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Zeitmaschinen sind eine tolle Sache. Leider hat sie bisher noch niemand erfunden - dennoch werden wir in den nächsten Wochen ab und an eine Reise in der gamona Zeitmaschine wagen. Heute verschlägt es uns ins Jahr 2027 - zu einem Rendez-Vous mit dem Duke...

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: 1997 zum ersten Mal angekündigt, avanciert das zweite Abenteuer des "Duke" in 3D schnell zum brancheninternen Running Gag. Unendliche Verschiebungen, Gerüchte und Geheimniskrämerei begleiten die Entwicklung seither. Tatsächliche Informationen oder gar Ingame-Material bleiben jedoch über Jahre aus.

Bei 3D-Realms, die sich vor kurzem in "When it's done Entertainment" umgetauft haben, scheint man in ein vorübergehendes Wachkoma gefallen zu sein. Heute, fast pünktlich zum dreißigsten Geburtstag der Ankündigung, steht das Spiel nun doch endlich in den Läden.

Während Manche noch immer an einen verspäteten Aprilscherz denken oder eine perfide Marketing-Strategie, mit der lediglich der neueste "Autobahnraser" in falscher Verpackung unter die Leute gebracht werden soll, weiß die gamona-Redaktion längst mehr. Wir haben mit dem Duke bereits ausführlich Probe gemetzelt und klären, warum sich das Warten tatsächlich gelohnt hat.

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Was lange währt, wird endlich…

2010 kommt die Hiobsbotschaft für all jene, die noch mit einer Veröffentlichung vor der dritten Jahrtausendwende gerechnet hatten: Publisher Take 2 platzt der Kragen und entlässt George Broussards Schneckentruppe 3D Realms. Mit den Entwicklern der Stalker-Reihe GSC Gameworld glaubt man den großen Coup gelandet zu haben - und greift erneut daneben. Das Projekt verschiebt sich wieder. Auf Nachfragen beteuert man unentwegt, man wäre quasi fertig, es fehlen lediglich etwas Feinschliff…und die ersten 12 Level.

Duke Nukem Forever - Wir schreiben das Jahr 2027: Die gamona Zeitmaschine verrät, ob der Duke die Zukunft rockt.

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Raketenstarke Effekte: Die Engine vollbringt Unglaubliches.
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Weitere sechs Jahre vergehen, bis auf der G3, der frisch umgetauften Spielemesse in Leipzig, der erste Trailer zu sehen ist - eine maßlose Enttäuschung. Um einer Indizierung in konservativeren europäischen Gefilden aus dem Weg zu gehen, haben die russischen Entwickler sich für ein gewaltfreies Konzept entschieden und ändern den Titel in "Luke Love'em: Warrior of Peace". Das Resümee von Presse und Fans ist vernichtend - einige besonders schadenfrohe Journalisten benennen das Spiel bereits in "Duke Nukem Whenever" um.

Take 2 schmeißt endgültig hin und gibt das hoffnungslose Projekt zum Verkauf frei. Ein gefundenes Fressen für Vivendi. Nachdem diese sich aus den World of Warcraft-Erlösen bereits die Rechte an Coca Cola, Microsoft und der Mondoberfläche gesichert haben, verleibt sich der stinkrei…gut betuchte Publisher 2020 auch den Duke ein. Da Erfolg aber auch Übermut mit sich bringt, vergab man das Projekt erneut an 3D-Realms. Die geloben Besserung und haben jetzt, weitere sieben Jahre später ihren eigenen Rekord knapp unterboten. Respekt!

