Dungeon Siege 2 (PC-Test)
von Nedzad Hurabasic

Als das Rollenspiel Dungeon Siege vor drei Jahren veröffentlicht wurde erntete es fast durchweg gute Kritiken. Allerdings wurde oft bemängelt, dass die Story zu flach sei und die Charakterentwicklung zu wünschen übrig ließ. Nun ist mit

Dungeon Siege 2 (DS 2) die langerwartete Fortsetzung fertig gestellt worden und viele sind gespannt, ob das Spiel den heutigen Ansprüchen gerecht wird. Ob es Entwickler Gas Powered Games geschafft hat, die Schwachpunkte auszumerzen und aus einem guten ein sehr gutes Spiel zu machen, klärt dieser Artikel.

Dungeon Siege 2 - E3 Trailer2 weitere Videos

Am Anfang waren Schwert und Schild, so die Legende, die als Grundlage für die Fantasie-Geschichte des RPGs dient. In ferner Urzeit prallten diese mächtigen Gegenstände aufeinander und lösten eine Apokalypse aus, die die Zivilisation zerstörte.

Nun trachtet der finstere Herrscher Valdis danach, diese Artefakte in seinen Besitz zu bringen und sich die Welt Untertan zu machen. Und natürlich kann ihn keiner aufhalten - es sei denn der Held, den der Spieler steuert, hindert ihn daran.

Als Gamer steuert man bei DS 2 aber nicht nur eine Spielfigur, sondern bis zu sechs. Die Hauptfigur dient aber als Identifikationsfigur und daher steht vor der Spielfreude erst einmal die Arbeit: Die Erstellung eines Spielcharakters, die sehr simpel gehalten ist. RPG-Profis werden schon an dieser Stelle die Nase rümpfen, lassen sich doch nur sehr wenige Einstellungen den eigenen Vorstellungen anpassen. Charakterwerte lassen sich ebenso wenig manipulieren wie eine detaillierte Klassenauswahl existiert.

Insgesamt gibt es lediglich vier verschiedene Klassen: Zu den Fantasy-üblichen Völkern Mensch, Elbe und Halbriese gesellen sich noch Dryaden, die eine bestimmende Rolle im Spielgeschehen einnehmen. Falsch machen kann man hier eigentlich nichts.

Im Gegenteil, mit wenigen Mausklicks sind die notwendigen Parameter bestätigt und schon kanns losgehen. Von den drei Schwierigkeitsgraden lässt sich allerdings nur der einfachste (Söldner) auswählen. "Veteran" und "Elite" sind erst verfügbar, nachdem das Spiel auf der jeweils vorherigen Spielstufe bewältigt wurde. Kaum ist das Intro vorbei, verschlägt es den Helden schon auf seine erste Mission.

Die erste Quest besteht aus einem kleinem Tutorial, das mit einer Prise Humor in die wichtigsten Steuerungselemente des Spiels einführt. Die ist aber ohnehin so einfach gehalten, dass selbst Anfänger keine Probleme damit haben dürften. Eine Hand voll Tasten genügen, um den eigenen Charakter

Dungeon Siege 2 - Einfach gut oder gut und einfach?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 69/791/79
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

und die später hinzukommenden Spielfiguren zu beherrschen. Schon nach kurzer Zeit bieten sich die ersten weiteren potenziellen Gruppenmitgliedern dazu an, mitzureisen. Bei der Auswahl der Begleiter sollte selbstverständlich darauf geachtet werden, eine gesunde Mischung der verschiedenen Klassen herzustellen. Abgesehen von Nahkämpfern stehen Fernkämpfern, Kampfmagier und Naturmagier zur Verfügung.

Packshot zu Dungeon Siege 2Dungeon Siege 2Release: PC: 3. Quartal 2005 kaufen: Jetzt kaufen:

Das macht die Kombinationsmöglichkeiten natürlich überschaubar. Da auf der ersten Schwierigkeitsstufe lediglich vier Slots für Charaktere offen stehen (mit jeder Stufe gibt es einen Platz dazu),
bietet es sich an, von jeder "Sorte" einen auszuwählen. Bevor weitere Gruppenmitglieder rekrutiert werden können, müssen die Plätze dafür jedoch in der Schenke gekauft werden. Deshalb zieht man zunächst auch als Dynamic Duo ins Abenteuer und versucht das nötige Kleingeld für weitere Mitstreiter zu verdienen.

Im typischen Rollenspiel-Stil geht es natürlich auch darum, durch das Besiegen von allerlei Feinden nicht nur die Urlaubskasse zu füllen, sondern auch den eigenen Spielcharakter stetig zu verbessern und mit besseren Gegenständen auszustatten. Bei DS 2 fällt nichts davon schwer. Gegenstände erbeutet man in Hülle und Fülle, das Inventory quillt förmlich über vor mehr oder weniger nützlichen Dingen. Obwohl es verschiedene Qualitätsklassen gibt, lassen geschlagene Gegner regelmäßig auch als besonders gute, als "einzigartig" eingestufte Gegenstände fallen.

