Technikspecial: Nintendo DS

(von Jörg Pitschmann)

Nahezu zwei Jahre nach dem Release des GBA SP läutet Nintendo die nächste Generation von schnuckeligen Handheld-Konsolen ein. Am 11.03.2005 erscheint mit dem DS das erste von mehreren Taschenspielgeräten, die von

diversen Herstellern für das laufende Jahr angekündigt sind. Wir wollten natürlich wissen, ob das gute Stück den hohen Erwartungen gerecht werden kann, mit denen uns Zockern seit Monaten der Mund wässrig gemacht wurde. Deshalb haben wir uns nur Stunden vor dem offiziellen Verkaufsbeginn bereits

eines der Geräte gesichert und es trotz der Kürze der Zeit durch den harten Gamona-Testparcours gescheucht. Im ersten Teil unseres exklusiven »DS-Specials« zeigen wir Euch, was Nintendos kleiner Superstar technisch unter der Haube hat und wie es sich mit ihm spielen läßt.Dabei interessiert uns nicht nur, wo sich der DS im Vergleich zu seinen direkten Konkurrenten vermutlich positionieren wird, sondern auch, ob sich für Besitzer eines GBA SP die Anschaffung der neuen Konsole lohnt. In Teil Zwei des Specials werden wir Euch dann in den nächsten Tagen die ersten sechs Titel vorstellen, die Nintendo für den DS auf den Markt bringt.

SchminkdöschenSpätestens seit der ursprüngliche Game Boy Advance einem kompletten Redesign unterzogen worden ist und in Gestalt des GBA SP zum zweiten Mal das Licht der Spielerwelt erblickte, hat Nintendo sein Faible für zusammenklappbare Taschenspielgeräte entdeckt. Das macht durchaus Sinn, denn neben

einigen praktischen Vorteilen, wie zum Beispiel einem nur halb so großen Gerät im eingeklappten Zustand, bietet das Faltdesign auch eine äußerst praktische Schutzfunktion für das empfindliche Display. Besitzer des ersten GBA und dessen Vorgängermodellen werden sich mit Grausen an den Anblick völlig zerkratzter Bildschirme erinnern, deren Transparenz irgendwann in Richtung Milchglas tendierte.

Um diesem unerträglichen Zustand ein Ende zu bereiten - und natürlich auch, um die Abverkäufe des GBA ein zweites Mal in schwindelerregende Höhen zu treiben - hatte Nintendo dem SP kurzerhand eine Generalüberholung spendiert. Das Prinzip des zusammenklappbaren Spielkästchens, das fatal an ein Schminkdöschen erinnerte, erfreute sich denn auch einer großen Beliebtheit.Kein Wunder also, daß die Entwickler diesem Umstand Rechnung trugen und auch der jüngste Sproß der Handhelds klappbar ist. Genau wie

DS - Angezockt: die neue Handheld-Spaßbox aus dem Hause Nintendo

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sein Vorgänger präsentiert sich der DS in einem schnuckligen, formschönen Design, das dem Gerät sowohl im aufgeklappten als auch im geschlossenen Zustand einen attraktiven Look verleiht. Doch Äußerlichkeiten seien hier nur am Rande erwähnt; genau wie bei einer schönen Frau sind es natürlich in weit höherem Maße die inneren Werte, die zählen. Oder so ähnlich.

Und diese Werte können sich beim DS durchaus sehen lassen. Zwar ist das Gerät im zusammengeklappten Zustand mit einer Kantenlänge von 15 x 8 cm erheblich größer als sein Vorgänger, dafür liegt es jedoch deutlich besser in der Hand.

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Die Buttons und das analoge Steuerkreuz sind bequem erreichbar und dürften sowohl für kleine Hände als auch für tellerminengroße Pranken kein Problem sein.

Der kleine, smarte Leuchtkeks kommt außerdem mit einem Doppeldisplay daher, das Raum für viele unterschiedliche Spiele und Anwendungen läßt. Der untere Bildschirm dient dabei zumeist als Touchscreen, auf dem entweder über den mitgelieferten Stift Eingaben erfolgen, oder man rubbelt schlicht mit dem Finger auf dem Display herum, um beispielsweise seine Spielfigur zu steuern. Klingt gewöhnungsbedürftig? Das ist es.Wenn man sich allerdings eine Weile mit dieser Art der Steuerung beschäftigt hat, wird man die Vorzüge zu schätzen wissen. Denn der Touchscreen reagiert sehr exakt auf die Bewegungen des Stiftes oder der Finger. Natürlich kann ich aufgrund der Kürze der Zeit, die für meinen Test zur Verfügung stand, noch keine Aussagen über die tatsächliche Robustheit und Zuverlässigkeit des Screens im Dauereinsatz treffen. Während des ersten Spielens hat sich der Minibildschirm allerdings bewährt und zeigte keinerlei Ausfälle.

