Elvis lebt! Als die Mail in mein Postfach geflattert kam, war es, als gäbe sie bekannt, der King of Rock'n Roll persönlich wäre zurück und hätte ein neues Album eingespielt: Duke Nukem Forever! Lebt. Wartet auf mich. Spielbar. Hail to the King, Baby! Auf nach München...

Als Randy Pitchford, Chef von Gearbox, mich auf der Münchener Präsentation begrüßt, ist er ganz aus dem Häuschen: „Hey, du wirst heute Duke Nukem Forever spielen!“, und fasst damit die eigentlich Sensation des Events in einem knappen Satz zusammen. Ja, Duke Nukem Forever erscheint. Und ist so weit in der Entwicklung vorangeschritten, dass wir es tatsächlich selber spielen dürfen.

Duke Nukem Forever - Angespielt! Der King rockt und rollt

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Brüllor hatte viel vor. Bis ihm der Duke über den Weg lief.
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Die anfängliche Skepsis war damit weggepustet. Noch nie zuvor war ich auf eine Pressepräsentation gereist mit der Erwartung: „Ich glaube es erst, wenn ich es sehe.“ Aber ich kam, sah und triumphierte. Er war da, der Duke, und er wollte mit mir spielen.

Wenngleich auch nicht phänomenal lange. Etwa zehn Minuten dauerte die spielbare Demo. Hätte ich mir nicht so viel Zeit gelassen, mich umzusehen, auszuprobieren, die kleinen Gimmicks herauszufinden, ich wäre vermutlich noch schneller durch gewesen. Zumal das Spielbare sich nicht von denjenigen Szenen unterschied, die andernorts bereits gezeigt wurden.

Es beginnt, wo andere Spiele... niemals hinfinden. Auf dem Klo. Per rechtem Trigger lässt der Duke Wasser, per X davon ab und widmet sich wichtigeren Dingen: Welt retten und so. Klar: Der Duke ist zurück, und mit ihm der derbe Humor, immer gezielt eine Haaresbreite unter die Gürtellinie, wie es ihn berühmt gemacht hat.

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Es hätte alles so... äh... schön werden können...
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Die Erde bebt, wir sind unter ihr, in der Umkleidekabine des Football-Stadions, wie wir es als letzten Level des Vorgängers noch gut in Erinnerung haben. Auch die folgende Szene: bereits bekannt. Ein Trupp SWATs wird gebrieft für die finale Konfrontation. Mit Kreide und Razzefummel dürfen wir die Einsatzpläne spaßeshalber „verbessern“, mit Strichmännchen, Leroy, was uns gerade einfällt. Egal, was es ist, unser Teammitglied kommentiert in jedem Fall: „Du bist ein verdammtes Genie, Duke. Genau das hat dem Plan noch gefehlt.“ Spaß ist eben, was ihr draus macht, erst recht in einem Duke-Nukem-Spiel.

Der Duke ist und bleibt der King, Baby! Davon bin ich jetzt überzeugt.Ausblick lesen

Machen kann man noch so einiges: erst noch mal aufs Klo, wenn die Blase drückt, oder andere Spielereien, müssen muss man aber nicht. Müssen tun wir eher die Welt retten. Und das geschieht mittels Granatwerfer, wie wir es in Duke Nukem 3D schon getan haben, damals vor 12 Jahren, heute gewissermaßen als HD, denn 3-D kennt man schon. Der finale Kick übers Tor, der damals noch als 2-D-Zwischensequenz zu bestaunen war, darf diesmal per Quicktime-Event selbst initiiert werden.

Vom Mythos zum Treppenwitz der Spielehistorie

Auch die folgende Szene ist schon bekannt, vermutlich seit das erste Video zu Duke Nukem Forever seinerzeit aufgetaucht ist, nur in hübscherer Grafik jetzt: Der Duke sitzt gemütlich in seinem Sessel, spielt sein eigenes Spiel, aus dem die eben beschriebene Szene stammte. Am unteren Bildrand recken zwei holde Damen die Köpfe, die offensichtlich ebenfalls gerade ihren Spaß mit dem Duke hatten.

