Aaah, Dungeon Keeper! Welch wohlklingender Name! Welch erfrischendes Spielkonzept! Welch befriedigende Bösartigkeit! Vielleicht schmachtet ihr schon ebenso lange wie ich einem neuen, frischen Teil der legendären Dungeon-Keeper-Serie entgegen. Unseren Lesern können wir nun verkünden: Kommt aus euren Kellern, trocknet die Tränen, hängt das Bullfrog-Poster ab. Denn nicht bei den einem Branchen-Schwergewicht, sondern beim kleinen deutschen Entwicklerstudio Realmforge ist ein – inoffizieller – Nachfolger in der Mache. Wenn alles glatt geht, dürfen wir schon im kommenden Jahr wieder dumpfbackige Helden durch selbstgebaute Verliesmauern jagen.

Standort: Businessstand des Publishers Kalypso. Ein enthusiastischer Typ spricht mich an: Ob ich wegen „Dungeons“ hier sei? Seine Augen leuchten. Ich verneine. Er bequatscht mich wort- und gestenreich, trotzdem mitzukommen. Als Kind hätte ich wohl an warnende Ratschläge meiner Eltern gedacht. Doch hier ist eine der drei wichtigsten Spielemessen der Welt, und spätestens seit Diablo weiß ich: Unter Tage liegt meist eine Menge Beute herum, für die man nur ein paar lahmarschigen Zombies fauliges Fleisch von den Rippen hauen muss.

So verschwinde ich also ahnungslos in der Tiefe des Messestands - und bekomme in einem kleinen Kabuff mit „Dungeons“ die vielleicht größte Überraschung der gamescom zu Gesicht.

Dungeons - Gameplay TrailerEin weiteres Video

Helden, Schätze und grüner Schleim

Durch feuchte Gänge kriechen, Skelette in knochige Einzelteile zerlegen und über den Steinboden kicken, Fallen an Schatztruhen entschärfen – das Standardrepertoire eines jeden Rollenspiels. Wie eintönig. Die Regale sind voll mit Möchtegern-Hits an Fantasy-Schauplätzen. In anderen Genres bauen Entwickler ständig irgendwelche RPG-Elemente ein. Es nervt.

Dungeons - Der Gamescom-Geheimtipp – Deutsche basteln an Dungeon Keeper 3

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 27/311/31
Ganz wie im Vorbild: Auch in "Dungeons" spritzt der rote Lebenssaft zur Genüge.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sollen doch Gestrige weiter, riesige Goldschätze nachjagen, ihr Leben nur wegen des Ruhmes riskieren und irgendwelche verstaubten Wälzer nach unbekannten, allmächtigen Zaubersprüchen oder Trankrezepturen durchforsten. Ich habe kein Bock mehr. Ich mache mich statt dessen in „Dungeons“ selbstständig. Und werde selbstredend der fieseste, größte und mächtigste aller Dungeon Lords sein. Doch dazu brauche ich Untergebene – und die bekomme ich nur mit wandelnden Ressourcenquellen: Helden!

Also nehme ich die Schaufel in die Hand – oder lasse sie von Goblins in die Hand nehmen, ich bin ja schließlich nicht von ungefähr ein Dungeon Lord – und grabe ein paar Gänge und Räume. Fertig ist meine unterirdische Heldenfanganlage. Ich öffne eines der Tore zu Oberfläche und warte auf Abenteurer. Sie kommen nur vereinzelt. Sind andere Labyrinthe etwa attraktiver? Offenbar ja.

Dungeons - Der Gamescom-Geheimtipp – Deutsche basteln an Dungeon Keeper 3

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 27/311/31
Was ein wahrer Lord des Bösen sein will, braucht dringend einen gewissen Sinn für Inneneinrichtung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ich muss also wesentlich mehr tun als nur ein bisschen buddeln. Damit mein brandneues Verlies populärer wird und der Abenteuer-Tourismus richtig brummt. Offensichtlich haben Helden alle klare Vorstellungen, warum sie ins Dunkel hinabsteigen und sich dort ihre strahlenden Rüstungen mit Spinnenweben, Staub und Feuchtigkeit versauen; ihre Gedanken kreisen ständig um feste Bedürfnisse. Die sind als Symbole über ihren Köpfen sichtbar: Schätze, Kämpfe gegen Monster, Wissen oder Ausrüstung. Wobei viele der zehn verschiedenen Heldenklassen unverschämterweise mehrere Forderungen gleichzeitig stellen! Erfüllen muss ich sie trotzdem, sonst nage ich bald an Spinnennetzen statt an Schätzen.