FingerspieleIm Lieferumfang des Gerätes enthalten ist eine Demoversion des exklusiv für den DS entwickelten Spiels »Metroid Prime Hunters«, das bereits sehr anschaulich das hohe technische Niveau der Winzkonsole zeigt. Genau wie auf dem Gamecube spielt man die gute Samus Aran nämlich aus der Ego-Perspektive, wobei die Richtungssteuerung der Superlady über den unteren Touchscreen erfolgt. Vorwärts, rückwärts und seitwärts bewegt man

die abenteuerlustige Ballermaus dabei mit dem analogen Steuerkreuz. Die Blick- und Ballerrichtung hingegen ändert man entweder, indem man den Stift auf dem Touchpad in die entsprechende Richtung bewegt, oder man erledigt dies mit dem mitgelieferten »Wrist Strap«, einer Schlaufe mit einer kleinen, halbrunden Plastikverstärkung, die man um seinen Daumen wickelt.

Der Sinn des Straps ist ebenso einfach wie plausibel: durch die kleine Plastikverdickung wird die Auflagefläche des Fingers auf dem Touchpad verringert, so daß eine exaktere Steuerung möglich ist. Allerdings sollte man lange Fingerchen haben, sonst führt die Sache schnell zu einigen Verrenkungen. Um z.B. bei »Metroid Prime Hunters« aus dem Lauf heraus eine schmissige Drehung hinzulegen, muß der Daumen einmal über den gesamten Bildschirm kreisen. Und das führt bei Menschen, die mit Langfingern nichts am Hut haben, zu einigen Frustmomenten.Doch neben der Steuerung bietet der untere Screen noch viel mehr. Im Spiel zeigt er beispielsweise die Levelmap an, so daß das Sichtfeld des oberen Bildschirms stets frei bleibt. Verwirrend ist allerdings der Umstand, daß man des öfteren hektische Blickwechsel von einem zum anderen Bildschirm vollziehen muß, um sich zu orientieren.

Dennoch ist das Prinzip des geteilten Bildschirms sinnvoll und eine echte Spielerleichterung. Bei Zwischensequenzen fungieren beide Screens als ein großer Monitor, wobei die Teilung nicht störend ins Gewicht fällt.

ZeichenkünstlerNeben der reinen Spielfunktion soll der DS künftig offenbar auch die soziale Kommunikation der Spieler fördern. Das fest im Gerät installierte Programm »Pictochat« ist nämlich ein reines Chatmodul auf Zeichenbasis. Auf dem unteren Bildschirm werden dabei eine Tastatur und ein Eingabefeld eingeblendet. Genau wie bei PDAs erfolgt die Eingabe entweder über das Berühren der

Buchstaben- und Zeichensymbole, oder man benutzt den Stift als Schreibgerät und kritzelt seine Botschaften frei Hand auf den Screen. Ein kurzer Klick auf den »Send«-Button katapultiert die Nachricht dann auf den oberen Bildschirm und transportiert sie gleichzeitig zu weiteren angeschlossenen DS-Konsolen. Natürlich kann man auch private Botschaften an Teilnehmer seiner Wahl schicken, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Das macht auch Sinn, denn schließlich muß ja nicht die ganze Chat-Community die heißen Versprechungen mitlesen könnte, die einem ein 18-jähriges, leicht bekleidetes Schulmädchen aus Olpe-Süd macht...Doch Scherz beiseite, denn »Pictochat« wird sich, zumindest derzeit, auf dem deutschen Markt sicherlich noch nicht durchsetzen. Dennoch zeigt sich anhand des Programms bereits, daß Nintendo noch viel vorhat mit seinem kleinen Liebling. Neben dem aufrufbaren Chatmodul findet sich auf dem Startbildschirm der Konsole auch

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die Möglichkeit des Spiele-downloads. Dieses Feature wird in Deutschland in absehbarer Zeit nicht genutzt werden, in Japan hingegen kann man an bestimmten Ladestationen neue Spiele und Erweiterungen auf eine spezielle Speicherkarte herunterladen. Ob das Prinzip seinen Weg zu uns finden wird, ist derzeit nach Angaben des Herstellers noch unklar.