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Er lebt! Und rockt! Und hat einen Titelbildschirm!
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„War es gut“, fragen sie. „Verdammt noch mal, nach ganzen zwölf Jahren sollte es das wirklich sein“, antwortet der selbstironisch. Und bringt die Frage auf den Punkt: Kann ein im Grunde zwölf Jahre altes Spiel tatsächlich heute noch mit den Call of Dutys und Half-Lifes der Gegenwart mithalten? Die kurze Antwort: Wissen wir auch nicht. Die Gegenfrage: Muss es das überhaupt?

Das Problem ist vermutlich, dass Duke Nukem Forever ab einem gewissen Zeitpunkt kein Spiel mehr war, sondern ein Mythos, nicht mehr der Nachfolger eines irgendwann einmal ganz passablen Shooters, sondern etwas wie der Heilige Gral der Spielelandschaft, der eben deswegen einen beinahe sakralen Status erreichte, weil er niemals irgendwo aufgetaucht ist.

Das Spiel, das die When-it's-done-Floskel wie eine Predigt und gleichermaßen Treppenwitz der Spielehistorie pflegte. Ein Mythos, der irgendwo zwischen Heilsversprechen und Lächerlichkeit changierte, der schlussendlich zu einem Epos des endlosen Scheiterns wurde. Und wieder werden könnte? Ich glaube nicht. Doch zunächst spiele ich weiter.

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Monster in verschworener Gemeinschaft. Putzig.
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Nach der Einführung springt die Demo in den 15. Level. Wir befinden uns inmitten der Wüste, auf dem Weg zur Mine. Die Mine, deren Bergarbeiter bereits auf den allerersten Screenshots zu sehen war und im Laufe der Entwicklung immer wieder in neuen Engine-Gewändern von sich kündete.

Ich fahre Buggy, weiche rollenden Felsbrocken aus. Kurz darauf ist der Sprit alle, ich, nein, der Duke, muss zu Fuß weiter. Die altbekannten Schweine-Aliens stellen sich mir in den Weg. Ich puste sie um mit dem Waffenarsenal, wie es Duke Nukem 3D und seine Weggefährten seinerzeit zum Standardarsenal dieser Art Spiele erklärten: Pistole, Gatling-Gun, Schrotflinte, Sniper-Rifle. Auch die Schrumpfkanone ist wieder mit dabei. Ein stationäres Geschütz darf ich auch bedienen, einen Alien-Hubschrauber aufs Korn nehmen.

Schwein gehabt

„Hail to the King, Baby!“, darf der Duke einmal sagen, andere coole Sprüche folgen, die Schweine explodieren effektgeladen und blutig. Zynisch, cool, zum Lachen und Krawallmachen, dafür lieben wir den Duke. Was damals funktionierte, fetzt auch heute noch überraschend gut. Es ist wie bei einem guten Wein: der wird auch nicht zwangsweise mit der Zeit sauer.

Und noch ein bekannter Spruch aus dem Duke-Arsenal fällt heute des Öfteren: „When it's done“. Randy Pitchford zum Beispiel sagt ihn. In jedem Fall aber 2011, heißt es hinter vorgehaltener Hand im Nebensatz danach. Ich glaube ihm mal. Mehr Zeit darf sich selbst ein Duke nicht mehr lassen.

Dass sich ausgerechnet Randy und seine Gearbox-Mannen des Dukes annehmen dürfen, kommt nicht von ungefähr. Der Chef des Borderlands-Studios begann seine Laufbahn in der Spieleindustrie seinerzeit als blutjunger Spieldesigner bei 3D Realms. An Duke Nukem 3D – dem Spiel also, das einst den Mythos zementierte, den Randy heute mit dem Karren aus dem Dreck fahren darf. Eine vermutlich ebenso ehrenvolle wie undankbare Aufgabe.

Duke Nukem Forever - So hätte es ausgesehen: geleaktes Video17 weitere Videos

Die unmittelbare Nachbarschaft zu den mittlerweile pleitegegangenen Kultentwicklern jedenfalls brachte einen jahrelangen nicht nur kreativen Austausch mit sich, sondern sorgte auch dafür, dass ein Großteil der ursprünglichen Entwicklermannschaft mittlerweile per Ausfallschritt ins Lager der finanziell besser situierten Nachpolierer bei Gearbox gewandert sind.

Am Ende arbeiteten bei 3D Realms „nur“ noch 30 Personen an der Rückkehr des Duke, bei Gearbox seien derzeit etwa doppelt so viele am Feinschliff beschäftigt und damit, den Sack endlich zuzuschnüren. Hoffen wir nur, dass keine Katze drin ist...