Gold und Seelen

Zunächst funktioniere ich meine Räume um: Zur Bibliothek, zur Schatz- oder Rüstungskammer. Mit 50 verschiedenen Einrichtungsgegenständen verändere ich den Nutzwert der Lockgebiete: Je mehr Helden mit einem Gegenstand interagieren können – etwa einer besonders tollen, aufgestellten Eisenrüstung im Waffenarsenal, desto interessanter wird mein Dungeon für sie. Je mehr Bücherregale in der Bibliothek vorhanden sind, desto stärker können sie ihren Wissensdurst befriedigen. Und mit steigender Effizienz schleuse ich die Kämpfer im Schnelldurchlauf durch meinen unterirdischen Abenteuerspielplatz.

Dungeons - Der Gamescom-Geheimtipp – Deutsche basteln an Dungeon Keeper 3

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 27/311/31
15 Monstertypen stehen uns insgesamt zur Verfügung. Wie die Untoten zum Beispiel.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Belohnungen für meine Gestaltungskünste streiche ich bei „Dungeons“ in Form von zwei unterschiedlichen Ressourcen ein: Gold und Seelenergie. Gold bekomme ich als einmalige Beute von aus dem persönlichen Eigentum der Möchtegern-Heroen. Mit ihrer Seelenenergie kann ich dagegen dauerhaft mein Dungeon ausbauen – vorausgesetzt, ich habe ein Gefängnis für das lästige, aber ertragreiche Heldenpack. Auch Folterkammern sind natürlich ein nützliches Instrument. Es ist so befriedigend, böse zu sein!

Bösartig, anders, gut: Dungeons macht da weiter, wo Horny & Co. begraben wurden. Ich erwarte Großes.Ausblick lesen

Um meine neuen Besitztümer besser zu verteidigen, baue ich im Verlauf der Missionen Spawnpunkte für Monster. Dann muss ich mich nicht mehr selbst gegen jeden Eindringling antreten und kann andere Geschäfte erledigen. Logisch, dass in den drei Ebenen - Katabomben, Tempel und Hölle - nicht die gleichen Kreaturen hausen. So stehen mir exakt 15 verschiedene Monster im Laufe des Spiels zur Verfügung.

Sofort sympathisch: „Slime“, eine digitale, wehrhafte Version des seifigen Grünschleims vom Kiosk. Die wird in einem Level sogar per Spezialkanone an die Oberfläche geschossen, um die verweichlichten Lichtduscher dort meine Macht spüren zu lassen.

Morbide Raumausstatter gesucht

Während die mir ergebenen Monster die Helden noch beschäftigen, mache ich mich mit den bislang verdienten Ressourcen an die Veredelung meines neuen Zuhauses. Ein Kerzenleuchter hier, ein Folterinstrument dort und ein Käfig mit stilechten menschlichen Überresten daneben – schon steigt mein Prestige. Als morbider Raumausstatter kann ich nämlich auch die persönlichen Werte meines Dungeon Lord verbessern. So gibt es immer wieder Mini-Aufgaben, die mir Punkte für die Verbesserung meiner Werte in Kampf-, Verteidigungs- oder Baufähigkeiten verschaffen.

Dungeons - Der Gamescom-Geheimtipp – Deutsche basteln an Dungeon Keeper 3

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 27/311/31
Dreckiges Heldenpack - das verschmutzt uns sicher nicht den hübschen Dungeon.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Dungeon Lord ist die entscheidende Figur im Spiel. Stirbt mein Alter Ego, habe ich verloren. Allerdings gilt das auch für die Konkurrenz. Ist der Gegner unvorsichtig und sein Charakter stirbt, erobere ich dessen Anlagen im Handstreich. Neben den angekündigten „vielfältigen Missionen“ kann man auch im Sandbox-Modus spielen, wo Prestige wohl die einzige Siegbedingung sein wird.

Einen Mehrspielermodus wird es leider nicht geben. Aber die Entwickler wollen nach der Veröffentlichung einen Leveleditor nachschieben, damit Dungeonfreaks wie ich nach den 20 mitgelieferten Karten der Einzelspielerkampagne nicht wieder jahrelang auf Beschäftigung warten müssen.