Nintendo vollzieht jedenfalls mit dem DS eine Wende weg von der reinen Spielkonsole ohne Zusatzfunktionen hin zu einem - wenn auch eingeschränkten - Multimediagerät. Zwar bietet die kleine Taschen-konsole nach wie vor keine Audio- oder Videofunktionen, doch

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mit dem eingebauten Chatmodul in Kombination mit der WLAN-Fähigkeit bieten sich für die Zukunft noch einige Entwicklungsmöglichkeiten an. So könnte Nintendo, wie oben beschrieben, künftig Software-Updates seiner Spiele oder des Betriebssystems über WLAN-Stationen anbieten. Weitere multimediale Fähigkeiten wie zum Beispiel ein integrierter MP3-Player, der über Speichermodule mit den neuesten Hits versorgt wird, wären denkbar. Man darf also auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

SchachtschiffMit dem DS hat Nintendo nicht nur einen technisch erheblich

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verbesserten Nachfolger des GBA an den Start gebracht, sondern auch komplett neue Spielmodule entwickelt. Besitzer des Vorgängers brauchen ihre heißgeliebten GBA-Games allerdings nicht in die Ecke zu werfen, denn der DS bietet zusätzlich zum Einschub für die neuen Spielkarten einen Schacht für GBA-Module. Das ist schön.

Auf diese Weise können Umsteiger problemlos ihre alten GBA-Titel zocken, ohne dafür den Vorgänger zwingend weiter zu besitzen. Aber der Port liegt konstruktionsbedingt frei und ungeschützt an der vorderen Schmalseite der Konsole. Das ist nicht schön. Anders als beim GBA, dessen Funktionieren ja von einemeingelegten Spielmodul abhing, kann der DS natürlich ohne ein solches Teil benutzt werden, da die neuen Spiele das andere Speichermedium nutzen. Wer also nicht gerade ältere GBA-Spiele besitzt, wird den Port ungenützt lassen.

Und das bedeutet, daß der Schacht, der beim Vorgänger durch das eingelegte Modul verdeckt war, offen bleibt - ein nicht zu unterschätzender Schwachpunkt in Bezug auf eine mögliche Störanfälligkeit durch Schmutz und Staub. Hier wäre es fraglos besser gewesen, wenn Nintendos Ingenieure ein paar Sonderschichten eingelegt hätten, um eine Abdeckung des leeren Schachts zu integrieren.Und da ich schon beim Meckern bin: die neuen Speicherkarten für den DS sind zwar erheblich kleiner als die GBA-Pendants, aber dafür liegen die Kontakte frei. Das ist schlimm. Denn wer die Module ungeschützt - zum Beispiel bei der kurzsichtigen Oma auf dem Kaffeetisch - herumliegen läßt, könnte eine sehr unangenehme Überraschung erleben. Zumindest weitaus unangenehmer, als wenn die Spielmodule rundum verbaut wären, wie es beim GBA der Fall war. Auch dies ist somit ein echter Schwachpunkt, der in Zukunft für heftiges Wehklagen bei hüfthohen Jungzockern und einigen Verdruß bei deren genervten Eltern sorgen kann. Warum Nintendo von der praktischen Rundumschutz-Bauweise der älteren Module abgerückt ist, bleibt ein Rätsel.

BrüllzwergEin Punkt ewiger Schrecknis war bislang die akustische Qualität der Handheld-Konsolen. Hier konnte erstmals Nokia mit seinem N-Gage punkten, das - zumindest über Ohrhörer - akzeptable Sounds und Musik bieten kann.

Dass Nintendo auch hier dazugelernt hat, beweist der DS anschaulich, denn die bislang angezockten Spiele verfügen über eine respektable Soundqualität und beachtliche Stereo-Effekte - auch ohne angeschlossenen Kopfhörer. Geräusche und Musik kommen klar aus den Minilautsprechern, selbst bei den Nintendo-typischen Dudelsounds klingt der DS nicht übermäßig quäkig. Bleibt allerdings abzuwarten, ob Mitreisende in Zügen oder Flugzeugen genauso freudig auf die Soundkulisse reagieren werden wie die Zockergemeinde.Was die Dauer der akustischen Berieselung betrifft, sollten genervte Passagiere jedenfalls nicht darauf spekulieren, daß dem DS schnell die Puste ausgeht.