Packshot zu Duke Nukem ForeverDuke Nukem ForeverErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Schriftstellerische Großtaten

Natürlich war der größte Pluspunkt der Duke Nukem-Reihe seit jeher die bis ins kleinste Detail ausgefeilte Hintergrundgeschichte. Auch für Duke Forever haben sich die Storyschreiber wieder richtig ins Zeug gelegt: Der mysteriöse Dr.Y (sprich: Üps-silon) will die Welt unterjochen. Mit seinem Rudel mutierter Affen, fliegender Nacktschnecken und mexikanischer Glotzfrösche plant er die Ozonschicht wegzuatmen, um die Menschheit den todbringenden Strahlen der Sonne auszusetzen.

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Die Polizei warnt: Drogen machen eckige Gesichter.
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Das kann der Duke natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Bewaffnet bis an die Zähne und ausgestattet mit einen ganzen Arsenal derber Sprüche macht sich der coole Muskelmann auf, dem unheiligen Treiben Einhalt zu gebieten. Man sieht also: Das metaphysisch hochkomplexe Narrationsgefüge des Erzählstrangs birgt systemkritischen Thesen auf der einen und wahllose Ballerei auf der anderen Seite - und kann so beinahe als instrumentalistischer Konstruktivismus verstanden werden. Übrigens: Aus streng geheimen Quellen haben wir erfahren, dass auch Starautor Tom Clancy an der Geschichte mitgeschrieben hat. Für genügend Realismus und Insiderdetails ist also gesorgt.

Die Reise beginnt in Manhattan, wo die Angriffe der Tiermutanten am Schlimmsten wüten. Von hier aus schlagt ihr euch durch etwa 20 actiongeladene Missionen, in denen ihr so vielschichtige Aufträge zu erledigen habt wie "Töte alles" oder gerne auch mal "Töte jeden". Die Settings kennen Veteranen bereits aus dem Vorgänger: Ob in anrüchigen Schmuddelvideotheken, Nacktbars oder Pornokinos - der Duke legt alles in Schutt und Asche.

Gewalt ist (k)eine Lösung

Dass es dabei wenig zimperlich zugeht, versteht sich von selbst: Frei nach dem Motto "Mord ist Sport" ballert sich Duke wie von Sinnen durch die Gegnerhorden. Da spritzt und splattert es, dass es nur so eine Freude ist - abgetrennte Gliedmaßen, Gedärm und Schleim überall. Die amerikanische Version bietet zudem einen speziellen "Violence"-Modus, bei dem es pausenlos Blut vom Himmel regnet. Toll! Dafür wurden sämtliche Nippel im Spiel durch den aus Counterstrike bekannten Blendgranaten-Effekt ersetzt.

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Ahh, ein Stadtmensch. Sie glauben wohl auch, dass der Duke tatsächlich erscheint! Aber Vorrrsicht, das stimmt nicht.
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Ausgefeilte Taktiken braucht es bei all dem glücklicherweise nicht, aus Zeitgründen wurde die Künstliche Intelligenz der Gegner ohnehin weggelassen. Wenn ihr euren linken Zeigefinger also an die Feuertaste bindet oder einen Zementblock auf die Maus legt, reicht das völlig aus. Damit auch Anfänger problemlos den Abspann zu Gesicht bekommen, haben sich die Entwickler ein ganz besonderes System ausgedacht: das so genannte "umgekehrte Auto-Aiming". Egal wohin euer Fadenkreuz auch zeigt, die Gegner springen euch geradewegs in die Schusslinie. So ballert es sich gleich wesentlich unkomplizierter.

Hierzulande müssen die Spieler jedoch gravierende Änderungen in Kauf nehmen: Da die Killerspielreform aus dem Jahre 2012 jegliche Form von Gewalt auf deutschen Bildschirmen (und/oder Leinwänden) verbietet, wird das Bild in sämtlichen Schießereien schwarz eingefärbt und (nach Paragraph 11 Absatz B) ein beruhigendes Kleintier eingeblendet. Leider ist dabei die Wahl auf das Wappentier der Bundesrepublik gefallen: Knut. Wir sagen: Gut so, schließlich hat dieses so genannte Anti-Gore-System schon viele Leben gerettet und den gemeinen Amokläufer fast ausgerottet.

