Der Duke bekommt alle Babes, ist muskulös und hat die besten Sprüche? Aber ein Sexist? Auf keinen Fall, sagt Robert Rafii, Begründer und Betreiber der Fansite duke4.net. Auch einen Schuldigen für die 14 Jahre Entwicklung für Duke Nukem Forever hat er ausgemacht. Arnold Schwarzenegger ist es nicht.

gamona: Hi Robert! Für unsere unwissenden Leser: Was verbindet dich mit dem Duke?

Robert: Ich bin mit dem Franchise aufgewachsen. Mit 14 Jahren habe ich angefangen, duke4.net zu programmieren. Ich musste einfach etwas machen, was mit ihm zu tun hat.

gamona: Aber Duke Nukem 3D ist von 1996, das heißt...

Robert: ... ich war etwa acht Jahre alt, als ich es das erste Mal gespielt habe, ja. Allerdings gab es eine Option, über die man die Inhalte für Erwachsene abschalten konnte, das war vor allem nackte Haut. Und meine Eltern haben mir nur deshalb erlaubt, es zu spielen. Aber ich muss ehrlich sagen: Vor allem habe ich heimlich gezockt.

Duke Nukem Forever - „Duke Nukem ist kein Sexist“

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Robert Rafii umringt von grellblonden Babes. Bevor er vom Duke eins aufs Maul bekommen hat.
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gamona: Hast du geglaubt, dass Duke Nukem Forever jemals veröffentlicht wird?

Robert: Genau deshalb habe ich die Webseite gestartet. Trotz der ständigen Verschiebungen habe ich gehofft, dass George Broussard endlich wieder zur Besinnung kommt und aufhört, seine Mitarbeiter zu zwingen, bestimmte Elemente im Spiel immer wieder neu anzufangen.

gamona: Das Spiel wurde so häufig verschoben, weil die Angestellten von 3DRealms so viel World of Warcraft gezockt haben. Gerücht oder Wahrheit?

Packshot zu Duke Nukem ForeverDuke Nukem ForeverErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Robert: Das ist eher ein Witz als ein Gerücht. Vielleicht hat George Broussard World of Warcraft gespielt. Ich weiß, dass seine Beschäftigten alle sehr talentiert sind und sehr hart gearbeitet haben. Vielmehr muss man sie loben, weil sie sich so lange mit dem schlechten Management herumgeschlagen haben - was vielleicht der Fehler einer einzelnen Person war. Und das ist George Broussard.

gamona: Ein führender Entwickler sagte bereits vor Jahren, Duke Nukem Forever sei viel zu ambitioniert.

Robert: Ambitioniert, ja, aber nicht zu ambitioniert! Das Entwicklerteam war begabt und motiviert genug für die Umsetzung, denke ich. Schlechtes Management umfasst eine Menge Dinge, und dort sind die Fehler zu suchen. Tatsache ist, dass sie ständig wieder von vorne anfangen mussten. George Broussard als Entwicklungsleiter hat gesagt: Lass uns die Grafik-Engine wechseln. Lass uns spielerische Elemente ändern.

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George Broussard sagte zu oft: "Lass uns die Grafik-Engine wechseln."
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Jedes Jahr kommen neue Spiele, und er wollte diese neuen Dinge in DNF einbauen. Von der Quake- zur Unreal-Engine, dann, als Doom 3 herauskam, wollte er auch Echtzeit-Lichteffekte haben und so weiter. 3DRealms hat die Arche immer wieder neu gebaut. George Broussard hat sich nicht etwa an einen Plan gehalten und zielführend gearbeitet. Nein, er wollte Duke Nukem Forever zu etwas machen, was es nicht ist.

gamona: Jetzt ist das Spiel endlich da. Was hältst du davon?

Robert: Es ist ein gutes Spiel. Es ist nicht fantastisch, es ist aber auch nicht schrecklich. Es verdient Wertungen von "O.k." bis "Gut". Allerdings war das zu erwarten. Als Gearbox DNF von 3DRealms gekauft hatte, wollten sie es nicht noch weiter verschieben. Gemessen am relativ kurzen Zeitraum, in dem sie am Spiel arbeiten konnten, haben die Entwickler einen hervorragenden Job gemacht.

Viele der Teile waren Pre-Alpha, das Spiel war in einem wirklich schlechten Zustand. Auch Triptych Games haben super Arbeit abgeliefert. Ich führe die meisten Schwächen des Spiels auf das Management und die damit verbundenen Verzögerungen zurück.

"Es ist unstrukturiert und zusammengenäht"

gamona: Viele Spieler kritisieren, Duke Nukem Forever sei zu fragmentiert, es spiele sich nicht aus einem Guss.