Die damit einhergehende Inflation an guten Gegenständen schadet zwar keinem, trübt aber ein wenig die Jagdfreude. Dabei scheint es, als könne beeinflusst werden, welcher Art die in Kisten gefundenen Gegenstände sind. Je nach Klasse, mit der sie geöffnet werden, gibt es als Belohnung Waffen, Rüstungen und Zaubersprüche für Nahkämpfer oder Zauberer. Funktioniert nicht immer, aber oft.

Die Navigation in der Fantasy-Welt fällt ebenso leicht. Mit einem Klick auf eine bestimmte Position wird die Gruppe angewiesen, dorthin zu laufen. Eine Minimap gibt dabei durch farbliche Markierungen Aufschluss darüber, ob sich Feinde, Freunde oder gar spezielle bzw. geheime Zugänge in dem erfassten Gebiet befinden und welche Wege eingeschlagen werden können. Quasi idiotensicher, so kann niemand geheime Räume oder Verließe verpassen.

Nur selten gibt es einige versteckte Höhlen, die nicht auf der Map verzeichnet sind. Zum Ausgleich sind diese dann nicht allzu sehr versteckt. Mit fortschreitender Spieldauersorgen allerdings häufiger Überfälle aus dem Hinterhalt für die eine oder andere Überraschung. Dabei sollte sich keiner darauf verlassen, dass in Gegenden, in denen schon alle Monster ausgerottet wurden, Frieden herrscht. Schon nach relativ kurzer Zeit kehrt das Böse an diesen Ort zurück: Feinde "respawnen" also nach einiger Zeit. Bis auf einige wenige Line of Sight-Probleme funktioniert die Steuerung der Gruppe tadellos. Ärgerlich ist nur manchmal, dass beim Besteigen von Fahrstühlen einige Gruppenmitglieder zurückbleiben, weil sie nicht ideal auf der Plattform positioniert sind.

DS 2 spielt sich ansonsten sehr flüssig, aber auch ziemlich linear. Mithilfe eines Auftragsbuches behält der Spieler stets den Überblick über die Quests, die natürlich von diversen NPCs vergeben werden. Die entsprechenden Spielfiguren sind mit verschiedenen farblichen Symbolen (Konversationssymbole) über ihren Köpfen gekennzeichnet, sodass auf den ersten Blick erkennbar ist, ob sie eine Haupt- oder Nebenquest undSpielinformationen vorhalten oder lediglich auf Gruppensuche sind. Wer zu faul ist die Beschreibung der Missionen zu lesen, kann auch einfach auf dem Kompass nachgucken, dort ist das nächste Ziel mit einem Pfeil markiert. Um eine Quest zu übersehen müsste man als Spieler schon mit Scheuklappen durch die Gegend laufen. So führt einen das Spiel von einer Aufgabe zur nächsten, lediglich Sekundärmissionen müssen gelegentlich auf eigene Faust erforscht werden. Auf dem Weg zum Zielort stellen sich den Helden erwartungsgemäß Horden von leider nicht allzu intelligent agierenden Feinden entgegen.

Den Gruppenmitgliedern können im Groben lediglich zwei Handlungsanweisungen gegeben werden: Folge dem Gruppenleiter (und greife folglich dasselbe Ziel an) oder greife alles an, was in deine Reichweite kommt. Erstes bewährt sich vor allem im Kampf gegen Bossgegner. Letzteres kann zu chaotischen Verhältnissen führen, wenn im Tohuwabohu des Kampfes kaum noch zu erkennen ist, wer Freund und wer Feind ist. Den Gruppenleiter kontrolliert man dabei selbst, mit der rechten Maustaste wird der Befehl zum Angriff auf ein bestimmtes Ziel gegeben, um den Kampf weiterzuführen, muss jedoch die Taste solange gedrückt gehalten werden, bis der Kampf vorüber ist. Wer zwischendurch den nächsten Schritt überlegen möchte oder die Ausrüstung seines Helden austauschen will, kann übrigens jederzeit die Pausentaste drücken. Die KI-Kameraden agieren übrigens im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbstständig und kämpfen bis ihnen das Mana ausgeht oder sie
bewusstlos geschlagen werden. Damit das nicht geschieht, gibt es die praktische Möglichkeit, die Figuren mithilfe zweier Tasten Heil- respektive Manatränke zu sich nehmen zu lassen. Dabei trinken sie immer nur soviel, wie sie benötigen. Außerdem ist es egal, in wessen Inventar sich die Tränke, die sich leider nicht stapeln lassen, befinden. Sobald eine Spielfigur aus der Bewusstlosigkeit erwacht, geht es weiter, als wäre nichts geschehen.

Nahkämpfer werden sich meist blindlings in den Kampf stürzen und sind daher als Hauptfigur bzw. als Gruppenleiter empfehlenswert. Bei zaubernden Charakteren lassen sich verschiedene Voreinstellungen treffen, die ihre Aktionen im Kampf beeinflussen. Zwar ist es auch möglich Hybriden, also eine Mischung verschiedener Klassen zu "züchten", damit erhält man aber nicht die Eierlegende Wollmilchsau sondern einen "alles aber nichts richtig-Könner".