Schlauer sparen mit dem Duke

Das Waffenarsenal besteht größtenteils aus alten Bekannten. Die beliebte Schrumpfkanone ist ebenso mit an Board wie die spaßigen Rohr- und Laserbomben. Treten darf man jedoch nicht mehr: "Das verstößt gegen die Würde des Monsters", so einer der Entwickler. Die aus dem Vorgänger bekannten Steroide fehlen ebenfalls.

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Spaghetti Frutti di Mare - mal anders.
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Wir erinnern uns: Nach der Tour de France 2008, bei der vom Sportler bis zum Fernsehreporter jeder gedopt war, wurde ein weltweites Betäubungsmittel-verbot eingeführt, das jegliche Form von stimulierenden Substanzen verbietet. Seither sind Kaffee, Cola, Steroide und Pornomagazine strengstens verboten (vor allem für die gamona-Redaktion ein harter Schlag).

Tolle Idee: Duke Nukem Forever ist völlig kostenlos. Nicht so tolle Idee: Bestimmte Spielinhalte gibt's nur gegen Bezahlung. Heißt im Klartext: Hat man einmal seine Munition verballert, ist Schluss mit lustig. Ist das Magazin nämlich leer, muss jede weitere Patrone im Vivendi Onlineshop nachgekauft werden - zum Schnäppchenpreis von einem Euro pro Kugel. Auch das Leveldesign wird nur zur Hälfte mit dem Spiel ausgeliefert. Wer nicht kurz vorm Endgegner in ein endloses Loch fallen will, muss für zusätzliche Boden-Texturen löhnen. Vivendi verspricht jedoch, das auf diese Weise gewonnene Geld nicht einfach zu verprassen, sondern für gute Zwecke zu spenden. Jeweils zehn Cent gehen an die Stiftung "Brot in Not".

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Hier im Bild: Stinkefinger of Death
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Zu teuer? Keine Sorge: Mit einem attraktiven Werbeformat könnt ihr euch den Zusatz-Content ganz einfach querfinanzieren. Dann wird das Spiel zwar alle 15 Minuten von einem unschönen Werbeblock unterbrochen und die Gegenstände erhalten seltsame Namen der Werbepartner (das "Brecheisen" wird beispielsweise zum "FlorianSilbereisen"), dafür bleibt euch aber zumindest der Gang zum Schuldenberater erspart.

Rofl, das rockz0rt fett

Für den optimalen Coolness-Grad braucht der Blondschopf unter den Actionhelden natürlich auch das passende grafische Gewand. Mit opulenten Lichteffekten und Shader-Spielereien zaubert die hauseigene "KlickiBunti-Engine" beinahe fotorealistische Landschaften auf euren Bildschirm. Die Gegner sind jedoch in 2D gehalten: "Eine Reminiszenz an den ersten Duke", versichert uns George Broussard. Optisch braucht sich der Duke also definitiv nicht vor aktuellen Projekten zu verstecken, auch wenn die neuen Crytek-Titel »CryMore« und »Crymeariver« natürlich in einer anderen Liga spielen.

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"Bääm, ins Gesicht!"
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Bei den beliebten Sprachsamples des Vorgängers geht man nun übrigens neue Wege. "Die Sprache der Jugend hat sich in den letzten Jahren derart gravierend geändert, dass vieles, was früher cool war, heute einfach nicht mehr akzeptiert wird.", erklärt Broussard. Kult-Zitate wie "Hail to the King, Baby" oder "Die, you son of a bitch" gehören der Vergangenheit an. Jetzt schleudert der Duke seinen Gegner ein freches "OWNED!!11" bzw. "BÄÄM" entgegen, kommentiert humorige Szenen mit "atOmrOfl!!" oder beschwert sich auch mal per "lol, Alta, du b00n!". Nicht sehr wortgewandt, aber effektiv.