Robert: Der Autor eines Reviews, das ich gelesen habe, schrieb, das Spiel sei "zusammengenäht". Das passt. Wie ein operierender Arzt, der jemanden wieder zusammensetzen muss. Als 3DRealms seine Pforten geschlossen hat, gab es nur ein Spiel, das noch lange nicht fertig war und ein paar Level umfasste, die nicht miteinander verbunden waren. Im Jahr 2009 wurden interne Unterlagen über die geplante Geschichte, über den geplanten Plot veröffentlicht. Nun ist DNF auf dem Markt, und einige Leute haben sich die Mühe gemacht und die ursprünglichen Pläne mit dem tatsächlichen Ergebnis verglichen.

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Viele Spieler kritisieren, das Spiel sei unstrukturiert und zusammengenäht.
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gamona: Und?

Robert: Sie sagen das Gleiche. Abseits von der Grundidee des Spiels - der Duke muss Frauen vor den Aliens retten - ist nicht viel vorhanden, es ist unstrukturiert und wild zusammengesetzt. Gearbox hat in der kurzen Zeit versucht, den Entwurf der Geschichte so weit wie möglich zu realisieren - aber nicht um den Preis von weiteren zwei oder drei Jahren Entwicklungszeit. Es ging darum, DNF endlich auszuliefern. Und ich halte ihnen zugute, dass man das Spiel von Anfang bis Ende durchspielen kann! Das ist eine monumentale Leistung.

gamona: Was sind für dich die Schlüsselcharakteristika des Duke?

Robert: Duke Nukem 3D hat den Duke zu dem gemacht, was er ist. Nummer 1: der Humor. Er nimmt sich selbst nicht besonders ernst. Es gibt großartige Sprüche, die kein anderes Spiel zu dieser Zeit hatte. Zweitens: die Interaktivität. Billard spielen, Wasser aus zerstörten Toiletten trinken oder Gegenstände in der Umgebung benutzen - das war 1996 ein Durchbruch.

Andere Titel wie Quake waren vor allem "Run & Gun". Duke Nukem 3D gab Spielern andere Möglichkeiten, als nur auf Dinge zu schießen. Und Nummer drei sind die ungewöhnlichen Waffen wie die Schrumpfkanone. Kein Konkurrent auf dem Markt konnte das bieten. Außerdem sind die Gegner einfach explodiert! Es brach Konventionen in Sachen Gewalt und sexueller Inhalte.

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Oft benutztes Gegenargument: "Es ist eben der Duke"...
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gamona: Jeder sprach über die Szene, in denen man den Stripperinnen die Dollarscheine gibt. "Wanna dance?"

Robert: Das war ebenfalls sehr kontrovers. Meine Lieblingsmoment in Duke Nukem 3D sind jedoch Mehrspielerschlachten im "L.A. Rumble"-Level, mit Jetpacks. Ich habe auch Doom oder Quake mit Freunden gespielt, aber diese dritte Dimension der Bewegung, die war einzigartig. Natürlich auch der Endgegner der Einzelspielerkampagne im Stadion.

gamona: Andere Spiele wie Deus Ex oder System Shock haben einen ernsten Hintergrund, haben große spielerische und moralische Tiefe. Sind Duke-Nukem-Spieler altmodische, konservative und chauvinistische Sexisten?

Robert: Das Spiel nimmt sich selbst nicht ernst. Also kann es auch nicht chauvinistisch sein. Duke Nukem ist ein überzeichneter Charakter, er macht sich manchmal sogar über sich selbst lustig. Es ist vielmehr eine Glorifizierung der Weiblichkeit - denn ohne die Frauen wäre der Duke nichts. Sie machen ihn zu dem Mann, der er ist. Mehr noch: Er wäre ohne sie kein Mann. Duke ist kein Sexist. Er denkt nicht, dass Frauen in irgendeiner Weise minderwertig sind.

gamona: Der Duke ist also eine Karikatur.

Robert: Absolut. Am Anfang von DNF gibt er einem kleinen Jungen ein Autogramm. Und der daneben stehende Vater sagt: „Ich dachte, du wärst viel größer!“. Oder am Anfang, als sie sich selbst darüber lustig machen, dass es so lange gedauert hat, Duke Nukem Forever zu veröffentlichen. Der Duke macht sich aber nicht nur über sich selbst lustig, sondern auch über jeglichen „Bad Boy“, über jeden Film mit Arnold Schwarzenegger.

Duke Nukem Forever - Yeah, baby! Der Launch-Trailer17 weitere Videos

Die Figur ist in jeder Hinsicht übertrieben, immer ein bisschen darüber hinaus, was man normalerweise erwarten würde. Er ist muskulöser als die meisten Menschen, hat eine tiefere Stimme als die meisten - und er bekommt mehr Frauen als der durchschnittliche Mann. Das Spiel ist eine Satire.

"Wehe, eine weibliche Brust ist im Bild.."

gamona: Kannst du mir etwas über die Altersstruktur der Spieler sagen?

