Vier Batterien. Vier verdammte Batterien für pixelige Steine in der gleichen Anzahl Graustufen, drehbar und vom Himmel fallend. Tetris war auf dem Gameboy nicht besonders schön anzusehen, aber es machte süchtig. Vor 25 Jahren kam der graue Handheld in Japan auf den Markt, um von dort einen Siegeszug um den gesamten Globus zu starten.

Mit jedem neuen Gameboy wurde ein Exemplar des russischen Klassikers ausgeliefert, der dadurch zum meist verkauften Videospiel aller Zeiten wurde. Insgesamt ging die portable Spielkonsole über 100 Millionen Mal über die Ladentheke. Im ersten Jahr erschienen 16 Spiele für den Gameboy. Eins davon war Super Mario Land, neben Pokémon einer der größten Hits für den kleinen grauen Kasten im Hochformat.

Gameboy - 25 Jahre Gameboy - ein Rückblick

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Die Legende: Der Nintendo Gameboy veränderte die Spielewelt für immer.
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Bereits seit 1969 arbeitete der Japaner Gunpei Yokoi in Nintendos Abteilung „Spiele“. In den 1980er Jahren brachte die Firma, die zuvor unter anderen auch Spielkarten mit Disney-Motiven unters Volk gebracht hatte, die „Game & Watch“-Serie auf den Markt: Portable Videospiele auf Monochrom-LC-Displays. Der Gameboy war der inoffizielle Nachfolger dieser Reihe – und Yokois Meisterstück. Zudem war er einer der ersten, der mit austauschbaren Cartridges funktionierte.

Der Erfolg des Handhelds kam nicht von ungefähr: Eltern und vor allem Kinder wurden zum Weihnachtsgeschäft 1990 durch eine riesige TV-Werbekampagne davon überzeugt, dass sie unbedingt eines der Exemplare unter den Tannenbaum legen mussten, um das frohe Fest nicht zu versauen.

Gameboy-Besitzer waren privilegiert

Der Gameboy war plötzlich Teil des Stadtbilds. Auf Jugendfahrten, dem Schulhof, in öffentlichen Verkehrsmitteln - überall tauchte der Nintendo-Handheld auf, teilweise mit einer Traube von Kindern, die sich um ein einzelnes Gerät rissen. Wurde das Gerät dann wirklich weitergereicht, war es ein Privileg für den Empfänger. Mit einem Gameboy-Besitzer sollte man sich gut stellen, sonst gab es keinen Mario, keine lebenden Pilze, keine geheimen Tunnel und keine Goldstücke. Auch wenn Nintendos Handheld mit 149 DM inklusive Tetris relativ günstig war - für ein Kind war es eine horrende Summe.

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Der Gameboy machte Tetris endgültig zum Megahit. Der Titelsong gelangte gar in die Musikcharts.
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Als jüngerer Bruder des Nintendo Entertainment Systems (NES) übernahm der kleine Japaner die Marktführerschaft – trotz des Preises, des schwarz-weißen Displays, des 8-Bit-Prozessors und Monosounds. Was die Stromversorgung betrifft, hatte der Gameboy eher die Eigenschaften eines Analoggeräts. Ging den Batterien der Saft aus, verschwand nicht etwa das Bild auf einen Schlag, sondern wurde schwächer, unschärfer, schlierig. Dann musste mit dem Kontrast-Rädchen nachjustiert werden. Der größte Stromfresser war der Sound, weshalb die meisten die ohnehin nicht besonders virtuosen Klänge auf ein Minimum oder komplett herunter drehten.

War das Geld in der Familie zu knapp, um einen Gameboy oder eine Spielkonsole zu kaufen, ging man einfach in die großen Kaufhäuser, wo auf Testsystemen gezockt werden konnte. In der Zeit der großen Werbekampagnen bildeten sich ab dem späten Mittag regelmäßig Schlangen vor den Geräten – auch dem Gameboy.

Dort wurden Spiele gegeneinander gespielt – ähnlich wie beim Billard-Fordertisch galt die Regel: Wer gewinnt, bleibt. Gut Leistung wurde also mit mehr Spielzeit belohnt. Für den Autor dieses Textes mit teilweise fatalen Folgen. Viel Zeit für Videospiele hieß keine für Hausaufgaben oder sonstige Aktivitäten. Erst als ein altes NES im Kinderzimmer stand, wurde nachmittags wieder der Weg nach Hause angetreten und nicht ins Kaufhaus.

Sega, der ewige Zweite

Nach der Einführung von Gameboy versuchte der damalige Dauerkonkurrent Sega, die Marktmacht Nintendos zu brechen. Der Gamegear-Handheld hatte ein beleuchtetes Farbdisplay und einen besseren Sound. Er kam jedoch erst ein Jahr nach dem Gameboy in die Läden und hatte massive Probleme, sich durchzusetzen. Die Probleme des Sega-Systems waren der Preis, der enorme Stromverbrauch und die geringe Auswahl an Spielen.

