und wenigstens gibt es unter den Gegnerhorden sehr viele verschiedene Typen mit vielen verschiedenen Waffen.

Dungeons & Dragons: Daggerdale - Was soll das!?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
Schade! Kein Tiefgang; keine Story!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Jedoch nervt die Art, wie die Geschichte und die Heldentaten des tapferen Brots weitergeführt werden. Am Ende bleibt nicht viel mehr hängen als: „Bla, bla, bla. Der Typ ist total böse, halte ihn auf, bla, bla! Aber vorher musst du noch ein Zahnrad für mich suchen, bla, blaaa.“

Brots Quest-Geber 'verpuffen' einfach, nachdem ihr Auftrag erledigt wurde. Während also der Bildschirm schwarz wird, damit ich diesen Vorgang nicht mitbekomme, taucht woanders plötzlich ein weiterer Mongo-Zwerg auf und wartet bereits darauf, dass ich mir seinen dämlichen Auftrag anhöre, der meinen tapferen Menschenkrieger sicherlich erneut an einen sehr vertraut wirkenden Ort führt.

Brot bekämpft sie alle. Alle!

Die Kämpfe laufen ungefähr so ab wie eben angeschnitten: Viele verschiedene Gegnertypen tauchen mit einem lauten 'Tröörööö' irgendwo auf und stürmen dann geballt auf Brot zu. Dieser metzelt die Meisten mit einer Spezialattacke nieder und kümmert sich im Zweikampf um den Rest. Merken die Goblins oder andere Schergen des Bösen, dass sie keine Chance haben, flüchten sie einfach und kauern in der Ecke. Jahaa! Fürchtet Brot!

Dungeons & Dragons: Daggerdale - Was soll das!?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Search&Destroy trifft Hit&Run
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Alle anderen, die nicht so schnell verängstigt werden, fordern den Spieler zu einem immerwährenden Kampf zwischen 'Search-&-Destroy-KI' und 'Hit-and-Run-Technik'. Bereits nach einer Stunde sind diese Kämpfe unglaublich langweilig. Ein wahrhaftiger Albtraum! Um ein wenig Abwechslung hereinzubringen, ziehe ich mich manchmal gerne zurück und benutze die Armbrust - das ist ein tolles Gerät. Es wird nicht nachgeladen! Man lässt einfach eine Sekunde den Arm hängen, schon kann munter weitergeballert werden.

Am liebsten schieße ich damit auf Feinde, die an jeder zweiten Ecke hängen bleiben, den Weg einfach nicht 'finden' können oder wie ein Raver auf LSD Zuckkrämpfe bekommen und auf und ab hüpfen. So was ist einfach traurig und sollte von seinem Leid erlöst werden. Manche verfallen jedoch schon vorher in eine Art katatonischen Zustand und erstarren mitten in der Luft - merkwürdig! Andere schaffen es zwar zu sterben, lassen ihre Waffe dann jedoch über dem Boden fliegend zurück - noch merkwürdiger!

Endlich! Erneut eine Aufgabe geschafft. Unbeeindruckt von der alten (wirklich alten!) Grafik befindet sich Brot endlich auf dem Rückweg zu seinen Freunden, den Zwergen (im späteren Verlauf gesellen sich noch andere 'Freaks' dazu). Der Auftraggeber bekommt bei meiner Rückkehr etwas zu viel Aufmerksamkeit, als sich die Kamera auf ihn zentriert und ein, zwei Minuten erst mal gar nichts passiert. Dann bekomme ich noch lächerlich wenig Erfahrungspunkte, der Zwerg verschwindet, wie so viele vor ihm, unter dem Schutz eines schwarzen Bildschirms, doch sein Name und seine bunte Markierung bleiben. Gruselig.

Dungeons & Dragons: Daggerdale - Was soll das!?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
Trefft auf einzigartige Charaktere wie 'Brot'.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Da ich ein bisschen Gold gesammelt habe, besuche ich mal den hiesigen Händler und kaufe mir ein, zwei Rüstungsteile. Die sehen leider alle gleich aus. Rüstungen eines Typs, zum Beispiel Stoff, haben alle das gleiche Design, nur verschiedene Werte. Aber das ist okay. Dafür leuchten die epischen Teile in schönen Neonfarben - ich sehe aus wie ein wandelnder Weihnachtsbaum. Für etwas anderes ist der Händler auch nicht wirklich gut. Wie bereits erwähnt befinden sich in den zerstörbaren Fässern mehr als genug Heiltränke und mein Zeug im Inventar kann ich auf magische Weise in Gold umwandeln.

In ebendiesem Inventar wird plötzlich ein und derselbe (ja, derselbe, nicht der gleiche, nicht ein ähnlicher, nicht eine billige Kopie, sondern derselbe!) Schild plötzlich achtzigmal gelistet, man hat ihn aber nur einmal. Fässer explodieren und machen großen Schaden bei Brot, können aber keine anderen Fässer zerstören, und wenn ich glaube, jemals in einen alten Dungeon zurückkehren zu können, liege ich gründlich falsch.

So viele und interessante Möglichkeiten zum Leveln es auch gibt, nach Stufe zehn ist leider Schluss, ich kann meine Beute nicht mit meinen Koop-Partnern teilen - und sowieso ist das Beutesystem ziemlich unfair und unsinnig. Wieso bekommt Brot die ganzen Bögen und die kleine, süße Elfe einen dicken Zweihänder (war nicht doppeldeutig gemeint), wenn man nicht tauschen kann?

Dungeons & Dragons: Daggerdale - Was soll das!?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Schöne Effekte - Miese Grafik
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Liste der Bugs und Logikfehler könnte ewig weitergehen, die Liste der positiven Überraschungen hingegen bleibt bereits nach zehn Minuten Spielzeit auf der Strecke liegen. Brot und seine Gefährten kloppen sich im wahrsten Sinne des Wortes durch immer gleiche Dungeons, bekämpfen Horden von immer wiederkehrenden Gegnern und versuchen, in dem primitiven Gebrabbel und Gegrunze eine sinnvolle Geschichte zu entdecken. Vergebens.

Um nun dem Ganzen die Krone der Schrecklichkeit aufzusetzen, ist die Übersetzung manchmal so unterirdisch, dass keine Ausrede der Welt dieses Verbrechen erklären kann. In diesem Sinne: „Kill Posten so schnell wie möglich um sie vor Ladung neue Feinde zu verhindern!“