Nostalgie – kein anderes Wort wird häufiger in die internationalen Texteditoren gejagt, wenn mal wieder der Reboot einer alten Spiellizenz im virtuellen Laufwerk rotiert. „Nostalgie“ umschreibt gemeinhin das Gefühl, das man als eine graubunte Mischung aus Spielspaß im Jetzt und der Erinnerung an die ach so gute, alte Zeit beschreiben könnte. Der neuste Reboot von Dungeon Keeper straft all diese emotionalen Memmen Lüge und zeigt, was Nostalgie WIRKLICH bedeutet.

Dungeon Keeper. Wer 1997 dieses Spiel sein eigen nennen durfte, gehörte automatisch zu den coolen 5% der Stadt, durfte seine Milchtüte ohne anzustehen in der Schulcafeteria abholen und hatte jeden Tag die halbe Nachbarschaft in seinem Zimmer vor dem PC sitzen. Nun hat Electronic Arts den Reboot des Originals für mobile Endgeräte auf die Menge losgelassen und um mein Fazit vorwegzunehmen: Das war nix.

Dungeon Keeper - Smells like Lizenzmurks

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 6/81/8
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dabei ist das Spielprinzip so vielversprechend, heute wie vor 17 Jahren. Ihr seid der Herrscher über euren eigenen Dungeon, den ihr nach Belieben ausbauen und erweitern dürft. Regelmäßig klopfen edle Ritter und Helden an eurer Haustür und wollen euch die hartverdienten Schätze abnehmen.

Indem ihr die Gänge und Kammern eures unterirdischen Verließes mit einer Vielzahl an Monstern und Fallen spickt, hindert ihr die Eindringlinge daran, bis zu euren Kronjuwelen vorzustoßen und erhaltet im Gegensatz neuen, wertvollen Loot nach dem Ableben der Abenteurer.

Ist mal kein heiliger Kreuzzug gegen den eigenen Dungeon geplant, kann eine kleine Invasion des benachbarten Höhlensystems für Abwechslung und neue Reichtümer sorgen, die ihr dann wiederum in den Ausbruch eures eigenen Dungeons stecken könnt. So simpel, so genial.

Dann kam Anfang diesen Jahres EA vorbei und schlug uns mit dem Nostalgie-Hammer auf den Kopf. Nein, nicht diese Art der Nostalgie, die uns grinsend und schmachtend auf den Monitor starren lässt, nein nein nein. Electronic Arts hat uns dieses Jahr erinnert, woher das Wort eigentlich kommt.

Packshot zu Dungeon KeeperDungeon KeeperErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wikipedia-Modus an: „Nostalgie“ kommt aus dem griechischen und setzt sich aus den Wörtern „nóstos“ (Rückkehr) und „álgos“ (Schmerz) zusammen. Nostalgie bedeutet also nichts anderes als „eine schmerzvolle Rückkehr“ - und genau das erleben wir mit dem Smartphone-Ei Dungeon Keeper.

Ein Geschäftsmodell sie zu knechten

Dabei beginnt alles zunächst recht vielversprechend. App-Store Rezensionen stimmen uns auf eine offensichtlich gelungene Hommage an das Originalspiel ein: „I love it, now I am addicted“ und „Pretty much like the computer based version but now I can play on my iPhone“ heißt es da. Gut, gut.

Uff! Der frühere Herrscher über die Unterwelt ist nun selbst in der Free-to-Play-Vorhölle gelandet.Fazit lesen

Das Tutorial beginnt vielversprechend, der so wichtige erste Eindruck stimmt: Die Grafik ist ansprechend, auch wenn alles etwas süßer und niedlicher aussieht, als ich es vom Original in Erinnerung hatte. Der spitzgehörnte Teufel, der als Aushängeschild für Dungeon Keeper so wichtig ist wie der Pyramidhead für Silent Hill, führt mit spitzen Bemerkungen durch das anschauliche Tutorium und sorgt dafür, dass der Spieler nicht spontan in dem Meer an Schaltflächen und Möglichkeiten ertrinkt.

Dungeon Keeper - Smells like Lizenzmurks

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 6/81/8
Rein optisch macht der Handyableger zunächst einen ordentlichen Eindruck
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mit einem Stirnrunzeln bemerken wir eine neue Texttafel, die uns auf der Zielgeraden des Tutorials zwischen die Beine geschmissen wird:

„Occasionally, tasks may test your patience, but who says money can't buy time?
I have quite the polarizing solution to make that timer disappear.“

Sinngemäß wird uns hier das verführerische Angebot gemacht, die Wartezeit auf die Fertigstellung unserer neuen Räume und Gebäude, maßgeblich zu verkürzen. Dies gelingt über grüne Kristalle, die man gegen Echtgeld freischalten kann.

Die Maske des Free-to-Play-Spiels ist gefallen und endlich wird uns mehr oder weniger klar gesagt: Wenn der holde Spieler nicht auf seine Gebäude warten will, so öffne er seinen Geldbeutel gar breit.
Immerhin bleibt uns die Hoffnung, dass das Spiel auch ohne Einsatz monetärer Hilfsmittel ins Land des Spielglücks und tanzender Mundwinkel führen wird.

Aber nö. Tuts nicht.

Schon nach kurzer Zeit wird die natürliche Spielgeschwindigkeit so unbarmherzig gebremst, das simpelste Aufträge wie das Graben einer einfachen Grube weit über 20 Stunden dauert. Zwanzig Stunden. Z W A N Z I G. Damit schießt sich der Reboot von Dungeon Keeper selbst ins Aus und kann das Suchtpotential, dass die alten Mechanismen noch heute bieten, nicht ausschöpfen.