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Konkurrenz von Sega: Der Gamegear konnte nicht an den Erfolg des Gameboy heran reichen.
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Der Gamegear kostete mit etwa 300 DM doppelt so viel wie der graue Nintendo-Handheld. Ein fast unschlagbares Argument für Eltern. Die sechs benötigten Batterien, die nach circa vier Stunden den Spagat machten, waren ebenfalls nicht förderlich für den Verkauf.

Verglichen Interessierte zusätzlich das Spieleangebot, war die Entscheidung schnell zugunsten des Gameboy gefallen. Die meisten Studios entwickelten ohnehin bereits für den unangefochtenen Marktführer und sahen kaum Gründe, ihre Titel auf das Sega-System zu portieren.

Auch die Maße waren ein Punkt, den Nintendo für sich verbuchen konnte. Gameboy-Entwickler Gunpei Yokoi entschied sich bei seinen Entwürfen für den „Goldenen Schnitt“, ein Seitenverhältnis, das unter Designern als besonders ästhetisch gilt. Segas Gamegear wirkte dagegen klotzig und unhandlich – was für einen Handheld kein Qualitätsmerkmal ist. Trotz aller negativer Argumente wurde der Gamegear etwa 11 Millionen Mal verkauft, kam gegen den Gameboy aber nicht an.

Der Handheld als verkörperter Zeitgeist

Im Rückblick ist es nicht verwunderlich, dass die Handhelds zehn Jahre vor der Jahrtausendwende ihren ersten großen Boom erlebten. Europa erlebte die Öffnung der innerdeutschen Grenze, und nur ein Jahr später die Wiedervereinigung. In der Folge brach der Warschauer Pakt zusammen, die politische Spaltung von Ost und West löste sich in Demokratisierungsprozessen auf.

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Heute wie damals ein Muss: Super Mario Land.
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Es schien nicht mehr utopisch, vom westlichen Zipfel Europas zum östlichsten Russlands zu reisen. Damit einher ging die endgültige Auflösung des Kalter-Krieg-Szenarios zwischen Russland und den USA. Die Möglichkeit, sich frei auf der Erde zu bewegen war allgegenwärtig; in den Medien, in den Köpfen.

Der Gameboy versprach mobilen Spaß, jederzeit, egal wo. Der Zeitgeist des globalen Aufbruchs als kleiner, grauer, piepsender Kasten, der in die Jacken- oder Hosentasche passte. Paradox, dass der Gameboy in China gefertigt wurde – neben Nordkorea der einzige Staat, dessen kommunistische Regierung dem Dominoeffekt stürzender Regime widerstehen konnte. Der Gameboy war einfach zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt gekommen.

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Zeitgleich mit dem Gameboy erschien der technisch sehr viel bessere "Hundeknochen" Atari Lynx.
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Immer wieder versuchten andere Firmen, die Gunst der Spieler zu erlangen. Der ebenfalls 1989 veröffentlichte Lynx von Atari, der ein Jahr später auf den Markt gebrachte Turbo Express von NEC oder der Sega Nomad (1995) – sie alle scheiterten an der Vormachtstellung Nintendos und des Gameboy.

Auf den Gameboy Color, der trotz seiner zum Sega Nomad vergleichsweise späten Veröffentlichung 1998 der erste Nintendo-Handheld mit Farbdisplay war, folgte nur drei Jahre später der Gameboy Advance.

Der Gameboy hat Handhelds mit Cartridges zu einem Massenprodukt gemacht. Nach derzeit fast 120 Millionen verkauften Geräten, etwa 33 Millionen abgesetzten Tetris-Exemplaren und Zubehör – von der Lupe über die Bildschirmlampe bis zur kompletten Reisetasche für den Transport aller erworbenen Zusatzutensilien – ist der Gameboy wohl am Ende seiner Entwicklung angelangt.

Der Trend wendet sich zum Breitformat, sogar der vermutlich letzte Vertreter der geschichtsträchtigen Reihe, der Gameboy Advance, kommt in der Form eines Konsolen-Controllers mit zentriertem Bildschirm daher. Übrigens ist er abwärtskompatibel: Alle alten Gameboy- und Gameboy-Color-Titel können gespielt werden. Wer also noch alte Cartridges herumliegen hat, sollte sein Ladegerät und die zugehörigen Akkus herauskramen. Vier davon.

Dieser Artikel erschien ursprünglich zum 20-jährigen Gameboy-Jubiläum, wurde aufgrund des aktuellen Anlasses jedoch leicht überarbeitet.