Von daher sollte jede Spielfigur die einmal eingeschlagene Richtung strikt weiterverfolgen, wenn das Optimum erreicht werden soll. Jeder Charakter verfügt über ein Zauberbuch, das jedoch leider nur sehr beschränkt aufnahmefähig ist und die Spieltiefe doch arg einschränkt. Es bietet Platz für vier aktive Zauber, die in der Taskleiste des Helden auftauchen und dort aufgerufen werden können. Darüber hinaus gibt es zwei Slots für automatische Zaubersprüche. Diese werden z. B. bei Naturmagiern idealerweise mit Heilsprüchen belegt. Sobald ein Charakter Heilung benötigt, wird der Zauberer diesen Spruch einsetzen - sofern genügend Mana vorhanden ist. Außerdem gibt es noch vier - überflüssige - Reservezauber. Sie ersparen lediglich vier Plätze im Inventar und müssen auf aktive oder automatische Plätze verschoben werden, um zum Einsatz zu kommen. An der Stelle sind sie jedoch völlig nutzlos.

Darüber hinaus verfügt jeder Charakter noch über so genannte Künste, das sind Spezialfähigkeiten, die besonders mächtig sind, und den vielfachen Schaden eines normalen Zaubers oder Hiebs verursachen. Künste sind jedoch nicht ständig einsetzbar und benötigen eine gewisse Zeit, bis sie wieder aufgeladen sind. Abhängig in ihrer Wirkung sind die Künste davon, wie der Charakter "geskillt" wurde. Je nachdem, ob man seinen Lieblingshelden wirklich nur in einer Profession antreten lässt, verbessert er sich stetig in der von ihm am häufigsten eingesetzten Klasse.

Für jeden Levelaufstieg können dementsprechend Punkte in den Skilltree der Spielfiguren investiert werden und ihre Spezialisierung weiter verfeinern. Nahkämpfer können sich beispielweise auf einhändig, zweihändig oder beidhändig spezialisieren und kassieren dafür Schadensboni. Äquivalentes gilt für alle anderen Klassen. Der maximale Level liegt übrigens bei 100, der jedoch nur auf der Stufe Elite erreichbar ist. Wer möchte, kann statt Spielcharakteren auch Schoßtiere in seine Gruppe einladen.

Diese können bei Händlern erworben werden und beherrschen nur eine Art von Angriffsfähigkeiten, diese sind dafür aber auch vergleichsweise stark. Ihre Ausrichtung kann jedoch dadurch manipuliert werden, womit sie gefüttert werden. Als Nahrung dient alles, was unterwegs eingesammelt wird. Je nachdem, was ihnen in den Schlund geworfen wird, erhalten sie mit jedem Aufstieg zusätzliche Attribute. So dienen sie oft genug als Müllschlucker, wenn das Inventar mal wieder prall gefüllt ist und wieder Platz benötigt wird. Praktisch, aber nicht wirklich spannend.

Letztendlich spielt der Faktor Geld (=Gold) in dem Spiel eigentlich fast keine Rolle. Dabei häuft man mit fortschreitender Spieldauer ein Vermögen an, das gar nicht benötigt wird. Gegenstände gibt es mehr als genug, das Verzaubern von Items kostet zwar auch Geld, braucht aber auch keiner und ist daher ein nutzloses Feature. Die Grafik des Spiels ist zeitgemäß und lässt das richtige Feeling aufkommen. Egal wo sich das Geschehen abspielt, die Darstellung ist der Situation jederzeit angemessen. Ob in karg beleuchteten, verstaubten Kerkern, in brütendheißen Wüsten oder Urwäldern - die Atmosphäre stimmt.

Zwar wirken die Figuren aus allernächster Nähe betrachtet ein wenig unscharf und pixelig, doch sonst lässt sich kaum etwas daran aussetzen. Die Kampfeffekte sind nett, aber nicht überragend. Zu häufig wiederholen sich aufgrund der beschränkten Anzahl von Fähigkeiten die meisten Zaubersprüche und dementsprechend hält sich auch die Vielfalt der Effekte im engen Rahmen. Unterstützt wird dies durch einen dezenten Soundtrack, der jedoch immer dann präsent ist, wenn die Story es erfordert. Allerdings hätte die Vertonung der Charaktere ein wenig spannender sein können, teilweise wirken die Dialoge zu langweilig. Wem das auf den Senkel geht, kann sie jederzeit aus und auch wieder einschalten.Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ kinderleichte Steuerung + einfaches Kampfsystem + gute Story

Contra:

- zu lineares Gameplay - zu flache Charakterentwicklung - zu geringe SpieltiefePro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ kinderleichte Steuerung + einfaches Kampfsystem + gute Story

Contra:

- zu lineares Gameplay - zu flache Charakterentwicklung - zu geringe Spieltiefe