Die Laufzeit der Akkus soll nämlich laut Herstellerangaben je nach Auslastung zwischen sechs und zehn Stunden liegen. Ob dieser Wert der Realität entspricht, konnten wir allerdings noch nicht zuverlässig überprüfen.Bisherige Erfahrungen lassen jedoch darauf schließen, daß die angegebene Leistung zumindest anfangs auch erreicht wird. Sollte die Energiezelle schlappmachen, braucht jedoch keine Trauer aufzukommen. Zwar arbeitet der DS mit einem proprietären Akku, doch ist dieser bequem über eine zugeschraubte Klappe auf der Unterseite des Gerätes zu entnehmen und auszutauschen. Es bleibt allerdings abzuwarten, mit wievielen Euronen eine spielspaßverlängernde Ersatzbatterie zu Buche schlagen wird.Ein besonderes Gimmick stellt auch das integrierte Mikrofon dar, das in Spielen genutzt werden kann. Ich wage nicht, mir vorzustellen, wie die schon erwähnten geplagten Mitreisenden wohl reagieren werden, wenn man künftig seine Spielfiguren auf dem DS auch über Sprachkommandos steuern kann. Je nach vorhandener Umgebungslautstärke könnte dies nämlich zu einigen heiteren Brüllszenen führen - sowohl auf Seiten des Spielers, als auch auf

Seiten aller anderen...Die Ausstattung des Gerätes präsentiert sich übrigens recht spartanisch. Neben der schon erwähnten Demo von »Metroid Prime Hunters« befinden sich lediglich noch ein Ladekabel und der beschriebene »Wrist Strap« in der Verpackung. Eine Schutzhülle für das Gerät oder einen Kopfhörer sucht man hingegen vergeblich.

Dafür ist der empfohlene Verkaufspreis von 149,00 Euro einigermaßen fair angesetzt. Und die Gemeinde der Dritthersteller freut sich über die glänzende Gelegenheit, das neue Baby von Nintendo mit einem üppigen Angebot von sinnvollen und -freien Artikeln zu versorgen.

Handgemenge - ein FazitDie Frage, ob sich die Anschaffung des Nintendo DS für Besitzer des Vorgängers lohnt, kann natürlich nur jeder Zocker für sich selbst beantworten. Ich meine aber, daß der DS genug neue Features bietet, um seinErscheinen auf dem nächsten Wunschzettel zu rechtfertigen.Da die bisherigen GBA-Module ohne Einschränkungen unterstützt werden, können die schon angeschafften Spiele weiter gezockt werden. Deren technische Qualität wird durch die neue Zwergkonsole freilich nicht verbessert. Wer allerdings bislang noch keinen GBA besaß und sich mit dem Gedanken einer Anschaffung trägt, der sollte besser gleich zum DS greifen, um technisch auf dem Stand der Dinge zu sein. Da in Zukunft mehr und mehr Spiele für die neue Handheldgeneration entwickelt werden, erscheint auch ein Preisverfall bei GBA-Titeln nicht ausgeschlossen, so daß man auch als DS-Besitzer hier auf Schnäppchenjagd gehen kann. Spätestens, wenn die für dieses Frühjahr angekündigten weiterenKonsolen - Sonys PSP steht in den Startlöchern, und dann ist da noch die geheimnisvolle Gizmondo - erscheinen, wird sich der DS

dem direkten Konkurrenzkampf stellen müssen. Daß er sich dabei in keiner Weise zu verstecken braucht, hat er bereits im Test unter Beweis gestellt. Außerdem vertreten die Next-Generation-Handhelds, analog zu ihren »großen« Brüdern, völlig verschiedene Philosophien.

Während Nintendo sowohl beim Gamecube als auch bei der neuen Taschenkonsole ein Höchstmaß von Familienkompatibilität anstrebt und auf das Prinzip des geteilten Monitors setzt, erfreut uns Sony mit einer leistungsstarken Multimediakonsole, deren Grafik und Sound fast schon an die PS2 heranreichen. Und welche Features und Leistungen die Gizmondo bringt, ist derzeit noch völlig unklar. Insofern kann über ihre Verortung noch keine Aussage getroffen werden. Doch was auch immer die Zukunft bringen wird - gamona hält Euch auf dem Laufenden!