Robert: Ich kann dir sagen, wer hauptsächlich auf duke4.net kommt - und das ist höchstwahrscheinlich auch sehr nah an der tatsächlichen Spielerstruktur von Duke Nukem Forever dran. Die meisten unserer Besucher sind zwischen 18 und 24 Jahren alt. Danach kommen die 25- bis 34-Jährigen. Und es sind hauptsächlich Männer. Die meisten unserer Nutzer sind aufs College gegangen (Abschlussziel ist meist der Bachelor, Anm. d. Red.) oder haben eine vergleichbare Ausbildung. Fast alle haben keine Kinder und besuchen duke4.net von zu Hause aus. Offenbar spielen viel weniger Minderjährige Duke Nukem als etwa Call of Duty.

gamona: Woran liegt das?

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"Die jüngeren Spieler kommen nicht so einfach an DNF heran".
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Robert: Ich denke, die jüngeren Spieler kommen nicht so leicht an Duke Nukem Forever heran. Das hat mit den sexuellen Inhalten zu tun. In den USA ist es völlig in Ordnung, wenn ich in einem Videospiel jemanden ersteche und das Blut nur so durch die Gegend spritzt. Aber wenn irgendwo eine Brustwarze auftaucht, ist die Hölle los. Das ist lächerlich, es ist sehr konservativ, aber so ist hier die Kultur. Für viele Eltern ist es völlig o.k., wenn ihre Kinder Filme sehen, in denen Menschen sterben. Aber wehe, es ist der Teil einer weiblichen Brust sichtbar.

gamona: Das erhöht aber auch den Reiz, es trotzdem spielen zu wollen.

Robert: Für mich war es bei Duke Nukem 3D definitiv so, als ich jünger war. Etwa der erste Nachtclub im zweiten Level! (lacht)

gamona: Die Werbung für Duke Nukem ist fast überall zu sehen, im normalen Straßenbild, auf Bahnsteigen und so weiter - der Werbeaufwand ist enorm.

Robert: Viele frühere Gamer wissen wahrscheinlich gar nicht, dass das Spiel jetzt wirklich da ist. 2K Games macht einen tollen Job, was die Werbung angeht. Wenn jemand nicht die Berichterstattung über Games verfolgt, würde er es möglicherweise gar nicht mitbekommen. Deshalb wohl auch die riesige Plakat-Kampagne.

gamona: 14 Jahre sind seit der Ankündigung von Duke Nukem Forever vergangen, nun rechnet 2K mit bis zu zwei Millionen verkauften Exemplaren. Der Duke ist offenbar nicht totzukriegen. Was muss passieren, damit der Duke auch eine Zukunft hat?

Robert: Die Zukunft ist zunächst gesichert, weil 3DRealms, also George Broussard, nicht mehr das Franchise kontrolliert. Das ist das Wichtigste und das Beste, was passieren konnte. Meiner Meinung nach ist es allein sein Fehler, dass die Entwicklung von Duke Nukem Forever so lange gedauert hat. Ich kann das nicht belegen, aber das ist meine Sicht der Dinge. Das Zweite ist, dass der Duke ein Zuhause bekommt, wo er verstanden wird.

Gearbox sind eine gute Wahl. Dessen Chef Randy Pitchford hat am Atomic Expansion Pack für Duke Nukem gearbeitet, er weiß also, was wichtig ist. Sobald er die Chance hat, ein eigenes Spiel zu machen, werden Oldschool- sowie neue Gamer zufrieden sein, denn er kennt sich mit neueren Spielen aus. Aber auch damit, wofür der Duke in den 1990er-Jahren stand.

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Kehrt unser Schweine-Alien-Killer in Zukunft zurück? Wahrscheinlich schon...
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gamona: Inwiefern kann sich Duke auch in anderen Genres zu Hause fühlen?

Robert: Bei Duke Nukem Forever ist an manchen Stellen sichtbar, was 3DRealms vorhatte - eine Umgebung, die viel Raum für Entdeckung gibt, ein Spiel, das sich verabschiedet von den üblichen Zwängen eines Shooters, in dem es nur ums Schießen geht. Spiele abseits vom First-Person-Shooter-Genre sind auf jeden Fall möglich, mit Rollenspiel-Elementen, mit Missionen wie in Grand Theft Auto oder ähnliches.

gamona: Glaubst du, dass es einen weiteren Duke-Titel geben wird?

Robert: Ja, denn am Ende der DNF-Kampagne gibt einige Hinweise auf einen Nachfolger. Außerdem: Gearbox hat Millionen für die Rechte bezahlt. Warum sollten sie dann keine weiteren Spiele machen? Solange sie nicht auf den Pfaden von George Broussard wandeln, werden sie es auch nicht versauen. Eines ihrer größten Projekte war die - erfolgreiche - PC-Version von Halo. Sie haben also Erfahrung mit großen Projekten. Und: Es gab kaum Verzögerungen mit Veröffentlichungsterminen.